Quo vadis Alemannia – Tristesse am Tivoli

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Die Befürchtungen der letzten Woche sind leider wahr geworden. Binnen weniger Tage hat man womöglich alles verspielt. Raus aus dem FVM Pokalhalbfinale (Bitburger Pokal) und nun ein herber Rückschlag im Titelrennen mit der 1:0 Niederlage beim FC Kray. Schlimmer noch als die zweite Niederlage in der laufenden Saison ist aber wie sich die Mannschaft seit Wochen präsentiert. Blickt man zurück ist ein langsamer stetiger spielerischer Einbruch zu beobachten, der seinen Anfang bei den Sportfreunden Lotte nahm. Nachdem man 0:2 zurückgelegen hatte konnte man noch am Ende ein 2:2 holen, was man damals zum Anlaß nahm das “der innere Schweinehund” der Mannschaft besiegt wurde. Zuhause gegen den SC Wiedenbrück mühte man sich zum knappen 2:1 Erfolg, wobei man in den letzten Minuten aber mehr gezittert hat als souverän verteidigt. Beim abstiegsbedrohten KFC Uerdingen, die zuvor sieben Spiele lang nicht gewinnen konnten, mühte man sich ebenfalls zu einem bescheidenen 1:1 und hatte zudem Glück das in der Nachspielzeit der irreguläre Treffer der Uerdinger nicht gegeben wurde. Nicht nur spielerisch blieb man vieles Schuldig. Beim VfL Bochum ein ähnliches Bild, man hatte aber das Glück kurz vor Schluß den entscheidenen Treffer zu erzielen. Wiederum eine Woche später mühte man sich dagegen vergeblich gegen RW Oberhausen. Chancen gab es, aber keine Tore. Im Spiel selbst blieb zuviel Stückwerk. Dann erfolgten die Niederlagen in Bonn (FVM Pokal) und nun beim FC Kray, wo man spielerisch vollendends enttäuschte. Für einen Aufstiegsaspiranten ist das zuwenig.

 

Der direkte Konkurrent aus Gladbach spielt hingegen seit Wochen konstant stark. Am kommenden Freitag nun kommt es zum großen Gipfeltreffen der beiden bis dato besten Mannschaften der Regionalliga West. Über 14.700 Tickets sind bereits verkauft, trotz der Niederlage in Kray gehen die Tickets weiter über dem Ladentisch. Drei Punkte Rückstand, Gladbach hat noch ein ausstehendes Nachholspiel und zudem die eindeutige bessere Tordifferenz. Die Chancen am Ende doch noch ganz oben zu stehen sind nun gering geworden. Vergleicht man die letzten Spiele zwischen den beiden Teams dann sind die “kleinen” Fohlen nun der eindeutige Favorit. Nur mit sehr viel Optimismus kann man sich am allerletzten Strohhalm klammern das man es noch schaffen könnte. Wir selbst haben es nicht mehr in der Hand, und wenn man sich auf andere verlässt…aber lassen wird das! Dabei müssten unsere Kicker doch mit breitgeschwellter Brust rumlaufen!

 

Wir müssen unsere Leichtigkeit wiederfinden. Wenn wir Druck nicht vertragen können, heißt das, wir sind noch nicht reif.
Alemannia Kapitän Aimen Demai

 

Aimen Demai sagte es nach der Niederlage richtig, wer den Druck nicht verträgt ist nicht aufstiegsreif. Und der Druck steigt jetzt vor dem Spiel gegen Gladbach II ins unermessliche. Ein Sieg würde die kleine Option des möglichen Aufstiegs aufrecht erhalten. Eine Niederlage hingegen das entgültige aus im Kampf um den Titel bedeuten. Das die kleinen Fohlen nun am Freitagabend hübsch abwarten können was die Alemannia sich so einfallen läßt im Spiel, macht die Situation nicht einfacher. Jetzt aber müssen die “Eier” gezeigt werden, will man sich eine kleine Option noch offenhalten.
Natürlich hat unsere Alemannia eine hervorragende Saison gespielt, in deren Anfang vom Aufstieg keine Rede war. “Oben dabei” hieß das Ziel. Aber mit jeden Sieg, und mit jeder Niederlage der Konkurrenz aus Essen, Lotte und V.Köln, wuchsen die Träume für ein lang gehegtes Ziel. Wenn man dann sieben Spieltage vor Schluss immer noch punktemäßig am Tabellenführer dran ist, kann man nicht mehr sagen “wir wollten ja nur oben dabei sein“. Dann würde man sich und die Fans selbst belügen. Aber just in der Phase, wo es spielerisch nicht mehr so lief, kamen dann die hausgemachten Probleme zu Tage. Über die Öffentlichkeit beklagten sich (Neu) Sportdirektor Alexander Klitzpera und Trainer Peter Schubert gegenseitig, offen wurde das Scharmützel via Zeitungsinterviews ausgetragen. Nun weiß man das viele Spieler ihren Vertrag noch nicht verlängert haben weil sie anscheinend “überzogene” Forderungen gestellt haben und wahrscheinlich auch mit anderen Vereinen verhandeln. Der Trainer hingegen beklagte die geringe Wertschätzung an die Arbeit. Das dies nicht förderlich ist in der entscheidenen Saisonphase bekam man mit den beiden letzten Niederlagen quittiert. Selbst der Coach von Gladbach II, Sven Demandt,  war “irritiert” das sich Alemannia eine öffentliche Unruhe zu diesem Zeitpunkt leistete.

 

Im Kopf zu langsam, oft einen Schritt zu spät, die Angriffe nicht zu Ende gespielt. Zudem hat sich gezeigt das der eine oder andere mit sich selbst zu tun hat.
Alemannia Coach Peter Schubert

 

Auch Peter Schubert hatte nach der Niederlage in Kray recht wenn er sagte das “der eine oder andere mit sich selbst” zu tun hat. Das die Spieler nicht den erstbesten Vertrag unterschreiben müssen ist legitim. Allerdings sollte man von “Profis” erwarten das sie dennoch ihren Allerwertesten für ihren bisherigen Arbeitgeber aufreissen, wenn sie schon mit Wechselabsichten koketieren bzw. sich für einen besseren Vertrag empfehlen wollen. Diese ganze Unruhe, geschmückt mit den noch “infantileren Theorien” im Socialmedia, stellen das dar was die Mannschaft zuletzt geboten hat. Jeder hat plötzlich Insiderwissen und weiß zu berichten das die halbe Mannschaft bereits bei Uerdingen einen Vertrag unterschreiben kann (da gibt es ja jetzt einen kleinen Abramowitsch der nur mit Geld um sich wirft), und die andere Hälfte bei Viktoria Köln vor der Tür steht. Auch hier ist es legitim wenn sich Spieler nach einem anderem Verein umsehen, der sportlich (sowie finanziell) die bessere Perspektive bietet. Man muss auch kein Fußballexperte sein um zu sehen das beispielsweise ein Marcus Hoffmann mindestens eine Liga höher gehört. Es war sowieso Glück das man letztes Jahr in der Winterpause einen solchen Spieler zum Tivoli lotsen konnte. Aber wenn Spieler, die gerade in Vertragsverhandlungen stecken, plötzlich in ein Leistungsloch fallen dann hinterläßt das ganze doch ein “Geschmäckle” der besonderen Art. Da kann auch Keeper Freddy Löhe, einer der wenigen der sich nicht nur vor der Mannschaft sondern auch via Facebook den Fans stellt, sagen: “Ich lese dass wir nicht aufsteigen wollen und uns mit anderen Vereinen beschäftigen! Was ist das bitte für ein Blödsinn?“. Da muss man dem guten Freddy leider entgegnen das genau dieser Eindruck durch Teile der Mannschaft vermittelt wird.

 

Freddy
 
Die gute Stimmung und das positive Erscheinungsbild der Alemannia in den letzten Wochen und Monate sind nun erst einmal dahin. Zwei entscheidende Niederlagen haben dazu beigetragen das es am Ende womöglich doch keine gute Saison geworden ist, denn das negative bleibt am längsten haften. Was eigentlich schade ist, denn lange nicht mehr haben unsere schwarzgelben und so verzückt und jubeln lassen. Was waren das für Zeiten als es Heimniederlage auf Heimniederlage hagelte? Zuhause ist man nun seit einem Jahr ungeschlagen! Die letzte Niederlage gab es am 14. April 2013 gegen gegen Fortuna Düsseldorf II (2:3).  Am Freitag besteht die letzte Chance das Titelrennen offen zu gestalten wenn Gladbach II geschlagen und die Heimserie fortgesetzt wird. Aber dazu muss man sich nicht nur dort, sondern auch in den restlichen Spielen zusammenreissen und die letzten Partien entsprechend angehen. Biedere Leistungen kann man sich nicht mehr erlauben, jetzt sind Eier und die kämpferischen Qualitäten gefragt. Und die breite Brust, die man unverständlicherweise seit Wochen versteckt!

 

 

Restprogamm Alemannia:

Alemannia – Gladbach II
FC Schalke 04 II – Alemannia
Alemannia – Viktoria Köln
SV Rödinghausen – Alemannia
Alemannia – SC Verl
Sp. Siegen – Alemannia

 

Restprogamm Borussia M´gladbach II

Alemannia – Gladbach II
SV Rödinghausen – Gladbach II (Nachholsspiel)
Gladbach II – Vfl Bochum II
RW Oberhausen – Gladbach II
Gladbach II – FC Kray
Gladbach II – KFC Uerdingen
Schalke 04 II – Gladbach II

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