Im Gespräch – Jupp Bläser (Spieler Alemannia 1974 -1979)

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Der schönste Sieg war für mich das 4 – 0 am Tivoli gegen Spitzenreiter Bayer Uerdingen. An diesem Sonntag passte einfach alles. Das Wetter, das Publikum, und wir waren in Top-Form.

 
 
Wenn man von früheren Alemannia Legenden spricht fallen einem spontan Michel Pfeiffer, Jupp Martinelli und Jo Montanes ein. Vielleicht weil sie einfach immer noch omnipräsent sind. Sie haben viel zu erzählen aus den guten alten Tagen, und verkörpern immer noch das was die Alemannia jahrelang ausmacht hat. Trotz dass sie lange aus dem Fußball Geschäft ausgestiegen sind, schauen die Fans immer noch zu ihnen hoch. Dabei gibt es noch eine ganze Reihe von Spielern die man ebenfalls als Legenden bezeichnen darf und muss, von denen man aber so gut wie nichts mehr hört.
 
-von Dirk Förmer-
 
Im Gespräch – Interview mit Josef „Jupp“ Bläser
 
Einer davon ist Josef „Jupp“ Bläser, der fünf Jahre lang bei der Alemannia seine Stiefel schnürte. Jupp Bläser spielte von Juni 1974 – Juli 1979 bei der Alemannia. Der eisenharte Vorstopper, so nannte man früher die Spielerposition, wenn der Mittelstürmer der gegnerischen Mannschaft in Manndeckung genommen wurde, schnürte seine Fußballschuhe bereits in der D-Jugend als er noch keine zehn Jahre alt war. Er überzeugte nicht nur bei seinem späteren Verein, den SC Merzenich, sondern spielte auch für die Kreis- und Mittelrheinauswahl. Sein Ruf, bzw. seine Härte, war im ganzen Kreis gefürchtet als – der Eisenfuß aus Merzenich.
 
Bevor der junge Jupp Bläser seine Ausbildung als Maler und Lackierer beenden konnte, kamen ihm die Späher des 1. FC Köln dazwischen. So wurde er direkt für die A-Jugend der Geißböcke verpflichtet, die im selben Jahr 1971 deutscher A-Jugend Meister wurde. Ein Jahr später wurde er Profi bei den Geißböcken und konnte in den Folgejahren unter anderem die deutscher Vize-Meisterschaft 1973 feiern. Insgesamt kam Jupp Bläser bei den Kölnern auf rund 100 Einsätze, konnte sich aber keinen Stammplatz sichern. So entschied er sich 1974 für einen Wechsel zum damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen. Für 200.000 DM Ablöse schnürte Jupp Bläser dann seine Stiefel am Aachener Tivoli.
 
Nach seiner Alemannia Zeit spielte Jupp Bläser für den österreichischen Klub LASK (Linzer Athletik-Sport-Klub). In der ersten Saison erreichte er mit seinem Klub den 2. Tabellenplatz, der die Teilnahme am UEFA-Cup brachte. 1982 verließ er den LASK und verlegte seinen Lebenspunkt nach Bayern, im beschaulichen Thumhausen bei Nittendorf wo er auch heute noch zuhause ist.
 
Bevor es zum Interview geht noch eine Eckdaten aus seiner Karriere:
 
Zur Person:
Name: Josef „Jupp“ Bläser
Geboren: 11.12.1952
158 Spiele (Meisterschaft und DFB Pokal) für Alemannia Aachen in der 2. Bundesliga, 14 Tore
Karriereende: Juli 1982
 
Vereine: 
 
SC Merzenich bis 1970 (Jugend)
1970 – 1974: 1. FC Köln
1974 – 1979: Alemannia Aachen
1979 – 1982: LASK Linz
1982 – 1983: Trainer Viktoria West München
1983 – 1986: Spielertrainer TSV Dachau 1865
1986 – 1989: Trainer TSV Bergkirchen
1989 – 1995: Manager TSV Dachau 1865
1995 – 1998: Manager ASV Dachau
 
Erfolge:
1973 Deutscher Vize-Meister mit 1. FC Köln
1973 DFB-Pokal-Finale mit 1. FC Köln
1971 Deutscher Meister A-Jugend, 1.FC Köln
1980 Teilnahme UEFA-Cup mit LASK Linz
 
 

Alemannia Aachen - FC Bayern München am 13.08.1974 / Jupp Bläser (li) und Jupp Kapellmann (re) Bildrechte Jupp Bläser
Alemannia Aachen – FC Bayern München am 13.08.1974 / Jupp Bläser (li) und Jupp Kapellmann (mi)
Bildrechte Jupp Bläser

 

Exklusiv Interview mit Josef „Jupp“ Bläser (Lizenzspieler Alemannia Aachen vom Juni 1974 – Juli 1979)

 
 
 
Wann und wo haben Sie angefangen mit dem Fußballspielen?
In der D-Jugend vom SC Merzenich
 
Was haben Sie in Ihrer Jugendzeit alles dafür getan, um es später einmal in den Profifußball zu schaffen?
Ich habe alles was möglich war dem Fußball untergeordnet.
 
Wie kam der Kontakt zur Alemannia 1974 Zustande?
Der Kontakt mit der Alemannia kam durch einen Anruf des damaligen Trainers Michel Pfeiffer zustande.
 
Wie wurde der „Kölner“ Jupp Bläser in der Mannschaft aufgenommen? 
Ich wurde sehr gut in Aachen aufgenommen. Es waren ja auch so viele neue Spieler gekommen. Stars wie Klaus-Dieter Sieloff, Rolf Kucharski und Hans Schulz waren da schon eher bekannt!
 
Wer waren die damaligen Leitwölfe im Team?
Mit den o.g. Spielern kam natürlich noch der Altmeister Christian Breuer dazu!
 
Von welchem Alemannia Trainer haben Sie am meisten profitiert? 
Am meisten habe ich von Horst Witzler profitiert! Und natürlich von Michel Pfeiffer.
 
Was hat der Trainer von Ihnen erwartet?
Da ich vom 1. FC Köln kam wurde natürlich sehr viel von mir erwartet.  Und ich glaube ich habe die Erwartungen auch erfüllt.
 
Was macht ein Fußball Profi eigentlich zwischen den Trainingseinheiten (Also wenn er kein offizielles Training hat)? Haben Sie damals auch mal ein Extratraining (also außerhalb des Mannschaftstrainings) durchgeführt?
Ja, ich habe sehr viel Sondertraining bekommen. Ich habe viel mit dem damaligen Co-Trainer Willi Haag gearbeitet. Kopfballtraining, Zweikampfschulung und Passspiel wurde da vorwiegend trainiert.
 
War der Fußball früher besser als der heutige?
Besser würde ich nicht sagen. Man hatte halt etwas mehr Platz und Zeit. Auf jeden Fall war er härter.
 
Wer war ihr Lieblingsgegner?
Ganz klar: FC St. Pauli, am liebsten in Hamburg!
 
Wer war ihr Lieblingsmitspieler?
Mein Lieblingsmitspieler ist eine schwierige Frage. Aber Jo Montanes und Willi Reuter kommen schon nahe dran. Auf die konntest du dich immer verlassen.
 
Welches Spiel ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?
Da gibt es eigentlich drei. FC Bayern, FC Barcelona und das Pokalspiel gegen Borussia Dortmund.
 
Welche Niederlage war die schmerzhafteste?
0 – 6 in Dortmund! (Anm. d. Red. – 22.02.1975)
 
Welcher Sieg war der schönste und warum?
Der schönste Sieg war für mich das 4 – 0 am Tivoli gegen Spitzenreiter Bayer Uerdingen (8. Oktober 1978). An diesem Sonntag passte einfach alles. Das Wetter, das Publikum, und wir waren in Top-Form.
 
Was würden Sie einem jungen Fußballer raten der heute zur Alemannia wechseln würde?
Ich würde einem jungen Spieler raten nach Aachen zu gehen, weil da die Vorrausetzungen sehr gut sind. Die Regionalliga ist ja auch schon was.
 
Das Geld war ja manchmal knapp bei der Alemannia um Spielergehälter zu bezahlen. Wie war das mit den Hartgeldrollen aus den Stadionkassen?
Irgendein Pokalspiel. Die Kassen waren wieder mal leer. Alle Spieler wurden nach dem Spiel zur Geschäftsstelle zitiert und dann gab es, ich glaube, 800,- DM Abschlagszahlung aus Hartgeldrollen. Wir haben später damit in der Gaststätte bezahlt und hatten die reinste Gaudi!
 
Der Wechsel zum LASK Linz ging ja einem Streit mit der Vereinsführung voraus. Worum ging es da, weshalb kam es zum Bruch?
Egon Münzenberg und vor allen Dingen Erhard Ahmann wollten neue Gesichter am Tivoli sehen. Und das haben beide auf eine sehr linke Art gemacht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
 
Alemannia war ja schon früher bekannt für die kleinen Skandale und heißt nicht umsonst Klömpchensklub. Warum wechselt man trotzdem zu einem solchen Klub?
Tivoli, Publikum! Wenn man in Aachen unterschreibt muss man wissen was man tut. Ich hoffe das heute eine bessere Vorstandschaft am Werk ist und den Verein wieder in die erste Liga führt.
 
In wie weit interessieren Sie sich heute noch für die Alemannia?
Ich schaue jede Woche auf die Ergebnisse und Tabelle. Ab und zu auch mal ein Spiel im Fernsehen, wenn eins übertragen wird.
 
Treffen Sie noch heute ehemalige Mitspieler?
Außer mit Willi Reuter und manchmal Jo Montanes habe ich keinen Kontakt mehr.
 
Hat sich Alemannia noch einmal bei Ihnen gemeldet? (Geburtstag, Jubiläum etc?)
Nein nie mehr! Im Gegensatz zum 1. FC Köln wo ich immer wieder eingeladen bin, zwei VIP Karten bekomme und alte Weggefährten treffe.
 
Der alte Tivoli war für mich…….?
So etwas wird es nicht mehr geben. Das schönste was ein Fußballer erleben kann einmal dort gespielt zu haben.
 
Der neue Tivoli ist für mich….?
Unbekannt.
 
Ich war zuletzt im Tivoli Stadion am….?
Bei meinem letzten Spiel für die Alemannia.
 
Wird die Alemannia wieder in dem Profifußball zurückkehren? Welche Voraussetzungen müssten geschaffen sein?
Ich hoffe das sie zurückkehren wird. Vorausgesetzt ist eine vernünftige Vorstandschaft die vernünftig wirtschaftet, und nicht so wie die ganzen Kasperln die sich selber nur in den Vordergrund gespielt haben.
 
Was würde ich noch einmal gerne lesen von der Alemannia?
AUFSTIEG in die erste Liga: Riesenparty am Rathaus.
 
Alemannia war für mich…..? 
Tolle Jahre die ich nicht vermissen werde. Das fünfte Jahr möchte ich gerne aus meinem Gedächtnis streichen.
 
 
Hiermit bedanke ich mich ganz herzlich im Namen von diekartoffelkaefer.de für das spannende Interview und wünsche Ihnen weiterhin Glück und Gesundheit.
 
Dirk Förmer, Chefredakteur von www.diekartoffelkaefer.de
 
 
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