Mein Stolz und meine Liebe TSV


 
 
Menschenskinder, war das gestern ein geiler DFB-Pokal Nachmittag im Aachener Tivoli. Oder seid ihr anderer Meinung? Das Stadion pickepackevoll gefüllt mit knapp 31.000 Zuschauer, mega Stimmung auf den Rängen, Pokalfight auf dem Rasen oder kurz ausgedrückt – es war einfach geil! Am Ende war das Ergebnis vielleicht ein Törchen zu hoch ausgefallen, hier und da war der Championsleague Teilnehmer einfach entsprechend seiner individuellen Klasse schneller und konsequenter, aber es wurde auf Seiten der Alemannia gekämpft, gerackert, und ab und zu sogar schöne Spielzüge zelebriert. Alles im Rahmen der Möglichkeiten die man als Regionalligist eben so hat. Und das wurde honoriert am Ende – denn was bleibt ist der Eindruck und nicht das Ergebnis. Mir klingeln jetzt noch die Öhrchen als Stipe Batarilo das 1:2 erzielte, was für ein tosender Jubel in schwarz-gelb. Und fast, ja fast wäre sogar per Doppelschlag der Ausgleich gefallen, wenn David Bors den Ball…aber egal. Es gab fünf Minuten da wankte der Bundesligist aus Leverkusen ganz gewaltig. Und was sagte Peter Bosz nachher dazu?

 

Das 4:1 sieht einfacher aus als es war. Die Komplimente gehen nach Aachen, der Einzug in die nächste Runde an uns. Der Aachener Anschlusstreffer ist zu leicht gefallen. Nach dem Gegentor lag kurze Zeit sogar der Ausgleich in der Luft. Wenn der gefallen wäre, wer weiß was passiert wäre.

Bayer 04 Coach Peter Bosz

 
 
Wenn der alemannische Liga Alltag ansteht, dann ist man rund eine Stunde vorher im Stadion. Das reicht um noch schnell was zu trinken, eine Bratwurst zu inhalieren und dann rauf in den Block. Nicht so heute, denn es war ja lange genug angekündigt das Aachen und Alemannia sich im Ausnahmezustand befinden. Also fährt man schon gut drei Stunden vorher zum Tivoli, um einfach die Atmosphäre zu genießen. Was passt da besser den Alemannia Fan-Marsch zu beobachten? Die Alemannia Fan Klubs, und alle die mitgehen wollten, trafen sich Mittags am Aachener Markt. Von dort sollte es gemeinsam Richtung Tivoli Stadion gehen, ein Fan-Marsch mitten durch die Stadt. Friedlich, ausgelassen und Stimmungsvoll, Werbung machen in eigener Sache. Das kam auch ganz gut an, das massive Polizeiaufgebot hielt sich vornehm zurück, im Vordergrund stand die Vorfreude auf das DFB-Pokalspiel. Da kann man nur sagen – Kompliment an alle Fan-Klubs!

 

 

Wie das immer so ist, wenn knapp 31.000 zum Tivoli kommen trifft man den ein oder anderen der schon lange nicht mehr da war. Und man trifft natürlich auch die die immer da sind :-) Die Stadiontore waren noch geschlossen, also rüber zum Haupteingang wo man dann auch zwei Eintrittskarten übergeben konnte an Fans die schon lange nicht mehr im Tivoli waren. Diese Karten hatte ich zuvor bei einem Gewinnspiel gewonnen, und mein Anspruch war und ist das auch wieder Leute zum Tivoli zurückbewegt werden müssen die schon zu lange weg sind. Die passende Gelegenheit bot sich heute, denn hier zeigte sich die Alemannia von ihrer besten Seite und machte eine prima Eigenwerbung. Die betrieb natürlich auch Alemannia im Fanshop, denn zum DFB-Pokalspiel gab es extra ein Pokal-Trikot das angelehnt war an die glorreichen Pokalzeiten vergangener Jahre. Wer sich nun an dem grünen Sponsorenaufdruck störte, dem sei gesagt das unser Hauptsponsor Gebrüder Kutsch diesmal das Recht hatte das sein Logo in den richtigen Farben präsentiert wird. Auf unseren Heim- und Auswärtstrikots verzichtet er zugunsten der schwarz-gelben Farben darauf. In limitierter Auflager fand dieses sicherlich seinen neuen Besitzer.

 

Nach dem Besuch des Fan-Shops, ich muss ja dort immer was kaufen wenn ich da bin – dieses mal war es der DFB-Pokal Schal für meine kleine Maus – ging es dann aber ab ins Stadion. Die Kontrollen am Eingang waren, ja eigentlich keine Kontrollen. Innen dann war es voll und lange Schlangen an den Kiosken. Also musste man genug Geduld mitbringen ehe der Magen und die Kehle befriedigt waren. Aber dann ging es rauf in den Familienblock. Hier muss man ein Lob an das Team Tivoli und Alemannia richten, das sehr sehr viele Alemannia-Fahnen an die Kleinsten und Großen in den beiden Blöcken verteilte. Damit bekommt man Kinderaugen zum leuchten. Natürlich durfte unser Maskottchen Al-Aix auch nicht fehlen der für Fotoshootings zur Verfügung stand. Obwohl es noch weit über eine Stunde zum Anpfiff war, auf den Rängen war die Stimmung schon super. Die Südtribüne war schon gut voll, und auch der Gästeblock war in rot-schwarz getaucht. Gut 4.000 Bayer Fans fanden den Weg zum Tivoli, beachtlich wo ihnen doch zuvor unterstellte wurde das es nicht mal 1.000 werden würden. Bis zum Anpfiff gibt es ja dann die üblichen Rituale in der Musik und Fangesänge Auswahl, und das Highlight ist neben unserem “Jupp” mit “You never walk alleng natürlich das Original. Zum genießen einfach.

 

 

Kommen wir zum Spiel. Die Taktik war nichts neues, ein offener Schlagabtausch war nicht zu erwarten. Alemannia versuchte es mit ihren Mitteln und packte das große Kämpferherz aus. Und das gefiel wenn gleich die Bayer Elf mit nahezu 85% Ballbesitz das Spiel dominierte. Dennoch konnte man die Werkself lange Beschäftigen mit konsequenter Defensivarbeit. Und gelegentlich probierte es Alemannia mit schnellen Spielzügen nach vorne. Und geschossen wurde aus allen Lagen, David Bors ließ sich nicht lange Bitten und nahm das Bayer Tor ins Visier. Dem Championsleague Teilnehmer fiel zunächst nicht sonderlich viel ein, bis zur 19. Minute. Bayer setzte sich über links durch und die Flanke in den Strafraum ließ der erste Alemanne noch passieren, doch direkt neben ihm stolperte Kapitän Peter Hackenberg den Ball vorbei an Ricco Cymer ins Tor zum doch frühen 0:1. Das war natürlich unglücklich und tat der Stimmung nur kurz einen Abbruch. Kurz vor der Halbzeit stach dann Volland zu, als er sich um Alexander Heinze vorbei wickelte und ins kurze Eck zum 0:2 vollendete. Das ist halt die individuelle Klasse die den gewissen Unterschied ausmachen lassen. Trotzdem war der Applaus verdient, es gab auch keinen der nun wirklich was zu Meckern hätte.

 

 

Der Beginn der zweite Halbzeit sollte dann für die alemannische Entzückung sorgen. Ohne Änderung ging es wieder zurück auf dem Platz, und Bayer hatte direkt die große Chance das 0:3 zu erzielen. Aber Ricco Cymer verhinderte im Alemannia Tor mit einer guten Parade den weiteren Rückstand. Wenn man der Werkself zu viel Raum ließ und sie schnell über die Flügel agierten wurde es meist auch direkt gefährlich. Kurz danach hatte die Alemannia eine sehr gute Gelegenheit, Stipe Batarilo zimmerte einen Freistoß zentral auf das Tor, da musste sich Bayer-Keeper Özcan das erste mal ganz gut Strecken und den Ball über die Querlatte bugsieren. Wieder ein schneller Angriff der Bayer-Elf, der nicht nur geklärt werden konnte sondern einen feinen Spielzug der Alemannia einleitete. Der lange Ball durch Alexander Heinze erreichte David Bors, der per Kopf auf den durchgestarteten Florian Rüter verlängerte und seinem Bewacher enteilte. Dies ging nun für den Werksklub zu schnell, denn die Defensive war wie zuvor in den Testspielen ausgehebelt. Rüter brachte die Flanke zu Stipe Batarilo der völlig frei vor dem Tor stand. Routiniert schoss er den Ball vorbei an Özcan zum 1:2 ins Toooorrrrrrr…..es folgte eine Ekstase auf den Rängen. Und der Wiederanpfiff war gerade ertönt, die Alemannia Torhymne gerade verstummt und schon standen die Fans wieder alle senkrecht, als Stipe Batarilo diesmal über links seinem Bewacher enteile und den Ball scharf vor das Bayer Tor flankte. Dort hatte David Bors die Riesenchance zum Ausgleich, aber konnte freistehend den Ball nicht ins Tor befördern. Da wäre wohl der Tivoli explodiert. Die Bayer-Elf wankte erheblich, konnte sich dann aber wieder fangen. Nachdem der ehemalige Alemanne Kai Havertz noch an Ricco Cymer scheiterte, machte es der eingewechselte Bailey besser. Diesmal spielte der Gast zu schnell für uns, Bailey wickelte sich diesmal um Alexander Heinze und per Lupfer aus gut 16m ging der Ball über den rausgekommen Ricco Cymer ins Tor zum 1:3. Alemannia steckte nicht auf und hatte tatsächlich die Chance zum 2:3, aber Robin Garnier scheitere mit seinem Schuss knapp an Bayer-Keeper Özcan, der den Ball gerade noch so um den Pfosten lenken konnte. Am Ende sollte Kai Havertz dann auch noch sein Tor erzielen, kurz und schmerzlos schloss er ab zum 1:4. Das Ergebnis sah am Ende zwar deutlich aus und sicherlich der Klasse von Bayer angemessen, aber so einfach war es für sie dann doch nicht geworden.

 


 
Die Alemannia hat einen großen Kampf geliefert, sehr viel Werbung für sich gemacht und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Belohnung aus dem Sieg im Bitburg Pokalfinale 2019 wurde angemessen gemeistert. Was wäre wenn gewesen, wenn David Bors den Ball zum 2:2 untergebracht hätte? Schade das wir es nie erfahren werden :-) Ebenfalls war es schön anzusehen das unsere Kicker keine Bälle planlos nach vorne holzten, es steckte immer eine gute Idee dahinter. Aber es zeigte sich auch das die Leverkusener einfach 2-3 Sekunden gedankenschneller waren in ihren Aktionen. Man hatte einige Minuten wo man die Bayer Elf tatsächlich ins Wanken bringen konnte, wer hätte das zuvor gedacht? Ebenfalls schön war das es keine Pyro gab auf beiden Seiten, und das Spiel gemeinsam genossen wurde. Auch wen die Choreografie nicht ganz gelang, diesmal muss man ein Lob aussprechen an unsere Sorgenkinder. Es geht doch :-) Unschöne Szenen gab zwar im S3-Block, und anscheinend auch nach dem Spielende vor dem Tivoli, aber insgesamt war es für den Ausnahmetag ordentlich. Knapp 31.000 Zuschauer waren voll des Lobes für den engagierten Auftritt, bis auf Peter Hackenberg hatte bislang keiner vor so einer großen Kulisse gespielt. Und so wurde noch nach lange nach Abpfiff die Ehrenrunde gedreht und applaudiert.
 
Aber eins hab ich mich dann doch gefragt. Was wollten einige Fans mit der 20 Jahre Trianell Fahnenstange? Diese wurde aus der Verankerung geholt und lag später etwas weiter weg auf dem Gehweg. Die Polizei zeigte aber auch hier das man alle Probleme meistert, und steckte den Fahnenmast – unter Laola einiger Fans – wieder zurück an ihren Ursprungsort.

 

 

Für die meisten Fans von uns war dies ein toller Pokalnachmittag nach dem man sich seit Jahren gesehnt hat. Mit dem Gewinn des Bitburger Pokals 2019 wurden wieder Begehrlichkeiten geweckt die man schon lange nicht mehr gespürt hatte. Die Erwartungen wurden natürlich auch von Vereinsseite her geschürt, denn das verpönte Wort Aufstieg wurde wieder in den Mund genommen. Und wir Fans nehmen sowas auch dankbar an, wenn gleich eine ganz andere Motivation dahinter steckte. Mit den durchwachsenen Saisonstart wurde der Anspruch bei vielen wieder in Frage gestellt. Dieses erläuterte Coach Fuat Kiulic in der anschließenden Pressekonferenz zum DFB-Pokalspiel<(u>.

 

Ich habe gesagt wir wollen Aufsteigen, und ich wiederhole das nochmal damit der eine und andere das auch versteht. Es war die einzige Möglichkeit damit wir dieses kleine Flämmchen, was momentan entfacht wurde durch den Sieg im Pokalfinale, durch das was heute passiert, durch die Menschen die hier ins Stadion strömen, den ein oder anderen noch zu Überzeugen in diese Mannschaft zu investieren. Das war der Anspruch, ich habe mich damit zwar selber unter Druck gebracht, aber das bewusst, das will ich hier nochmal sagen. Und das ich dann irgendwann vielleicht als Depp der Nation dastehe dann ist das so im Fußball. Aber ohne das, ohne Risiko zu gehen werden wir es nicht schaffen den Verein nach oben zu bringen.

Alemannia Trainer Fuat Kilic

 

Das Päckchen was man noch gegen Fortuna Düsseldorf II getragen hat, ist heute abgelegt worden. Aber nun beginnt wieder der Liga-Alltag, und der nächste Gegner heißt TuS Haltern. Der Neuaufsteiger wird mit ähnlichem Gefühl wie wir heute auf dem Tivoli auflaufen und alles geben. Man darf gespannt sein wie die Mannschaft sich in diesem Spiel, nach dem großen Spiel, präsentiert. Vor allem werden einige Spieler ihre Blessuren auskurieren müssen. Stipe Batarilo war nach dem Spiel an beiden Knien getaped, und humpelte mehr als er ging. Da wird sicherlich ein paar Tage Pause nötig sein. Aber Respekt, das er nach dem Foul aus der ersten Halbzeit noch so durchgehalten hat und ein Tor erzielt hat!

 

 

Apropos Respekt. Da muss ich am Schluss noch etwas ansprechen! Mir geht es tierisch auf dem Senkel mit dem Spieler-Bashing. Ricco Cymer ist einer davon der quer durch das Social Media und diversen Foren beleidigt wird, und seine Fähigkeiten abgesprochen werden. Kritik ist eine Sache, dumpfes Pöbeln eine ganz andere. Sicherlich hat er seine Schwächen, sicherlich fragt man sich warum ein Nikolai Rehnen auf der Bank sitzt. Immerhin hat der 33. Drittligaspiele absolviert, und Ricco ein einziges Spiel im Südwest-Pokalfinale. Fuat Kilic und Hans Spillmann werden sicherlich am besten Wissen warum man sich so entschieden hat wie man sich entschieden hat. Das sollte man einfach respektieren. Wo kommen wir denn dahin wenn wir wieder anfangen jede Woche eine andere Sau durch das Dorf zu treiben? An David Pütz scheiden sich mittlerweile auch die Geister. Letzte Saison haben wir diverse Torwartwechsel erlebt, was wäre wenn nun Rehnen im Tor steht und sich einen Patzer erlaubt? Leute, wir halten Schilder hoch das wir eine große gemeinsame Alemannia Familie sind, dann aber Bitte auch alle zusammen. Denn der Schlüssel zum Erfolg liegt genau darin, und nicht darin Spieler fertig zu machen. Sonst müsste man dem guten Peter Hackenberg auch Absicht unterstellen, und Alexander Heinze ebenfalls das er sich zweimal hat düpieren lassen. Und nochmal, den Anspruch der an Ricco Cymer gelegt wird ist ja mittlerweile so hoch das er auch im Bayer Kader stehen könnte. Wenn ich höre den hätte er haben müssen, das war sein Eck, und die Flanke muss er haben. Ja wenn er die alle hat und fängt steht er aber nicht mehr bei Alemannia im Tor. Man sollte ihn lieber unterstützen so wie alle Spieler von 1-26.

 

Zusammengefasst vom gestrigen Pokalfight – ich bin Stolz auf unseren TSV

 
 
 

 
 
 
 

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