Wisst ihr noch? Stadionneubau Tivoli – das Dach wird montiert


 
 
Rückblende 10 Jahre neuer Tivoli – Januar 2009
 
Der Januar hatte es wahrlich in sich im Jahre 2009. Nicht nur der Wintereinbruch hatte die Baustelle fest im Griff, ein Feuer im Restaurant Zweistromland schuf Fakten und das Stadion bekam sein Dach.
 
Der strenge Winter mit Eis, Schnee und Frost forderte im Januar 2009 ihren Tribut auf der Tivoli Baustelle. Bei eisigen Temperaturen um die -12 Grad plus Schnee machen weitere Arbeiten unmöglich. Die Tribünen waren damals teils bis zu 15cm eingeschneit. So konnten nur im Innenbereich und unter den Tribünen gearbeitet werden. Zu diesem Zeitpunkt kamen auch die ersten Stahlbauarbeiter zur Tivoli-Baustelle, denn die ersten Vorbereitungen zur Dachkonstruktion wurde getroffen. Der Zeitplan war laut Alemannia Pressesprecher Korr nicht in Gefahr durch den Winter, denn bis zum Jahresende 2008 wurde der Zeitplan eingehalten. Durch die widrigen Winterverhältnisse fielen auch die Baustellen Touren bis weiteres aus, natürlich nur die offiziellen ;-). Deshalb gab es auch ein paar “Winterimpressionen” von der Tivoli-Baustelle.
 
Mitte Januar setzte dann das Tauwetter ein, und die Arbeiten konnten mit kleineren Verzögerungen weitgehend wieder aufgenommen werden. Sichtbar wurde dies mit dem Anbringen des ersten Dachelements auf der Nordtribüne die dann stetig weiter wuchs in Richtung Osttribüne. Von weitem war nun das schwarz gelbe “Skelett” der Dachkonstruktion zu bewundern.
 
Ein paar interessante Details zur Dachkonstruktion:

Jeder der 40 Meter langen Dachträger liegt auf einem einzigen Auflagepunkt in 20 Metern Höhe. Zum Spielfeld hin ragt das Dach 32 Meter über bis zur ersten Zuschauerreihe.
Nach hinten steht das Dach 8 Meter über. Dort werden die Träger von Stahlseilen mit Zugfundamenten verbunden, die 12 bis 14 Meter tief im Boden verankert sind. So wird das Dach in der Waage gehalten. Und damit das auch bei einem Erdbeben der Fall ist, sind die gelb lackierten Stahlbetondruckrohre, die die schwarzen Dachträger verbinden, mit einer Betonnase als Gegengewicht ausgestattet. Eine Betonnase hat ein Gewicht von etwa 7,5 Tonnen pro Trägerfeld. Im gesamten Stadion schweben somit rund 380 Tonnen Beton über den Zuschauern in der ersten Reihe. Diese Konstruktion macht das Dach träger und damit weniger anfällig für Schwingungen. Die rund 50 Dachträger, die insgesamt aus 2000 Tonnen Stahl bestehen, werden bis Mitte April 2009 montiert sein. Anschließend werden gelbe Trapezbleche an der Unterseite der Konstruktion befestigt, sodass bis Mitte Mai 2009 sämtliche Sitzreihen überdacht sein werden.

 
Auf und in der Westtribüne gingen die Arbeiten auch weiter, aber an Fortschritt sah man nun nicht mehr so viel. Die Vorderseite der Westtribüne zeigen nun die ”Schubladen” für die VIPs. Im Innenbereich unterhalb der Tribüne sieht man die großzügige Eingangshalle, durch denen die Spieler später einmal das Stadion betreten werden. Aber so groß bemessen wie es damals aussah blieb es ja nicht. Mit Beton- und Rigipswänden, die noch eingezogen werden, werden die drei Hallen unterteilt werden. Links und Rechts im Haupteingangsbereich werden die Spielerkabinen entstehen, einmal für die Gäste und einmal natürlich für die Alemannia Kicker. Die Empore, dort wo eine Treppe vom Eingangsbereich hinausführt, dient später als Materiallager. Dort werden die Getränke, Würstchen, Becher und was man sonst noch so alles braucht gelagert. Ganz rechts in der Westtribüne wird die Polizei ihre neue Heimat finden. Neben den Räumlichkeiten wo die ganze Technik untergebracht wird, entsteht im Flur gegenüber die Zellen und ein Verhörraum. Das sieht alles nicht sehr groß aus und ist auch wahrscheinlich nicht empfehlenswert diese mal zwangsweise Besuchen zu müssen.
 

 
Am Rande einer Baustellen Tour kursierte die Information das die Alemannia zum Eröffnungsspiel im neuen Stadion ein Leckerbissen plante. Damit beim ersten Spiel gleich das Stadion mit 32.900 Zuschauern ausverkauft ist, plant man ein Spiel gegen einen internationalen traditionsreichen Verein. Es wurde viel spekuliert ob es ein britischer Verein sein würde (Manchester United, FC Liverpool) oder ein spanischer (Real Madrid, FC Barcelona) oder ein italienischer Verein (AC Mailand, Juventus Turin) oder doch ein niederländischer (Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven)? Leider wurde es am Ende überhaupt nichts mit einem offiziellen Eröffnungsspiel. Nicht mal das haben die damaligen Entscheidungsträger hinbekommen!
 
Neben der Baustelle rückte am 19. Januar 2009 das Restaurant Zweistromland im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Denn es fiel nachts den Flammen zum Opfer und brannte vollständig aus. Jenes Restaurant das direkt neben dem neuen Tivoli lag, und auf deren Gelände einmal ein Hotel plus Reha-Zentrum entstehen sollte. Das alles wollte man ein Jahr vorher in trockenen Tüchern wickeln. Doch das Gelände, das der Stadt Aachen gehört, wurde beharrlich vom Besitzer des Zweistromlandes verteidigt. Als Pächter pochte er auf seinen bis 2014 gültigen Vertrag plus Option. Warum sollte sein Restaurant weichen für das Areal des neuen Tivoli? So war die Alemannia damals gezwungen um das Gelände drumherum zu bauen. Quasi das kleine Gallische Dorf das sich gegen den scheinbar mächtigen Gegner Alemannia und sein neues Stadion stemmte. So musste man vorerst die Pläne für das neue Hotel und Rhea-Zentrum, das hinter der Südosttribüne zum neuen Tivoli entstehen sollte, erstmal wieder in der Schublade verschwinden lassen.
 

 
Doch was war die Ursache des Brandes? War es ein technischer Defekt im Restaurant? War es Brandstiftung? Die Kriminalpolizei ermittelte. Hinter vorgehaltener Hand zählten manche nur eins und eins zusammen, denn mit dem ausgebrannten Restaurant waren viele Probleme auf einmal ganz schnell beseitigt. Ein Schelm der böses dabei denkt! Der Verlierer war nun der Pächter. Finanziell lag der Schaden in Millionenhöhe, und es war fraglich ob es noch einmal neugebaut wurde. Denn im dicken Vertragswerk der Stadt konnte man nachlesen das ein Wiederaufbau an gleicher Stelle ausgeschlossen war. Die Fläche musste dann frei bleiben. Nach vier Tagen stand aber seitens der Polizei fest – es war Brandstiftung. Am Ende wurden die Ermittlungen eingestellt, es konnte kein Täter ermittelt werden. Die Fläche blieb brach liegen, ein Rehazentrum und Hotel wurde auch nicht mehr gebaut. Heute steht dort der Trianel Komplex mit einem kleinen grünen Park auf dem vormals das Zweistromland stand.
 
 
 


 
 
 
Hier geht es zur achten Rückblende des Tivoli Stadionneubau – Blick in den Innenbereich:

Wisst ihr noch? Stadionneubau Tivoli – Blick in den Innenbereich


 
 
 
 

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