Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus


 
 
Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Vor 75 Jahren wurde das größte Konzentrationslager in Ausschwitz befreit und damit die Gräueltaten beendet. Das große Leid was hier und anderswo geschah in den Konzentrationslagern ist unvorstellbar. Genauso unvorstellbar ist das es 75 Jahre später Menschen gibt die diese Geschehnisse verharmlosen und relativieren wollen. Der Holocaust ist das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte und muss dauerhafte Mahnung sein. Wir dürfen nicht vergessen. Wir werden nicht vergessen. Nie wieder darf sich so etwas wiederholen.
 
Fussball zwischen Sport und Politik, so hieß die Ausstellung Ende 2017 im Internationalen Zeitungsmuseum (IZM) der Stadt Aachen die sich mit der Zeit von 1933 – 1945 beschäftigte. Exemplarisch wurden hier zwei Lebenswege der Alemannia Spieler Max Salomon und Reinhold Münzenberg gezeichnet deren Verlauf unterschiedlicher nicht hätte sein können.
 
Diesen Artikel könnt ihr hier nachlesen:

Ausstellung – Alemannia 1933 – 1945

 
Für Alemannia Aachen hatte die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 sehr schnell Auswirkungen auf den Sport. Zur Gleichschaltung wurden „linientreue“ Vereinsführer in allen Sportvereinen installiert. Der von Politik und Reichssportführer von Tschammer vorgegebene Kurs wurde durch „Vereinsführer“ Dr. Peter Müller , der als NSDAP Mitglied im Stadtrat saß, vorangetrieben. Nachdem bereits Stürmer Max Salomon im April 1933 den Verein verlassen hatte, tauchten in der Ausgabe Mai/September 1933 der Vereinszeitung die Namen weiterer jüdischer Mitglieder unter „Abmeldungen“ und „Streichungen“ auf, unter anderem die später im Konzentrationslager ermordeten Robert Salomon, Dagobert Pintus und Josef Keusch.
 
Auf Initiative der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan Club e.V wurde am 07.11.2018 der Antrag gestellt, sechs Stolpersteine für jüdische Alemannia Spieler und Mitglieder durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegen zu lassen an dessen zuletzt bekannten Wohnort.
 

  • Erich Daniel André, Thomashofstraße 17
  • Fritz Moses, Jülicher Straße 80
  • Max Salomon, Thomashofstraße 15
  • Robert Salomon, Bismarckstraße 92
  • Hans Max Silberberg, Aretzstraße 7 (damals Friedenstraße)
  • Eduard Levy, (verschoben, da letzter Wohnort ungeklärt ist)

 
Der Rat der Stadt Aachen stimmte diesen Antrag in ihrer Ratssitzung am 12.12.2018 zu. Die Verlegung der Stolpersteine erfolgte am 06.02.2019, ebenfalls wurden an diesem Tag zwei weitere Stolpersteine verlegt für Arthur May, Muffeter Weg 57 in Aachen und Siegfried Randerath, Großer Niersteiner Hof, Laurensberger Straße 20 in Aachen. Leider musste die angekündigte Verlegung des Stolpersteines für Eduard Levy erstmal verschoben werden, da der letzte Wohnort umstritten ist.
 
 

Stolperstein Erich Daniel André:
Erich Daniel André (Geb. 27.07.1904), war ein jüdischer Bankkaufmann, Gründungsmitglied der Alemannia Jugendabteilung und langjähriges Mitglied. Später war er Betreuer der ersten Fußballmannschaft und Mitglied des Fußballausschusses. Im Bericht des Ausschusses über die Spielzeit 1932/1933 hieß es: “Es fanden 47 Sitzungen statt, von welchen Erich Daniel André 41, das heißt ausnahmslos alle bis zu seinem durch die heutige Lage bedingten Fernbleiben besuchte”. Der Versuch, nach England zu emigrieren, scheiterte, obwohl er bereits über die Ausreiseerlaubnis verfügte. Nach einer Flucht zu Fuß nach Antwerpen wurde er verhaftet und am 04.11.1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo er am 04.12.1942 ermordet wurde.

 

 

Thomashofstraße 17, Aachen

 
 
Stolperstein Fritz Moses:
Von Fritz Moses (Geb. 10.05.1901) ist lediglich bekannt, dass er Mitglied bei Alemannia Aachen war und 1933 aus dem Verein ausgeschlossen wurde. Er floh in die Niederlande, wurde aber nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen am 4. September 1944 vom KZ Westerbork zunächst in das Ghetto Theresienstadt deportiert, dann am 29. September 1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz. Am 4. November 1944 wurde Fritz Moses für tot erklärt.
 
 

Jülicherstraße 80, Aachen

 
 

Stolperstein Max Salomon:
Max Salomon (Geb. 29.10.1905) schaffte als 18-jähriger den Sprung in die erste Mannschaft von Alemannia Aachen. In rund 140 Meisterschaftsspielen schoss er weit über 80 Tore, womit er heute noch zu den erfolgreichsten Torschützen der Vereinsgeschichte zählt. Am 19. März 1933 bestritt Max Salomon im Rheinbezirksendspiel gegen den Sülz 07 sein letztes Pflichtspiel für die Alemannia. Wenig später musste er den Verein verlassen, die Vereinszeitung vermeldete lediglich knapp: “Salomon trat infolge der Zeitrichtung ab“.  Zunächst floh er vor der NS-Verfolgung nach Brüssel, bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Aachen wurde er 1935 wegen “Rassenschande” verhaftet und wegen eines Verhältnisses zu einer “arischen” Frau zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Von Brüssel aus führte ihn seine Flucht später nach Frankreich, wo er jedoch bei Kriegsausbruch als Deutscher interniert wurde. Während der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen wurde er am 4. September 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort mutmaßlich am 24.März 1943 ermordet. Es gibt auch Hinweise das er auf dem Transport nach Ausschwitz zum Zwangsarbeitereinsatz eingesetzt wurde und den Zug verlassen musste. Bei diesem Einsatz könnte er in Oberschlesien zu Tode gekommen sein, die Spur verliert sich hier.

 
 

Thomashofstraße 15, Aachen

 
 
Stolperstein Robert Salomon:
Robert Salomon (Geb. 07.09.1898) war der Bruder von Max Salomon und Mitglied der Alemannia. 1933 wurde er vom Verein ausgeschlossen und floh in die Niederlande wo er später inhaftiert wurde. 1944 wurde er in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort am 28. Januar 1944 ermordet.
 
 

Bismarckstraße 92, Aachen

 
 

Stolperstein Hans Max Silberberg:
Über den jungen Hans Max Silberberg (Geb. 14.05.1927) ist leider wenig bekannt, der spätere Alemannia-Verwaltungsrat Mitglied Werner Koch schrieb in seinen Kindheitserinnerungen von seinem Kindsfreund Hännschen Silberberg, der immer ganz besonders vom jüdischen Alemannia Stürmer Max Salomon schwärmte. Hans Max Silberberg wurde am 27. April 1942 im Arbeitslager Rhenaniastraße in Stolberg inhaftiert und am 15. Juni 1942 zur Deportation nach Aachen gebracht. Von dort aus wurde er in das KZ Majdanek deportiert, wo er am 08. August 1942 ermordet wurde. Seine letzte Adresse bei seinem Vater war die frühere Friedenstraße 7 (heute Aretzstraße).
 
 

Aretzstraße 7, Aachen

 
 
 
Weitere namentlich bekannte Alemannia Mitglieder waren:
 

  • Dagobert Pintus (Geb. 1885) war Alemannia Mitglied und wurde am 11. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 13. Februar 1943 ermordet.
  • Josef Keusch (Geb. 29. März 1905) aus Düren war Mitglied der Alemannia und wurde 1933 ausgeschlossen. 1941 wurde er in das KZ Majdanek deportiert und dort ermordet.

 
Sehr wahrscheinlich starben noch weitere Alemannen während des Holocaust oder kamen im Krieg um. Das ehrende Andenken an sie darf ebenso wenig in Vergessenheit geraten wie die Verbrechen, denen sie zum Opfer fielen.
 
 

Gedenkstein der Alemannia auf dem Aachener Waldfriedhof

 

Neben den Stolpersteinen gibt es auf dem Aachener Waldfriedhof einen Gedenkstein der Alemannia. Jährlich gedenkt der Förderkreis Alemannia Aachen 2000 seinen verstorbenen sowie in den Weltkriegen zu Tode gekommenen Alemannia Mitgliedern mit einer Kranzniederlegung. Im I. Weltkrieg waren 37 der damals rund 220 Vereinsmitglieder ums Leben gekommen, mindestens 46 Alemannen starben im II. Weltkrieg oder wurden im Konzentrationslager ermordet.

 

 

Gedenkstein Waldfriedhof Aachen mit den Namen der Gefallenen Alemannia Mitglieder im I Weltkrieg

 
 
 
 

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