Ein Hausmeister geht im Ruhestand


 
 
Er ist Alemanne durch und durch, ein Hausmeister der seinesgleichen suchte, ein Hausmeister der sich in beiden Tivoli Stadien auskannte wie kein anderer. Horst Krause, Hausmeister seit 1999 bei der Alemannia und bis heute auch bei der Aachener Stadion Beteiligungsgesellschaft (ASB) ging am Montag im wohlverdienten Ruhestand. Man wunderte sich was denn da am Montagabend im Klömpchensklub los war, als Jupp Ebert, Alt-Präsident Horst Heinrichs und weiteren Weggefährten aus der Alemannia Riege “ihren” Horst verabschiedeten. Mit 63 Jahren ist nun Schluss, sein Nachfolger wurde von ihm ein halbes Jahr eingearbeitet so das nun die Schlüsselübergabe erfolgte.
 

1999 fragte mich Werner Fuchs, ob ich den Hausmeisterjob wollte. Nach kurzer Rücksprache zu Hause und der Aussicht auf einen Wohnungswechsel zum Stadion habe ich zugesagt

 
Wer kannte ihn nicht unseren Hausmeister Horst Krause? Alemannia-Ohrring, Alemannia-Kette, und ein Alemannia Tattoo am Unterarm plus seine Jacke mit dem Schriftzug Tivoli. Die Markenzeichen unseres Hausmeisters, der sogar mal eine eigene Autogrammkarte hatte und sein grauer Hausmeisterkittel im Fanshop zu kaufen gab . Wer kann das schon von sich behaupten? Seit 1972 ist er Alemannia Fan, seit 1974 wurde er dann Mitglied, war später Ordner, half aus mit Rasenmähen und kleineren Reparaturen bis ihn schließlich Trainer Werner Fuchs die Empfehlung aussprach ihn 1999 zum Hausmeister des Tivoli zu machen. Den alten Tivoli kannte er wie seine Westentasche, wenn es irgendwo klemmte oder hakte in der Technik, Horst Krause wusste immer wo es anzusetzen galt ehe die Experten ratlos durch den Tivoli zogen. Das alles eignete er sich irgendwann selbst an. Wenn der alte Dieselmotor, der den nötigen Strom für das Flutlicht im alten Tivoli lieferte, mal rum zickte wusste er zu helfen damit das Licht weiterhin erstrahlte. So wie damals gegen die Reserve von Bayer Leverkusen als das Spiel um eine halbe Stunde sich verzögerte.  Um der alten Technik etwas “Herr” zu werden hatte ich Anfang 2003 rum ebenfalls das Vergnügen unseren Hausmeister kennenzulernen. Die in die Jahre gekommene Kommunikationstechnik im alten Tivoli sollte mit neuerer Technik ausgerüstet werden, mittels Funk und der damals noch relativ unbekannten Powerline Technik. Denn es war vorgesehen das die Tickethäusschen untereinander vernetzt werden sollten. Horst Krause wusste wo welches Kabel verläuft und in welchen Verteiler man am besten es probieren sollte. Am Ende war die neue (Powerline) Technik mit der alten vorhandenen Technik dann doch nicht kompatibel zum damaligen Zeitpunkt. Neben Horst Krause gibt es nur seinen Kollegen Paul Claßen, Platzwart und stellvertretender Hausmeister, der sich fast genauso gut auskennt im Tivoli.

 

Der Moment der am meisten schmerzte – das abschließen des Marathontores im alten Tivoli

 

Wohnte Horst Krause mit seiner Frau vorher noch an der alten Münzenkampfbahn neben dem Jugendgebäude, dort wo heute das Parkhause steht, musste er 2009 mit dem Umzug der Alemannia vom alten zum neuen Tivoli ebenfalls ein neues Domizil beziehen. Das schlimmste war für ihn als er auf dem alten Tivoli quasi als letzter die Tür bzw. das Marathontor für immer zuschloss.  Der “Herr der Schlüssel” war Kult, auch weil er immer nah dran war an der Alemannia. Morgens der erste da war, abends der letzte der zuschloss. Verpasst hat er in all den Jahren nur wenige Spiele, sechs wegen Krankheit (und da war er wirklich krank) und einmal wegen Urlaub. Im neuen Tivoli gibt es wahrscheinlich nur noch ihn der dort wie seinerzeit im alten Tivoli auch den allerletzten Winkel kennt. Über die Jahre hat er viele Kommen und auch wieder Gehen gesehen, er war die letzte schwarzgelbe Konstante die immer blieb. Nach dem wirtschaftlichen Untergang der Alemannia mit der Insolvenz wechselte er vom Alemannia Hausmeister zum Hausmeister der Stadion Beteiligungsgesellschaft und blieb weiterhin da wo er hingehörte.
 

Dank Horst Krause gab es den Alemannia Schriftzug auf der Sitzplatztribüne im alten Tivoli

 

Geschichten von ihm gibt es genug, aber auch er selbst kann Geschichten erzählen von den großen Stars und Mannschaften die zur Alemannia kamen. In bester Erinnerung am alten Tivoli bleiben immer noch die großen Bayern, die sich mit dem spärlichen Inventar und altmodischen Duschen nie anfreunden konnten. Gerüchtweise hörte man das die Duschen in der Bayern Kabine eiskalt waren, und die Bayern Stars nach der Niederlage im DFB-Pokal Spiel ungeduscht zurück ins Hotel gefahren sind. Man glaubt es tatsächlich. Was man auch glauben darf ist der Alemannia Schriftzug auf der Haupttribüne im alten Tivoli aus seiner Idee her entstammt. Er war eben ein Mann für alle Fälle. Der Hausmeisterkittel ist nun am Nagel gehängt, der Alemannia Fan Horst Krause wird es aber weiterhin geben. Und wenn man ihm im Stadion begegnet, er hat immer eine Geschichte auf Lager.
 
Tschöö Horst, mach et jott. Und genieße deinen wohlverdienten Ruhestand.
 
 

Verabschiedung eines Kult-Hausmeisters. Danke an WaGlu für das Bild

 
 
Wenn der Hausmeister eine eigene Autogrammkarte hat

 
 
 
 

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