Zum Saisonabschluss sollte eigentlich von mir nochmal ein Videopodcast kommen. Aber da ich aktuell zuhause eine Baustelle habe ist es schlicht nicht möglich. Obwohl, es würde die katastrophale Saison eigentlich perfekt widerspiegeln. Aber nein, das Fazit gibt es diesmal wieder als Blogeintrag. Zur neuen Saison komme ich dann wieder mit einem Videocast um die Ecke, vielleicht dann mal mit erfreulichen Inhalten als zuletzt im vergangenen halben Jahr.
 
Wir erinnern uns noch vage. Der letzte Spieltag in Bonn am 01.06.2021 um 18 Uhr, mit letztem Aufgebot und nur noch 14 Spielern, wurde mit einer 1:0 Niederlage beendet. Als der Abpfiff um 19:48 Uhr im Bonner Sportpark ertönte, und damit das Saisonende 2020/2021 eingeläutet wurde, sanken die Tivoli Kicker zu Boden und die Fans zuhause atmeten auf. Es war geschafft, die katastrophale Saison war vorbei, endgültig und unwiderruflich Schluss mit dem wöchentlichen Elend und dem ganzen drumherum von Floskeln die wir wochenweise lesen und hören mussten. Es gab doch ein paar Verwegene die sich dieses letzte Spiel noch angetan hatten vor dem Livestream, Ticker oder Audiostream. Der Rest an Fans hatte sich schon weit vorher mental von der Mannschaft verabschiedet und schaute bzw. hörte gar nicht mehr zu. Man hat ja als Alemannia Fan schon einiges mitgemacht in seinem Fanleben, aber so eine Saison wie diese toppte das Ganze nochmal. Am Ende kapitulierten auch die beiden Aushilfstrainer Dietmar Bozek und Kristoffer Andersen. Standen sie vorher vor dem Team, das nie eins gewesen war, zog Dietmar Bozek am Ende ein enttäuschtes Fazit.
 

“Wenn ich diese Lustlosigkeit bei einigen registriere, bin ich einigermaßen fassungslos. Da kann man auch den Fanfrust nachvollziehen. Das war keine Mannschaft, die zusammenhält und ich glaube nicht, dass das nur mit der Pandemie zusammenhängt, denn damit müssen alle Teams umgehen“

 
Außer einmal, als die Spieler-Revolte gegen den Ex-Coach Stefan Vollmerhausen ausgerufen wurde, da gab es ein Gruppe als verschworenes Team. Danach und bis zum Ende der Saison nie wieder. Wie aber konnte das passieren? War es Corona und seine Pandemie schuld? Wer haute einen so tiefen Keil rein in die Truppe? Lag es daran das es fest definierte Gruppen gab, die in verschiedenen Kabinen saßen aufgrund der Corona-Bestimmungen und so nie zu einem verschworenen Team heranwachsen konnte? Andere Teams hatten auch das Problem, aber die konnten es lösen im Gegensatz zu unserer Mannschaft.
 
Schon in der Saisonvorbereitung 2020/2021 beschlich uns ein ungutes Gefühl mit dem mageren Testspiel-Ergebnissen und dem Rumpfteam. Sollte das gut gehen können? Nach und nach wurde das Team ergänzt und der Saisonstart begann zwar mit einer Niederlage gegen den BvB2, aber das was das Team auf dem Rasen zeigte war das was man sehen wollte auch wenn es am Ende nicht zu einem Punkt gereicht hatte. Eine Woche später in Ahlen wurde der erste Saisonsieg gefeiert, ein 1:0 Sieg brachte erstmal wieder Ruhe rein. Und dann war Corona auf einmal ganz nah. Ein Spieler aus dem Leistungsbereich war Positiv, die Mannschaft samt Trainer musste in die Quarantäne. Gerade in Fahrt gekommen gab es die Notbremse und vier Spiele lang musste man zusehen in der Liga. Aus der Quarantäne heraus feierte man einen 2:1 Sieg gegen die kleinen Fohlen. Was folgte war eine Heimspielserie von acht hintereinander folgenden Spielen, wo dem Team dann offensichtlich die Luft ausging. In der Folge mussten immer wieder Spiele verschoben werden so das man den anderen Vereinen hinter hing. Zwischendurch erschütterte uns eine Spieler-Revolte, teile der Mannschaft wollten nicht mehr mit Coach Stefan Vollmerhausen zusammenarbeiten. Man sprach ihm jegliche soziale und fußballerische Kompetenz ab. Ungenannte Spieler ließen verlauten das man selbst auf dem Platz die Taktik festlegte um wenigstens halbwegs Erfolgserlebnisse einfahren zu können. Als man beim Sportdirektor Thomas Hengen kein Gehör fand ging man zum Hauptsponsor Kutsch, der Verständnis für die Spieler hatte und gleichzeitig dem Sportdirektor Hausverbot erteilte. Nicht nur das, auch das finanzielle Engagement sollte zum Saisonende eingestellt werden. Wie reagierte die Alemannia Obrigkeit? Offiziell sagte man nichts, inoffiziell wusste jeder was anderes, und das Beste was man tun konnte war einfaches aussitzen des selbigen. Und wir Fans? Wir blieben ratlos zurück an der heimischen Sitzbank, denn ins Stadion dürften wir dann nicht mehr. Denn es kam der Lockdown, und die Stadiontore waren wieder einmal verriegelt. Man hangelte sich bis zur Winterpause durch, und von dem Spieleraufstand bekam man nicht mehr viel mit. Hatte man sich doch zusammengerauft? War doch wieder eine gemeinsame Basis gefunden worden? Als Blogger hörte ich von diversen Seiten Internas, das teils mir zu absurd erschien das es hätte wahr sein können. Aber war es nicht tatsächlich so? Schon damals sagte ich in einem meiner Podcasts das Internas, die an mich heran getragen wurden, nie den Weg über diesen Blog oder darüber hinaus an die Öffentlichkeit gelangen würden! Dafür stehe ich nicht und mit meinem Blog auf Bildzeitung Niveau schon gar nicht. Am Ende der Hinrunde, mit dem letzten Heimspielsieg gegen den Bonner SC (3:1) stand ein 9. Platz da. Ein Sieg mehr und es hätte sogar zu Platz 6 gereicht. Pünktlich zum Jubiläum 120 Jahre Alemannia Aachen war fast wieder Friede, Freude aber kein Eierkuchen.
 

 
Aber der erkennbare negative Trend zum Jahresende mit den beiden Auswärtsspielen in Münster (0:1) und Rödinghausen (0:0) sollte sich im neuen Jahr fortsetzen. Als die Ergebnisse nicht mehr stimmten wurde es um und im Tivoli unruhig. An dem Wochenende, wo das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf II stattfand, kam das Alemannia Fanmagazin “in der Pratsch” mit einem Bericht an die Öffentlichkeit das ausführlich darstellte wie und warum es zur Rebellion gegenüber Coach Stefan Volmerhausen gekommen war. So kamen dort die redseligen Spieler, Trainer und Gremienvertreter zu Wort, deren Darstellungsweise natürlich eine ganz andere war. Es wurden nun Namen sichtbar, wenn auch nicht ganz freiwillig, und jetzt ergab das Ganze ein Bild das man sich nun mit Namen gefüllt zusammenstricken konnte. Mit dem 0:2 gegen Fortuna Düsseldorf II kochte die Fan-Seele und auch in den Gremien war nach stundenlanger Beratung die Richtung klar – ein Neustart musste her. Das bedeutete das Aus für Coach Vollmerhausen und auch Sportdirektor Thomas Hengen verließ die Alemannia auf eigenen Wunsch vorzeitig – und das wo er hier langfristig etwas aufbauen wollte! Das “Geschmäckle” ging zurück in die Pfalz zum abstiegsbedrohten Drittligisten 1. FC Kaiserslautern. Zurück blieb nun eine Mannschaft die ab jetzt keinerlei Ausreden mehr hatte. Die Interimstrainer Dietmar Bozek und Kris Andersen sollten die Mannschaft wieder auf Kurs bringen.
 
Sah es bei ersten Auftritt gegen den FC Wegberg-Beeck noch gut aus mit einem 3:2 Auswärtssieg, folgte prompt die Ernüchterung in Wuppertal mit einer Niederlage. Auch der zweite Auswärtssieg in Gladbach war nur ein Strohfeuer, denn dann ging wenig bis nichts mehr. Es gab mehr enttäuschte Auftritte als positive und hier und da war erkennbar das einige Spieler sich schon lange nicht mehr ins Zeug legten. Statt Befreiung musste man doch feststellen das die Wurzel des Übels nicht allein beim Trainer gelegen haben muss, wie man das gerne kolportierte. Die großen Reden der Mannschaft standen im krassen Widerspruch zur gezeigten Leistung. Hier und da strengte man sich an, aber oftmals sah es einfach nur noch Lustlos aus und Zweikampfführung ohne den nötigen Ernst. So galoppierte man in der Tabelle weiter nach unten und hatte das unsagbare Glück das es am Ende nur einen Absteiger aus der Regionalliga West geben sollte, da die Oberligen allsamt aufgrund Corona abgebrochen wurden und es so keine Aufsteiger gab. Wenn man sich die Tabelle anschaute, alleine nur die Rückrunde, brachte die Alemannia alles mit was ein Absteiger benötigte um der Regionalliga auf Wiedersehen zu sagen. Blickt man zurück konnte man froh sein das Coach Vollmerhausen noch so viele Punkte vorher in der Hinrunde geholt hatte, es wäre ansonsten ein Begräbnis erster Klasse geworden. Selbst ein Fan-Aussprache, wo vor den Toren des Tivoli der Mannschaft die Leviten gelesen wurden, erzeugte keine Besserung. Der Appell ging links rein und wurde direkt ohne Widerstand durchgereicht ans rechte Ohr hinaus. Erschreckend war damals die Aussage von dem neu verpflichteten Geschäftsführer Martin Bader, der meinte was man denn von ihm erwarten würde nach drei Wochen seiner Arbeitsaufnahme. Mit Martin Bader kam eine Top Verpflichtung als Manager aus der Bundesliga, der hier den Alemannia Laden wieder auf Kurs bringen sollte. Wer immer das eingefädelt hat, kann sich selbst gratulieren. Aber bei der Fan-Aussprache war auch er “hilflos” und passte sich nahtlos an. Gut, er war erst drei Wochen im Amt aber da hätte ich ihm persönlich mehr zugetraut. Im Nachhinein muss man aber sagen das auch er anscheinend völlig überrascht wurde wie der Zustand innerhalb und außerhalb der Mannschaft war. Mittlerweile weiß er auch das er einem Trugschluss erlegen war diese Truppe in den Griff zu bekommen.
 

 
Die letzten Wochen zählten bereits die Fans und Fangruppen die Spieltage herunter, wann man endlich von der Saison erlöst wurde. Einzig im Bitburger Pokal, der im Mai mit dem Viertelfinale startete, konnte die Alemannia Mannschaft nochmal kurz auftrumpfen, als man mit zwei Siegen im Endspiel stand. Plötzlich war da für die vorher völlig desillusionierten Fans ein Hoffnungsschimmer am trüben Regionalliga Himmel. Ein Sieg im Endspiel des Bitburger Pokals hätte die DFB-Pokal Teilnahme bedeutet, mit nur einem Sieg hätte an die verkorkste Saison gerettet. Auch wenn der Gegner Viktoria Köln aus der Drittenliga kam, nur ein Spiel, nur einmal alle Kräfte bündeln und alles raushauen. Man hätte soviel vergessen machen können. Was war? Am Finaltag der Amateure zeigte man den Spiegel der ganzen Saison, zunächst ganz solide machte man es dann der Viktoria viel zu einfach und geriet schnell ins Hintertreffen. Die Viktoria selbst benötigte keinen guten Tag, sie musste nur die Fehler ausnutzen die Alemannia bot. Und selbst ein Funken Hoffnung in der 87. Minute, als man einen Elfmeter bekam, zeigte die ganze Lustlosigkeit vom Punkt aus. André Wallenborn schoss den Ball so schlecht das der Keeper sich nicht mal groß anstrengen musste um den Ball zu parieren. Es war passend für die Saison an Pleiten, Pech, und Pannen mit Spieler-Revolte und Fan-Aussprache. Das allerletzte Spiel in der Regionalliga West Saison 2020/2021 sollte dann abermals in den Bonner Sportpark führen zum letzten Auswärtsspiel gegen den abstiegsbedrohten Bonner SC. Man war sich bereits vorher einig das sie den Abstieg mit einem Sieg gegen die Alemannia abwenden würden. Kein Fan setzte auch nur einen Pfifferling auf unser eigenes Team das schon lange keins mehr war. Vor der Partie meldeten sich neben den Verletzten und entschuldigten Spielern auch weitere Spieler (Stipe Batarilo, Muja Arifi, Oguzhan Aydogan und Marwin Studtrucker) einfach ab. Angeblich waren diese sehr “angepisst” weil die Alemannia nach der Pokalniederlage in Bonn keine richtige Verabschiedung gemacht hatte bzw. es keinen Mannschaftsabend gab. Bitte? Da muss man als Fan erstmal schlucken! Was erwarteten denn diese Spieler nach der beschissen Saison und dem schauerlichen Pokalfinale? Das man sie noch nuckelt, schaukelt und mit der Sänfte durch den Tivoli trägt? Es machte einen als Fan fassungslos was sich diese Spieler herausnahmen und das letzte Spiel einfach “verweigerten”. Aber es rundet das Bild letztendlich ab was wir über weite Teile der Saison gesehen hatten. Und am Ende stand dann auch das Eingeständnis der Alemannia Führung das man die Mannschaft nie in den Griff bekommen hat. Wollte zuvor Geschäftsführer Martin Bader den Kern, bestehend aus aus 10-12 Spielern, über die Saison hinaus behalten, kam er nun spätestens nach dem Bonner Spiel zu einer anderen Einschätzung.
 

Es hat sich die Gewissheit verfestigt, dass der Schnitt größer sein muss, als wir das ursprünglich geglaubt haben

 
Das ein großer Kehraus nun erfolgen muss ist und war unausweichlich. Von den Spielern die schon in der Winterpause den Verein verließen (Vincent Boesen, Robin Garnier und Kai Bösing) gesellten sich nun weitere Spieler hinzu denen man kein neues Angebot mehr unterbreitete. So werden die Spieler Alexander Heinze, André Wallenborn, Matti Fiedler, Steven Rakk, Stipe Batarilo, Muja Arifi, Oguzhan Aydogan, Marwin Studtrucker, Terence Grothuusen und Takashi Uchino den Verein verlassen. Weitere sind nicht ausgeschlossen. Das Gesicht der Alemannia wird runderneuert, die neue Maxime lautet kernige Spieler mit dem nötigen Grell und junge Talente die hier ihre Möglichkeit sehen etwas zu erreichen. Wie schnell so etwas gehen kann zeigte eindrucksvoll Matti Cebulla, der für die Alemannia U19 geholt wurde und aus der Not heraus den Sprung in den Regionalliga Kader geschafft hat. Diese Spieler sind die Zukunft der Alemannia, denn sie verkörpern das was wir hier monatelang nicht gesehen haben. Kampf, Leidenschaft, alles geben und Gras fressen. Der große Teil des Kaders 2020/2021 hielt das für nicht mehr nötig, jedenfalls taten sie nichts um ein anderes Bild zu vermitteln. Deshalb ist es gut das nun ein großer Schnitt erfolgt und der neue Coach Patrick Helmes mit Geschäftsführer Martin Bader eine neue Alemannia Mannschaft strickt die genau diese Attribute wieder am und im Tivoli zeigt. Denn eines ist Gewiss, so eine Saison mit solchen Spielern wollen wir nie wieder sehen! Und wenn man die ersten Neuverpflichtungen sieht mit Tjorben Uphoff (Wuppertaler SV), Marcel Damaschek (Bonner SC) , Tim Buchgeister (1. FC K´lautern II), Dino Bajric (Sportfreunde Lotte) und Lars Oeßwein (1. FC K´lautern II) dann fängt es tatsächlich wieder an zu kribbeln! Gibt es doch gar nicht oder? Am 3. Juli ist Trainingsauftakt, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen wie die neue Mannschaft aussieht. Und noch gespannter wie sie in den ersten Testspielen auftritt. Ich freu mich drauf. und ihr?
 
 
 
 

One thought on “Saisonabschluss mit drei Kreuzzeichen”
  1. Ja, leidensfähig mussten man diese Saison besonders sein. Nun sind sie hoffentlich bald weg, die ehemaligen Spieler de Alemannia. Unsere Spielr waren sie schon lange nicht mehr. Sie dürfen froh sein das keine Fans im Stadion zugelassen waren.
    Nun heißt es hoffen, mal wieder hoffen, das die Verantwortlichen eine Mannschaft hinbekommen, wo ich als Fan sagen kann: Das ist unsere Mannschaft.
    Dir für deine Videopostcast, Facebookberichte und Fotos Danke Danke

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