Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende entgegen. Und unter dem Strich war es ein Jahr wo alles anders wurde als wir bisher kannten.
 
 
Als im März das Coronavirus plötzlich ganz nah statt ganz weit weg war, konnte noch keiner richtig ahnen was es für jeden einzelnen bedeuten würde. Kontaktsperre, Lockdown, Mund-Nasen-Schutz war plötzlich Pflicht, statt jeden Tag zur Arbeit fahren gab es Home Office und vielerorts Kurzarbeit. Alles hatte zu, die Kinder zu Hause, Treffen mit anderen war nicht möglich. Standen wir beim letzten Heimspiel gegen Borussia Dortmund II noch alle schön zusammen auf der Südtribüne, konnte niemand ahnen das es für lange Zeit das letzte mal gewesen sein sollte. Der Fußball stand plötzlich auch still und blieb im Amateurlager still bis im Herbst. Nach dem Saisonabbruch 2019/2020 gingen Spieler, unser Rekordtrainer und Geschäftsführer, ebenfalls still und leise ohne eine stilvolle Verabschiedung. Es kam ein neuer Trainer, ein neuer Sportdirektor und ein neuer Geschäftsführer, aber die Sorgen wie es mit dem Verein weitergehen soll blieb. Immer wieder die bange Frage ob und wie der Verein ohne jegliche Einnahmen überleben kann, denn die Sponsoren erhielten nun keinen Gegenwert mehr und die Fans mussten zuhause bleiben. Ohne Einnahmen aus Tickets, Merchandising und Catering musste an allen Ecken und Enden gespart werden. Auch die Spieler und Mitarbeiter gingen in die Kurzarbeit. Das goldene Ticket war auf einmal omnipräsent, das Kaiserstädter Bier wurde per Express ausgefahren zu den durstigen Alemannia Kehlen, die irgendwie helfen wollten und sich Kistenweise eindeckten. So viel hab ich noch nie getrunken wie im letzten Sommer – Corona sei Dank.
 
Mit Einleitung des Umbruches von Rekord Coach Fuat Kilic zu Stefan Vollmerhausen blieb die finanzielle Situation angespannt. Auch der neue Sportdirektor Thomas Hengen musste statt mit einer Erhöhung nun mit 1/3 Drittel weniger Etat auskommen. Zudem ging dann doch etwas plötzlich der Geschäftsführer Martin vom Hofe ebenfalls von der Stange und fand eine neue berufliche Herausforderung. Drei Jahre Alemannia sind und waren aufopferungsvoll, auch ohne Pandemie. Der reduzierte Etat der Alemannia trug dazu bei das die Mannschaft erst ganz spät zusammengestellt wurde, die Bitburger Pokalfinalniederlage gegen den Mittelrheinligisten und gefühlten Regionalligisten 1. FC Düren sollte finanziell noch den zusätzlichen Schlag in den Nacken geben. Als die neue Saison wieder ihre Tore öffnete mussten wir uns an Neuerungen gewöhnen. Nur noch mit Maske rein im Tivoli, unter strengen Hygieneschutzbedingungen, und maximal 300 Fans die sitzen durften mit Abstand. Singen war tabu, rumspringen war tabu, Handshakes mit seinen Freunden war ebenfalls tabu. Aber man war zufrieden, denn besser als nichts. Auswärtsfahrten der Fans hingegen waren nicht zugelassen und blieben nicht zugelassen, und selbst nach weiteren Lockerungen wo bis 2.700 wieder im Tivoli rein durften wurde die Mannschaft immer wieder ausgebremst. Noch waren keine drei Spiele gespielt war das Coronavirus auf einmal ganz nah im Tivoli. Die halbe Mannschaft musste in Quarantäne, die andere durfte nicht trainieren. Und so ging das weiter, Coronafall hier und Quarantäne dort. Das Tabellenbild der Regionalliga West wurde schräg und schräger, und die Pausen immer in kürzeren Intervallen. Die Nerven blieben blank, und so ereilte uns noch eine kleine Spielerrevolte die den Coach gerne entlassen sahen. Statt den Weg über die Hierarchie-Ebene zu nehmen kürzte man ab zum Hauptsponsor Kutsch. Ein großes Tara mit der Konsequenz das Sportdirektor Hengen ein Hausverbot beim Sponsor erhielt und selbiger drohte gleich sich am Saisonende zurückzuziehen. Als man wieder Spielen durfte zeigte die Mannschaft zur Verwunderung aller keine schlechte Leistung um ihrer “Forderung” nach Entlassung des Coaches Nachdruck zu verleihen, sondern gab weiterhin ihr bestes. Auch wenn durch die Pausen der Spielfluss litt und Spiele nun verloren bzw. nicht gewonnen wurden, spielerisch blieb man selten was schuldig. Das Thema war dann zumindest für die Öffentlichkeit erstmal erledigt und der Mantel des Schweigens legte sich über dem Tivoli.
 
Und dann kam er doch nochmal, der zweite Lockdown. Erst in leichter Version, dann verschärft. Während der Amateurfußball wieder in den Standby geschaltet wurde, erklärte man die Regionalliga West (als einzige Regionalliga) zur Profiliga. Das hieß man durfte weiterspielen, bekam Geld vom Land und regelmäßige Coronatests inklusive. Allerdings waren durch den schiefen Spielplan aber auch Rekorde möglich, denn ganze acht mal spielte die Alemannia hintereinander zu Hause im heimischen Tivoli. Ein anderer Rekord war die Verletztenliste die jede Woche neu anwuchs. Sobald Spieler zurückkehrten begaben sich andere dort hin. Und das ging weiter bis zum letzten Spieltag am 22. Dezember 2020 in Rödinghausen, als man mit dem allerletzten Aufgebot anreiste. Mit im Gepäck 13 halbwegs gesunden Profis und drei A-Jugendspieler. Es blieb keine Zeit in den englischen Wochen zum Verschnaufen. Am Ende erkämpfte man sich ein 0:0 und überwintert auf einem 10. Tabellenplatz ehe die verkürzte Winterpause am 9.01.2021 für die Alemannia endet. Trotz aller Probleme, Schwierigkeiten, und englischen Wochen, ist der Tabellenplatz mehr als zufriedenstellend. Hatten doch vor der Saison bereits einige arge Bedenken um die Ligatauglichkeit des Kaders und sahen eher einen Abstiegskampf statt einem Mittelfeldplatz. Zudem kann man sich etwas drauf einbilden das die Abwehr, auch zeitweise ohne geschulte Innenverteidiger, mit das Beste ist was die Liga zu bieten hat. Zusammen mit Spitzenzreiter Rot-Weiss Essen kassierte man nicht mehr als 12 Gegentore. Das hat auch mit dem neuen Torwart Joshua Mroß zu tun, der endlich wieder eine konstante im Tor der Alemannen ist.
 
Zu guter letzt muss auch ich mich nochmal bei allen bedanken, die mir im Oktober feste die Daumen gedrückt hatten. Das mich ein Halswirbel-OP ereilen würde hätte ich bis zum Sommer auch nicht gedacht. Und für das die Angst sehr groß war bei der Diagnose, als man mehr über Risiken sprach als über Erfolg, war es am Ende doch mehr als gut geworden. Da ein längerer Ausfall geplant war holte ich mir mit Alexander eine Unterstützung ins Kartoffelkäferboot. Ich denke er hat im Oktober einen guten Job gemacht und euch mit allen relevanten Infos versorgt. Ich konnte dann doch wieder früher einsteigen, aber ganz aus dem Schneider bin ich noch nicht. Das war aber klar das ich bis Frühjahr 2021 damit weiter beschäftigt sein werde mit der Rekonvaleszenz. Eure guten Wünsche haben mich schneller gesunden lassen, ob hier, auf Facebook, auf Instagam, Twitter, im Messenger, auf dem Tivoli oder im Einkaufsladen es war für mich überwältigend an der Teilhabe. Aber es gab auch in diesem Jahr nicht so schöne Dinge hier und anderswo. Ich weiß, ich kann es nicht allen recht machen, schon gar nicht wenn man unterschieder Meinung über etwas ist. Und so bleiben auch im Jahr 2020 einige von euch mit mir im Unfrieden. Ich möchte gar nicht abstreiten das ich hier und da bockig bin, obwohl ich mir doch Kritik oder Diskussionen sehr zu Herzen nehme. Aber manchmal driftet diese Kritik oder Diskussion ab ins persönliche mit Diffamieren und Verleugnungen, und da ist spätestens bei mir eine Grenze überschritten wo mich diese Leute schlicht und einfach – ihr wisst was ich meine. Bei allen anderen haben wir uns doch am Ende wieder zusammengerauft, so wie das sein muss. Man kann sich streiten wie die Kesselflicker, aber am Ende des Tages kann man sich wieder ins Gesicht sehen und alles ist gut. Bei einigen ist das leider nicht möglich gewesen, schade aber eben nicht zu ändern.
 
Aber genug davon, seien wir gespannt was das Jahr 2021 für uns alle bereit hält. Wir, das bin ich (Dirk) und Alexander wünschen euch und euren Familien ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und das wichtigste – bleibt gesund, friedlich und mir und uns gewogen 🙂
 
 
 

Und hier noch ein kleiner Monatsrückblick in Bildern.

 

Januar 2020

4:0 Testspielsieg gegen Drittligist Viktoria Köln

 
 

Februar 2020

Keeper Ricco Cymer erzielt in der Nachspielzeit das 3:3 beim SV Rödinghausen

 
 

März 2020

Auf einmal gab es die Maskenpflicht – sie sollte unser neuer Begleiter werden

 
 

Mai 2020

Das Alemannia Kaiserstädter Bier und das goldenes Ticket waren hoch im Kurs

 
 

Juni 2020

Fussballlose Zeit – Zeit zum Basteln und Heimwerken

 
 

Juli 2020

Trainingsbeginn zur neuen Saison, neuer Spieler, neuer Trainer, neuer Sportdirektor, neuer Geschäftsführer, und Kernmannschaft

 
 

August 2020

Verabschiedung der Mannschaft vor dem Bitburger Pokalfinale 2019/2020 in Bonn

 
 

September 2020

Erstes Spiel in der neuen Saison 2020/2021 vor 300 Zuschauer und unter Hygienebedingungen gegen BVB II

 
 

Oktober 2020

Letztes Spiel vor Zuschauern – 2.700 gegen Schalke 04 II

 
 

November 2020

Spielerrevolte gegen Trainer, Sponsor sauer, Fans verwirrt, Hausverbot für Hengen, was ein Tara

 
 

Dezember 2020

Winterpause als Tabellenzehnter, Mannschaft kämpft sich durch trotz aller Widrigkeiten, und die Alemannia wird 120 Jahre alt

 
 
 

Es war schön mit euch, und ich würde mich freuen wenn wir uns 2021 hier Wiedersehen 🙂


 
 
 
 

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