Vor der Saison haben wir gesagt – am 10. Spieltag ziehen wir ein Zwischenfazit. Am besagten Spieltag war die Alemannia Mannschaft aber weder Fisch noch Fleisch, und man hatte immer noch die irrige Hoffnung das der Bock jetzt aber bald umgestoßen wird. Da mussten erst die Aachener Ultras in beeindruckender Art und Weise das Training der Mannschaft besuchen, um der Mannschaft zu zeigen das man trotz miserabler Darbietung Seite an Seite steht. “Wir zusammen” – “Wir halten zusammen” – “Wir für euch ihr für uns”. Und tatsächlich, im kleinen Derby gegen den FC Wegberg-Beeck gab es den erhofften Sieg (3:2). Wenn auch am Ende knapper als gedacht, wenn auch augenscheinlich mit den immer wiederkehrenden Ausfällen innerhalb der Mannschaft, aber am Ende stand der erste Heimstieg 2021 – ein besser erzählter Treppenwitz an sich, lag der letzte Heimsieg fast zehn Monate zurück. War das die Wende? Nach dem überglücklichen Punkt in Rödinghausen (1:1) gab es gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf gegen Rot Weiß Ahlen nun eine satte 1:4 Niederlage im Tivoli. Das Ende der Geduld und das berühmte Ende der Fahnenstange ist erreicht!
 
Nach 13. Spieltagen fällt das Zwischenfazit katastrophal aus. Würde man der Alemannia ein Zeugnis ausstellen wollen würde es so aussehen:

    • Taktische Einstellung – mangelhaft
    • Spielerische Kompetenz – mangelhaft
    • Torwartleistung – gut
    • Abwehrleistung – mangelhaft
    • Defensives Mittelfeld – mangelhaft
    • Offensives Mittelfeld – mangelhaft
    • Torgefährlichkeit – ausreichend
    • Standards (Ecken, Freistöße) – ausreichend
    • Laufbereitschaft bis zur 60. Min – befriedigend
    • Laufbereitschaft ab der 60. Min – mangelhaft
    • Ideen, Kreativität, Lösungen – mangelhaft
       
      Bemerkung: Nicht ausreichende Leistungen gefährden den Verbleib in der Regionalliga West! Die Mannschaft hat die Leistungsanforderungen der Regionalliga Klasse nicht erfüllt!

 
Nach der Katastrophalen Saison 2020/2021, wo man dank der Hinrunde so viele Punkte sammeln konnte das es am Ende gereicht hat um nicht abzusteigen, sollte als schlechteste Rückrundenmannschaft 2020/2021 nun zur neuen Saison alles besser werden. Ein neuer Geschäftsführer mit Bundesliga Erfahrung, ein neuer Trainer mit Hunderten Bundesligaspielen im Gepäck, ein Trainer-Stuff aus Co-, Torwart-, Athletik- Trainer mit eben soviel Kompetenz sollte die Alemannia wieder auf Kurs bringen in der Regionalliga West. Alles wurde auf Links gedreht, die “Stinkstiefel” aus dem Kader aussortiert und Spieler verabschiedet die am Tivoli keine Chance mehr bekommen sollten. Das war die Lehre aus der vorhergehenden Horrorsaison die man so nie mehr erleben wollte. Mit Patrick Helmes wurde ein Trainer verpflichtet wo man zuerst die Nase rümpfte, aber er es doch schaffte die Fans mitzuziehen auf eine neue Mission. Die hieß junge entwicklungsfähige Spieler weiter ausbilden, garniert mit erfahrenen Regionalliga Spielern die gerne auch schon mal in höheren Ligen schnuppern durften. Der Mix aus Jung, Wild und Erfahren sollte das neue Gesicht der Alemannia werden. Es klang so wunderschön um wahr zu sein. Gebetsmühlenartig wurde immer darauf verwiesen das die Mannschaft Zeit brauchen wird, es würden Rückschläge kommen aber eins konnte und wollte man versprechen. Die neue Alemannia würde sich zerreißen, brennen und alles geben im Spiel. Man wollte ein offensives Feuerwerk bieten wo sich noch manch ein Gegner wundern würde über die neue Alemannia. Das sollte ein Versprechen sein das man sich auf die Fahne schrieb. Und diese erneute Aufbruchstimmung zog, man war bereit den Weg mitzugehen. Denn 2.324 verkaufte Dauerkarten waren nach einer katastrophalen Rückrunde 2020/2021 ein starker Vertrauensbeweis.

 

 

Nach dem 13. Spieltag wundert sich die Liga und wir Fans tatsächlich über unsere Alemannia, denn diese steht nun mit beiden Beinen bis zur Unterhose mitten im Abstiegssumpf. Zehn mickrige Punkte und 12 geschossene Tore stehen 20 Gegentore und hanebüchenen Auftritten gegenüber. Vom spielerischen mal ganz abgesehen brechen auch reihenweise die Führungsspieler ein und ziehen die Mannschaft komplett runter. Niemand ist da der die Ärmel hochkrempelt und voran geht, man verlässt sich auf den jeweils anderen und wünscht seinen Mitspielern, sofern sie den Ball haben, viel Glück. Schaut man sich alleine das Mittelfeld an bekommt man das kalte Grausen. Kreativität und Ideen nahezu null, Laufwege und Passspiele verbesserungswürdig. Spielwitz findet man ausschließlich beim Gegner, selbst wenn der sich spielerisch noch schlechter präsentiert. In der Abwehrkette funktioniert weder die 3er noch die 4er Kette, selbst das Unterstützen des eigenen Spielers wird absurdum geführt wie man beim verursachten Elfmeter von Franko Uzelack beobachten konnte. Da kommt ein Gegenspieler in seinem Rücken angelaufen und die eigenen Mitspieler rufen ihm “Zeit” zu. Auch hier wurde nun alles durchprobiert. Spieler wurden ausgetauscht und umgestellt, es wurde taktisch umgestellt und dennoch bleibt die Abwehr alles andere als Sicher. Ja, die vielen Verletzten und der kleine Kader können ein Argument sein. Aber nicht gegen permanentes kollektives Versagen. Im Sturm war man sicher das man nun endlich auch Tore erzielen kann. Es dauerte zwar aber mit Jannik Mause und Tim Buchheister zeigten zumindest die beiden das sie Tore erzielen können. Aber insgesamt präsentiert sich die Mannschaft zumeist so als hätte sie kaum zusammengespielt. Aufgrund der diversen Verletzungen kann das natürlich als Entschuldigung herhalten, aber man kommt nicht umhin das einzig die aufgefüllten Spieler aus der U19 bislang Auffälliger waren als die etablierten Spieler. Die wiederum laufen schon wochenlang ihrer Form hinterher mit der Befürchtung das sie nie gefunden wird.
 

 
Wenn man die Vorbereitung gesehen hat, auch wenn es gegen unterklassige Gegner war, konnte man doch ein taktisches und spielerisches Konzept erkennen. Das war aber spätestens am zweiten Spieltag in der Regionalliga verschwunden. Da wurden auf einmal Dinge ausprobiert wo man sich fragt woher diese auf einmal kommen. So wie der kurze Abstoß vom Torwart auf einen Abwehrspieler, der wiederum mit zwei weiteren Kollegen in der Box steht und mit Schweiß auf der Stirn die eigene Mannschaft unter Druck bringt. Das mag bei Teams die in der Bundesliga oder Champions League spielen ein durchaus probates Mittel sein, aber nicht für eine Mannschaft die in den Niederungen der Regionalliga spielt. Kurzzeitig blitzen bei uns der Spielwitz und die Kreativität sogar auf, aber meistens ist das Strohfeuer genau so schnell aus wie die Motivation sich gegen eine Niederlage zu stemmen. Auch ein Erscheinungsbild das wir aus dem letzten Jahr kennen, man erzielt ein Tor zur Führung und aus einem bis uns unerfindlichen Grund sackt die Leistung so weit ab das man das Gegentor bekommt und somit meist der eigene Untergang eingeläutet wird. Nicht selten beobachtet man ebenfalls das diversen Spielern nach einer Stunde die Luft ausgeht. Und wenn dann die Ideen ausgehen wird der Ball weit und hoch nach vorne gepöllt und vornehmlich versucht es durch die Mitte zu probieren. Wenn es geht auch gegen drei Gegner mit Hacke, Spitze, 1-2-3.
 
Patrick Helmes ist mir persönlich sehr sympatisch. Was er uns alles erzählt hat vor dem ersten Spieltag klang so wunderbar, klang nach einer Idee und einer Strategie. Aber irgendwie kann all das nicht transportiert werden auf die Spieler und auf dem Rasen. Wenn man bedenkt was wir für einen Trainer-Stuff haben, da sollte man sich doch als Spieler wohlfühlen hier. Ein geiles Stadion, eine gute Kulisse um die 5.000 rum, für einen Verein deren Name immer noch klangvoll ist für Spieler hier anzuheuern. Es ist zwar nicht das Paradies auf Erden, aber schlechter als anderswo kaum möglich. Da kommt auch die These daher das man als Spieler denkt “och, hier ist es schön, ich verdien für mich gut, spiele hier ein bisschen mit der Maßgabe das man schon im oberen Mittelfeld sein wird, fühle mich gut im Stadion vor den Fans und meine Erfahrung wird ausreichend sein”. Könnte man so annehmen oder? Patrick Helmes hat mit seiner Erfahrung aus der der Bundesliga und der Arbeit unter namhaften Trainern eigentlich das Zeug um eine Mannschaft führen zu können. Oberflächlich betrachtet ist diese Mannschaft auch besser als Platz 15. Aber die Frage ist wieso sie das nicht zeigt und zeigen kann. Entweder erreicht Helmes die Spieler nicht oder die Spieler verstehen Helmes nicht was er von ihnen will. Man hört zwar aus der Mannschaft dass das Verhältnis Trainer/Spieler sehr gut ist, aber vielleicht weil sich alle einreden das es doch besser ist als es die Leistung und Tabelle aussagt? In erster Linie steht Patrick Helmes ganz vorne, doch beim Spiel so passiv zu sein und mit Händen in der Tasche auf ein Wunder warten an der Seitenlinie ist dann doch zu wenig. Dazu kommen bisweilen Ein- und Auswechslungen die man selten versteht, taktische Ausrichtungen die man weder erkennt noch als solche sieht. Spieler spielen auf Positionen wo man sich fragt wieso die dort eigentlich spielen und dann auch noch äußerst schlecht spielen. Ich frage mich selbst immer wieso Spieler nach Niederlagen einen Tag frei bekommen, und zuweilen auch mitten in der Woche mal ein Tag pausiert wird. Kann man ja alles machen wenn man irgendwo gesichert im Mittelfeld steht aber nicht am Abgrund der Tabelle. Da sollten doch Defizite, und davon haben wir eine ganze Menge, tagtäglich aufgearbeitet werden.
 

 
Man kann auch die wochenlange Durchhalteparolen nicht mehr hören und ernst nehmen. Ja, die neuen Spieler die letzte Saison kaum ein Spiel gemacht haben brauchen Zeit. Zeit um sich wieder an dem Rhythmus zu gewöhnen. Aber nach mehr als 8 Wochen Vorbereitung und 13. Spieltagen sollte man diese “Karte” nicht mehr spielen, denn das wirkt wenig plausibel. Wir Fans haben Geduld gehabt, und hätten diese auch länger wenn man einen kontinuierlichen Fortschritt sehen würde. Aber Spiele wie in Rödinghausen, wo der Trainer anscheinend ein ganz anderes Spiel gesehen hat wie wir, und der letzten Niederlage gegen Ahlen muss in irgendeiner Art und Weise die Reißleine gezogen werden. Woher soll man die Hoffnung nehmen das ein Patrick Helmes die Spieler auf Kurs bringt? Woher soll man die Hoffnung nehmen das die Spieler auf einmal von hier und jetzt funktionieren? Das unser Geschäftsführer Martin Bader noch an ihm festhält ist zwar aller Ehren wert, aber auch er wird zur Disposition stehen wenn das sinkende Alemannia Schiff auf dem harten Grund der Mittelrheinliga aufschlägt. In der Alemannia Führungsetage müssten eigentlich nach dem Wochenende alle Alarmglocken schrillen das nun Handlungsbedarf gefordert ist. Man ist nicht in der Lage gegen die direkte Konkurrenz zu punkten, man ist auch nicht in der Lage gegen die oberen Vereine mitzuhalten. Das man gegen eine zusammengewürfelte Thekenmannschaft aus Krefeld (sorry an die Krefelder) sich zu einem 1:1 müht und man froh sein konnte dort nicht zu verlieren war schon Warnung genug. Es ist Zeit für Tacheles auf allen Ebenen. Denn die kleine Rest Reputation die man noch hat verspielt man sich geradewegs.
 

 
Am Mittwoch steht das Bitburger Pokalspiel bei Viktoria Arnoldsweiler an, böse Zungen sagen schon voraus das es ein Spiel auf Augenhöhe sein wird. Eine Niederlage dort, man mag es sich nicht ausmalen! Und am Wochenende geht es im Westschlager zum Top-Favoriten und Tabellenführer Rot-Weiss Essen. Ein Spiel, ein Leckerbissen wo man sich eigentlich die ganze Saison drauf freut wenn es zum Aufeinandertreffen kommt. Dieses Jahr ist alles anders, man bekommt schon ein Magengeschwür wenn man dran denkt was für einen sportlichen Arschtritt wir dort bekommen könnten. Die Rot-Weissen brauchen sich gegen uns nicht mal die Stutzen hochziehen und könnten das Spiel als lockere Trainingseinheit sehen. Ja, so weit unten sind wir schon angekommen in der Schwarzmalerei. Die Essener sind zwar momentan auch etwas vom Kurs abgekommen, aber unsere Alemannia bietet sich ja wieder einmal als exzellenter Aufbaugegner an. Aber geschenkt. Das wir in Essen nichts holen ist zu erwarten, man kann nur schauen wie man sich am geschicktesten aus der Affäre dort zieht. Aber was ist danach? Die kommenden Gegner bis zur Winterpause heißen Straelen, Wuppertal, Fortuna Köln und der VfB Homberg. Und schon beginnt die Rückrunde mit Münster und Schalke, ehe der Hans Muff mit dem großen Sack kommt. Da wird mir persönlich Angst und Bange das wir Weihnachten mit 17 Punkten und einen Sack voll Gegentoren dastehen. Ich würde mir wünschen das es anders kommt, aber ehrlich gesagt habe ich kein Vertrauen in dem was die Verantwortlichen da auf und neben Platz tun. Ich habe lange festgehalten mit dem Glauben das der “Point of Return” erreicht wird und man sich ins gesicherte Mittelfeld begibt. Aber nach dem Wochenende habe ich Angst das wir kurz vor dem “Point of no return” stehen. Ein Abstieg in die Mittelrheinliga wird das Todesurteil sein für den Verein. Das muss unter allen Umständen verhindert werden, nicht in Parolen sondern im Handeln. Das ist man uns schuldig! Es geht nur noch um die Verhinderung des Abstiegs und die Korrektur eines großen Missverständnisses. Auch wenn es Geld kostet, alles andere ist viel teurer und irreparable.
 
 
 
 

 

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