Sieg im Traditionsduell – Alemannia erkämpft ein 1:0

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Der Worte waren genug gesprochen, die letzten Statistiken ausgekramt und man hätte meinen können das Spiel zwischen Alemannia und RWE würde weltweit Übertragen werden. Am Ende stand ein glücklicher, aber nicht unverdienter, Sieg der schwarzgelben zu Buche. 30.313 Zuschauer bedeuteten ein ausverkaufter Tivoli, 5.000 rotweiße Essener tauchten das gelb der Nordtribüne in einem sanften Rot. Vor dem Spiel ging es gesanglich Hin und Her, da war im Spiel bei dem einen oder anderen dann doch die Puste aus. Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis das es trotzdem ein geiles Duell zweier Traditionsklubs war, ohne Randale und gegenseitigen Respekt. Das hier und da einzelne ausscheren sei mal nur am Rande erwähnt.

 

Gästebegrüßung - Nunja
Gästebegrüßung – Nunja

 

Matchday der Extraklasse. Bei so einem Spiel heißt es früh anreisen, so fand man sich um kurz nach halb zwölf ein am Parkhaus des Tivoli. Unterwegs sahen wir ein Schild auf der Krefelderstraße das unsere Gäste aus Essen begrüssen sollte. Naja, irgendwo witzig aber irgendwo auch nicht nett. Nicht überraschend das schon einige tausend Fans vor den geschlossenen Stadionentore standen und es kaum erwarten konnten das die Tore sich nun endlich öffneten. Wir reihten uns auch brav vor dem Südwest B ein und waren froh der DocMorris Fanbox entkommen zu sein. Doch dann hieß es plötzlich “nein hier kommt ihr nicht rein – nur über dem Eingang Krefelder Straße”. Wat?? Ich liebe die Organisation unseres Klömpchenklubs, immer in der stillen Hoffnung man wird doch mal irgendwann professioneller. So stand nun ein riesen Pulk aus tausenden Fans vor dem Eingang an der Krefelderstraße Südwest B. Natürlich musste ausgerechnet die Polizei auch da durch, ein anderer Weg erschien ja in diesem Moment unmöglich!

 

Die Tore konnten nicht schnell genug aufgehen
Die Tore konnten nicht schnell genug aufgehen

 

 

Eher unglücklich - gab ja sonst keine andere Möglichkeit
Eher unglücklich – gab ja sonst keine andere Möglichkeit

 

Im Stadion angekommen das übliche Ritual. Ab zur Würstchenbude, Pommes mit Bratwurst und Cola. Danach ab zum Fanshop (gottseidank war er noch da), ohne natürlich vorher sich den Weg durch die Fankneipe Klömpchensklub zu bahnen (für mich ist die eher zu klein als zu groß Herr Barth). Der Shop war natürlich proppevoll aber ein Button musste mitgenommen werden zum heutigen Spiel. Die anderen waren eher so naja.

 

Künstlerich in Szene gesetzt
Künstlerich in Szene gesetzt

 

Im Stadion wurde dann der Platz ausgesucht den man als “immer und ewiger Stadiongänger” auswendig kennt. Hier konnte man nun beobachten wieviele Leute zum erstenmal überhaupt den Tivoli besucht haben oder schon sehr lange nicht mehr da waren. Karte in der Hand, fragendes Gesicht wo ist denn jetzt mein Sitzplatz, unkontroliertes Hin und Herr laufen bis man endlich den Platz gefunden hat. Wieviele wir davon nochmal wiedersehen werden? Ob Mutti, Vati nebst Anhang von groß und klein – alle wollten bei dem Spiel dabei sein. Genauso wie die Rot Weißen aus Essen, die mit mindestens 5.000 Fans eine Invasion starten wollten. Tatsächlich, selten hat der Gast so viel Platz zugestanden bekommen wie die Essener.

 

Die Südtribüne proppevoll
Die Südtribüne proppevoll

 

 

Die Nordtribüne fest in Essener Hand
Die Nordtribüne fest in Essener Hand

 

 

Dann um 14 Uhr war die Warterei endlich vorbei, die Mannschaften betraten den Rasen und Stadionsprecher Robert Moonen verkündetete noch schnell das man einen Blick auf die Blitztabelle werfen sollte. Da war natürlich Alemannia mit einem Punkt Vorsprung Tabellenführer, und nicht der Gast. Tztztztz…Alemannia. Das Essen sollte man erste verteilen wenn der Teller leer ist! Dann aber doch eine große Geste der Alemannia indem man kurz vor dem Anpfiff dem Essener Ehrenmitglied Sigfried Dahms gedachte, der mit 91 Jahren verstorben war.

 

Gedenkminute für den Essener Siggi Dahms
Gedenkminute für den Essener Siggi Dahms

 
 

Gedenkminute für den Essener Siggi Dahms
Gedenkminute für den Essener Siggi Dahms

 

 

Dann aber ertönte der Anpfiff und der “Klassiker” begann. Im Tor unserer Alemannia stand Ersatzkeeper Jonas Ermes für den gesperrten Freddy Löhe, und Neuzugang Viktor Maier sollte im Sturm neben Kevin Behrens auflaufen. Ganz forsch traten die Gäste auf, und schon wurde auf der linken Seite Michael Lejan ganz schwindelig als sein Gegenspieler ihn direkt mal zweimal düpierte und nur noch seine Hacken zeigte. Nach drei Minuten schon die dicke Chance für RWE. Ein Freistoß von der rechten Seite wurde klärte unsere Abwehr direkt vor die Füße von Tim Hermes der aus 20m abzog und Jonas Emres zur einer Glanzparade zwang. Mit einer Hand lenkte er den Ball gegen die Querlatte und ein sattes Raunen ging durch das Stadion. Während unsere Alemannia noch den Faden am  war lief der Ball bei den Rot Weißen gefälliger. Dennoch gab es Konterchancen, so wie die von Dennis Dowidat der aber eine Fußspitze zu spät vor RWE Keeper Heimann auftauchte. Weitere Chancen sollten nicht mehr im weiteren Verlauf erfolgen, meist im Mittfelfeld beharkte man sich gegenseitig mit ganzer Leidenschaft.

 

Grätschen, Halten, Foulen - was man so im Traditionsduell alles macht
Grätschen, Halten, Foulen – was man so im Traditionsduell alles macht

 

Der Anfangsdruck der Essener war verpufft und Alemannia sammelte sich endlich und gestaltete das Spiel nun ausgeglichen. Aber das die Vorbereitung nicht so optimal verlief zeigte sich bei einem Freistoß von Aimen Demai, der den Ball übermotiviert direkt ins Toraus schoss. Neuzugang Viktor Maier mag ein schneller Stürmer sein aber so flott konnte er dann auch nicht sein um diesen Ball noch zu erlaufen. Gefährlich, und das ist eine Alemannia Tugend, war man bei Standards. Ecke von rechts durch Tim Jerat und am kurzen Pfosten lauerte Viktor Maier und köpfte wuchtig in die kurze Ecke. Doch RWE Keeper Heimann zeigte ebenfalls eine Klasse Reaktion und fischte den Ball noch heraus und lenkte ihn um den Pfosten. Da konnte man auch mal kurz die Becker Faust rausholen. Aus dem Spiel heraus ging bei beiden Teams fast nichts, gefährlich blieben weiterhin die Standardsitutionen. So wie nach einer halben Stunde als wiederum ein Eckball in den Essener Strafraum flog. Kevin Behrens setzte sich gegen seinen Bewacher durch und köpfte wuchtig ins Tor zum 1:0. Der Tivoli bebte im Torschrei als wäre die Meisterschaft gerade entschieden worden. Rot Weiß investierte etwas mehr aber Alemannia nutzte eine der wenigen Chancen sofort. Unter den Sprechchören “Spitzenreiter Spitzenreiter” ging es in die Halbzeit.

 

Kopfball und rein ins Tor - Kevin Behrens
Kopfball und rein ins Tor – Kevin Behrens

 

Der Gast aus Essen wechselte zur Halbzeit aus, das was Coach Marc Fascher eine Halbzeit lang gesehen hatte konnte ihm nicht gefallen für einen selbsternannten Aufstiegsanwärter. Mit dem offensiveren Max Dombrowka für Leon Binder sollten nun mehr Impulse in der Offensive ausgestrahlt werden. Aber die Rot Weißen verhedderten sich auch weiterhin in der Alemannia Abwehrkette. Das große Anrennen auf das Aachener Tor blieb irgendwie aus. Nach einer Stunde kam dann Essens Neuzugang Kevin Freiberger, frisch vom VfL Osnabrück aus verpflichtet, ins Spiel. Der bullige Stürmer sollte die Alemannia Abwehr nun knacken. Aber auch er verpuffte zunächst an der Viererkette.

 

RWE-Coach Helmut Fascher konnte nicht zufrieden sein
RWE-Coach Marc Fascher konnte nicht zufrieden sein

 

Die größte Chance zum 2:0 besaß Aachens Bester, Kevin Behrens. Nach einem Getümmel im Essener Strafraum traf er aus spitzen Winkel nur das Außennetz. Im Gegenzug dann konterte RWE schnell und die Hintermannschaft der Alemannia war zum erstenmal leicht unorganisiert. Tim Hermes brachte den Ball auf der rechten Seite zu Kevin Freiberger, der etwas alleingelassen am langen Pfosten auftauchte. Doch völlig überhastet versuchte er es mit einem direkten Schuß auf das Tor – und bugsierte den Ball auf die Nordtribüne. Im Mittelfeld ging es nun herzhafter zu, hier ein kleines Foul und dort ein halten. Und wenn es galt ein Zeichen zu setzen dann kam auch die Blutgrätsche zum Einsatz. Trotzdem war es nie unfair, wenn auch die Emotionen am Kochen waren.

 

Emotionen waren nicht zu knapp im Spiel
Emotionen waren nicht zu knapp im Spiel

 

Kevin Behrens war nun überall, da wo es Rudelbildung gab stand er parat und dort wo der Ball nach vorne Richtung Essener Tor ging lief er hinterher. Unermündlich rackerte er in der Essener Abwehr umher. Die kamen weiterhin nicht richtig zum Zug und hatten Glück. Ein vertändelter Ball und eine Flanke vom eingewechselten Fabian Graudenz genau vor dem Tor und Kevin Behrens bugsierte ihn in unnachahmlicher Maradonna Qualität in den Essener Kasten zum 2:0 – oder doch nicht? Die “Hand Gottes” war dann doch zu offensichtlich für Schiri Thomsen. Statt Applaus gab es Gelb für Behrens. Minuten später war Kevin Behrens wieder im Blickpunkt des Geschehens. Ein schneller Konter wurde durch Essens Richard Weber an Behrens unsanft unterbunden. Als letzter Mann sollte man nicht am Trikot zupfen. Schon beim Pfiff des Schiris war dem Essener bewusst “dass das scheisse war”. Der bereits verwarnte Weber musste nun mit Gelb-Roter Karte vom Platz. In Unterzahl musste sich RWE nun gegen die drohende Niederlage stemmen.

 

Platzverweis für Essens Richard Weber
Platzverweis für Essens Richard Weber

 

Unserer Alemannia sollte das nun in die Karten spielen. Die letzte Viertelstunde war angebrochen, man beschränkte sich auf Konterchancen und auf das absichern des Balls. Zeit rausspielen war zudem eine neue Qualität unserer Truppe. Essen hingegen haderte mit dem drohenden Schicksal und versuchte die doch nun teilweise recht nachlässigen Aachener Aktionen für sich umzumünzen. So auch in der 84. Minute als die Alemannia Abwehr zu lasch agierte und der frisch eingewechselte Tobias Steffen den Ball auf den freistehenden Kreyer abspielte. Aus 12m drosch er die Kugel aber völlig überhastet über das Alemannia Tor. Das war die größte Gelegenheit der Essener im zweiten Abschnitt und hätte die Alemannia fast noch bestraft. Nun war es in den letzten Minuten und einer vierminütigen Nachspielzeit reine Nervensache. Der Ball flog hoch in den Aachener Strafraum rein und wurde ebenfalls wieder hoch hinausbugsiert. Dann endlich der erlösende Abpfiff und tausende Alemannen lagen sich jubelnd in die Arme. “Oh wie ist das schön…” schallte es im Tivoli, das hatte man wirklich lange nicht mehr gehört.

 

Abpfiff - Jubel - Erleichterung - Sieg
Abpfiff – Jubel – Erleichterung – Sieg

 

Nun rangiert man mit drei (oder vier) Punkten vor dem Konkurrenten aus Essen auf Platz 1. Ein wichtiger Sieg, nicht nur für die Tabellenführung sondern auch für die Alemannia Fan Seele die in den letzen Jahren enorm gelitten hat. Wie oft hat in der Vergangenheit der Gast hier gejubelt? Diese Saison ist man zuhause weiter unbesiegt. Hier ist eine Mannschaft die den neuen Tivoli Esprit verkörpert den Coach Peter Schubert und Co Reiner Plaßhenrich eingehaucht haben. Aus einem langen Prozess wurde nun zuweilen ein kurzer. Aber wollen wir auf dem Teppich bleiben. Entschieden wurde heute nichts. Es gab drei wichtige Big Points. Die wichtigen Spiele werden nun die gegen die vermeindlichen “schwachen” Gegner sein. Wer hier aus Aachen, Essen, Köln und Gladbach schludert wird am Ende dumm gucken. Auch die nun zugeschobene Rolle des “Aufstiegsfavoriten” läßt man sich seitens der Alemannia nicht anlegen.

 

Eine stille Momentaufnahme zum Genießen - Alemannia hat es selbst in der Hand
Eine stille Momentaufnahme zum Genießen – Alemannia hat es selbst in der Hand

 

 

Das große Ziel wünschen wir uns alle – aber wir stapeln weiter tief und denken von Spiel zu Spiel und geben unser Bestes

Kevin Behrens auf die Frage nach dem Ziel Aufstieg

 

 

 

Wir haben das 25, 30 Minuten richtig gut gemacht, danach hat uns Aachen ein bisschen eingelullt. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann nicht geschafft, uns Chancen zu erspielen

RWE Coach Marc Fascher

 

 

 

 

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