Ich bin Alemannia – Marc Stuhlsatz

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Du bist Alemanne durch und durch, das merkt man! Respekt!

 
 
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Wer bin ich – Darf ich mich kurz vorstellen?

 
 

  1. Ich heiße?
    Marc Stuhlsatz, 27 Jahre, Jugendtrainer
  2. Ich komme aus?
    Eschweiler
  3. Ich bin Alemannia-Fan seit?
    1999
  4. Ich bin regelmäßig auf dem Tivoli?
    Wenn meine Tätigkeit als Jugendtrainer es zeitlich zulässt immer
  5. Auf dem neuen Tivoli findet ihr mich im Block?
    Block S3
  6. Im alten Tivoli war ich zuletzt im Block?
    Block S
  7. Alemannia bedeutet für mich?
    Alemannia ist mein Leben, in mir fließt schwarz-gelbes Blut
  8. Mein erstes Spiel der Alemannia?
    14.03.1999 gegen FC Remscheid (2:1)
  9. Mein schönstes Erlebnis mit der Alemannia?
    Pokalsiege gegen Bayern München
  10. Mein traurigstes Erlebnis mit der Alemannia?
    Abschied vom alten Tivoli
  11. Was ich von einem Alemannia-Spieler erwarte?
    Identifikation mit Verein und Fans, Kampfgeist und die Bereitschaft immer alles zu geben
  12. Wie muss ein Spieler sein, wenn er zur Alemannia wechselt?
    Voller Tatendrang, alles für den Verein zu geben und sich mit Verein und Fans zu identifizieren
  13. Mein(e) Alemannia-Idol(e) ist/sind?
    Erik Meijer, Stephan Lämmermann und Lewis Holtby
  14. Tradition bedeutet für mich?
    Erinnerung an alte Zeiten, ohne aber den Blick für die Gegenwart zu verlieren
  15. Ich bin in einem Fanklub? Wenn ja in welchem und wie lange?
  16. Ich bin Alemannia-Mitglied seit?
    2003
  17. Ich bin Mitglied der Fan-IG seit?
    2011
  18. Ich engagiere mich ehrenamtlich bei der Alemannia?
    Aktuell nicht, aber mein Ziel ist es irgendwann als Jugendtrainer für die Alemannia zu arbeiten
  19. Wie wird man mit dem Alemannia-Virus infiziert?
    Ein Stadionbesuch bei einem engen Spiel mit dazugehörigem Support reicht
  20. Mein am weit entferntestes Auswärtsspiel war in?
    München
  21. Der Tivoli ist…?
    Ein modernes, schönes Stadion, in dem hoffentlich auch irgendwann einmal Erstliga-Fußball gespielt wird
  22. Was sage ich Leuten, die mich fragen, warum ich Alemannia-Fan bin?
    Das es keine Alternative gibt
  23. Rituale vor Alemannia-Spielen?
    Grundsätzlich keine, aber ich vermeide Hektik und bin gerne sehr früh im Stadion
  24. Auch außerhalb des Tivoli erkennt man mich als Alemannia-Fan. Woran?
    Geldbörse, Armbanduhr, Armband, Halskette etc.
  25. Alemannia wird in spätestens xx Jahren wieder in der zweiten Liga sein
    Von mir aus natürlich schnellstmöglich, aber für realistisch halte ich 3-5 Jahre
  26. Hinderungsgründe, die mich von einem Tivoli-Besuch abhalten könnten?
    Zeitgleiche Spiele der von mir trainierten Jugendmannschaft
  27. Ich bin als Alemannia-Fan xx aufgestiegen und xx abgestiegen
    2 Aufstiege (1999 und 2006), 3 Abstiege (2007, 2012 und 2013)
  28. Mein größter sportlicher Erfolg als Fan war?
    Das Erreichen des Pokalfinales 2004 und die darauf folgende Teilnahme am UEFA-Cup
  29. Wenn ich einen Tag lang Alemannia-Präsident oder Aufsichtsrats-Chef wäre, würde ich…?
    …hoffentlich die Aufstiegsfeier 2015 planen ;-)

 

 

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Alemannia Aachen ist mehr als ein Verein! Alemannia ist Tradition, Emotion und Leidenschaft mit Höhen und Tiefen! Und diese Attribute ziehen sich wie ein roter Faden durch mein bisheriges 15-jähriges Fanleben. Wenn ich diese 15 Jahre Revue passieren lasse, dann gibt es doch die ein oder andere persönliche Anekdote, die meine Beziehung zur Alemannia deutlich macht.

 

So musste ich zu Anfang meines Lebens eine aus fußballerischer Sicht schwere Kindheit durchstehen. Meine ganze Familie bestand aus Gladbach-Anhängern und mein Vater nahm mich immer wieder mit zum Bökelberg. Doch dieser Spuk sollte am 14.03.1999 im Alter von 11 Jahren enden: Am 24. Spieltag der Regionalliga West-Südwest besuchte ich beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Remscheid erstmals den Tivoli. Ich war so fasziniert von dem Stadion und der Atmosphäre, dass ich direkt in den Alemannia-Bann gezogen wurde und meine dunkle Gladbacher Vergangenheit ein jähes Ende nahm.
 
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Doch schon bald sollte ich das erste Negativ-Erlebnis mit der Alemannia erfahren: Am 11.05.1999 starb unser damaliger Trainer Werner Fuchs bei einem Waldlauf mit der Mannschaft. Obwohl ich erst eine kurze Zeit Alemanne war, so war ich an diesem Tag enorm betrübt und schockiert. Als ich von der Schule nach Hause kam, und mich auf Spaghetti als Mittagessen freute, erzählte mir mein Großvater von der tragischen Geschichte. Ich verkroch mich in mein Zimmer und starrte stundenlang auf den Videotext, der den Tod von Werner Fuchs vermeldete. Die Spaghetti waren mittlerweile kalt, doch Lust auf Essen hatte ich an diesem Tag eh nicht mehr.

 

Trotz dieser Schock-Nachricht rüttelte sich die Mannschaft auf und schaffte unter Interims-Trainer Andre Winkhold wenige Tage später den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Selbstverständlich war ich beim letzten Heimspiel gegen den Wuppertaler SV im Stadion und durfte zum ersten Mal erleben wie der Tivoli bebt.
Schon bald konnten wir das 100-jährige Vereinsjubiläum feiern. Doch zu dieser Zeit steckte die Alemannia in finanziellen Schwierigkeiten. Ich schaute in meinen Sparpott, wo noch genau 50 DM drin waren. Es war für mich eine Selbstverständlichkeit, diese 50 Mark in eine dieser Spendendosen zu werfen, mit denen die damaligen Spieler in der Stadt standen. Gemeinsam durchstand man diese finanzielle Krise und es sollte schon bald wieder aufwärts gehen.

 

Aufgrund einer Zeitungsanzeige im Sportmagazin „Kicker“ bewarb sich ein gewisser Jörg Schmadtke um den Posten des Sportdirektors. Wie sich später herausstellte, war dies ein totaler Glücksfall für die Alemannia. Jörg Schmadtke schaffte es, altgediente Spieler wie Kalla Pflipsen oder Erik Meijer an den Tivoli zu lotsen. Die Lage des Vereins stabilisierte sich und es sollte die bis dato erfolgreichste Zeit meiner Karriere als Alemannia-Fan folgen.

 

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Im Mai 2003 kam ich dann meinem Verein so nah wie noch nie: Mein Schul-Praktikum durfte ich nämlich auf der Geschäftsstelle am alten Tivoli absolvieren. In der Zeit lernte ich alle Spieler und Trainer persönlich kennen, was ein tolles Erlebnis für mich als Jugendlicher war. Im Rahmen dieses Praktikums gab es dann auch zwei erzählbare Anekdoten:
 
So war ich am 11.05.2003, beim 2:0-Heimsieg im letzten Heimspiel der Saison, erstmals zu Gast im VIP-Bereich. Selbstverständlich wollte ich auch an diesem Tag meine Liebe zum Verein gebührend zum Ausdruck bringen weshalb ich mich zu einem modischen No-Go hinreißen ließ: Schwarze Hose und gelbes Sakko. Doch meine Botschaft, die Liebe zur Alemannia zu verdeutlichen, kam an. So fand der damalige Trainer Jörg Berger einige persönliche Worte für mich: „Du bist Alemanne durch und durch, das merkt man! Respekt!“. In den nächsten Tagen war ich für ihn und seinem Co-Trainer Frank Engel liebevoll „Herr Präsident“.
 

Marc Stuhlsatz und Erik Meijer
Marc Stuhlsatz und Erik Meijer

 
Die zweite Geschichte aus meiner Praktikums-Zeit war der Tag einer denkwürdigen Pressekonferenz: Ich saß am Empfang der Geschäftsstelle wo nach und nach die Pressevertreter eintrafen, denen ein Neuzugang für die Alemannia angekündigt wurde. Ich muss dazu sagen, dass bis dato alle Spieler von mir wie „Popstars“ behandelt wurden. So war es auch an diesem Tag noch, denn auf einmal stand Jörg Schmadtke mit einem gewissen Erik Meijer, dem angekündigten Neuzugang, vor mir. Ich war so erstaunt, dass ich glatt vergessen hatte, den Türöffner zu betätigen. Erik nahm sich daraufhin sehr viel Zeit für mich, was mich am Ende des Tages zur Erkenntnis brachte dass auch diese „Popstars“ in Wirklichkeit ganz normale Leute sind.
 
Marc im alten Tivoi, und im Spielertunnel
Marc im alten Tivoi, und im Spielertunnel

 
Was in den Folgejahren kam dürfte so ziemlich jedem Alemannen bekannt sein: Die sensationelle Pokal-Saison 2003/2004, die Teilnahme am UEFA-Cup 2004/2005, den Aufstieg in die 1. Liga 2005/2006 sowie die darauf folgende Spielzeit in der Bundesliga. Unvergessen bleiben hier natürlich die Pokalsiege gegen die Bayern, der Halbfinal-Sieg gegen Gladbach inkl. der „Hand Gottes“ von George Mbwando sowie die Spiele im UEFA-Cup. Während ich brav in der Schule saß, harrte mein Opa stundenlang bei teilweise klirrender Kälte vor dem Fanshop am Tivoli aus, um Tickets für diese Highlights zu bekommen. Ich hatte auch Tickets für das Pokalfinale 2004 in Berlin, durfte jedoch damals von meiner Mutter aus nicht dort hin, was ich ihr bis heute nicht verziehen habe. Doch ganz so brav saß ich leider nicht immer in der Schule, denn die Aufstiegsfeier 2006 fand bereits in den frühen Nachmittags-Stunden an einem Wochentag auf dem Katschhof statt. Da ich bei diesem Event selbstverständlich nicht fehlen wollte, habe ich „krankheitsbedingt“ den Schultag frühzeitig beendet – das war übrigens der einzige Schul- und Arbeitstag in meinem Leben, den ich mir „freigenommen“ habe. Was man nicht alles für die Alemannia tut!
 
Lewis Holtby und Marc
Lewis Holtby und Marc

 
Doch nach nur einem Jahr in der ersten Liga ging es zurück in Liga 2. Für mich gab es nicht eine Sekunde lang die Überlegung, den Verein hängen zu lassen. Wie heißt es bei einer Hochzeit doch so schön: „In guten wie in schlechten Zeiten“! Die Folgezeit war dann weiterhin geprägt von Höhen und Tiefen: In der Saison 2008/2009 startete ein gewisser Lewis Holtby mit einer Gala-Vorstellung beim 6:2 gegen Nürnberg durch. Doch in der gleichen Spielzeit mussten wir Abschied von unserer Heimat -dem alten Tivoli- nehmen. Ein Ort, der soviel erlebt hatte, wurde einem aus dem Leben gerissen. Noch heute fahre ich die Krefelder Straße entlang und denke an die tolle Zeit im alten Stadion zurück.

 

In der Saison 2011/2012 folgte der Abstieg aus Liga 2. Selbstverständlich war ich beim letzten Spiel dabei. Es war eine Auswärtstour nach München in die Allianz-Arena. Alemannia gewann das Spiel gegen 1860 mit 2:1, die Fans feierten die Mannschaft und den Verein mit einem atemberaubenden Support. Auch das ist Alemannia! Einen Absteiger zu feiern, ihm die Treue zu schwören!

 

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Dann kam die Saison 2012/2013….die Saison, die von heute auf morgen alles veränderte! Denn am 16.11.2012 vermeldete der Verein das er zahlungsunfähig sei und Insolvenz anmelden müsse. Da an Arbeit an diesem Tag für mich nicht zu denken war, gab es nur ein Ziel: Wie viele andere Fans pilgerte ich zum Tivoli und wartete auf eine Erklärung der Verantwortlichen! So verheult, wie ich am folgenden Tag groß in der lokalen Presse abgelichtet war, hat man mich wohl selten gesehen. Es folgte der Absturz in Liga 4, eine lange Zeit des Neuaufbaus. Doch was in all dieser Zeit geblieben ist, ist dieses „Gefühl Alemannia“!

 

Marc mit Tobias Mohr
Marc mit Tobias Mohr

 

Nun befinden wir uns in der Saison 2014/2015. Nach einer Übergangssaison haben die Trainer zu dieser Spielzeit einen Kader zusammengestellt, mit dem man vieles erreichen kann! Eine Mannschaft, die immer alles gibt und immer an sich glaubt! Dazu bestückt mit Jungs aus der Region bzw. wie im Fall Tobias Mohr aus dem eigenen Nachwuchs. Der Funke springt über, von Fans auf Mannschaft und umgekehrt! Wenn man der Insolvenz überhaupt etwas Positives abnehmen kann, dann die Tatsache dass die Alemannia-Familie wieder ganz eng zusammen gerückt ist. Und das ist das ganz besondere „Alemannia-Gefühl“: Fans + Verein + Mannschaft = eine Einheit, in guten wie in schlechten Zeiten!

 

Marc mit Marcus Hoffmann
Marc mit Marcus Hoffmann

 

Vielen Dank Marc für deine Geschichte :-)
Vielen Dank Marc für deine Geschichte :-)

 
 
Das war Marc´s Geschichte, wie er von Gladbach zum Alemannia Fan bekehrt wurde :-)
Wenn ihr jetzt auch Lust bekommen habt eure Geschichte zu erzählen, dann nur zu. Traut euch. Wie ihr seht, so schwer ist das doch nicht.
Weitere Informationen findet ihr unter “Wir sind Alemannia – Erzähl uns deine Geschichte”.

  

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Lese hier die vorherigen Geschichten von: Julian Berges und Marius Olion

 

 

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