Im Gespräch – Fred Jansen (Alemannia 1975-1984)

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Nach dem Ende meiner Karriere 1984 war ich gerade mal 29 Jahre alt. Warum hört man so früh auf? Zum einen schmerzte das Knie, zum anderen war der Beruf für mich wichtiger und hatte Vorrang. Der Fußball war nur noch Hobby. Deshalb kann ich Spieler wie Marcell Jansen vom Hamburger SV verstehen, wenn sie in jungen Jahren ihre Karriere beenden und sich einem Beruf widmen.

Fred Jansen

 

 

Wenn man von früheren Alemannia Legenden spricht fallen einem spontan Michel Pfeiffer, Jupp Martinelli und Jo Montanes ein. Vielleicht weil sie einfach immer noch omnipräsent sind. Sie haben viel zu erzählen aus den guten alten Tagen, vom altehrwürdigen Tivoli, und verkörpern immer noch das was die Alemannia bis heute ausmacht. Trotz dass sie lange aus dem Fußball Geschäft ausgestiegen sind, schauen die Fans immer noch zu ihnen hoch. Dabei gibt es noch eine ganze Reihe von Spielern die man ebenfalls als “Legenden” bezeichnen darf und muss, von denen man aber so gut wie nichts mehr hört. Einer davon ist Manfred „Fred“ Jansen. Er spielte, wie einst sein Vater Manfred „Fred“ Jansen senior (1949-1960), bei der Alemannia von 1975 – 1984 im Mittelfeld. Ein glücklicher Umstand brachte uns zusammen so dass ich mit ihm ein exklusives Interview führen konnte.

 

Kein Zweitliga-Spieler absolvierte mehr Zweitliga-Spiele für die Alemannia im Mittelfeld. 187 Einsätze – 10 Tore.

 

Fred Jansen begann das Fußballspielen in Scherpenseel. Als B-Jugendlicher wechselte er dann zum VfR Übach-Palenberg wo er bis zum 18. Lebensjahr spielte. Schon zu dieser Zeit absolvierte der ehrgeizige Mittelfeldspieler einige Spiele in der Mittelrheinauswahl. Dann wurde er von Gerd Prokop entdeckt, der ihn 1975 zur Alemannia nach Aachen holte. Fred Jansen spielte von Juni 1975 – Juli 1984 bei der Alemannia. Allerdings trainierte er bereits ab Januar 1975 als A-Jugendlicher mit den Alemannia Profis mit. Sein Debüt gab er am 28. September 1975 bei der 1:3 Niederlage in Wattenscheid, wo er nach einer Stunde eingewechselt wurde. Mit 187 Einsätzen im Mittelfeld ist er immer noch der erfolgreichste Spieler der Alemannia, mit den meisten Einsätzen auf dieser Position. In seiner aktiven Zeit bei der Alemannia schoss er 10 Tore. Am 38. und letzten Spieltag der Saison 1983/1984 beendete „Fred“ Jansen seine Profi-Karriere bei der Alemannia mit einer 0:3 Niederlage bei Union Solingen.

 

Bevor es zum Interview geht noch eine Eckdaten aus seiner Karriere:

Zur Person:
Name: Manfred Jansen

Geboren: 06.11.1956

Größe: 1,80m

187 Spiele für Alemannia Aachen in der 2. Bundesliga, 10 Tore

Karriereende: Juli 1984
 
 
Vereine:
1960 – 1970 SV 09 Scherpenseel (Jugend)

1970 – 1975 VfR Übach-Palenberg

1975 – 1984 Alemannia Aachen

1984 – 1986 VfR Übach-Palenberg

1986 – 1987 SV Brachelen (Spielertrainer, Kreisliga)

1987 – 1988 SVG LangbroichSchierwaldenrath (Spielertrainer, Landesliga)

1988 – 1989 TuS 09 Frelenberg (Spielertrainer, Bezirksliga)

1989 – 1990 SVS Merkstein (Spielertrainer,Bezirksliga)

1990 – 1991 Eintracht Warden (Spielertrainer, Bezirksliga)

Zudem lange Jahre im Förderkreis der Alemannia (Jugend) tätig

 

 

Fred Jansen

 

 Exklusiv Interview mit Manfred „Fred“ Jansen (Lizenzspieler Alemannia Aachen vom Juni 1975 – Juli 1984)

 

Wann und wo haben Sie angefangen mit dem Fußballspielen?

Mit sechs Jahren bei meinem Heimatdorf und Klub SV 09 Scherpenseel.

 

Was haben Sie in Ihrer Jugendzeit alles dafür getan, um es später einmal in den Profifußball zu schaffen?

Es war ein Kindheitstraum es meinem Vater gleichzumachen! Aber die oberste Liga war im Gegensatz zu meinem Vater zu gut für mich. Nach der Schule und den Hausaufgaben gab es für mich nur den Ball und unseren Sportplatz.
(Anm. d. Red. Manfred „Fred“ Jansen senior spielte von 1949 bis 1960 bei der Alemannia)

 

Wie kam der Kontakt zur Alemannia 1975 Zustande, sie waren ja zu dieser Zeit Spieler beim VfR Übach-Palenberg, oder wurden sie „entdeckt“?

Schon seit Januar 1975 trainierte ich sporadisch bei den Alemannia Profis mit. Im November 1974 trat ich mit der Übach-Palenberger Jugend in der A-Jugend Verbandsklasse auf die A-Jugend der Alemannia (damals mit dem 1. FC Köln die beste Jugend im Verband). Ich machte 2 Tore beim 3:2 Sieg. Alemannia Trainer Gerd Prokop (auch Co-Trainer der Profis) entdeckte mich. Später machte Alemannia Mäzen Egon Münzenberg den ersten Profi-Vertrag mit mir fix.

 

Wie wurde der junge „Fred“ Jansen in die Mannschaft aufgenommen?

Als junger Spieler schaute ich mir bei einigen Kollegen das Beste ab. Lernen, gutes nach machen, nichts Besserwissen. A-Nationalspieler Klaus-Dieter Sieloff sagte zur mir beim Einzeltraining „Das “Sie” streichen wir. Wir sind Kollegen, also bin ich der Klaus für dich“.

An Peter Hermann richtete ich mich damals auf. Er war fleißig, Intelligent, ausdauernd und ein guter Fußballer mit großer sozialer Einstellung. Ein richtiges Vorbild, obwohl er nur ein paar Jahre älter war.

 

Wer waren die damaligen Leitwölfe im Team und wer hat sich um Sie gekümmert?

In der Zeit ohne Profivertrag war das Chris Breuer, ein Instinktfußballer. Im ersten Profi-Jahr war es Peter Hermann. Ein Rund-um-Fußballer mit tollem Charakter. Ein Vorbild in Einstellung, Taktik und Können. Schon hier zeigte sich seine große vorhersehbare Karriere. Im zweiten Profi-Jahr war es Heiko Mertes, als Spielführer und Leader im Mittelfeld war ich an seiner Seite gut aufgehoben.

 

Welcher Art von Trainer war Horst Witzler?

Für mich war er unwichtig! Er war Cheftrainer als ich kam, hatte mich aber nicht verpflichtet. Nach einem halben Jahr löste ihn Gerd Prokop als Trainer ab. Horst Witzler hatte zwar mal Borussia Dortmund trainiert, konnte sein Können aber bei der Alemannia nicht lange zeigen!

 

Was hat der Trainer von Ihnen erwartet?

Was Horst Witzler von mir erwartet hat weiß ich bis heute nicht. Wir standen im Meisterschaftsspiel auf dem Tivoli zehn Minuten vor Schluss 0:3 zurück. Da kam Horst Witzler zum Ersatzspieler Fred Jansen und sagte: „Hör mal Fred. Du kannst doch auch Rechtsaußen spielen, ich Wechsel dich jetzt dort ein.“ Da habe ich gesagt: “Trainer, wollen Sie das 0:3 halten?“ und bin sitzengeblieben. Ich hatte noch nie Rechtsaußen gespielt, und wollte auch nicht das die Fans sagen „Wen hat er denn da gebracht?“
Auch als Lizenzspieler darf man sich nicht verbiegen lassen. Man muss eine gewisse demütige Einstellung mitbringen, aber nicht zu allem Ja und Amen sagen.

 

Was macht ein Fußball Profi eigentlich zwischen den Trainingseinheiten (Also wenn er kein offizielles Training hat)? Haben Sie damals auch mal ein Extratraining (also außerhalb des Mannschaftstrainings) durchgeführt?

Ich wohnte damals noch bei meinen Eltern, mitten in der Teverener-Heide. Dort absolvierte ich Läufe und Sprints im Heidesandboden. Die Technik Übungen machte ich zusammen mit meinem Bruder Uwe (Anm. der Red.: damals bei den Alemannia Amateuren). Ansonsten lag meine Konzentration auf das Abi, das ich während meines ersten Profijahres parallel absolvierte.

 

War der Fußball früher besser als der heutige?

Auf keinen Fall!! Heute ist alles größer, schneller und besser. Eine Industrie von Fußballern von Jung bis Alt. Die Können schon was.

 

Fred Jansen schießt, Franz Beckenbauer schaut hinterher
Fred Jansen schießt, Franz Beckenbauer schaut hinterher

 

Wer war ihr Lieblingsgegner?

Als Verein war das Wattenscheid 09, die waren damals gerade aufgestiegen und dort hatte ich meinen ersten Spieleinsatz 1975.

Als Gegenspieler Felix Magath, vor allem beim Pokalspiel 1980 gegen den Hamburger SV auf dem Tivoli, die mit allen Stars antraten u.a. auch mit Franz Beckenbauer.

 

Du siehst aus wie Charles Bronson und spielst wie Jerry Lewis
Trainer Legende Udo Lattek über Norbert “Jerry” Dörmann

 

Wer war ihr Lieblingsmitspieler?

Norbert Dörmann, Ex-Spieler von Schalke 04. Er war mein Zimmerkumpel im Trainingslager und in den Hotels vor den Spielen. Wir verstanden uns ohne große Reden. Innerhalb des Teams wurde er immer „Jerry“ genannt. Ich hatte mich immer gewundert warum man ihn Jerry nannte.
Daneben gab es natürlich weitere Spieler, wie Hannes Kau, Jupp Koitka oder Clute Simon (zu dem schaute ich auch hoch weil er eine super Athletik und Kondition hatte).

 

Welches Spiel ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Der 1:0 Sieg im DFB-Pokal Wiederholungsspiel auf dem Tivoli gegen den Bundesligisten Karlsruher SC (28.10.1980). Das Hinspiel endete im Karlsruher Wildpark Stadion mit 1:1 n.V.

 

Welche Niederlage war die schmerzhafteste?

Das 0:3 zuhause gegen den Hamburger SV im DFB Pokal (5. Dezember 1981), da hatten wir keine Chance. Ebenso beim 1:4 gegen Bayer Leverkusen 1979, als Bayer mit Peter Hermann in die erste Bundesliga aufstieg. Auch hier hatten wir absolut keine Chance und wurden teilweise vorgeführt, obwohl wir auf dem Tivoli sehr Heimstark waren.

 

Welcher Sieg war der schönste und warum?

Wie zuvor erwähnt das DFB-Pokal Wiederholungsspiel auf dem Tivoli gegen den Bundesligisten Karlsruher SC am 28.10.1980. Wir gewannen 1:0 vor 27.500 Zuschauern. Der Tivoli war so pickepacke voll das keine Maus mehr reinging. Der Wahnsinn – Da kamst du aus dem Spielertunnel raus zum Warmmachen, eine halbe Stunde vor Spielbeginn, und man sah im Flutlicht und auf dem Flutlichtmast nur noch Köpfe der Menschenmassen. Ein einmaliges Erlebnis!!!

 

Was würden Sie einem jungen Fußballer raten der heute zur Alemannia wechseln würde?

Die Jungs bekommen von ihren diversen Beratern schon genug gute Ratschläge. Aber man sollte auch auf sein Bauchgefühl und Herz hören, wenn man etwas kann kommt der Profit später ganz von allein. Ich hatte es einfach – Wir waren eine Alemannia Familie. Ich war Profi und Fan zugleich. So bin ich auch in all den Jahren nicht zu einem anderen Verein gewechselt, obwohl es Angebote gab von Hannover 96, Borussia Dortmund und Holstein Kiel. Für mich gibt es bis heute noch nur die Alemannia!

 

Treffen Sie noch heute ehemalige Mitspieler?

Durch meine langjährige Mitgliedschaft im Förderverein der Alemannia, wo Heinz Becker den Vorsitz hat, treffe ich immer noch einige Ex-Alemannen im VIP Raum, unter anderem auch Alfred Glenski, Jo Montanes und Günter Delzepich.

 

Hat sich Alemannia noch einmal bei Ihnen gemeldet? (Geburtstag, Jubiläum etc?)

Ja, durch die Mitgliedschaft im Förderverein. Das schönste Erlebnis war die Einladung zum DFB Pokalendspiel 2004 in Berlin, wo wir drei Tage lang in einem fünf Sterne Hotel untergebracht waren.

 

In wie weit interessieren Sie sich heute noch für die Alemannia?

Ich bin Rundum informiert!

 

Wird die Alemannia wieder in dem Profifußball zurückkehren?

Ganz bestimmt, nur wann kann ich nicht sagen.

 

Der alte Tivoli war für mich…….?

…ein zweites Zuhause.

 

Der neue Tivoli ist für mich….?

…im wahrsten Sinne des Wortes „weitläufiger!

 

Ich war zuletzt im Stadion am….?

Am 29.04.2011 gegen Rot Weiß Oberhausen (4:0) zum letzten Zweitligaspiel.

 

Was würde ich noch einmal gerne mit Alemannia erleben?

Den Aufstieg!!!

 

Wer war der bessere Fußballer? Manfred Jansen (Senior) oder Manfred Jansen (Junior)?
(Anmerkung der Redaktion: Manfred Jansen Senior spielte von 1949-1960 bei Alemannia Aachen / 260 Spiele, 16 Tore)

Keine Frage, mein Vater! Wer in der höchsten deutschen Spielklasse sieben Jahre lang Spielführer der Alemannia war, musste schon was Können. Gehen Sie heute noch mal Alt-Alemannen fragen nach Fred Jansen senior, so hören Sie immer noch ein Schwärmen.

 

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote.

 

Wir haben 1976 im DFB Pokal Wiederholungsspiel im Dortmunder Westfalen Stadion gespielt (Hinspiel auf dem Tivoli 0:0) und 2:0 verloren. Dabei muss ich wohl so gut gewesen sein das die Dortmunder bei der Alemannia angefragt haben wie lange ich denn noch Vertrag hätte, und wieviel ich verdienen würde. Eigentlich wurden Spielerverträge immer im Juni rum verlängert, doch nun bekam ich im Februar einen Vertrag vorgelegt für 2,5 Jahre und 600 DM mehr Gehalt. Ich unterschrieb natürlich sofort. Erst sehr viel später erfuhr ich vom Dortmunder Interesse, und warum man den Vertrag mit mir so früh verlängert hat – man wollte eine höhere Ablöse gegenüber Dortmund rausschlagen. Zu einem Wechsel ist aber nie gekommen.

Fred Jansen über einen Wechsel der nie zustande kam

 

 

Hiermit bedanke ich mich ganz herzlich im Namen von diekartoffelkaefer.de für das spannende Interview und wünsche Ihnen weiterhin Glück und Gesundheit.

Dirk Förmer, www.diekartoffelkaefer.de

 

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