Einweihung Max-Salomon-Weg am Tivoli

 
 

Pünktlich um 8 Uhr heute Morgen vollzogen die Alemannia Fan-IG, der Aachener TSV Alemannia 1900 e.V., die ASB und die Bezirksverwaltung Laurensberg die neue Wegbenennung am Tivoli – der Max-Salomon-Weg. Dieser liegt hinter der Südtribüne des Tivoli und erstreckt sich vom Eingang Süd-Ost bis Eingang Süd-West. Es gibt nicht viele Fussball-Vereine die sich ihrer Vergangenheit stellen, besonders nicht wenn diese den Zeitraum 1933-1945 umfasst. Auch bei der Alemannia war dies eine lange Zeit ein Thema das tief in dem Geschichtsbuch vergraben lag. Erst in jüngster Zeit ließ die Alemannia ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten, mit Hilfe der Alemannia Fan-IG, ihren eigenen Archivar und durch die Historiker René Rohrkamp und Ingo Deloie. Die Ergebnisse und Erkenntnisse hieraus mündeten am 28. Oktober 2018 in eine Ausstellung “Alemannia 1933-1945 – Fußball zwischen Sport und Politik” und am 6. Februar 2019 mit der Verlegung von sechs Stolpersteine für jüdische Alemannia Spieler und Mitglieder.

 

 

Thomas Wenge, ehemaliges Vorstandsmitglied der Alemannia Fan-IG, sprach vor der Einweihung einige Worte zu dem neuen Weg am Tivoli. Stellvertretend wurde hierzu der ehemalige Alemannia Stürmer Max Salomon auserwählt, um den Namen und sein Schicksal nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen. Neben den beiden Vertretern der ABS und der Bezirksverwaltung Laurensberg sprach auch Alemannia Präsident Dr. Martin Fröhlich einige Worte zu der heutigen Ehrung und deren Bedeutung. Alle vier Vertreter weihten dann das neue Schild neben dem Tivoli Eingang Süd-Ost ein, der ein Augenmerk auf die Geschichte unseres Alemannia Stürmers Max Salomon legt. Laut den Verantwortlichen um Thomas Wenge herum soll zeitnah noch zwei Straßenschilder aufgestellt werden, damit auch nicht Ortskundige auf diesem nun besonderen Ort hingewiesen werden.
Persönlich empfinde ich große Dankbarkeit den Mitwirkenden gegenüber, die ein schwieriges Thema aufgearbeitet haben und mit der Wegbenennung einen würdigen Abschluss gefunden hat. Dafür ein dickes Danke Danke! Den letzten Satz von Thomas Wenge empfand ich als den schönsten.
 
 

Max Salomon – Held oder Opfer?

Unseren Tivoli als Heimat der Alemannia gibt es seit 1928. Hier wurden Siege und Niederlagen, Aufstiege und Helden erlebt und gefeiert. Aber keinem dieser Helden wurde je die Ehre zuteil, dass ein Weg rund um den Tivoli seinen Namen trägt. Zu groß ist die Befürchtung, einmal einen Anfang gemacht zu haben und danach in einer quasi logischen Folge „Heldengedenkstätten“ errichten zu müssen, der Aktualität wegen oder um einem Tivolihelden seinen Platz dort zukommen zu lassen. Zu groß ist die Angst, Heldenverehrung als bloße Hülle zu betreiben; Namen als grau gewordene Denkmäler, deren Gedenken längst eingeschlafen ist.

Max Salomon war ein Held! Er war ein Held der Zeit um 1930 – ein vergessener Held. Aber er war eben auch Opfer. Opfer der Shoa; Opfer von Ausgrenzung, von Terror und Mord. Opfer eines Systems, das so tun wollte, als habe es nie Juden in Deutschland gegeben. 2017 war Max Salomon vergessen.

Wir haben in der Ausstellung „Alemannia 1933-45. Fußball zwischen Sport und Politik“ Max Salomon aus dem Vergessen zurückgeholt. Wir haben ihm am 6. Februar einen Stolperstein gelegt, wie jedem Opfer dieser Zeit und haben ihn nach Hause, in die Thomashofstraße geholt. Heute holen wir Max Salomon zurück zum Tivoli.

Max Salomon steht für die Opfer von Terror und Diktatur ebenso beispielhaft wie für die Funktion des Sports in der Gesellschaft: Sport als Vorreiter, hier einer Führerideologie, die früh den Verein übernahm, dort einer Rassenlehre, die früh die Juden und damit Max Salomon ausgrenzte. Wie kein anderes Ereignis stehen die Olympischen Spiele von 1936, an der „Held“ Reinhold Münzenberg teilnahm, für den Missbrauch des Sports durch die Nationalsozialisten und für den Missbrauch des Sports für Diktatur und falsche Politik.

Wenn wir heute ein Viertel des Tivoli-Umlaufs einem Spieler widmen, obwohl doch genau das gar nicht sein sollte, dann widmen wir ihn nicht nur dem Menschen Max Salomon. Wir widmen ihn allen Opfern von Gewalt und Unterdrückung im Sport. Wir widmen ihn im Gedenken daran, dass sich weder Sport, noch die Alemannia, weder Spieler, noch Funktionär, weder Mensch, noch Institution diesem Missbrauch der Alemannia entgegenstellen konnte oder wollte.

Wir widmen ein Viertel des Umlaufs Max Salomon in dem Bewusstsein, dass drei Viertel des Umlaufs heute unbenannt bleiben und für alle Zeiten unbenannt bleiben sollen. Das Schicksal Max Salomons lässt nicht zu, einem anderen „Helden“ dieselbe „Ehre“ zuteil werden zu lassen. So einzigartig dieser Teil der Geschichte mit millionenfachem Mord und Terror war, so einzig muss diese Kurve, dieser Weg bleiben.

Denn das ist unser Gedenken an die Vergangenheit: Ein Viertel der Alemanniageschichte ist braun beschmutzt und für immer verunreinigt.
Das ist unser Handeln in der Gegenwart: Der dem ewigen Untergang und Vergessen geweihte kehrt an den Tivoli zurück.
Und das ist unser Versprechen für die Zukunft: Das darf, das soll, das wird nie wieder passieren!

Max Salomon, das ist unser Versprechen an Dich! Willkommen zurück am Tivoli!

Thomas Wenge

 
 
Max Salomon (Geb. 29.10.1906) schaffte als 18-jähriger den Sprung in die erste Mannschaft von Alemannia Aachen. In rund 140 Meisterschaftsspielen schoss er weit über 80 Tore, womit er heute noch zu den erfolgreichsten Torschützen der Vereinsgeschichte zählt. Am 19. März 1933 bestritt Max Salomon im Rheinbezirksendspiel gegen den Sülz 07 sein letztes Pflichtspiel für die Alemannia. Wenig später musste er den Verein verlassen, die Vereinszeitung vermeldete lediglich knapp: “Salomon trat infolge der Zeitrichtung ab“.  Zunächst floh er vor der NS-Verfolgung nach Brüssel, bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Aachen wurde er 1935 wegen “Rassenschande” verhaftet und wegen eines Verhältnisses zu einer “arischen” Frau zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Von Brüssel aus führte ihn seine Flucht später nach Frankreich, wo er jedoch bei Kriegsausbruch als Deutscher interniert wurde. Während der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen wurde er am 4. September 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort mutmaßlich am 24.März 1943 ermordet. Es gibt auch Hinweise das er auf dem Transport nach Ausschwitz zum Zwangsarbeitereinsatz eingesetzt wurde und den Zug verlassen musste. Bei diesem Einsatz könnte er in Oberschlesien bei Kozle/Cosel zu Tode gekommen sein, die Spur verliert sich hier.
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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