Nachlese einer „typischen“ Alemannia JHV

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Am Ende wurde es unschön. Zur vorgerückter Stunde, nach fünf Stunden Zahlenspielereien und Wahlen, kochte es emotional hoch im Aachener Eurogress. Schatzmeister Horst Reimig trat an das Rednerpult und machte sich nochmal „Luft“ über die Art und Weise das seine Arbeit (und die der Kollegen) nicht gewürdigt wird seitens der Mitgliedschaft. Es würde immer schwieriger für Alemannia zu arbeiten, wenn das Misstrauen der Mitglieder gegenüber den Gremien groß ist. Schließlich wurden sie gewählt und arbeiten hart für den Verein.
 

Es wird immer schwieriger für Alemannia zu arbeiten
Schatzmeister Horst Reimig

 
Alemannia Mitglied Friedrich Jeschke trat darauf vor das Mikrofon im Plenum und es gab einen kurzen Schlagabtausch zwischen unserem Schatzmeister und ihm. Am Ende, nachdem Horst Reimig noch persönlicher wurde, legte Friedrich Jeschke seine Mitgliedskarte vor den Füßen der Gremiker ab und verließ wortlos den Saal.
 
Unter Buhrufen kochte die Stimmung hoch und es wurde seitens Robert Moonen, der die JHV wieder moderierte, beschwichtigend versucht die Wogen zu glätten. So endete die Jahreshauptversammlung um weit nach Mitternacht doch mit einem Nachgeschmack.
 
 

Zusatz-Antrag „Rahmenbedingungen für einen Investoreneinstieg bei der Alemannia Aachen GmbH
Zusatz-Antrag „Rahmenbedingungen für einen Investoreneinstieg bei der Alemannia Aachen GmbH

 
Aber beginnen wir von vorne. Am Anfang hätte es beinahe schon einen „Eklat“ gegeben, denn unseren Ehrenpräsident Leopold Chalupa konnte sich am Eingang nicht ausweisen. Da die gute Frau ihn auch nicht (er)kannte bekam er die lapidare Auskunft „Ohne Mitgliedsausweis kann ich sie hier nicht reinlassen“. Wie gut das ihm kurz darauf jemand doch erkannte, so dass unser Ehrenpräsident doch noch im Eurogress reinkam.
Die JHV begann dann auch mit gut zehn Minuten Verspätung, weil der Andrang vor der Türe groß war. Nagut, man wartete bis die sechs Mitglieder dann auch endlich im Saal angekommen waren.
 
TSV Präsident Heinz Maubach eröffnete die Jahreshauptversammlung und begrüßte 318 Mitglieder. Nach der Aufnahme des Antrages „Rahmenbedingungen für einen Investoreneinstieg bei der Alemannia Aachen GmbH ging es weiter mit der Totenehrung – hier der kürzlich verstorbene Heinz Becker. Dann berichteten die einzelnen Abteilungen des TSV:
– Jahresbericht Leichtathletik
– Jahresbericht Futsal-Abteilung (es gibt nun eine 2. Mannschaft plus Damenmannschaft)
– Jahresbericht von der Tischtennisabteilung
– Jahresbericht von der Handball Abteilung
– Jahresbericht Frauenfußball (Abstieg aus der 2. Liga, da im Winter 11 Spielerinnen und Co-Trainerin aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen den Verein verlassen haben.
– Bericht des Präsidiums (aktuell 6.347 Mitglieder, U9 – U16 werden aus der GmbH wieder in den TSV eingegliedert, vier Mitarbeiter werden die Aufgabe von Herr Kaß übernehmen und das NLZ leiten.
– Bericht vom Verwaltungsrat durch Dr. Martin Fröhlich
– Bericht des Wahlausschusses
 
Zuletzt ging unser Präsident nochmal auf die Vorwürfe ein, die des ungebührlichen Verhaltens gegenüber Schutzbefohlenen durch Trainer betrafen. Er betonte nochmals, dass diese Vorwürfe nicht haltbar waren und weder Kripo noch Staatsanwaltschaft konnten irgendwelche Hinweise ausmachen. Wenn auch nur den kleinsten Verdacht gegeben hätte zu dem Vorgang, unser Präsident hätte er sich die Frage gestellt ob er noch am richtigen Platz wäre.
 
Dann stand die erste Wahl des Abends an, der Ehrenrat musste neu gewählt werden .Für den freigewordenen Platz, durch den Tod von Heinz Becker, bewarb sich der ehemalige Aufsichtsrat-Mitglied Hans Peter Appell. Per Urnengang wurde abgestimmt und am Ende und fast alle Kandidaten gewählt (Jupp Martinelli 96,77%, Jo Montanes 96,12%, Michael Pfeiffer 91,21%, Manfred Reinders 65,90%, André Venth 55,85% und Klaus Dieter Wolf 68,9%). Hans Peter Appel hingegen schaffte mit 43,75% nicht den Einzug in den Ehrenrat, man mochte ihm die vorherige Antwort „ich bin vor der Insolvenz aus dem Amt ausgeschieden“ nicht so recht abnehmen.
 

 
Nächster Punkt war die „Verabschiedung des „Leitbildes“ TSV Alemannia Aachen 1900 e.V.“, wo Dr. Reiner Becker von der Philipps-Universität Marburg das Leitbild den Mitgliedern vorstellte.

Nach der Verabschiedung des Leitbildes sollte dann durch Schatzmeister Horst Reimig die Rechnungslegung und Finanzlage zum 31.12.2015 vorgestellt werden. Aber bevor es soweit kam machte Mitglied Dieter Lübbers drauf Aufmerksam, dass man den Mitgliedern das Alemannia Leitbild zwar vorgestellt habe, aber nicht darüber abgestimmt wurde zur Verabschiedung. Das sah das Präsidium natürlich ein, und mit 5 Gegenstimmen und 14 Enthaltungen wurde das neue Alemannia Leitbild mehrheitlich verabschiedet.
 
Nun kam Schatzmeister Horst Reimig und begann seinen Vortrag damit das Mitglieder gegenüber dem Verein mit 60.000 Euro säumig waren. Nach Aufforderung diese zu zahlen beauftragte man das Inkassobüro Creditreform, so das 40.000 Euro eingetrieben werden konnten. 2016 sind wiederum einige Mitglieder säumig so dass hier ein Betrag von 20.000 Euro fehlt. Alemannia will dies ebenfalls über das Inkassobüro einholen. Dem Verein TSV geht es finanziell wieder gut, er wird grundsolide geführt. Auf der Finanzübersicht fiel der Punkt „Sonstiges“ ins Auge, dort wurden Einnahmen von 50.000 Euro ausgewiesen. Auf Nachfrage erklärte er das dies eine Versicherungsentschädigung war aufgrund von Regressansprüchen gegenüber ehemalige Gremiker (Heyen/Kaemer). Unter dem Strich wurden 2,5 Mio gezahlt, davon gingen dann die 50.000 Euro dem TSV zu. Vor drei Jahren befand sich der TSV nahe der Insolvenz, heute steht man wieder gut da.
 
Das Vereinskapital beträgt nunmehr 100.000 Euro, es konnte ein Überschuss von 70.000 Euro erzielt werden. Dies ist mit ein Grund warum die Jugendmannschaften U9 – U16 aus der GmbH wieder zurück in den Verein geholt werden. Im Anschluss erfolgte die Entlastung des Präsidiums, des Verwaltungsrates und des Wahlausschusses zunächst per Handzeichen, ehe von den Mitgliedern gefordert wurde Geheim abzustimmen, was dann auch geschah. Dabei wurde die Entlastung zwar mehrheitlich, aber nicht Einstimmig (Präsidium (131 Ja, 82 Nein, 86 Enthaltungen) und Verwaltungsrat (131 Ja, 80 Nein, 82 Enthaltungen) erzielt was dann am Ende des Abends noch einmal Thema werden sollte. Schatzmeister Horst Reimig ging auch nochmal auf die Steuerschuld (Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer) ein, und beklagte, dass dies ein Versäumnis des Insolvenzverwalters war der den Steuererlass nicht rechtzeitig gestellt habe und somit keine Rechtssicherheit vorliegt. Fällig würden so Steuern, weil der Verzicht der Gläubiger bilanztechnisch als steuerpflichtiger Gewinn gebucht wird. Nach der Abgabe des Steuerbescheides habe man dies getan, der Betrag wird gestundet und es muss darüber entschieden werden ob die Steuerschuld erlassen werden kann.
 
Es ging weiter mit dem Geschäftsbericht der GmbH, dazu trat Geschäftsführer Timo Skrzypski an das Rednerpult. Bei seinem Amtsantritt gab es innerhalb des Vereins viele strukturelle Probleme, die meisten Abteilungen haben Defizite aufgewiesen. So musste der Security-Dienstleister nach kurzer Zeit ausgetauscht werden da dieser nicht zufriedenstellend gearbeitet hat. Ebenfalls hat das Fehlverhalten von Fans, insbesondere beim Spiel in Dortmund, dem Verein finanziell schwer geschadet. Diese Strafe holte man sich bei den Verantwortlichen Leuten zurück und kündigte an das auch in Zukunft zu tun. Die harte Linie gegenüber den Ultras wird weiter konsequent durchgeführt, hält aber die Tür weiterhin auf zum Dialog.
 
Der Onlineshop wurde wieder ins Leben gerufen, es wurden neue Vertriebswege erschlossen und ab dem 01. Juli wird ein neuer Fanshop in den Aachen Arkaden eröffnet. Dieser Fan Shop kostet dem Verein nichts. Die letzte Saison hat der GmbH finanziell schwer schaffen gemacht, da der sportliche Erfolg ausblieb und Abfindungen gezahlt werden mussten. Nur Dank von Sponsoren konnte der finanzielle Engpass abgefedert werden. Am Saisonende musste zudem der Caterer ausgewechselt werden. Unser Geschäftsführer zeigte eine Menge an Charts, woraus sich der nun auferlegte Sparkurs anschaulich darstellen ließ. Der Gesamtaufwand Saisonal gesehen, ab 01.07.2016 berechnet sich der Jahresabschluss nicht mehr Kalendarisch sondern Saisonal, weist aus das der Etat um 1,5 Mio Euro gesenkt wird auf 4,020 Mio Euro.
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Auslaufende Verträge mit Dienstleistern wurden überprüft und durch günstigere ersetzt. Trotz dieser auferlegten Sparmaßnahme wird man auch in der nächsten Saison mit einem Defizit planen. Es wurden im letzten Jahr Sondereffekte in Höhe von 800.000 Euro erzielt u.a. im Verkauf von Marketing- und Verwertungsrechten über einen längeren Zeitraum. Ohne diese Sondereffekte würde das Defizit 1,6 Mio Euro betragen. Man wünscht sich gute Umsätze mit Tickets und Einnahmen für das neue Alemannia Trikot. Für Trainer Kilic ist noch etwas Spielraum vorhanden durch Transfererlöse für Fabian Graudenz und der Abgang von zwei Nachwuchskickern (Ausbildungsentschädigung). Schmerzliche Einschnitte werden unter anderen auch der Wegfall des Frei-Ticket sein, das Kinder unter 12 Jahren berechtigt umsonst ins Stadion zu kommen. Letztes Jahr hat man so 1.000 Freikarten verteilen müssen, was gleichbedeutend mit 1.000 Tickets entgangener Einnahme ist. Erstaunlicherweise wurde Nachfrage ebenfalls erklärt das man in der letzten Spielzeit 200.000 Euro an Abfindungen zahlen musste. Das empfand ich als die vielgepriesene Transparenz. Gut so.
 

Ich möchte Ihnen die Angst nehmen
Alemannia Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Christian Steinborn

 
Nach so vielen Zahlen kam dann der Bericht des Aufsichtsrates, vorgestellt durch Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Christian Steinborn. Sein erster Satz war das man noch lange nicht über den Berg sei, und man dies auch immer wieder in Gesprächen mit Fans auch so kommuniziert habe. Die letzte Saison war sportlich und finanziell schwierig für die GmbH, was nun kein Geheimnis ist. Er hob hervor das Trainer Fuat Kilic, in Eigenschaft als Sportdirektor, Jugendspieler nach Aachen bewegt hat die auf Geld verzichten und sich hier einen Namen machen wollen. Er unterstrich das er und seine Kollegen „keine Ahnung vom Sport haben“ da alle jeweils andere Berufe nachgehen. Er animierte die Mitglieder das sie sich das neue Trikot kaufen sollten, und beim Stadionbesuch mindestens noch zwei Leute mitbringen. „Uns geht es nicht gut, und das nicht erst seit letzten Jahr, sondern seit der Insolvenz.
Aus dem schlechten Abschneiden der letzten Saison ist die Lehre daraus das zukünftige Entscheidungen längerfristig und weniger aus der Situation heraus getroffen werden. Für die Bewertung der Arbeit der Gremien und der GmbH sind drei Dinge erforderlich:
+ die sportliche Situation
+ die eigene wirtschaftliche Handlungsfähigkeit
+ die Unabhängigkeit vom Spielgeschehen
 
Diese drei Faktoren sind somit auch ein Grund warum das Thema “Investor” aufgegriffen wurde. Man sieht es aktuell als die einzige Möglichkeit an Alemannia wieder auf Vordermann zu bringen.
 
„Holen wir uns Fachkompetenz ins Haus, mit gleichzeitigen Verkauf von Anteilen?“ fragte er in Richtung Mitgliedschaft. Bei einem möglichen Investoreneinstieg wären das Wappen, der Name und die Spielstätte nicht verhandelbar! Gemeinsam solle entschieden werden ob ein Investoreneinstieg bei der Alemannia erfolgen sollte oder nicht, man würde alle Vor- und Nachteile zuerst gegenüberstellen. Da dieses Thema bei einigen sehr emotional den Blutdruck steigert rief er dazu auf das emotionale im Stadion zu belassen und die Diskussion darüber sachlich zu führen. Er beendete seinen Vortrag zum Einstieg in dem nächsten Tagesordnungspunkt „Informationen zum Thema Investoren“ über das nun Aufsichtsratsmitglied Oliver Laaven referieren sollte.
 
Es folgte nun ein fast zweistündiges Plädoyer für ein Investorenmodell. Wenn die Alemannia in der kommenden Saison nicht oben mitspielt ist mit einem Rückzug von Sponsoren zu rechnen, was die finanzielle Situation noch angespannter machen würde. „Bleiben wir Vereinsmeier oder öffnen wir uns?“ fragte Laaven in die Runde. Am Ende müssten 75% der Mitglieder einen möglichen Investoreneinstieg zustimmen. Es wurden nun Beispiele gebracht von Carl-Zeiss Jena, 1860 München (als schlechtes Beispiel) und natürlich Red Bull Leipzig. Aber Alemannia könnte ein Vorreiter sein, dass ein Investorenmodell auch funktionieren kann. Dann wurde es aber konkret. Aktuell würde es Gespräche mit zwei möglichen Gruppen geben. Es wären gute und faire Gespräche, die meistens auf Flughäfen stattfinden würden und auch immer ganz schnell beendet wären, wenn man auf Punkte stieße die zunächst nicht verhandelbar sind. Das Ziel der Alemannia ist das bestmögliche Angebot herauszuholen. Aber es gibt Hürden, die es zu überbrücken gilt.
 
So stellt der Tivoli eine solche Hürde dar, denn ein Investor will Planungssicherheit und keine Überraschungen erleben, wenn der Mietvertrag ausläuft und dann andere Konditionen seitens der Stadt Aachen gestellt würden. Ebenso ist ein Weiterverkauf von Alemannia Anteilen seitens des Investors ein NoGo. Oliver Laaven führte weiter aus das er nun erste Zahlen nennen dürfte, die von einer Investorengruppe auf dem Tisch liegt. Der Investor bietet 4 Millionen Euro für 49,9% Alemannia Anteile. Bei Wegfall der 50+1 Regel (es wird damit gerechnet das diese in den kommenden zwei bis vier Jahren gekippt wird) würde es nochmal 8 Millionen Euro geben für dann weitere 30% der Anteile, so dass insgesamt ca. 80% der Alemannia Anteile dem Investor gehören würden. Dieses anscheinende favorisierte Modell sollte dann im September auf einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung diskutiert und dann zur Abstimmung vorgelegt werden, wenn die Mitglieder umfassend informiert worden sind. Tradition und Investor seien keine Gegensätze.
 
Fragwürdig für mich an dieser Stelle das keine weitere Erwähnung mit dem „anderen“ Investor erfolgte, so dass es vermutlich doch nur einen ernsthaften Interessenten gibt.
 
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Es folgte nun eine offene Aussprache wo die Mitglieder endlich Fragen stellen konnten zu dem vorgestellten Modell. Die erste Frage war gleich ob es nicht 450 Aachener geben würde die nicht 10.000 Euro spenden könnten. Ein Mitglied aus Düsseldorf sicherte gleich seine 10.000 Euro zu. Hier aber erwiderte Aufsichtsrat Chef Steinborn das man in Aachen vor verschlossenen Türen rennen würde. Es wurde auch erklärt das man mit einem Minus von 400.000 Euro plant für 2017, so das dann Trainer Kilic nur noch 900.000 Euro für die erste Mannschaft zur Verfügung hätte. Das man damit nicht weit kommen würde sei dann wohl jedem klar.
 
Ein Mitglied nahm Bezug auf die Aussage von Oliver Laaven dass Alemannia mit einem Investorenmodell auch Vorreiter sein könnte im deutschen Fußball, indem er sagte: „Das dachten wir 2009 auch als wir ein Stadion Selbstfinanzierten und damit Vorreiter waren. Das Ende ist bekannt.“ Ein anderes Mitglied fragte warum man nicht den jetzigen Sponsoren Alemannia Anteile verkaufen könnte. Auch hier war die Antwort das Sponsoren mit Ihrem Geld als Gegenwert Werbung erhielten, diese aber kein Interesse am Invest von Alemannia haben. Aufsichtsrat Chef Steinborn erklärte das die Vergangenheit viel verbrannte Erde hinterlassen hat, so dass es keine großen Sponsoren geben würde – was man auch im Stadion sehen würde.
 
Tim Hammer erklärte dazu noch „es gibt nicht mal 100.000 Euro von Menschen in Aachen, wir leben von Gönnern“. Deshalb kann die Lösung nur ein Investorenmodell sein, alles andere sei Romantik. Oder aber, falls jemand eine andere Alternative bieten könne, stünden die Türen jederzeit offen. Er sagte aber offen, dass er ein Verfechter für eine Investorenlösung ist. Ein anderes Mitglied fragte warum das „Modell Dresden“ nicht auch in Aachen funktionieren könnte. Die Antwort dazu war das in Dresden die Stadt Dresden mit im Boot sitzt und sich beteiligt hat. Das wäre in Aachen nach der Insolvenz unmöglich, die Stadt Aachen hat genug gelitten. Und deshalb muss in Aachen ein anderes Modell her.
 
Eine weitere Frage ging an Fuat Kilic, wie man denn junges Spieler nach Aachen lotsen konnte, was man denen denn bieten könnte. Kilic antwortete lachend „dass die jungen Spieler unter einem geilen Trainer trainieren dürften“ – um dann aber ernsthaft auszuführen das einige Spieler nach Aachen holen konnte die von anderen Traditionsvereinen auch umworben worden. Diese Spieler hätten sich trotz besseres Angebotes für Alemannia entschieden. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen damit man Konkurrenzfähig bleibe, gerade in der Jugend sieht man das sehr deutlich. Unsere U19 und U17 mussten sich am Ende Viktoria Köln beugen, da diese bereits ihren Jugendspielern Geld zahlt und damit Qualität holt. Und diese Qualität zahlt sich aus, durch die entsprechenden Aufstiege der Kölner Jugendmannschaften. Eine Rückfrage gab es zu der Aufstiegsregelung in der Regionalliga. Fuat Kilic antwortete das man mit 14 anderen Traditionsvereinen gemeinsam eine Ligareform wolle. Aber dies ginge nur über dem jeweiligen Verband wo man Vorschläge unterbreiten könnte.
 
Zum aktuellen Kader führte Kilic weiter aus das es Ideal wäre, wenn man 20 Spieler plus drei Torhüter hätte. Bereits jetzt sieht man im Training Probleme hat, wenn zwei, drei Spieler verletzt ausfallen. Durch den Verkauf von Fabian Graudenz bekommt man etwas Ablöse das man in Spieler stecken will, ebenso werden zwei Nachwuchskicker den Tivoli verlassen so dass man auch hier noch eine Ausbildungsentschädigung erhält. Er erklärte auch warum die Spieler alle mit einem Einjahresvertrag ausgestattet wurden. Zum einen könnte für Schlüsselspieler mehr Budget frei werden, wenn ein Investor einsteigt – will heißen das die Spieler mehr Geld bekommen könnten als jetzt. Zum anderen hat er so die Option bei den Spielern offen gelassen die jetzt auf Geld verzichten. Es gibt aber einige Verträge die sich automatisch nach einer Anzahl von Spielen verlängern.
 
Um kurz vor 00:00 Uhr fiel Oliver Laaven dann aber ein das ja noch über den Zusatzantrag abgestimmt werden muss. Dieser würde es der Alemannia verbieten über mehr als 49,9% der Anteile zu verhandeln ohne weitere Mitgliederzustimmung. Oliver Laaven machte klar, würde der Antrag angenommen wären die Gespräche mit dem Investor sofort beendet – dieser stellte die Bedingung auf mehr als 49,9% Anteile. Somit würde es dann im kommenden Jahr auch keine Jahreshauptversammlung geben. Das verwirrte erstmal die Mitgliedschaft, wieso denn keine Jahreshauptversammlung nächstes Jahr erfolgen würde. Oliver Laaven betonte noch einmal das man „uns nicht der Chance beraubt zu verhandeln, denn am Ende müssten die Mitglieder zustimmen“. Quasi wurde nach langer Diskussion den Mitgliedern schnell man die Pistole auf die Brust gedrückt. Der Antragsteller zog dann doch etwas geschockt den ersten Punkt des Antrages zurück, und wollte nur den zweiten Punkt zur Abstimmung bringen. Nach einigen Beratungen meldete sich dann Jurist Dr. Thomas Fröhlich und gab bekannt das über den kompletten Antrag abzustimmen wäre.
 
Dann wurde es wieder konfus, einerseits den Antrag in zwei Stücken zur Wahl stellen, über den kompletten Antrag abzustimmen, ob man die offene Wahl zulässt oder doch Geheim abstimmt – es war wie immer bei solchen Sitzungen. Eher die Stimmung dann noch kippte einigte man sich auf zwei getrennte Wahlgängen. Zu diesem Zeitpunkt wussten schon die ersten nicht mehr wo sie überhaupt ihr Kreuz machen sollten. Es gab auch keine Stimmzettel mehr, wer vorher sich Notizen gemacht hat und dies zweckentfremdete, hatte nun ein klitzekleines Problem. Also Schritt man zur Wahlurne und wartete gespannt ab – jetzt stand alles auf dem Spiel. Von den ursprünglichen 318 Mitgliedern waren bereits 83 nach Hause gegangen, wahrscheinlich mit schwirrenden Zahlen im Kopf. Für den ersten Punkt im Antrag gab es 70 Ja-Stimmen, 147- Stimmen lehnten ihn ab. Erleichterung – zumindest bei den Gremienvertretern. Alemannia durfte also weiterverhandeln. Der zweite Punkt wurde mit 183 Ja-Stimmen angenommen, bei 34 Nein-Stimmen.
 
Zum Schluss gab es noch den Punkt sonstiges, der wie am Anfang des Artikels beschrieben unschön zu Ende ging. Unser Schatzmeister war noch nie ein Mensch der smarten Worte, und die Entlastungswahl die doch viele Nein und Enthalten beinhaltete mag ihn sehr gewurmt haben. Dennoch war seine Reaktion völlig überzogen. Man stelle sich mal die umgekehrte Frage wieviele Mitglieder ehrenamtlich oder aber auch Fans für die Alemannia arbeiten oder gearbeitet haben gerade nach der Insolvenz, ihre Freizeit geopfert haben und jedes Spiel besuchen sei es auch noch so weit. Haben diese jemals einen Dank bei einer JHV bekommen? Im Schlusswort entfuhr auch Präsident Maubach die Worte „Ich gehe mehr als nachdenklich nach Hause.“
 
Mit diesem Eindruck endete um 00:30 Uhr die Jahreshauptversammlung – ohne Hipp Hipp Hurra.
 
 

Die Mitgliedskarte - zu Füßen des Gremiums
Die Mitgliedskarte – zu Füßen des Gremiums

 
 
 
 

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Ein Gedanke zu „Nachlese einer „typischen“ Alemannia JHV

  1. Woraus leiten Amateure ein „Recht auf Profifußball“ ab?

    Heiliger Strohsack, das was bisher zu lesen war, über die ordentliche Jahreshauptversammlung der Alemannia, ist gleichermaßen er- wie abschreckend:

    Die Mitglieder genehmigen dem Vorstand sein „Ermächtigungsgesetz“

    Dem „Versager-Team 2018“ ist es tatsächlich gelungen einen eingereichten Antrag auf eine Beschränkung (49,9 %) der gegebenenfalls zu veräußernden Anteile an der GmbH so umzudrehen, dass sie jetzt sogar eine Freigabe dafür erhalten haben, ihren gesamten Trödelladen restlos zu verhökern. Ein beispielloser Akt von Selbstverstümmelung. Man weis wirklich nicht, was man mehr bewundern soll, diese unglaubliche Dreistigkeit des Vorstandes und des Versammlungsleiters oder die scheinbar uferlose Begriffsstutzigkeit aller anwesenden Alemannia-Mitglieder? Die Tatsache, dass die Führung der GmbH, ohne jede Legitimation seitens des Muttervereins, sich auf die Suche nach Käufern gemacht hat, hätte man ihr als vereinsschädigendes Verhalten vorwerfen und sie entsprechend scharf maßregeln sollen.

    Lizenz zum Töten
    Der unsichtbare Vereinsvorsitzende des e.V. hätte längst „mit der Axt dazwischen hauen“ müssen, schließlich wurde er nicht dazu gewählt, tatenlos zuzusehen, wie sein Verein systematisch filetiert wird. Ausgerechnet durch einen unzulässig umformulierten Antrag besorgter Mitglieder „verpissen“ sich jetzt die gescheiterten Super-Experten und entziehen sich diesbezüglich ihrer Verantwortung, frisch ausgestattet mit der „Lizenz zum Töten“.

    „Fußball ist kein Schach“,
    – wusste bereits Sepp Maier und hat scheinbar noch weniger mit Intelligenz zu tun, als ohnehin schon zu befürchten war. Das Team 2018 ist mit seinen großspurigen Ankündigungen vollständig gescheitert, aber anstatt über die selbst verschuldeten Fehler und die hieraus abzuleitenden Konsequenzen zu beraten, beschleunigen sie ihren eigenen Größenwahn und den vieler Mitglieder zusätzlich noch und verarschen die Vereinsmitglieder gleich mit ihrer nächsten Vorhersage, dass es – ohne Investoren – mit Profi-Fußball in Aachen für die nächsten Jahre garantiert „vorbei“ wäre. Sie stellen sich somit selbst als völlig unfähig dar, genau das zu erreichen, was sie bei ihrer Wahl versprochen hatten und weswegen sie überhaupt gewählt wurden.

    Echte Fans oder doch nur Maulhelden, Möchtegerne und Schmarotzer?
    Ich war selbstredend nicht dabei und füge lediglich einen Flickenteppich an einzelnen Kommentaren zusammen, aber einem großen Teil der Vereinsmitglieder scheint es völlig gleichgültig zu sein, „woher die Kohle kommt“. Kam sie früher – und kommt selbstverständlich auch immer noch – von der Stadt Aachen, soll sie in Kürze zusätzlich noch von wildfremden Investoren kommen.

    „Scheiß’ der Hund ‘drauf“
    – einem Teil von ihnen ist dies völlig gleichgültig, Hauptsache, sie können sich dem Profifußball verbunden fühlen. Aber mit solch einer erbärmlichen Einstellung erweisen sich weder ihr Vorstand, samt aller Gremien und Aufsichtsräte, noch die angeblich treuen Fans auch nur im Entferntesten weder als profi- noch als vorbildhaft. Es entsteht stattdessen der Eindruck von großspurigen Maulhelden, Möchtegernen und immerwährenden Schmarotzern. Sie wollen ihren Aufstieg nicht mühsam erkämpfen, sie wollen ihn einfach kaufen. Bezahlen soll das alles ausgerechnet der eingetragene Verein, – ihre „eigene Mutter“ sozusagen, – der sie hemmungslos „das Messer an den Hals setzen“.

    Ein Teil der Fans bemerkt nicht, dass sie mit ihren Anforderungen immer tiefer sinken und mittlerweile schon, was die Moral angeht, auf dem Niveau rauschgiftsüchtiger Stricher angekommen sind. Solch bedauernswerten Randgruppen der Gesellschaft haben, aufgrund ihrer Abhängigkeit und mangels jedweder Perspektive, jeden eigenen Anspruch an sich selbst abgelegt und versuchen auf diese Art einfach zu überleben. Dass die Fans ihr Verhalten damit gutheißen, weil sie „demnächst garantiert wieder aus dem Dunkel ins Licht geführt werden und selbstverständlich alle gemachten Schulden mit Zins- und Zinseszins zurückerstatten können,“ entspricht der gleichen Logik, wie die Hoffnung der Rauschgiftsüchtigen, „morgen mit dem ganzen Scheiß’ wieder aufhören zu können.“

    Sie ertrinken förmlich in ihrem Selbstmitleid
    Für die Not von Rauschgiftsüchtigen kann ich ohne weiteres tiefes Mitgefühl aufbringen, während mir das Wehklagen einiger Alemannia-Fans vergleichsweise albern vorkommt. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich deren Gejammer als pures Selbstmitleid.

    Einzelne Fans durchschauen glücklicherweise das absurde Theater

    tivolino (Foren-Guru im Alemannia-Brett Forum)
    Zitat von hemingway: Das meine ich ja. Noch haben wir uns nicht zu 80 % (unglaublich) verscherbelt, noch kann es verhindert werden. Und das können nur Mitglieder tun!

    Vielleicht hilft die Stadt uns ja ein wenig dabei. Wie Laven gestern am Rande andeutete, werde “kein Investor einen Stadionmietvertrag akzeptieren, der ihm nicht dauerhaft so gute Konditionen (wie jetzt)” garantiere.

    Diese interessante Frage scheint eine der vielen Kühe zu sein, die man noch vom Eis holen muss – und ich bin sehr gespannt, ob die am Rande des Nothaushalts wandelnde Stadt Aachen den Tempel auch dann noch zum Spottpreis vermieten wird, wenn sie es plötzlich mit Mietern zu tun bekommt, die bei der Alemannia anders als die jetzige GmbH (100-prozentige Tochter eines gemeinnützigen e.V.) ganz unverhohlen, offenkundig und vorrangig reine Profit-Interessen verfolgen.

    Das ganze Subventionskonstrukt rund um den Tivoli ist angesichts der städtischen Haushaltslage schon jetzt rechtlich grenzwertig. Wenn die GmbH nun auch noch praktisch komplett vom Verein getrennt und mehrheitlich in die Hände privater Finanzjongleure gegeben wird, dürften es für die Ratspolitiker noch schwieriger werden, die hohen Zuschüsse und die extrem niedrige Miete, die nicht mal zehn Prozent der Kosten deckt, politisch vor den Wahlbürgern und juristisch vor den Aufsichtsbehörden zu rechtfertigen.

    Also, liebe Ratsherren und -frauen: Überlegt euch bitte ganz genau, ob ihr bei gemeinnützigen Einrichtungen den Rotstift ansetzen und der von Multimillionären getragenen Gier-Firma Kölmel, Baumgarten & Co. (ehemals Alemannia Aachen GmbH) gleichzeitig als Hauptbetriebsstätte eine städtische Immobilie fast für lau zur Verfügung stellen und dazu auch noch die Sanierungskosten übernehmen wollt.

    PS:
    Eine meiner Quellen:

    AIXtremist (Foren-Legende im Alemannia-Brett)
    Zitat von easy:
    >>> Fast schon zum Schluss sollte über den Mitgliederantrag, von welchem weiter oben bereits die Rede gewesen ist, abgestimmt werden. Das Präsidium hat hierzu in Person von Oliver Laven angemerkt, dass der Antrag eigentlich formal nicht ganz so korrekt sei (Frage: warum wurde er dann zugelassen?), und drehte in der Folge den Spieß um und hat die weiteren Verhandlungen mit den möglichen Investoren davon abhängig gemacht, dass die Mitglieder heute mehrheitlich zustimmen, dass das Präsidium/der AR bei den Gesprächen über den Verkauf von mehr als 50 % verhandeln darf. Darauf zog der initiierende Antragsteller Teil 1 des Antrages zurück und alles schien paletti. Doch dann bestand das Präsidium darauf, über genau den gesamten Antrag – also auch Teil 1 – abzustimmen (das hatte was von der üblichen Erpressernummer). Es folgte erneute ein schlechtes standing des VR Vorsitzenden, der hierüber mal eben so en passant abstimmen wollte. Auf Antrag und starkem Votum eines Ultravertreters wurde dann geheim abgestimmt. Im Ergebnis reichte es für den Wunsch des Präsidiums, weitere Verhandlungen führen zu können auch wenn über den Verkauf von mehr als 50% gesprochen wird. Und dann meldete sich Herr Reimig noch mal zu Wort. Er beklagte das schlechte Ergebnis der Entlastung des Präsidiums und agierte dann in seiner Wortwahl etwas „unglücklich“ worauf die Stimmung hoch kochte. <<<

    Zum ersten fett markierten Teil: du hast dir die Frage ja schon selbst beantwortet. Das war genau die Steilvorlage für die Gremiker, hatte ich Didi auch gesagt. Von 53 Unterschriften auf dem Antrag sollen eben ein paar dabei gewesen sein, welche aufgrund nicht gezahlter Mitgliedsbeiträge nicht gegolten haben sollen, warum die nötigen 50 Stimmen nicht vorhanden waren. Aus "Kulanz" aber hat man den Antrag genommen, da man aus Alemannia Sicht eben die Investoren-Sicht eingenommen hat und wusste: statt vorher den Antrag abzulehnen nehmen wir die Antragsteller eben vor allen Anwesenden fein auseinander und holen uns somit eben die Stimmen, den Antrag gesamt abzulehnen. Erpressung par Excellence in ganz starker Vorbereitung war das, Respekt dafür. Als dann der Antrag, der ja aus 2 Teilen bestand, vom Initiator gesplittet werden sollte, hiess es erst von oben: OK, dann nehmen wir Punkt 1 aus dem Antrag raus und stimmen nur über den 2. Punkt ab. Dann kam wieder Herr Fröhlich vom VR und sagte: Nein, gesamter Antrag muss sein, auch wenn dieser aus 2 Teilen besteht. Daraufhin Tumulte (außer vom Stimmvieh vorne – wie immer eigentlich) und man merkte auch oben, dass die Stimmung nach dieser Erpressung zu stark kippte und schwenkte wieder um und hat beide Punkte einzeln abgestimmt mit für uns "zufriedenstellendem" Ergebnis. Und auch für die Herren oben ein denke ich guter Kompromiss. Aber man kann bei jeder Mitgliederversammlung die Uhr danach stellen, wann die Abstimmungen und Wahlen ihren absurden Punkt erreichen und man eben husch husch die Hände hoch abstimmen will.

    Danke hier an Max, dem ich einfach unterstelle, dass er da ein gutes Auge drauf hat was den Wahlausschuss angeht und es dort alles bei der Auszählung der Zettel rechtens lief! Man muss auch einfach mal weiter denken: warum genau wirbt man so sehr für die Invesotrenlösung? Könnte da nicht auch das berühmte "Kopf aus der Schlinge ziehen" bei mitspielen? Es wurde schon durch Steinborn VOR dem TO der Investment Infos so stark bei seiner Rede für das Investorenmodell geworben, auch Herr Laven hat mit einer schauspielerischen Glanzleistung deutlich gezeigt, dass er, wenn er ja auch sagt, dass das Wort "alternativlos, wie es eine Kanzlerin nutzt" nicht in den Mund nehmen will, nur diese Lösung sieht, wenn es kurz-/mittelfristig wieder hoch gehen soll.

    PPS:
    Das Vereinsrecht

    Laut Vereinsrecht muss mit der Einladung auch mitgeteilt werden, ob und wenn ja, welche Anträge zur Hauptversammlung vorliegen. Allen Mitglieder muss es möglich sein, aufgrund dieser Information zu entscheiden, ob ein Besuch der JHV für sie wichtig erscheint, oder eben nicht. Eine spätere Hinzunahme weiterer Anträge oder eine wesentliche Änderung vorliegender Anträge ist demnach nicht statthaft und kann entsprechend angefochten werden.

    § 32 Abs. 1 Satz 2 BGB

    Auszug: Vereinsinfobrief 241

    Anträge bei der Mitgliederversammlung
    Die Behandlung von Anträgen bei der Mitgliederversammlung ist eine sensible Angelegenheit. Fehler können zur Ungültigkeit von Beschlüssen führen. Das Antragsrecht ist nicht an das Stimmrecht gebunden. Regelt die Satzung es nicht ausdrücklich anders, dürfen auch Mitglieder Anträge stellen, die nicht stimmberechtigt sind.

    Anträge vor der Versammlung
    Aus der BGB-Regelung, dass die Mitteilung der Tagesordnung bereits mit der Einladung zur Mitgliederversammlung (MV) geschehen muss, folgt, dass mit der Einladung zur Versammlung eine Sperre für die Aufnahme weiterer Beschlussgegenstände eintritt. Anträge zur Tagesordnung mit Beschlussfassung müssen also vor der Einberufung vorliegen. Grundsätzlich – nach dem BGB – gilt sogar, dass eine Abänderung der Tagesordnung nach ihrer Bekanntgabe bei der Einladung nicht mehr möglich ist.

    Anträge zur Tagesordnung, die rechtzeitig vor Benachrichtigung der Mitglieder eingehen, muss der Vorstands grundsätzlich auf die Tagesordnung nehmen, wenn sie sachlich angemessen sind und nicht schon früher behandelt wurden. (…)

    In vielen Vereinsatzungen finden sich Regelungen, die es ermöglichen, die bei der Einladung zur Mitgliederversammlung vorgelegte Tagesordnung zu ergänzen. Das bedeutet aber nicht, dass dazu auch gültige Beschlüsse gefasst werden können. Die Satzung müsste da schon ausdrücklich und eindeutig klarstellen, dass abweichend von der BGB-Vorschrift auch über nachträglich ergänzte Tagesordnungspunkte abgestimmt werden kann. Auch hier gilt aber – jedenfalls wenn es sich um Satzungsänderungen handelt – dass die Tagesordnungspunkte so rechtzeitig vor dem Zusammentritt der Mitgliederversammlung mitgeteilt werden, dass genügend Zeit zu einer sachgerechten Vorbereitung bleibt. Das gilt grundsätzlich auch für eilbedürftige Angelegenheiten.

    Erlaubt die Satzung keine spätere Ergänzung der Tagesordnung, können (und müssen) die Themen natürlich auf der Mitgliederversammlung diskutiert und beraten werden. Gültige Beschlüsse können dazu aber nicht erfolgen. Natürlich kann die Mitgliederversammlung den Vorstand aber anweisen, den entsprechenden Tagesordnungspunkt auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen.

    Sachanträge
    Nach § 32 BGB ist Gültigkeit eines Beschlusses erforderlich, dass der Gegenstand bei der Einberufung der Mitgliederversammlung bezeichnet wird. Die bei der Einladung benannten Tagesordnungspunkte können also im Kern nicht abgeändert werden. Etwas anderes gilt nur, wenn die Satzung Beschlüsse über nachträgliche Ergänzungen zur Tagesordnung ausdrücklich erlaubt oder alle Mitglieder des Vereins zustimmen. Die bloße Möglichkeit Anträge zur Tagesordnung zu stellen, genügt dieser Anforderung aber nicht. Meist erlaubt die Satzung auf diese Weise nur eine Debatte, aber keine wirksame Abstimmung.

    Alle Sachanträge müssen deswegen in einem engen Zusammenhang mit einem angekündigten Tagesordnungspunkt stehen. Ergänzende oder einschränkende Anträge sind möglich. Sie müssen aber in einem sachlichen Bezug zum Hauptantrag stehen. Fehlt dieser Bezug zum jeweiligen Tagesordnungspunkt, darf der Versammlungsleiter dazu nicht abstimmen lassen. Möglich sind aber Sachanträge, die nur der Beratung oder der Auskunft dienen.

    Verfahrensanträge
    Anträge zum Verfahrensablauf können dagegen ohne Ankündigung in der Tagesordnung gestellt und behandelt werden. Sie können von jedem stimmberechtigten Mitglied gestellt werden, wenn die Satzung dazu keine Einschränkungen macht (z. B. indem sie eine Mindestzahl von Unterstützern verlangt).

    Zu den Verfahrensanträgen gehören:
    – Anträge zur Tagesordnung, z. B. zur Änderung der Reihenfolge oder zur Zusammenlegung von Tagesordnungspunkten
    – Anträge zur Geschäftordnung, z. B. auf Redezeitbegrenzungen, Schluss der Rednerliste oder Vorgaben für die Versammlungsleitung
    – der Antrag auf Einberufung einer weiteren Mitgliederversammlung, etwa wegen Beschlussunfähigkeit.

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