Ein Weckruf von Fuat Kilic

Fuat Kilic in der Offensive – 2020 ist Schluss in der Regionalliga

 

Seit dem 01. Januar 2016 ist Fuat Kilic Trainer der Alemannia. Das er es immer noch ist darf man als absoluten Glücksfall bezeichnen. Denn im März 2017 verkündete er seinen Abschied zum Saisonende. Damals fehlten ihm, als die Alemannia in die Insolvenzphase hing, die Planungssicherheit für sich und sein Team. Nicht nur die Fans setzen sich für einen Verbleib des Trainers ein, sondern auch der Alemannia Insolvenzverwalter wollte Fuat Kilic unbedingt halten. Schließlich konnte gemeinsam eine Lösung gefunden werden und Fuat Kilic verlängerte seinen Vertrag um drei Jahre bis 2020.
 

„Es fehlt dieser Liga an professionellen Strukturen, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.“

 
Gut anderthalb Jahre vor Ende seines Vertrages gab Fuat Kilic ein Interview das wiederum aufhorchen ließ. Darin kündigte er ein Ende seiner Trainertätigkeit in der Regionalliga an, mit Ablauf seines Vertrages 2020. Nachfolgend monierte er die fehlenden professionellen Strukturen in der Liga an, wo am Ende der Meister nicht aufsteigt und durch eine Aufstiegsrunde mit ungewissen Ausgang gehen muss. Ebenso sieht er ein strukturelles Problem wenn die U23 Teams der Profi-Mannschaften prominente Spieler einsetzen können – so wie zuletzt der BVB II gegen Rot Weiß Essen mit den Profis Shinji Kagawa, Sebastian Rode und Alexander Isak. Und wenn sich an der finanziellen Situation bei der Alemannia nichts ändert droht zudem das erneute auseinanderfallen des Teams zum Saisonende.
 

„Das hat dann aber nichts mehr mit einem fairen Wettbewerb oder Talentförderung zu tun, wenn Spieler aus der Bundesligamannschaft eingesetzt werden, die weit über 23 Jahre alt sind und zudem nicht nachweislich lange verletzt waren, um an den Bundesligakader herangeführt zu werden“

 
Mit dem was Fuat Kilic sagt hat er natürlich absolut Recht. Und wäre er vor seiner Aachener Zeit mit dem 1. FC Saarbrücken nicht in der Aufstiegsrunde gescheitert (der 1. FCS unterlag im Elfmeterschießen gegen die Würzburger Kickers), dann wäre er heute wahrscheinlich Coach in der 3. oder mittlerweile sogar in der 2. Liga. Das er aus ganz wenig ganz viel machen kann hat er bei uns mehrmals bewiesen, und das ist auch anderen Vereinen nicht verborgen geblieben. Es ist zwar ein offenes Geheimnis das sein Vertrag bis 2020 eine Ausstiegsklausel enthält für die 2. und 3. Liga, dennoch hat er bislang allen Angeboten widerstanden (zuletzt von Fortuna Köln) weil er hier etwas Aufbauen wollte. Das er offen über sein Ende in Aachen spricht kann man ihm nicht verdenken, denn er ist nicht nur im besten Traineralter, sondern will auch mal mehr in seiner Vita stehen haben als Regionalliga Trainer. Und wenn man ehrlich ist, jedes Jahr einen Neuaufbau zu leisten und dann seine “Früchte” zu verlieren, das geht irgendwann an das Gemüt. Die Optionen das er vielleicht doch noch bleibt sind gering, und vielleicht war deshalb sein Statement ein Ausrufezeichen an die Stadt und (kommende) Sponsoren. Denn die finanziellen Möglichkeiten sind im Moment limitiert um kommende Saison den Aufstieg als Saisonziel auszurufen bzw. die Basis zu schaffen.

 

Sportliche Kompetenz und ein Glücksfall für die Alemannia – Fuat Kilic

 
Dabei wäre es Wichtig, wie von Fuat Kilic gefordert, das die Mannschaft am Ende der Saison weitgehend gehalten werden kann. Das wäre ein großer Schritt, auch wenn die Gefahr besteht das einige Spieler ein sportliches und finanzielles besseres Angebot von anderen finanzstarken Klubs erhalten. Da einige Spieler einen Vertrag mit einer festgeschriebenen Ablösesumme besitzen, wäre sogar ein Wechsel in der jetzigen Winterpause möglich. Um das zu verhindern müsste man die finanziellen Rahmenbedingungen für die neue Saison deutlich nach oben schrauben. Eine Erhöhung des Etats um weitere 20% dürfte kaum ausreichen um die Mannschaft zu halten und weiter qualitativ punktuell zu verstärken. Für Alemannia, nach zwei Insolvenzen und der nun erfolgten Konsolidierung, bleibt nur die Hoffnung dass sich weitere Sponsoren finden lassen bzw. ein Sponsor der in die Zukunft der Mannschaft und des Vereins investiert. Anders wird man diese “Schweineliga” nicht verlassen können im Pool der gestrandeten Traditionsmannschaften.
 

Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Stillstand ist Rückschritt. Die Spieler und ich brauchen eine Perspektive. Nicht irgendwann später, sondern genau jetzt muss sich etwas tun!

 
Es droht sonst ein Sterben auf Raten, wenn man nicht sehr bald in den Angriffsmodus übergehe, den Etat erhöhe und den Aufstieg fest ins Visier nehme, so Fuat Kilic beim offenen Abend der Alemannia Fan IG. Bleibt die Mannschaft weitgehend zusammen wäre das Grundgerüst gelegt um sich ernsthaft mit dem Thema Aufstieg auseinander zu setzen. Und am liebsten würde er sowieso mit Alemannia aufsteigen. Bisher wurden immer noch Spieler gefunden die bereit waren finanzielle Abstiche zu machen, da man diese mit dem Namen Alemannia Aachen, das Stadion und die grandiosen Fans locken konnte. Allerdings droht bei dem jährlichen wiederkehrenden Neuaufbau der Verlust der Glaubwürdigkeit bei Spielern und Beratern. Damit müsse nun Schluss sein. Sollte es aber so sein das der finanzielle Spielraum der Alemannia kommende Saison weiter eng gestrickt bleibt, die Mannschaft wieder auseinander fällt und der nächste Neuaufbau ansteht, dann wird am Ende der Saison 2019/2020 die unweigerliche Trennung erfolgen zwischen Fuat Kilic und der Alemannia. Könnte man es ihm dann Verübeln? Nein! Wenn man Glück hat sucht er seinen Nachfolger noch selbst aus, und wird bei der Alemannia Sportdirektor. Unrealistisch? Ja, auch wenn er gesagt hat das er sich eine andere Funktion im Verein vorstellen könnte, nur kein Traineramt mehr in der 4. Liga. Wie eine Alemannia dann ohne Fuat Kilic aussehen würde in der Saison 2020/2021? Das mag man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mal vorstellen wollen. Die Aussichten wären jedenfalls alles andere als glorreich. Denn man verliert nicht nur einen hervorragenden Trainer sondern auch eine fußballerische Fachkompetenz. Man darf gespannt sein wie der Weckruf von Fuat Kilic in und um den Verein herum ankommt. Die Würfel werden vor und während der Sommerpause fallen.

 

Dreht er mit seinem Team weitere Runden in Aachen nach der Saison 2019/2020 ?

 
 
 
 

Schreibe einen Kommentar

1 × vier =