Wie viel ist Alemannia eigentlich Wert?

Wie viel ist Alemannia eigentlich Wert?

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Es sind wieder Tage die einem vorkommen als hätte man sie schon einmal erlebt. Alemannia hat die Rückrunde nach drei Niederlagen nun „verkackt“ und driftet im Nirgendwo der Tabelle umher. Nach oben ist der Zug abgefahren, nach unten…naja hoffen wir das Beste! Tristesse ist wieder angesagt, nachdem mit Neu-Coach Fuat Kilic kurzzeitig wieder so etwas wie Aufbruchsstimmung am Tivoli einkehrte. Aber diese Stimmung ist nun nach wenigen Wochen wieder weg. Sportlich wie finanziell juckt es Alemannia nun an unangenehmen Stellen. Denn wie am Fan-Abend durch Alemannia Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Christian Steinborn bekannt wurde, sucht man neue Weg für die Alemannia in Sachen Finanzen. Dazu gehört auch ein potenzieller Investor – es gibt keine Tabus mehr.

 
-von Dirk Förmer-
 
 
Natürlich gibt es offiziell nichts Konkretes, aber die eine oder andere Evaluierung wird es wohl intern schon gegeben haben. Ziel ist eine solide Geldquelle zu erlangen, die mit allen seriösen Mitteln gewonnen werden soll. Am Ende soll natürlich der Souverän – die Mitglieder – darüber entscheiden. Wie aus dem Nichts tauchte vorher ein Simon Rolfes auf, der zu besseren Alemannia Zeiten bereits die Stiefel schnürte (wenn auch nur ein Jahr) und grätschte erst einmal die gesamte Alemannia Führung ab – mit dem Kundtun das der Verein wirtschaftlich und sportlich am Boden liegt.

 

Mir geht es darum, diesem Verein, der wirtschaftlich und sportlich am Boden liegt, wieder eine Perspektive zu geben.
-Simon Rolfes-

 

Auf dem Fan-Abend hört sich das von Dr. Steinborn und Geschäftsführer Timo Skrzypski weniger Dramatisch an, es gibt – natürlich – ein strukturelles Defizit, aber von einer erneuten Insolvenz sei man weit entfernt. Als Alemannia Fan funken da die Antennen wieder SOS, der letzte verantwortliche der das „behauptete“ kann sich heute an nichts mehr erinnern und ist immer noch der Meinung das ein „bestelltes Feld“ zurückgelassen wurde. Aber warten wir ab. Es rauschen Namen durch den Blätterwald wie Kölmel und Arena 11, die alle an Alemannia´s Wohl interessiert sind. Nicht uneigennützig versteht sich. Und nun reiht sich auch der ehemalige Alemannia Spieler Simon Rolfes mit ein und bietet an mit seiner Firma zu helfen – aber nur in einer verantwortungsvollen Position. Das ist legitim, aber rückblickend und aktuell hat der Verein zumeist mit ehemaligen Profis, die dann in einer Verantwortungsvollen Position gerückt sind, nicht immer den besten und erhofften Erfolg gehabt.

 

Alemannia Geschäftsführer Sport Alexander Klitzpera hat einen schweren Stand
Alemannia Geschäftsführer Sport Alexander Klitzpera hat einen schweren Stand bei den Fans

 

Gerade wird Ex-Alemannia Profi und nun Geschäftsführer Sport Alexander Klitzpera kritisch beäugt, der mit seinen Maßnahmen und Entscheidungen auf wenig Gegenliebe stößt. Ihm kreidet man immer noch als erstes an, dass der mögliche Aufstieg in die Dritte Liga im letzten Jahr an ihm scheiterte mit der Unruhe im Verein. Es gibt zwar kein Zwiebel-Portemonnaie mehr wie zu Zeiten Erik Meijers, aber wer wusste schon groß das die zweite Mannschaft der Alemannia „umsonst“ spielt? Das war doch überraschend für den ein und anderen. Der Etat für die erste Mannschaft beläuft sich auf rund 1,5 Mio Euro, in wie weit die Trainer und Betreuer da noch drin sind? Anyway.
 
Das Ziel 3. Bundesliga schwebt wie ein Damoklesschwert über der Alemannia. Das Team 2018 läuft langsam die Zeit fort. Die Aussichten auf einen Aufstieg in der nächsten Saison sind bei dem momentanen finanziellen Engpass nicht rosig, da hat die Ligainterne Konkurrenz mehr aufzubieten. Alemannia hat sich nach der Insolvenz so aufgestellt das man bereits wieder die „professionellen Strukturen“ anlegt hat um auf das große Ziel – 3. Bundesliga – vorbereitet zu sein. Dazu leistet man sich einen umfangreichen „Wasserkopf“ als Regionalligist. Die Motive dazu sind nachvollziehbar, aber man könnte immer noch denken das es der Alemannia „zu gut“ geht. Irgendwie sonnt man sich immer noch im Licht der Vergangenheit und denkt in größeren Dimensionen als dem Verein aktuell zusteht.

 

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Hätte man das Pferd nicht andersrum besser ausgesäumt? Wäre es nicht besser gewesen zuerst die fußballerischen Strukturen zu legen, die einen Aufstieg in überschaubarer Zeit ermöglicht hätte, statt der – Professionalität? Das ist überhaupt etwas was man in der über hundert Jährigen Geschichte mit der Alemannia nicht verbindet – Professionalität. Man redet zwar dem Alemannia „Souverän“ immer schön ein, dass man eine große Alemannia Familie ist und propagiert die Transparenz, aber wie man in den letzten Monaten gesehen hat fehlt es dazu mitunter ein ganz großes Stück. Da ist der Name Klömpschensklub doch wohl der eher passendere.
 
Beklagenswert ist auch das NLZ (Nachwuchsleistungszentrum), das nun wieder auf Vordermann gebracht werden muss. Jahrelange Gelder erschienen wohl nur in Unterlagen an den DFB, investiert wurde wohl wenig bis gar nicht. Passenderweise kommt nun erschwerend hinzu dass man an neue Fördertöpfe erst im Jahre 2020 drankommen wird, da die Bewertungszeiträume geändert wurden vom Verband. Bis dahin hat man nun aber Zeit das NLZ wieder dem Nachwuchs und regionalen Vereinen schmackhaft zu machen. Denn dass der Nachwuchs eher in Richtung Köln, Leverkusen und Gladbach abwandert ist der momentanen Perspektivlosigkeit und Allgemeinzustand der Alemannia geschuldet. Es müssen noch viele Klinken geputzt werden. Die Alemannia Baustellen sind groß, überall.
 
 

Wie viel ist Alemannia eigentlich Wert?
-Alemannia Aufsichtsratvorsitzender Dr. Christian Steinborn-

 

Wie viel ist Alemannia eigentlich Wert? – fragt Alemannia AR Chef Dr. Christian Steinborn in die Interessierten Fan-Gesichter am Fan-Abend. Ja, wieviel ist die Alemannia überhaupt Wert für einen Sponsor oder Investor? Nach der Insolvenz hat man nur noch sich selbst, dass super neue (bereits marode) Stadion hinkt jetzt als Klotz am Bein der Stadt Aachen. Die muss nun selbst schauen wie sie den Postkasten finanziert bekommt, und kann nur ebenfalls drauf hoffen das Alemannia wieder bessere Tage sieht und finanziell ihren (Mehr)Beitrag dazu leistet als im Augenblick.
 
Die Marke Alemannia war in der Vergangenheit deutlich attraktiver, jetzt verkommt man mehr zum Bittsteller. Denn große Forderungen wird man als Alemannia nicht stellen können. Die Sponsoren aus den letzten Jahren sind immer noch vergrätzt, die jetzigen blicken nicht fröhlich drein in Anbetracht der turbulenten Endphase der Hinrunde mit all ihren negativen Eigenschaften. Der Wert der Mannschaft ist sicherlich überschaubar, Talente wie Tobias Mohr und Meik Kühnel die künftige Hoffnung der Alemannia. Alle sind am Wohl der Alemannia interessiert, damit auch deren Wohl sich einstellt. Uneigennützig wird niemand in den Verein investieren. Und hier muss man aufpassen das man nicht das letzte große Faustpfand verspielt – die Fans.

 

Das Faustpfand der Alemannia und sein Wert - Die Fans
Das Faustpfand der Alemannia und sein Wert – Die Fans

 

Denn die stellen noch am ehesten den eigentlichen Wert der Alemannia dar. Die Fan-Schar ist weiterhin groß, wenn auch sportlich bedingt rückläufig. Aber das hier Potenzial steckt ist kein Geheimnis. Läuft es sportlich rund kommen die Fans in Scharen. Doch die Fans wurden in den letzten Jahren zu oft ge- und enttäuscht. Noch bietet man Liga weit den Bestwert in der Zuschauertabelle. Und der Alemannia Fan ist fordernd und hat nur wenig Geduld. Wenn ein Investor kommt darf er bestimmte Dinge auf keinen Fall machen, die Identität und Tradition muss gewahrt bleiben. Auch ein möglicher Verkauf der Alemannia Anteile wird manchen als „Kröte“ gereicht werden müssen.
 
Wenn Alemannia noch einmal eine Chance haben will wird sie sich führen lassen müssen. Denn Eitelkeiten, Pöstchengeschachere und der Öcher Klüngel müssen ausgedient haben, die Vergangenheit hat dies bitter gezeigt. Der Weg zur Professionalisierung muss von oben gestaltet werden, von Leuten mit Erfahrung und Kompetenz. Wenn das gelingt, dann wird die Alemannia an sich und die Marke Alemannia auch wieder etwas Wert sein. Man kann nur die Hoffnung in den jetzigen Entscheidungsträgern legen das sie das richtige tun – und nur die Alemannia als Verein und Marke im Blick haben. Alles andere wird das Gegenteil befeuern und am Ende eine blasse Fußnote im endgültigen letzten Kapitel der Alemannia Geschichte sein.
 
 
 
 

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