Wisst ihr noch? Stadionneubau Tivoli – erste Pfählungsarbeiten

 
 
Rückblende 10 Jahre neuer Tivoli – Juni und Juli 2008

 

Nach dem Spatenstich wurden zwei Wochen später nochmal die Kameras gezückt im Sportpark Soers. Die ersten Erdaushebungen waren erfolgt, und zwar genau dort wo später das neue Parkhaus des Tivoli Stadion entstehen wird. Die Gesamtfläche des Sportpark Soers wurde weiterhin begradigt, der Höhenunterschied von vier Meter wird weiter auf der gesamten Fläche kompensiert. Im Süden wurde ausgebaggert, um den Aushub direkt wieder im Nordteil zu verbuddeln. Ein Blick vom Reitstadion aus zeigte das von der Gartenkolonie Groß-Tivoli noch einige Lauben standen, aber es war nur noch eine Frage der Zeit wann auch diese dem Bagger zum Opfer fallen würden.

 

 

Ende Juni fand nebenan das jährliche CHIO des ALRV statt. Es wurde verabredet das es auf der Tivoli Baustelle in dieser Zeit zu keinen größeren Arbeiten kommen würde, da man die Pferde nicht unnötig erschrecken will durch Arbeiten mit schweren Geräten. In diesem Zusammenhang erfuhren wir damals auch das die ersten Betonpfeiler und Tribünenteile schon bereitliegen. Im November, so sah es der Zeitplan vor, sollte dann schon mit der Dachkonstruktion begonnen werden. Aber zunächst musste das Areal weiter vorbereitet werden. Da der Soerser Boden sehr feucht und sumpflastig war musste eine ganze Menge Kalk in den Boden eingebracht werden. Vom Zeitplan her gesehen war man zu diesem Zeitpunkt fast im Soll, außer im Bereich das hinter dem Parkhaus liegen wird gab es einen Verzug von drei Wochen. Begründet wurde es damit das die Kleingärtner nicht pünktlich ihre Gärten verlassen hätten.
 
Bevor der CHIO 2008 nebenan startete wurde noch mal kräftig auf der Baustelle gewerkelt. Die drei letzten Gebäude auf dem ehemaligen PTSV Gelände wurden nun abgerissen und der Schutt fein säuberlich getrennt. In den Bereichen wo bereits der Kalk eingebracht wurde ragten kleinere Rohre aus der Erde. Diese waren Markierungen des Kampfmittelräumdienst, der den Boden im gesamten Areal nach Blindgängern oder sonstigen Kriegsrückständen untersuchte. Durch das Rohr wurde eine kleine Sonde eingelassen die den Untergrund des Sportparks Soers sichtbar machten. Die Daten wurden direkt ausgewertet und nach Berlin gesendet um dort noch einmal bestätigt zu werden. Wenn es auch Berlin grünes Licht gab, konnte hier die Pfählungsmaschine ihre Arbeit gefahrlos verrichten, die kurz vor dem Start des CHIO auf der Baustelle ankam.
 

 
In diesem Zeitraum machten wir damals auch einen Ausflug zur neuen Dauergartenanlage Groß-Tivoli, die oben im Ortsteil Berensberg angesiedelt wurde nachdem man aufgrund des neuen Tivoli umziehen musste. Der erste Eindruck war nicht schlecht, nicht nur die traumhafte Aussicht beeindruckte sondern auch das nahezu alle Gärten fertiggestellt waren. Kleinere Restarbeiten wurden noch verrichtet, und das neue Vereinsheim war auch schon fast fertiggestellt. Einige haben sich schon sehr gut eingelebt in ihrer neuen Heimat, andere tun sich damit immer noch schwer. So berichtete eine Kleingärtnerin wehmütig das man eben die sehr lange Zeit in der Soers nicht einfach so abtun kann. Es hing noch sehr viel Wehmut und Erinnerungen an dem alten Standort, und am Ende flossen auch einige Tränen. Ein Stück Lebensqualität wurde aufgegeben, und der neue Garten sei noch nicht die “Heimat” geworden. Wie auch in dem kurzen Zeitraum. Auch wenn die Besitzer der Gärten im Roland und Groß-Tivoli bereits im Jahr 2005 die Kündigung erhalten hatten, war dann 2008 doch der unausweichliche Tag gekommen wo man das Domizil verlassen musste. Dann ging es aber so schnell das schon die Bagger im Rücken standen und man schnellen Fusses seine Habseligkeiten zusammentragen musste um diese zum neuen Standort Berensberg zu überführen. Später hatte auch die Alemannia selbst eingeräumt das man hier und dort sicherlich etwas zu forsch zu Werke gegangen ist. Letztendlich wurden alle sicher umgesiedelt und nun ging es darum einen Neuanfang zu starten. Wenn man die neue Anlage des Groß-Tivoli sieht kann man als Außenstehender abschließend sagen das dies sehr gelungen ist. Obgleich der neue Platz nur den ehemaligen Besitzern zugesprochen wurde gibt es schon Interessenten die auch gerne ein Plätzchen haben wollen. Man sagt die Zeit heilt alle Wunden, und als uns einige Gärten gezeigt wurden konnte man dennoch ein kleines bisschen Stolz in den Gesichtern erkennen.
 

 
An der Krefelder-Straße wurde nun eine große Werbetafel hingesetzt, die eindeutig von weit her zeigte was hier auf diesem Gelände passieren würde – Tivoli ist, Tivoli wird. Standen bislang nur kleine Bagger und Raupenfahrzeuge auf der Baustelle, kam nun die große Pfählungsmaschine an. Kaum angekommen nahm er bereits einen Betonpfeiler im Schlepptau auf und positionierte sich. Mit einem lauten Tackern wurde der erste Betonpfahl in den Soerser Boden gerammt. Neun weitere sollten noch folgen ehe die Arbeiten bedingt durch das beginnende CHIO 2008 ruhten. Insgesamt wurden 1800 Betonpfähle gesetzt, aufgeteilt für den neuen Tivoli und das Parkhaus. Der Unterschied der Tiefe von der Nord- und Südhälfte war enorm. So musste der Betonpfahl ganze 14m tief gesetzt werden ehe er auf festen Boden traf. Auf der anderen Seite waren es gerade mal 8m. Die Differenz von 4m Höhenunterschied zu allen Seiten hin wurde dann mit Kies und Erde aufgefüllt. Die Baustraßen waren fertig eingerichtet, der Bauzaun eingekleidet damit  ein kleiner Sichtschutz entsteht. Der Rest des noch öffentlichen Geländes wurde zum Parkplatz umfunktioniert damit die Reitsportfreunde in der Nähe parken konnten. Was einige später aber garantiert bereut haben werden. Am Ende des Tages gab es dann positive Nachrichten, die Baugenehmigung wurde nun komplett erteilt so das nach dem CHIO 2008 es nun richtig losgehen konnte.

 


 
Bevor es aber richtig los ging stand der Alemannia und Hellmich erstmal großer Ärger ins Haus. Parallel zum CHIO 2008 wurde auf dem Areal weiter Kalk in den Boden eingebracht, und das an mehreren Stellen gleichzeitig. Unglücklicherweise war an jenem Samstag starker Wind, so das der Kalk beim ausbringen nicht nur auf den Boden sondern auch auf die geparkten Autos der CHIO Besucher verteilte. Wie gut das wir damals unsere Fahrzeuge im oberen Teil geparkt hatten und verschont blieben. Für die Besucher allerdings war dies nach ihrer Rückkehr ein großes Ärgernis. Die Alemannia verteilte zwar sofort Gutscheine für eine Autowaschanlage und entschuldigte sich für den Umstand. Was man allerdings bis dato nicht wusste war das man mit dieser Waschaktion das Ganze schlimmer machte. Denn Kalk in Verbindung mit Wasser ist löst eine chemische Reaktion aus in schwach ätzender Form, und greift nicht nur den Lack sondern auch die Gummidichtungen an. Zudem wird auch in dieser Kombination Wärme freigesetzt was noch unterstützend wirkte. Im Nachgang musste die Alemannia auch für diese Schäden aufkommen, die in einigen tausend Euro ging. Die Kalkarbeiten wurden dann erst einmal ausgesetzt.
 

Da gibt es keine Diskussion, natürlich kommen wir oder Hellmich für die Schäden auf.

Stadion Projektleiter Stephan van der Kooi

 
Nach dem Ende des CHIO 2008 sollte es wieder weitergehen. Die Pfählungsmaschine war nun von Morgens an in Betrieb, ab 6:30 Uhr wurde die unmittelbare Nachbarschaft durch das “TackTackTack” geweckt. Es war sogar bis Haaren zu hören. Der Bauzaun wurde nun nach außen hin verschoben um weiter Platz zu schaffen. Der Nordost-Bereich wurde auf über 2,5m aufgeschüttet, planiert und versiegelt. Unterschiedlich in der Höhe ragen die Betonpfeiler raus, einige sind gar ganz im Erdreich verschwunden. Von 11m bis 14m liegen die Betonpfeiler bereit. Mittels Lasermessung werden die Pfeiler tief in den Boden gerammt bis sie nicht mehr zu sehen sind. Der Kampfmittelräumdienst ist nun auf der anderen Seite unterwegs und schaut nach ob sich tief im Boden noch Munition oder andere Altlasten im Boden befinden. Am Ende sollte es keinerlei Auffälligkeiten gegeben haben.

 


 
Das Alemannia Jugendzentrum sollte eigentlich Anfang Juli abgerissen werden, stand aber immer noch, auch wenn die Zufahrt geändert wurde in der Zwischenzeit. Der erste Beton floss dann auch auf der Baustelle, und zwar da wo die ersten vier Betonpfähle noch aus dem Boden herausragten. Mittels Beton wurden diese vier Pfeiler verbunden zu einem Fundament. Schaut man sich diese Aushebungen von einer etwas höheren Stelle an, so kann man erkennen wo die Nordwest Tribüne demnächst stehen wird. Man sah nun viele Ingenieure mit Plänen und Messlatten rumlaufen, vorwiegend an den neu eingesetzten Betonpfähle. Die Erdaufschüttungen sind auf dem Ostteil weiter voran geschritten und das ganze Areal ergibt nun langsam eine gerade Ebene. Bis Ende Juli wurden etwa 70 Betonpfeiler gesetzt. Die nächsten Pfählungen werden nach Fertigstellung der Nordwestseite auf die Südwestseite weitergehen. Im Süden des Areals, in der Nähe vom Alemannia Jugendzentrum, wurde ein kleiner Containerkomplex errichtet, in dem die Alemannia Jugend künftig ihre neue Heimat hat.

 


 
Zurück zum Thema Kalk. Nachdem einige Autos der CHIO 2008 Besucher verschmutzt und beschädigt wurden durch den umherfliegenden Kalk, traf es nun auch die Autos der Besucher am Bekleidungsgeschäft Adler direkt gegenüber der Baustelle. Auch hier musste die Alemannia/Hellmich die Fahrzeugbesitzer entschädigen. Als Reaktion auf die ”Kalk-Wolken” wurde dann grobkörniger Kalk verwendet der nicht so stauben sollte. Und wenn es viel Wind gab an einem Tag sollte das kalken ganz unterlassen werden. Eine Überprüfung durch die Bezirksregierung Köln auf der Baustelle zum Thema Kalk ergab übrigens keine gesundheitliche Beanstandung. Staub ist ja im allgemeinen ein kleines Ärgernis, gerade bei den Erdarbeiten wo die Erde vom Westteil zum Ostteil des Geländes gekarrt wird staubt es enorm auf dem Gelände. Aus diesem Grund wurden später vorsorglich die Baustraßen auf dem Areal bewässert damit der Staub gebunden wird und nicht mehr umherfliegt.
 
 
 

 

 

 

Hier geht es zum dritten Eintrag des Tivoli Stadionneubau mit dem Spatenstich:
 
 
 

Wisst ihr noch? Stadionneubau Tivoli – Spatenstich

 
 
 
 

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