Nein, natürlich hat nicht ein Geldkoffer Geburtstag sondern der ehemalige Alemannia Spieler Mark Rudan aus Australien. Man mag sich kaum erinnern, denn es ist schon gut 20 Jahre her das der australische Verteidiger in der Winterpause 2000 zur Alemannia wechselte. Aber statt sportlicher Auftritte die in Erinnerung blieben gab es nur eine unrühmliche Affäre. Was war denn da noch gleich? Ja genau, der Skandal um den verschwundenen Geldkoffer. Dieser ist bis heute untergetaucht und war Gegenstand eines großen Skandals in der Alemannia Historie. Mit daran beteiligt war nicht nur jener Spieler Mark Rudan, sondern auch der damalige Alemannia-Schatzmeister Bernd Krings und die Spielervermittler Frano Zelic und Hans Hägele. Zudem gab es noch den mysteriösen Manager Bill Collins, der bis heute nie mehr aufgetaucht ist. Die ganze Story hätte das Zeug für einen spannenden Kriminalroman gehabt. Selten schaffte es die Alemannia bundesweit in die Schlagzeilen zu kommen, und wenn dann meistens mit Skandalen und Skandälchen. Dies war mit einer der großen Skandale und wurde nicht ganz nahtlos aufgeklärt von der Justiz.
 

 
Anfang 2001 wechselte der Verteidiger Mark Rudan zum damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen. Nichts besonderes, außer das der Spieler von Northern Spirit Sydney aus dem fernen Australien zum Tivoli kam. Am 11. Januar 2001 trafen sich am Tivoli die beiden Spielevermittler Hans Hägerle und Franjo Zelic sowie Alemannia-Schatzmeister Bernd Krings. Als vierte Person war auch ein vermeintlicher Vertreter namens Bill Collins von Northern Spirit Sydney zugegen. So übergab Alemannia-Schatzmeister Bernd Krings jenen Bill Collins und den beiden Spielervermittlern Bargeld in Höhe von 290.000 DM als Ablösesumme für den australischen Verteidiger. Nichts ungewöhnliches für damalige Verhältnisse dachte man, obwohl weder die Unterschriften noch die Freigaben unter den Rechnungen stimmten. Nachdem die Alemannia sich später bei Northern Spirit Sydney erkundigte ob das Geld angekommen sei, staunte man nicht schlecht. Denn der australische Verein teilte mit das man keine Gelder erhalten habe, es habe auch nie Kontakt oder Korrespondenz mit der Alemannia gegeben. Zudem war der Spieler Mark Rudan ablösefrei. Da bekamen einige Herren in den Alemannia Gremien Schweißausbrüche. Der Alemannia-Verwaltungsrat stellte umgehend Strafanzeige gegen Unbekannt. Das Geld war weg und die Geldkofferaffäre machte bundesweit Schlagzeilen und forderte ihre “Opfer”. So trat das gesamte Präsidium, bestehend aus dem damaligen Präsidenten Hans Bay, Vize-Präsident Manfred Grandt und Schatzmeister Bernd Krings zurück und übergab die Amtsgeschäfte einem Notvorstand. Dieser beauftragte einen Sonderwirtschaftsprüfer mit der Untersuchung des Rudan Transfers sowie allen anderen Transferaktivitäten. Unter anderem auch der Transfer von Goran Lozanovski, der ebenfalls kürzlich aus Australien an den Tivoli wechselte. Der Alemannia Notvorstand schrieb auch alle Vereine an mit denen die Alemannia in den letzten drei Jahren Transfers abgewickelt hatte. Man wolle gerne wissen ob die bei den anderen Klubs verbuchten Ablösesummen mit den eigenen übereinstimmen – oder eher nicht.
 

 
Die Staatsanwaltschaft Aachen jedenfalls stellte sich bald die Frage ob der ehemalige Alemannia-Schatzmeister Krings wusste, dass es sich bei “Bill Collins” nicht um einen Vertreter des Vereins handelte. Und wenn ja, haben sich Mark Rudan, die Vermittler und der Schatzmeister das Geld, das vielleicht ein Handgeld war, geteilt? An einem Samstag morgen des 19. Januar 2002 startete die Staatsanwaltschaft Aachen eine Groß-Razzia. Nicht nur die Geschäftsstelle der Alemannia war das Ziel sondern auch die Geschäftsräume von Bernd Krings sowie seine Privatwohnung. Ebenfalls gab es Durchsuchungen in den Privatwohnungen von Hans Hägele und Mark Rudan. 16 Beamten durchsuchten die Räumlichkeiten und beschlagnahmten Festplatten und zahlreiche Akten. Am selben Tag wurden zunächst Schatzmeister Bernd Krings und der Spieler Mark Rudan vorläufig festgenommen, in Esslingen später der Spielervermittler Hans Hägele. Der Tatvorwurf lautete Verdacht der Untreue, des Betruges und der Urkundenfälschung. Gegen zwei weitere Personen, Spielervermittler Franjo Zelic und dem untergetauchten Manager “Bill Collins” wurde ebenfalls Haftbefehl erlassen.
 
Die Staatsanwaltschaft Aachen arbeitete das ganze Thema auf und erhob später mehrere Anklagen gegen die Beteiligten. Heraus kamen dabei ganz erstaunliche und haarsträubende Dinge. Der ehemalige Schatzmeister der Alemannia Bernd Krings und die mit angeklagten Spielervermittler Hans Hägele und Franjo Zelic sollen die Alemannia bei zwei Spielertransfers um rund 470.000 DM betrogen haben. Die beiden Spieler Mark Rudan und Goran Lozanovski waren ablösefrei, trotzdem wurden von allen Angeklagten Scheinrechnungen ausgestellt und das Ablösegeld kassiert. Bei Mark Rudan wurde dies möglich weil er selbst Blanko-Vordrucke seines australischen Klubs Northern Spirit Sydney besorgte, die später für die Scheinrechnungen missbraucht wurden. Franjo Zelic gab vor Gericht den Betrug beim Wechsel von Mark Rudan von Australien nach Aachen zu. Er habe gemeinsam mit dem Vermittler Hans Hägele das Transfergeschäft abgewickelt. Auch Hans Hägele wusste das Mark Rudan ablösefrei gewesen ist, was dieser aber dementierte. Das Motiv war simple wie einfach. Bei solchen Transfers sei ein Handgeld für Spieler und Vermittler üblich. Da die Alemannia aber nur ein kleiner und nicht reicher Verein gewesen sei hätten die beiden Spielervermittler den Unmut in der Öffentlichkeit befürchtet. Deshalb hätte man sich entschieden eine Ablösesumme vorzutäuschen. Zudem gab Zelic an das im Kontrakt von Mark Rudan eine Ablösesumme von einer Million Euro festgeschrieben worden sei. Man war überzeugt gewesen das Mark Rudan bei der Alemannia einschlägt und diese ihn weiter transferieren würden. Die Alemannia würde so im Nachhinein an Mark Rudan verdienen. Auch beim Transfer von Goran Lozanovski ging es bunt zu. Von den 220.000 DM Ablöse erhielt der abgebende Verein in Australien nur gut 55.000 DM. Ein nicht näher bekannter australischer Agent (auch Bill Collins?) soll ebenfalls 50.000 DM erhalten haben, Hans Hägele 65.000 DM und Franjo Zelic den Rest des Geldes. Der ehemalige Schatzmeister Bernd Krings hingegen soll Zahlungsverpflichtungen des Vereins vorgetäuscht und das Geld für private Zwecke verwendet haben, was er bestritt.
 
Im Januar 2004 wurde der Prozess schließlich beendet, es gab vor Gericht einen Vergleich den alle Beteiligten zustimmten. Bernd Krings und Spielervermittler Franjo Zelic wurde wegen Betrugs zu je 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem zahlte Bernd Krings einen Teil des Geldes zurück. Spielevermittler Hans Hägele wurde wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung mit einer Geldbuße in Höhe von 4000 Euro bestraft, zudem musste er 100.000 Euro an die Alemannia zurückzahlen. Auch Alemannia Spieler Mark Rudan stand wegen Betrug und Urkundenfälschung vor Gericht. Der Vorwurf gegen ihn wurde schließlich fallen gelassen, da er glaubhaft seine Unschuld versichern konnte. Zwar gab er zu 70.000 Euro von Spielervermittler Hans Hägele bekommen zu haben, jedoch hielt er die Summe für den Teil einer Handgeldzahlung.
 

 
Der Vertrag von Mark Rudan wurde damals seitens der Alemannia rückwirkend zum 21. Januar 2001 aufgelöst und dieses Kapitel beendet. Heute auf den Tag feiert Mark Rudan seinen 46. Geburtstag und ist aktuell Trainer vom australischen Verein Western United. Bernd Krings und Franjo Zelic tauchten in der Öffentlichkeit seitdem nicht mehr auf. Beim Abriss des alten Tivoli 2009 hoffte man irgendwie das der “Geldkoffer”, der keiner war, dort wieder auftauchte. Er blieb bis heute verschwunden, genau wie ein gewisser Bill Collins. Im Oktober 2010 setzte der ehemalige Spielervermittler Hans Hägele seinem Leben ein jähes Ende. An einem Montag stoppte er sein Auto auf der Körschtalbrücke in der Nähe des schwäbischen Nellingen und sprang 55 Meter in die Tiefe.
 
 
 
 

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