Meister müssen Aufsteigen – Die schwere Geburt der Regionalligen-Reform


 
 

Es kann keine Rede davon sein, dass die Regionalligareform gescheitert ist.
Dr. Rainer Koch – DFB Vize-Präsident

 
 
Blicken wir zurück. Es gab mal eine Zeit da gab es unterhalb der 3. Liga tatsächlich nur drei Regionalligen, nämlich Nord, West und Süd. Hätte man diese heute noch, wären die Aufstiegs- und Abstiegsregeln der Regionalligen und 3. Liga klar und bedurfte keinerlei Reform. Der Teufel steckte aber damals schon im Detail, da die Flächengebiete des Norden, Ostens und Südosten größtenteils sehr große Entfernungen der Spielorte hervorruft die für viele (und vor allem kleinere Klubs) finanziell nicht tragbar waren. Als Beispiel durfte ein Verein aus Cottbus nicht mehr nach Dresden, Leipzig oder Erfurt fahren, sondern musste stattdessen nach Hamburg und Flensburg. Vereine aus Erfurt, Leipzig oder Dresden fuhren statt nach Halle, Berlin oder Cottbus Richtung Memmingen und Passau. Aus diesem Grund verabschiedete der DFB-Bundestag 2010 in Essen eine Regionalliga-Reform, welche mit Wirkung zur Saison 2012/2013 folgende Änderungen mitbrachte:
 

  • Die Hauptverantwortlichkeit der Regionalliga wechselte vom Deutschen Fußball-Bund (kurz DFB) zu den fünf Ligaverbänden (die Regionalverbände des DFB und dem Bayrischen Landesverband)
  • Fünf Regionalligen (Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern), anstatt wie bisher drei Regionalligen (Nord, West und Süd)
  •  Aufstiegsrunde (Relegation)

 
Dieser letzte Punkt, die Aufstiegsrunde, war seitdem der Casus knacksus da der Meister der jeweiligen Regionalliga Staffel nicht mehr direkt aufstieg, sondern sich zunächst in einer Aufstiegsrunde (Relegation) gegen einen anderen Meister der Regionalliga Staffel (nach dem Losverfahren) nach Hin- und Rückspiel durchsetzen musste. Die Sieger stiegen auf – die Verlierer blieben in der Regionalliga. Das ganze war nicht nur sportlich sondern auch finanziell eine Katastrophe. Denn wie sollte man planen für eine neue Saison wenn der Glücksfaktor erst entscheiden musste wohin die Reise am Ende der Saison geht? Während die Konkurrenz bereits Planungssicherheit hatte, musste man sprichwörtlich bis auf die letzte Sekunde im Aufstiegsspiel warten. Konnte man dann für die 3. Liga planen oder doch eher wieder für die Regionalliga mit klammen Beutel? Viele Vereine können ein Lied davon singen wie es sich anfühlt wenn man als Meister in der Aufstiegsrunde scheitert und am Ende mit leeren Händen dasteht.

 

Die Regionalliga in ihrer heutigen Unterteilung in 5 Staffeln 

Bildquelle: Wikipedia Fußball-Regionalliga West

 

Neben dem sportlichen ist aber auch die finanzielle Situation in den Regionalligen nicht mit Rosen gespickt. Besonders die Regionalligen West und Südwest, die reichlich gespickt sind mit gestrandeten Traditionsvereinen und großem Fan-Potenzial, darben seit Jahren vor sich hin. Für manch einen Verein ein Sterben auf Raten, denn in der Regionalliga wird wenig bis gar nichts verdient. Dies betrifft vor allem Vereine mit Stadien die eher für die Bundesliga ausgelegt sind statt der Regionalliga. Alleine dieser Kostenfaktor kneift ganz schön in die linken Tasche. Hinzu kommen die Kosten für mehrere Ordner bei Sicherheitsspielen, Auswärtsfahrten die jenseits von 300 Kilometer liegen und die Reinigungskräfte für das Stadion. Gerade wir in Aachen sehen es anhand zweier Insolvenzen was der Verein mit einem Bundesligatauglichen Stadion an Fixkosten zu bewerkstelligen hat. Festzuhalten bleibt natürlich das Traditionsmannschaften wie u.a. Alemannia Aachen, Rot Weiß Essen, Rot Weiß Oberhausen, Wattenscheid 09, Wuppertaler SV, Waldhof Mannheim, Kickers Offenbach und der 1. FC Saarbrücken nicht zufällig dort
in der Regionalliga gestrandet sind. Jahrelange Misswirtschaft endet dann unausweichlich in den Niederungen der Fußballligen. Aber nach der Konsolidierung wird der Weg von dort hinaus schier unmöglich. Denn ein großes Fan-Potenzial reicht nicht aus um aus der “Schweineliga” zu entkommen. Eine Fan-Initiative “Meister müssen Aufsteigen” machte vor einigen Jahren auf sich aufmerksam, so das auch der DFB sich wieder mit dem Thema beschäftigen musste.
 
Da die Unzufriedenheit bei Vereinen und Fans immer weiter stieg sollte die Lage verbessert werden. Es wäre zu einfach gewesen einfach die 5 Meister der Regionalligen aufsteigen zu lassen, wenn gleichzeitig die 3. Liga fünf Abstiegsplätze erhielt. Das sich dafür keine Mehrheit finden ließ war von vorne herein klar. So wurde ein Übergangsmodell zusammengeschustert um sich erst einmal Zeit zu verschaffen, um ab der Saison 2020/2021 ein Modell zu haben das alle zufriedenstellt. Dieses Modell sollte eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den Landesvertretern und Vertetern der 3. Liga, erarbeitet werden. Bis dahin sollte es als Kompromiss zwei Aufstiegssysteme geben. Dieses sah folgendermaßen aus:
 
In der Saison 2018/2019 steigen die Meister der Regionalliga Südwest und Nordost direkt auf. Per Losverfahren wurde am “Finaltag der Amateure” auch die Regionalliga West als dritter direkter Aufsteiger ermittelt. Die Meister der Regionalliga Nord und Bayern spielen in einem Aufstiegsspiel (Hin- und Rückspiel) den vierten Aufsteiger aus. Aus der 3. Liga steigen somit erstmals vier Vereine direkt ab, dies war der Kompromiss den die Vertreter der 3. Liga mitgetragen hatten. In der Saison 2019/2020 erhalten die Vertreter der letztjährigen Aufstiegsrunde aus der Regionalliga Nord und Bayern einen direkten Aufstiegsplatz, sowie der Meister der Regionalliga Südwest. Die Meister der Regionalliga West und Nordost ermitteln in einem Aufstiegsspiel (Hin- und Rückspiel) den vierten Aufsteiger zur 3. Liga. Ab der Saison 2020/2021 sollen dann die neu reformierten vier Regionalligen starten wo die Meister direkt aufsteigt.
 
Der Kicker berichtete in seiner Ausgabe vom 26. November das sich aus der Arbeitsgruppe heraus kein tragfähiges Modell durchsetzen konnte, und die Arbeitsgruppe sich daraufhin zum 14. November 2018 auflöste. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), in Form von DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch, widersprach dem aber vehement.
 


 

 
Weiter führte Dr. Rainer Koch aus das es im Ergebnis bedeutet das, dass aus den Gebieten der bisherigen Regionalligen West und Südwest und aus den Gebieten der bisherigen drei Regionalligen Nord, Nordost und Bayern nunmehr im zweiten Schritt jeweils zwei Ligen zu bilden sind. Ob das sportlich sinnvoll und wirtschaftlich machbar und umsetzbar ist muss nunmehr in den jeweiligen Regionen untersucht werden, d.h. von diesem soll der Vorschlag kommen wie die zukünftige Einteilung erfolgen soll. Der finale Vorschlag soll dem DFB-Präsidium am 7. Dezember 2018 zur Besprechung vorgelegt werden, und am am 26./27. September 2019 beim DFB-Bundestag endgültig verabschiedet und beschlossen werden.
 
Was sich zunächst gut anhört birgt abermals eine Reihe von Problemen mit sich. Die Struktur ist in den heutigen Regionalligen mehr als schwierig, da völlig gegensätzliche Klubs aufeinander treffen. Zum einen die bereits erwähnten ambitionierten Traditionsvereine aus Aachen, Essen, Oberhausen, Saarbrücken, Mannheim und Offenbach mit einem großen Fan-Potenzial und entsprechenden Stadien, zum anderen die kleineren Vereine wie 1. FC Kaan-Marienborn, Garchin oder Jeddeloh II, die keinerlei Ambitionen hegen oder die Möglichkeit besitzen einen Ausflug in die 3. Liga zu machen. Für diese Vereine ist es genügsam in der höchsten deutschen Amateurklasse zu spielen. Ganz abgesehen von den Zweitvertretungen der Profi-Mannschaften aus der Bundesliga, wo es auch keine Lösung zu gibt. Reduziert man die Regionalliga von fünf auf vier Staffeln, dann geht das nur auf Kosten einiger Klubs und die Eingliederung in einer anderen Regionalliga. Und damit ist man wieder
dort angelangt wo man vor dem DFB-Bundestag 2010 gewesen ist. Mit dem Unterschied allerdings das es statt mit damals drei nun vier Regionalligen geben wird. Das Hauptproblem das die Regionalligen weiterhin kaum Geld für die Vereine abwirft bleibt weiter bestehen. Wie hier eine künftige Vermarktung aussehen könnte? Genug Potenzial hätte es jedenfalls.
 
Der DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch brachte in seinem Statement noch einen weiteren Gedanken ins Spiel. Wäre die 3. Liga zweigleisig könnte eine echte pyramidale Ligenstruktur und mit Bildung von fünf oder sogar sechs Regionalligen geschaffen werden, und strukturelle Probleme wären damit auf einem Schlag gelöst. Allerdings würde dies erstmal wieder zu weiteren Gesprächen und Verhandlungen führen, und ehe eine annehmbare Vorlage auf Papier gebracht wurde sind wieder einige Jahre ins Land gezogen. Für die jetzige Problematik der Regionalligen wenig förderlich, aber eine Chance dieses in einem zweiten Schritt anzugehen. Betrachtet man nüchtern das jetzige Ergebnisse und das (noch) ungelöste Problem der Verbände im Osten, ist eine einvernehmliche fundierte Lösung noch nicht greifbar. Man darf gespannt sein was am 26./27. September 2019 beim DFB-Bundestag beschlossen wird.
 
 
 
 

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