Mängelbeseitung am Tivoli hat begonnen

 
 

Ein wunderschönes Stadion

Walter Hellmich, Generalunternehmer

 
 
Pünktlich zum Saisonauftakt 2009/2010 wurde der neue Tivoli durch das Bauunternehmen Hellmich aus Duisburg für über 50 Millionen Euro fertiggestellt. Spätestens nach der 0:5 Niederlage im ersten Heimspiel gegen den FC St. Pauli, dem abgestürzten Pauli Fan aus dem Gästeblock und dem folgenden sportlichen Niedergang der Alemannia – mit dem Absturz in die Regionalliga West infolge der Insolvenz – war klar das der neue Tivoli unter keinem guten Stern stand.
 
Das lag aber nicht am Stadion selber sondern an die ausführenden Personen die das Stadion in gut 13 Monaten aus dem Soerser Boden stampften. Schon Schon kurze Zeit später konnte man mit eigenen Augen sehen das mit dem neuen Tivoli etwas nicht stimmte. Als die ersten herbstlichen Regengüsse auftraten rauschte das Wasser vom Stadiondach entlang den Betonstützen hinunter in den Tribünenbereich. Die darunter liegenden Räume, wie auch die Spielerkabinen, blieben davon nicht verschont und es bildete sich Schimmel aus. Sichtbar für den Zuschauer wurde das bestens an der Toilette unter dem Familienblock. Wer dort rein ging musste befürchten das der Schimmel nach einem greifen würde. Auch die Zuschauer in den vorderen Reihen des Stadions wurden nass, trotz Dach.  Desweiteren waren im Gäste-Tunnel, der vom Parkplatz zum Stadion führte, fehlerhafte Dichtungen verbaut worden so das es dort regelmäßig aus der Decke regnete. Vor dem Stadion lockerten sich Steine, sanken ein oder stellten sich hoch und die Rasenheizung funktionierte auf der Seite vor den Trainerbänken auch nicht, weil sie dort schlicht vergessen wurde. So nach und nach kamen immer mehr Mängel zum Vorschein, die zunächst von der Alemannia als Bauherrin angegangen wurden bzw. dem Bauunternehmen Hellmich mitgeteilt wurden und dann irgendwann eingestellt wurde – vermutlich wegen der nicht mehr aufzuhaltenden Insolvenz die am 12. November 2012 eintrat.
 
Die Stadt Aachen, die den Tivoli Anfang 2015 symbolisch für einen Euro übernahm, ahnte da noch nicht welches Moloch sich da auftun würde – neben den reinen Unterhaltungskosten von über einer Millionen Euro jährlich. Die von der Stadt Aachen gegründete ASB (Aachener Stadionbeteiligungs-Gesellschaft) verschaffte sich einen Überblick und listete über 63 Mängel auf die insgesamt über 2 Millionen Euro kosteten. Da man mit dem Bauunternehmen  keine Einigung erzielen konnte und man nicht auf den Kosten sitzenbleiben wollte, reichte die ASB und der damalige Insolvenzverwalter Kebekus kurz vor Ablauf der fünfjährigen Gewährleistungsfrist Klage gegen den Generalunternehmer Hellmich ein. Nach langen Zerren und Ziehen war der Generalunternehmer bereit einige Baumängel beseitigen zu lassen. Eine gütliche Einigung scheiterte jedoch am Stadiondach das angeblich zu kurz war. Hier tauchten Dokumente auf die das Stadiondach mit einem besseren Regenschutz vorsahen, und es gab Planungsunterlagen die das Stadiondach so zeigten wie es letztlich auch gebaut wurde und von der Alemannia so abgesegnet wurde.
 
Erst im Sommer 2018, nach über vier Jahren, konnte sich die Aachener Stadionbeteiligungs-Gesellschaft (ASB) und der Generalunternehmer vor Gericht einigen und einen Schlussstrich unter dieses Kapitel ziehen. Ungeklärt bleibt aber immer noch die Frage warum die Alemannia damals diese Hartnäckigkeit nicht besaß und es heute dazu keinerlei Dokumente mehr gibt die Licht ins dunkle hätte bringen können. Die Indizien sprechen zumindest dafür das Geld vom Generalunternehmer Hellmich an Alemannia geflossen ist, dieses aber für den Kader oder sonstige Töpfe verwendet wurden – nur nicht zur Beseitigung von den offenkundigen Baumängeln.
 
Nun kehren für alle sichtbar die Hellmich Handwerker zurück am Tivoli um die noch über 40 offenen Mängel zu beseitigen, weitere 22 hatte bereits die ABS in Vorleistung behoben. Absprachegemäß geht weder das Bauunternehmen Hellmich noch die ABS ins Detail was genau beseitigt wird. Die Umsetzung soll bis Ende des Jahres 2019 erfolgen, da die Arbeiten immer wieder unterbrochen werden müssen bei Heimspielen der Alemannia sowie die Veranstaltungen rund um den Tivoli (wie das CHIO oder die Euregio Wirtschaftsschau). Das gilt auch für die sichtbare Bauruine hinter dem Gebäude der Firma Trianel, das einmal die Alemannia Geschäftsstelle werden sollte. Das Grundstück samt Ruine soll laut Stadt und dem ABS verkauft werden. Ende gut, alles gut? Eine Bestandsaufnahme am Jahresende wird es zeigen – wenn die Hellmich Bauschilder am Tivoli verschwunden sind.
 
 
 
 

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