Hat die Regionalliga eine Überlebenschance?


 
 
Seit vier Wochen ruht der Ball in den deutschen Fußballligen. Und die ersten Vereine senden schon Warnsignale aus das man bereits finanziell vor dem Kollaps steht. Am Freitag hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt wo über eine Fortsetzung der Bundesliga Saison im Mai entschieden werden soll. Man plant vorerst mit Geisterspielen um die ausstehenden TV-Gelder und Sponsoren-Einkünfte von rund 750 Millionen Euro zu retten. Während die DFL sich also bereits präpariert um die erste und zweite Bundesliga als Geisterspiele fortzusetzen, sieht die Zukunft der einzelnen Regionalligen äußerst düster aus. Gerade die Vereine die ein großes Fan-Potenzial haben sind auf Zuschauereinnahmen angewiesen und lehnen Geisterspiele ab. Reine Geisterspiele verursachen in der Regionalliga Kosten ohne das auf der anderen Seite Einnahmen stehen würden. Denn anders als in den höheren Ligen bekommt man in der vierthöchsten Liga keine TV-Gelder ausgezahlt und lebt von reinen Einnahmen aus Sponsoring, Tickets und Merchandising.
 
Aber kann ein normaler Spielbetrieb überhaupt noch einmal aufgenommen werden? Denn rein rechtlich endet die Saison am 30. Juni 2020 und ist bislang auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Vereine, Sponsoren und auch Fans werden langsam aber sicher immer nervöser wie und ob es überhaupt noch weitergehen kann in der Regionalliga. Angestellte und Spieler weilen zur Zeit in Kurzarbeit, die Mannschaften trainieren individuell zuhause und wissen ebenfalls nicht wie es weitergehen wird. Man wird verbandsseitig nicht endlos das Saisonende hinausschieben können, alleine deshalb schon nicht da Spielerverträge, Sponsorenverträge auslaufen bzw. neue Verträge Gültigkeit erlangen die für die kommende Saison vorgesehen sind (aktuell bei der Alemannia unser neuer Trainer Stefan Vollmerhausen der zum 01.07.2020 neuer Trainer wäre). Somit agieren die Vereine zur Zeit rechtlich äußerst Fragwürdig solange von der Politik und Verbänden nichts konkretes beschlossen wurde. Eine Wiederaufnahme des Spielbetrieb in den Regionalligen und darunter soll erst mit einer Vorlaufzeit von mindestens 14 Tagen erfolgen.
 

Es wird sicherlich viele Monate dauern bis Fußballspiele mit Zuschauerbeteiligung stattfinden, es kann bis zu eineinhalb Jahre sein

Gerald Haug – Präsident der Wissenschaftsakademie Leopoldina

 
Schaut man Richtung Politik, wo die Maßnahmen und Regelungen jeden Tag neu bewertet werden, stimmen diese auch nicht optimisch das es “zeitnah” weitergehen kann. Der Präsident der Wissenschaftsakademie Leopoldina Gerald Haug zeichnet ein düsteres Bild über eine Fortführung von Fußballspielen mit Zuschauerbeteiligung. Es könnte bis zu eineinhalb Jahren dauern bis Fußballspiele wieder vor Zuschauer ausgetragen werden können. Die Corona-Pandemie ende erst wenn ein Impfstoff gegen das Virus gefunden sei, bis dahin sei ein Stadionbesuch nicht klug. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina veröffentlichte am Montag eine Stellungnahme die sich mit Schritten zur Lockerung der Beschränkungen in der Corona-Krise beschäftigt. Am Mittwoch will Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über weitere Maßnahmen beraten. Leopoldina-Präsident Gerald Haug verwies allerdings darauf das die veröffentlichte Stellungnahme nur eine Empfehlung sei. Die Umsetzung sowie einen Fahrplan muss ganz klar von der Politik kommen. Ob es bis zur Öffnung der Stadien für die Fans wirklich eineinhalb Jahre dauere, müsse man abwarten. Es gebe auch “optimistischere Prognosen” wann ein Impfstoff bereitstehen könnte.
 

 
Man muss nicht die große Schiefertafel rausholen um auszurechnen das kaum ein Verein unterhalb der beiden Bundesligen eineinhalb Jahre ohne Zuschauer überleben kann. Die Fußballwelt würde dann eine völlig andere sein, ob nun zum Vor- oder Nachteil. Der Amateurbereich wäre sicherlich dann zusammengeschrumpft auf wenige Vereine die bislang eh kaum Zuschauer zu verzeichnen haben. In der Regionalliga West mehren sich die Stimmen nach einem vorzeitigen Abbruch der Saison. Neben Rot Weiß Oberhausen, Fortuna Köln, Bonner SC plädiert nun auch der SG Bergisch Gladbach für einen Abbruch. Die Argumentation ist auch hier sie selbe wie bei den anderen Vereinen. Eine Verlängerung der Saison könnte Auswirkungen auf die neue Spielzeit haben, zudem biete der Saisonabbruch Planungssicherheit für das nächste Jahr. Wobei heute noch niemand sagen kann wie, mit wem und wann eine neue Saison starten könnte. Der verband kann sich zwar auch keine wochenlange Hängepartie erlauben, aber auch er kann nur darauf reagieren wie die Politik entscheidet. Zur Zeit blicken wir in eine mehr als unsichere Zukunft unseres geliebten Sports, am Ende bleibt vielleicht nur das bei vielen belächelte eSports übrig. Auch hier sind zwar einige Vereine, wie die Alemannia, sehr gut aufgestellt. Aber das kann natürlich nicht die Lösung am langen Ende sein. Solange keine Entscheidungen erfolgen seitens des Verbandes und der Politik bleibt uns nur weiter durchzuhalten und den Verein zu unterstützen so gut es geht. Hat die Regionalliga mit ihren Vereinen eine Überlebenschance? Beten wäre vielleicht auch noch eine gute Idee.
 
 
 
 

3 Gedanken zu „Hat die Regionalliga eine Überlebenschance?

  1. Man kann wirklich nur hoffen, dass es bald wieder losgehen kann. Spieler, Mitarbeiter, Funktionäre und natürlich auch Fans haben eine harte Leidenszeit vor sich. Ich vermute, dass die Saison abgebrochen wird. Doch was passiert mit den derzeitigen erstplatzierten Vereinen der Regionalliga und was mit den Vereinen auf einem Abstiegsplatz. Fragen über Fragen. So oder so wird es einige Verlieren geben.
    Liebe Grüße

  2. Hat die Regionalliga eine Überlebenschance? Dies ist die Überschrift. Es wird auf die andere Situation von 1./2.Liga im Gegensatz zur Regionalliga hingewiesen. Mir fehlt und wenn auch nur kurz etwas zur 3. LIga. Da sitzt das Geld auch nicht so locker.
    Für uns. Alemannia Aachen ist es ein großes Problem. Noch weiß niemand wie es beim FMV Bitburger Pokal weiter geht. Theroritisch noch eine Möglichkeit bei Titelverteidigung noch an Geld zu kommen.
    Schade das Wattenscheid nicht so lange durchhalten konnte, jetzt bekämen sie vielleicht Hilfe dank Corona.
    Ansonsten bin ich ziemlich ratlos und hatte gedacht mit der Alemannia so ziemlich alles erdebkliche durchgemacht zu haben. Da ging es uns scheinbar besser und dam kam Corona.

    1. Danke für deinen Kommentar Ralf. Ich habe mich bewusst nur auf die Regionalliga bezogen da diese im Gegensatz zu den anderen höheren Ligen keine TV-Gelder zu verzeichnen hat. Natürlich ist das für 3. Ligisten auch nicht zu stemmen, das sieht man schon daran wie uneinig die Vereine untereinander sind. Sieben Vereine fordern einen Abbruch der Saison während der Rest sich auch mit Geisterspielen anfreunden. Ein vorzeitiger Abbruch würden pro Verein 1,5 Mio Euro kosten, während es bei Geisterspielen “nur” 600.000 Euro wären. Die Gefahr ist trotzdem gegeben das die Hälfte der 3. Ligisten in die Insolvenz gehen müssen. Dazu ist im Gegensatz die 1. und 2. Liga fein raus.

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