Fuat Kilic verlässt die Alemannia im Sommer


 
 
Gestern Abend, pünktlich zum Bericht des Trainingsstarts der Alemannia ins Jahr 2020, gab es dann die große Schlagzeile “Kilic Abschied im Sommer” in der Aachener Zeitung. Aus dem offenen Geheimnis wurde nun ein Bekenntnis dem von Vereinsseite nicht widersprochen wurde. Die Alemannia und Trainer Fuat Kilic gehen einvernehmlich ab Sommer 2020 getrennte Wege.
 
Nun ist es also raus, auch wenn es besser gewesen wäre wenn man es von offizieller Vereinsseite aus gehört hätte. Aber soviel Empathie hat dann eine regionale Zeitung offensichtlich dann doch nicht, einfach abzuwarten bis die Protagonisten es selbst mitteilen. Überraschend kam diese Meldung zwar nicht wirklich, aber wenn es etwas faktisch wird dann ist man dennoch erst einmal überrascht. Fuat Kilic hatte im November 2018 erklärt das die Entscheidung gereift sei sich die Regionalliga nicht mehr weiter an zu tun. Zu viele Unwägbarkeiten im Aufstieg zur 3. Liga, enttäuschende Rahmenbedingungen in der Regionalliga, zu gering das Interesse der Sponsoren die Alemannia entsprechend zu pushen um daraus einen ernsthaften Aufstiegskandidaten zu machen. Dann noch die U23 Mannschaften der Bundesligisten, die einen fairen Wettbewerb unmöglich machen wenn dort Spieler aus dem Bundesligakader eingesetzt werden die weit über 23 Jahre alt sind.  Es fehlt an professionellen Strukturen in der “Schweineliga” um dieser ernsthaft zu entkommen.
 

Mit Ablauf meines Vertrages im Juni 2020 ist Schluss. Das ist die Deadline, die ich mir gestellt habe.

 
Nur ein Aufstieg in dieser Zeit könnte ihn zu einer Vertragsverlängerungen bewegen, allenfalls würde nur noch ein Verbleib in einer anderen Funktion im Verein möglich sein, aber keinesfalls mehr als Cheftrainer in der Regionalliga. Und so setzte er auch nach dem Gewinn des Bitburger Pokal 2019, und damit die Qualifikation zur ersten Hauptrunde im DFB-Pokal, sich selbst unter Druck und sprach von oben angreifen und Aufstieg. Auch die Mannschaft schien euphorisiert und nahm die Aufstiegsformulierung dankbar an. Die Mannschaft war nach langer Zeit endlich zusammen geblieben, ein jährlicher Neuaufbau des Kaders entfiel. Beste Voraussetzungen also um eine neue Euphorie rund um den Tivoli entstehen zu lassen. Doch es kam anders, die Sponsoren sprangen nicht darauf an mehr Geld zur Verfügung zu stellen bzw. es konnten nicht mehr Sponsoren zur Alemannia gelotst werden. Zudem leistete man sich eine kleinen Fehlstart in die Liga, und blieb bis zur Winterpause konstant unkonstant. So war der kleine Traum vom Aufstieg schnell aus geträumt, finanzstärkere Vereine wie Rot Weiss Essen, SV Rödinghausen, und auch der Verler SC marschierten schnell davon.
 

 
Dennoch redete Fuat Kilic nie öffentlich über das vorzeige Ende seines Engagements oder das er definitiv am Ende der Saison aufhören würde. Man würde im Frühjahr 2020 die Gespräche führen und dann weitersehen, so das einhellige Statement von Vereinsseite und Kilic aus. Allerdings konnte man, wenn man ihn beim offenen Abend im Klömpchensklub genauer beobachtete abseits der Kamera, doch erkennen das seine Entscheidung unumkehrbar war. Andersherum hatte sich bei Teilen der Fans seid längerem der Unmut über Fuat Kilic zusammengebraut. Wie immer fangen solche Dinge klein an, warum spielt Spieler X und nicht Spieler Y, warum wechselt er zu früh, warum zu spät, die Taktik, das Coaching, das Gehabe, die 3Gramm Gehirn Ausschüttung, usw. usw. Und wenn die Ergebnisse nicht mit dem Ziel übereinstimmen dann wird Bashing vom feinsten betrieben, so jedenfalls kann man es in den diversen Foren und Social Media Gruppen nachlesen. Und ehe man sich versah war das Fanlager dort gespalten. Auch mir wurde ja schon seid jeher unterstellt das Fuat Kilic mein Liebling wäre und ich eh nur alles durch die schwarz gelbe Brille sehe – sorry das meine Brille tatsächlich schwarz gelb ist :-) Aber das ist eine andere Geschichte :-)
 
Aber die Geschichte mit Fuat Kilic und Alemannia ist seid mehr als vier Jahren wahr. Und für die Alemannia war es damals ein Glücksfall das Fuat Kilic nicht mit dem 1. FC Saarbrücken in die 3. Liga Aufstieg sondern denkbar knapp im Aufstiegsspiel an die Würzburger Kickers im Elfmeterschießen scheiterte. Sein Vertrag wurde aufgelöst und das Saarbrücker Kapitel beendet, und auch bei der Alemannia war die kurze Ära mit Trainer Christian Benbennek und das Ziel 3. Liga im großen Knall beendet. Nicht nur der Trainer musste gehen, sondern auch gleich drei Spieler die suspendiert wurden, zudem lag sich Mannschaft und Fans überkreuz. Bevor auch das Missverständnis mit Sportdirektor Alexander Klitzpera bei der Alemannia beendet wurde, verpflichtete dieser Fuat Kilic als neuen Chefcoach bei der Alemannia – seine größte Tat als Sportdirektor. Am 01.01.2016 trat er sein neues Amt an und musste wieder Ruhe im und um den Verein herum rein bringen. Woher kam dieser Fuat Kilic? Als rechte Hand von Milan Šašic stand er ihm als Co-Trainer beim 1. FC Kaiserslautern, MSV Duisburg und 1. FC Saarbrücken zur Seite. Mitte Februar 2014 beerbte er ihn als Cheftrainer bei Saarbrücken und konnte den Abstieg in die Regionalliga nicht verhindern. Eine Saison später scheiterte denkbar knapp am Aufstieg in die 3. Liga und das Kapitel dort beendet.
 
Nach den ersten positiven Ergebnissen als Trainer übernahm Fuat Kilic, nach der Beurlaubung von Alexander Klitzpera, auch die Aufgaben des Sportdirektors und war für die  Kaderplanung nun verantwortlich. Der nicht auf Rosen gebettete Verein machte es Fuat Kilic allerdings nicht leicht die richtigen Spieler und Talente nach Aachen zu bewegen. Aber er schaffte es trotzdem mit jeweils fast runderneuerten Kader die Tuchfühlung zur Tabellenspitze zu halten. Er brachte Spieler hervor die man ein Jahr später wieder gehen lassen musste, da die meisten nur einen Jahresvertrag besaßen und zu anderen lukrativen Vereinen abwanderten. Als die zweite Alemannia Insolvenz eingeläutet wurde hatte auch Fuat Kilic genug und verkündete seinen Abschied zum Saisonende 2016/2017 mangels sportlicher und finanzieller Perspektive des Vereins. Fast alle Spielerverträge liefen aus, der Etat drohte halbiert zu werden. Die Aussicht hier in Aachen etwas aufzubauen wurden kleiner und kleiner.
 

Ich habe diesen Verein wirklich lieben gelernt

 
Doch die Fans machten Fuat Kilic einen Strich durch die Rechnung, eine bislang nie dagewesene Sympatiewelle schlug ihm entgegen und auch der Insolvenzverwalter Dr. Niering suchte nochmals das Gespräch mit ihm. Und auch Fuat Kilic selbst kam nun ins Grübeln. Am Ende kam es zur Vertragsunterschrift über weitere drei Jahre mit Option und Ausstiegsklausel. Trotz weiterer finanzieller Einbußen und einem erneuten Aufbau einer neuen Mannschaft im Sommer und einer ungewissen Zukunft. Fuat Kilic machte sich ans Werk und überraschte wieder mit neuen Spielern die er zu einer neuen Einheit formte und lange Zeit Kontakt zur Tabellenspitze hielt. Am Ende hingegen blieb ein guter oberer Mittelfeldplatz. Letzte Saison konnte endlich die Mannschaft weitgehend gehalten werden, und als Sahnehäubchen holte man nach dem verloren Finale vor einem Jahr endlich den Bitburger Pokal nach Aachen. Wenn man sich nochmal die Bilder vergegenwärtigt wie Fuat Kilic am Zaun hing und gefeiert wurde, oder bei der Pressekonferenz von seinen Spielern abgeduscht wurde, es war fast wie ein Aufstieg.
 
Nun steht sein Abgang fest, und das Ziel dieses Ereignis nochmal zu wiederholen. Die Titelverteidigung im Bitburger Pokal 2020 ist das erklärte Ziel, ebenso sich in der Liga tabellarisch noch zu verbessern ehe nach 1642 Tagen seine Mission in Aachen endet. Viereinhalb Jahre Alemannia wird so schnell niemand schaffen, und Alemannia kann sich glücklich schätzen das es das Schicksal so wollte. Das am Ende das ganz große Meisterstück nicht gelang ist schade aber der Tatsache geschuldet das man es nicht geschafft hat die Unterschiedspieler nach Aachen zu lotsen. Auch wenn Alemannia noch einen großen Namen besitzt, in Sachen Finanzen spielen die Lokalkonkurrenten in anderen Dimensionen als wir.
 

 
Es gebührt Fuat Kilic Respekt das er lange Zeit aus ganz wenig ganz viel gemacht hat, und den widrigen Umständen getrotzt hat. Aber die doppelte Aufgaben als Trainer und Sportdirektor haben an ihn gezehrt, und vielleicht ist es auch für beiden Seiten gut das man am Ende den Schnitt macht und dann getrennte Wege geht. Fuat Kilic steht zu seinem Wort, und das mag einige nun beflügeln das nun bald ein anderer Wind am Tivoli einkehrt. Es gab ja schon Stimmen die sich einen Wechsel bereits in der Winterpause gewünscht hätten, damit ein neuer Trainer bereits am Kader basteln kann. Aber so macht man das eben nicht unter Profis, und das finde ich ehrlich gesagt auch sehr gut wenn man bis zum Schluss vereint marschiert. Das ist Anstand, das ist Respekt wie er nur noch leider selten im großen und kleinen Fußballumfeld vorhanden ist. Da muss man nur ganz aktuell zuschauen was der Wuppertaler SV so anstellt in Sachen Transfers und Zusagen, und zeigt wie man es besser nicht machen sollte.
 
Für die Alemannia wird es dann im Sommer 2020 auch ein Umbruch sein, neben einen neuen Sportdirektor wird dann auch ein neuer Trainer das Zepter am Tivoli schwingen. Und er wird ein schweres Erbe antreten, sollten die Rahmenbedingungen so bleiben wie sie aktuell sind. Es kursieren ja schon Gerüchte wer der neue Trainer sein könnte, und sollte es tatsächlich so kommen wäre es nach Peter Hermann und dem neuen Sportdirektor ein weiterer Meilenstein. Aber lassen wir uns überraschen.
 
Bis dahin gilt aber die volle Unterstützung für unseren Trainer Fuat Kilic und der Mannschaft, das sie in der Rückrunde das maximale herausholt und am Ende der Saison mit der Titelverteidigung des Bitburger Pokal im Bonner Sportpark den Schlusspunkt setzt.
 
 
An dieser Stelle ein DANKE DANKE Fuat Kilic – für vier tolle Jahre am Aachener Tivoli!
 
 
 
 

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