Regionalliga Reform als Lightversion


 
 
Die Regionalliga-Vertreter aus Nord, Nordost und Bayern konnten sich gestern bei dem großen Treffen in Landsberg/Peißen, an dem auch Vertreter der 3. Liga anwesend waren, auch nach einer mehrstündigen Debatte nicht auf einer Lösung einigen – stattdessen plädiert man dafür das alles so bleibt wie es ist. Zumindest was die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern betrifft. Somit würde es bei den fünf Regionalligen, und die Maßgabe das weiterhin nicht alle Regionalliga Meister aufsteigen werden, bleiben. Die nicht eingeladenen Vertreter aus den Regionalligen West und Südwest konnten diesem Treffen gelassen entgegen sehen. Sie werden den jeweiligen Regionalliga Meister direkt in die 3. Liga entsenden.
 
 

Es ist schlicht nicht möglich, aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Ligen zu bilden. Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar, dazu sind die Distanzen zu groß, außerdem ist die regionale Identität gerade im Nordosten viel zu bedeutsam, um ihn in zwei Teile zu zerschneiden. Dies bedeutet, dass es weiterhin nicht möglich sein wird, alle Meister der Regionalligen direkt aufsteigen lassen zu können. 

Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)

 
 
Was konnte man auch man bei dem gestrigen Treffen erwarten? Schon im Vorfeld regte sich aus der Regionalliga Nordost Widerstand zu der geplanten Aufteilung in die Regionalliga Nord und Bayern, was einer Ligastruktur mit vier Staffeln den direkten Aufstieg des Regionalliga Meisters ermöglicht hätte, aber gleichzeitig die Zerschlagung des NOFV (Nordostdeutscher Fußballverband) Verbandes zur Folge gehabt hätte. Die Vertreter der 3. Liga hatten zuvor signalisiert das man einen weiteren – vierten – Absteiger befürworten könnte, um den Regionalligen entgegen zu kommen. Eine Aufstockung der 3. Liga auf 22 Mannschaften mit fünf Absteigern fand hingegen nur vereinzelt Zustimmung. Auch hier ist die finanzielle Unsicherheit im Vordergrund begründet das über manchen Vereinen permanent die Insolvenz schwebt. Das ist allerdings auch in der Regionalliga bereits der Fall, vor allem die ambitionierten und gestrandeten Traditionsvereine haben es schwer den Kostenapparat mit großem Stadion und Infrastruktur zu stemmen. Denn in der Regionalliga verdient man nichts, in der 3. Liga gibt es hingegen einen Topf mit TV-Geldern – der trotzdem nicht ausreicht um die Liga auf sichere Füße zu stellen.
 
 

 
 
Die 51 Regional-Vertreter stimmten somit am Ende mit 47 Stimmen, bei 4 Enthaltungen, für die Beibehaltung der Regionalliga Nordost und somit auch gleichzeitig dafür das der Regionalliga Meister nicht direkt aufsteigen kann. Für die drei Regionalligen muss jetzt in einem weiteren Arbeitskreis ein Modus gefunden werden wie von drei Meistern am Ende zwei davon in die 3. Liga aufsteigen können. Als Fan ist einem das total unverständlich, wieso es so schwer ist aus fünf Regionalligen einfach vier zu bilden. Wenn man die Vereine hin und her schiebt werden immer Verein dabei sein die am Ende die dickste Kröte schlucken müssen, wenn es darum geht auswärts mehrere hundert Kilometer zu fahren. Für die vielen kleinen Vereine in der Region ist dies kaum finanziell zu stemmen, einige Vereine haben aber auch gar nicht die Ambition in die 3. Liga aufzusteigen da es aus Kostengründen schlichtweg nicht machbar ist. Angefangen vom 3. Liga tauglichen Stadion mit allen Sicherheitsanforderungen bis hin zu einer tauglichen Infrastruktur ist das für kleinere Vereine fast unmöglich.
 

Andersrum kann man die berechtigte Frage stellen warum die Regionalliga West nicht weiter in den Norden und Süden reicht, schließlich könnten die Vereine dort auch längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Wenn ein Kompromiss gefunden werden muss, müssen eben alle Opfer bringen. Man kann sich tatsächlich diese Frage stellen warum die Regionalliga West und Südwest bei der Reform außen vor blieben. Die Antwort ist einfach, weil im Gebiet der Regionalligen West und Südwest rund 50 Prozent aller Vereine, Mannschaften, Fußballer samt Einwohner vertreten sind. Somit stand vorher schon fest das, unabhängig wie sich die anderen drei Regionalligen entscheiden, das der künftige Meister ab der Saison 2020/2021 direkt in die 3. Liga aufsteigt. Gut für die dort reichlich angesiedelten Traditionsvereine die ein berechtiges Interesse daran haben die Regionalliga als Meister auf direkten Weg zu verlassen.
 
In mehr als fünf Stunden wurde gestern in Landsberg nicht nur diskutiert, sondern auch über verschiedene Modelle einer neuen Ligastruktur abgestimmt. Allesamt fanden diese keine Mehrheiten und wurden abgelehnt:
 

  • Einführung einer zweigleisigen 4. Liga unterhalb der 3. Liga
    45 x Nein, 0 x Ja, 9 Enthaltungen
  •  

  • Einführung einer dreigleisigen 4. Liga unterhalb der 3. Liga
    45 x Nein, 0 x Ja, 7 Enthaltungen
  •  

  • Schaffung von vier Regionalligen (Nord/Ost/Süd/West-Südwest) durch Zusammenlegung der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Bayern zu einer fast 40% von Deutschland erfassenden Süd-Liga, wie in dieser Woche von deutschen Fanszenen in einem Papier vorgeschlagen
    39 x Nein, 0 x Ja, 11 Enthaltungen
  •  

  • Jährlich wechselnde freie Verteilung der Regionalligavereine auf vier Regionalligen nach ausschließlich geographischen Gesichtspunkten
    51 x Nein, 0 x Ja, 1 Enthaltungen

 
 

Dass der Meister unbedingt aufsteigen soll, dazu sei bei dem Treffen 47 Mal Nein gesagt worden. Bindend ist nur, was der DFB-Bundestag im September beschließt. Aber es war sportpolitisch wichtig, dass wir diese Positionen entwickelt haben

Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Stimmungslage nach dem Treffen

 
 
Zusammengefasst ist die Reformbemühung, die die umstrittene Aufstiegsregelung der Regionalligen mit den Aufstiegsspielen zur 3. Liga abschaffen wollte, mit nahezu einstimmiger Mehrheit einer Absage erteilt worden. Zumindest in der diskutierten Form der Lösungsmöglichkeiten. Im Kern fehlt es weiterhin an einer einheitlichen Pyramidenstruktur unterhalb der zweiten Liga und innerhalb der Regionalligen. Eine eingleisige zweite Liga mit vier Absteigern könnte darunter eine zweigleisige 3. Liga beinhalten die ihrerseits jeweils zwei Aufsteiger und drei Absteiger hat. Darunter bilden dann sechs Regionalligen (mit einer neuen Regionalliga Südost) den Unterbau wo die jeweiligen Meister dann direkt aufsteigen. Eine weitere Regionalliga (Südost) würde dann noch regionaler sein und für kürzere Distanzen sorgen und könnte sowohl kleinen wie auch großen Vereinen gerechter werden.
 
Dazu aber müsste zunächst die 3. Liga insgesamt erst einmal auf gesunde Füße gestellt werden, so das für die Vereine die Wirtschaftlichkeit gegeben ist. Dazu bedarf es einen neuen Verteilungsschlüssel der aus Vermarktung und TV-Rechten auch der (dann zweigleisigen) 3. Liga zugute kommen würde. Entsprechende Verträge werden ja bald wieder neu ausgehandelt von DFL und DFB. Gleichzeitig muss sichergestellt werden das auch die Regionalligen entsprechend wirtschaftlich überleben können und die Gelder bis hierhin reichen. Ob dazu aber die Vereine aus den höheren Ligen, die näher am Geldtopf sind, bereit sind den unteren Vereinen mehr Geld zu geben? Zukunftsmusik, denn im September muss sich der DFB Bundestag erstmal mit der Regionalliga Reform befassen. Dieser hat das letzte Wort, aber man darf davon ausgehen das der gestrige Beschluss der drei Regionalliga-Vertretern aus Nord, Nordost und Bayern dort Rechnung getragen wird und es vorläufig bleibt wie es ist – mit den Ausnahmen das Regionalliga Meister, wenn sie aus West und Südwest kommen, direkt aufsteigen – während die drei anderen einen wie auch immer aussehenden Aufstiegsmodus durchlaufen müssen. Was man sich mit dem Beschluss auf dem Bundestag 2019 erkaufen kann ist weiterhin Zeit. Zeit über andere Modelle nachzudenken wie man die Ligastrukturen und die Wirtschaftlichkeit im Griff bekommt. Oder man sitzt es einfach weiterhin aus, und wartet bis die meisten Vereine in den Ruin abgedriftet sind. Den man kann ja immer sagen das die angedachte Reform der Regionalligen mit 47 Nein Stimmen nicht gewünscht war, da es an Kompromiss- und Handlungsbereitschaft gefehlt hat.
 
 

Das Ziel ist, bis zum DFB-Bundestag 2019 eine mehrheitsfähige Lösung zu finden, die auf vier statt fünf Regionalliga-Staffeln basiert, aus denen dann alle vier Meister aufsteigen. Dazu bedarf es gemeinsamer Kompromiss- und Handlungsbereitschaft

DFB-Präsident Reinhard Grindel in einer Verbandsmitteilung nach dem Bundestag 2017

 
 
 
 

Schreibe einen Kommentar

eins × 3 =