Ein Fazit nach dem 11. Spieltag

 

Der 10. Spieltag in der Liga bietet sich immer an um ein erstes kleines Zwischenfazit zu ziehen. Da es aber zwischen den 9. und 11 Spieltag die englische Woche gab, mit dem Abschluss-Auswärtsspiel bei Rot Weiß Essen, nehme ich den 11. Spieltag noch mit ins Fazit. Liegt der Verein über oder unter den Erwartungen oder gar im Plan? 

 

Der Anspruch von Alemannia Aachen war vor der Saison in der oberen Tabellenhälfte zu stehen, das Wort “Aufstieg” ist keine wirkliche ernsthafte Option anhand von 17 Neuzugängen. Der Saisonetat fiel zwar um um 20% größer aus als letzte Saison, damit konnten trotzdem keine Verpflichtungen getätigt werden um einen Aufstieg ernsthaft ins Auge zu fassen. Die Mannschaft wurde diese Saison homogen zusammengestellt, aus erfahrenen und jungen Talenten, und bietet weiterhin “Profi-Bedingungen” an. Dennoch gehen aktuell drei Spieler neben dem Fußball noch einer geregelten Arbeit nach. Der Jüngste im Team mit 19 Jahren, Marc Kleefisch, absolviert neben dem Fußball eine Ausbildung. Ein Aufstieg ist diese Saison für viele Vereine besonders attraktiv, weil Aufstieg auch wirklich Aufstieg bedeutet, da der Meister der Regionalliga West dieses Jahr direkt in die 3. Liga aufsteigt. Aber er birgt ein hohes Risiko weil einige Vereine über ihre Verhältnisse investieren um endlich raus aus der vierten Liga zu kommen. Alemannia geht einen anderen Weg, wenn auch nach zwei durchlebten Insolvenzen eher gezwungenermaßen.

Zum dritten mal erfolgte vor der Saison ein nahezu kompletter Neuaufbau des Teams, 17 neue Spieler sollten wieder schnell zu einer Einheit geformt werden. Für Coach Fuat Kilic eine neuerliche Herausforderung, auch wenn diese Saison zum ersten mal wieder mehr Qualität durch erfahrene Spieler zur Verfügung stand. Allen voran Manuel Glowacz von Wattenscheid 09 sollte der neue Denker und Lenker im Mittelfeld sein. Neben Kapitän Peter Hackenberg brachten u.a auch Mamuth Temür, Alan Sutlin, Marco Müller und Marco Kaiser reichlich Erfahrung mit für die Regionalliga.

 

 

Hoffnungsvoll blickte man dem Saisonauftakt entgegen, ging es doch direkt am ersten Spieltag zum Top-Favoriten Viktoria Köln. Mit dem ersten Heimspiel gegen Wattenscheid 09 und dem anschließenden Auswärtsspiel bei Rot Weiß Oberhausen hatte es das Auftaktprogramm schon in sich. Beim ersten Training war man neugierig auf die neuen Spieler, die nun den Adler auf die Brust trugen. Locker und flockig wurden die Einheiten absolviert, die Stimmung war prächtig, auch wenn kurz danach Stammkeeper Mark Depta den Tivoli Richtung Köln zur Viktoria verließ. Es galt nun drei neue Torhüter zu integrieren, zudem fehlte noch ein Torwart-Trainer – der am Ende dann wirklich Hans Spillmann hieß. Die Testspiele in der Vorbereitung gegen unter klassige Teams wurden erwartungsgemäß gewonnen, die weiteren Spiele gegen stärkere Teams wie KAS Eupen und Roda Kerkrade gingen knapp verloren. Zum Abschluss der Vorbereitung musste man sich gegen den Regionalligsten aus Südwest, Eintracht Stadtallendorf, mit einem 1:1 begnügen. In diesen drei Spielen war bereits auffällig das man offensiv nicht zwingend genug agierte und hinten sich zu leicht düpieren ließ, vor allem bei Standardsituationen.

 

Viel bedenklicher finde ich das wir aus dem Spiel heraus zuwenig Gefahr ausstrahlen, das dauert alles viel zu lange und es wird immer noch die bessere Lösung und der bessere Mitspieler gesucht.

Stimmungslage im Internet

 

Mit dem ersten Spiel beim Topfavoriten Vikoria Köln unterlag man zwar mit 1:2, zeigte aber ein spielerisch anständiges Spiel und hätte am Ende sogar etwas zählbares mitnehmen können. So aber gab es zum Auftakt eine Niederlage, die man ehrlicherweise auch vorher einkalkulieren musste wenn man gegen den Top-Favoriten spielt. Im ersten Heimspiel gegen Wattenscheid 09, das gleich ein Live-Spiel beim TV-Sender Sport1 war, wollte man sich gestärkt dem eigenen Publikum präsentieren und die ersten drei Punkte einfahren. Nach wenigen Minuten hatte man den Torschrei auf den Lippen, als Stürmer Vincent Boesen alleine vor dem Gästekeeper auftauchte und die Chance vergab. Der Gast hingegen nutzte seine erste Chance – Marke Sonntagsschuss am Montag – und ging in Führung. Alemannia mühte sich zwar, aber zwingend sah irgendwie anders aus. Zudem war das Offensivspiel geprägt von Fehlern beim Spielaufbau, etwa durch unnötige Ballverluste oder einfache Stockfehler. Statt des erhofften Ausgleichs erfolgte das ernüchternde 0:2 kurz vor Abpfiff, als Alemannia alles auf einer Karte setzte und Wattenscheid den Ball ins leere Tor unterbringen konnte. Tristesse am Tivoli, so hatte man sich den Auftakt ganz und gar nicht vorgestellt.

 

Wir haben uns das alle anders vorgestellt. Es ist extrem ärgerlich, wir wollten Vollgas-Fußball spielen. Direkt am Anfang haben wir eine große Chance, wenn da der Ball reingeht, läuft es wahrscheinlich anders

Manuel Glowacz nach der Heimniederlage

 

Die Tristesse verflog auch in den nachfolgenden Spielen nicht, ob man nun knapp bei Rot Weiß Oberhausen verlor oder zuhause gegen den SC Wiedenbrück sich am Ende mit einem – ersten – Punkt begnügen musste. Die Laufwege stimmten nicht, taktisch verhielt man sich unklug, das Offensivspiel hakte und die Hintermannschaft schwamm trotz Lufthoheit bei Standards. Am vierten Spieltag zierte Alemannia das Tabellenende mit gerade einmal einen Punkt. Die ersten schlimmen Befürchtungen wurden formuliert, einmal unten drin in der Tabelle kommt irgendwann die Spirale die einem weiter und tiefer nach unten zieht. Zum Teil ist es auch eine Kopfsache, denn mit jeder Niederlage oder besser gesagt mit jedem nicht gewonnen Spiel steigt der Druck für die Spieler unaufhörlich an. Um dies zu verhindern reagierte Alemannia mit zwei weiteren Transfers, Stürmer Dimitry Imbongo vom FC Innsbruck und Mittelfeldspieler Stipe Batarilo, zuletzt SC Wiedenbrück, wechselten zum Tivoli. Ein Glücksfall wie sich später herausstellen sollte. Wie gut das in Düsseldorf der erste Dreier der Saison eingefahren wurde. Die Trendwende schien eingeleitet worden zu sein, so dachte man. Gegen Rödinghausen sah man wie der sichere Sieger aus, bis man unvermittelt auf einmal um das Gegentor bettelte und sich schließlich mit einem mageren 1:1 begnügen musste. Wie konnte man das Spiel, das man im Griff hatte, so wieder herschenken?

 

Wie kann eine – eigentlich – erfahrene Mannschaft so unerfahren auftreten? Wo sind die Spieler die mal den Ball nehmen und bis zur Grundlinie durchlaufen bzw. aus dem Lauf mal gefährlich vor das Tor flanken?

Stimmungslage im Internet

 

Beim Westschlager am 7. Spieltag gegen den Wuppertaler SV lief auch nicht viel zusammen. Die ebenfalls hinter den Erwartungen gebliebenen Wuppertaler hatten unter der Woche den Trainer ausgewechselt. Beim Livespiel in Sport1 war es letztlich Alemannia Keeper Niklas Jakusch zu verdanken das man am Ende mit einem Punkt nach Aachen fahren konnte. Seine Paraden hielten Alemannia im Spiel, und am Ende hätte es fast noch zu einem Sieg gereicht, wenn der Gästekeeper den Kopfballaufsetzer von Mohamed Redjeb nicht pariert hätte. Aber so ist das wenn man unten steht, dann geht der Ball eben vorbei oder wird pariert. In der Tabelle brachte dieses 0:0 keine Mannschaft weiter, man blieb unten drin in der Abstiegszone. Vielleicht dauerte alles diese Saison nur etwas länger bis der gordische Knoten in der Mannschaft endlich platzte. Zuweilen murrte es schon unter einigen Fans die Fuat Kilic in Frage stellten.

 

Man muss den Kampf in dieser Liga annehmen, und das haben wir heute getan. Deshalb nehmen wir auch einen Punkt verdient mit

Keeper Niklas Jakusch nach dem 0:0 beim Wuppertaler SV

 

Gegen den Neuling aus dem Siegener Vorort, dem 1. FC Kaan-Marienborn, sollte zuhause nun aber erste Dreier eingefahren werden. Daran gab es fast keinen Zweifel gegen den Tabellenletzten der Liga. Das Spiel verlief  beinahe zur sportlichen Vollkatastrophe. Hatte manch einer von einem klaren Sieg geträumt riss der Liganeuling jene aus allen Träumen. Alemannia war zwar optisch überlegen, aber mehr nicht. Als es nach 70 Minuten 0:2 stand konnte man nicht glauben was man da sah, der Aufsteiger war geneigt den Favoriten aus Aachen schachmatt zu setzen mit einer äußerst effektiven Treffsicherheit. Doch wenn es auch spielerisch nicht funktionierte, eines konnte man der Kilic-Truppe nicht absprechen in diesen und den vergangen Spielen. Die Mentalität und Zusammenhalt der Mannschaft. Als sich die Blamage abzeichnete ging es auf einmal Ruckzuck. Nach dem Anschlusstor kurz vor Abpfiff gelang fast der Doppelschlag zum 2:2, den der Schiri aber Abpfiff. Nachdem der Liganeuling zu sehr mit sich und der Situation der roten Karte beschäftigt war, machte Alexander Heinze das 2:2 in der Nachspielzeit.

 

Wir können nicht zufrieden sein. Auch wenn wir noch das 2:2 am Ende machen, kann das nicht unser Anspruch sein. Wir fangen uns in der ersten Halbzeit ein Tor, da hat sich Verunsicherung breit gemacht. Wir hatten viele einfache Ballverluste. Dann laufen wir an und machen den Ausgleich nicht. Das einzige, was jetzt positiv ist, dass sich die Mannschaft nicht aufgibt

Kai Bösing nach dem glücklichen 2:2 gegen 1. FC Kaan-Marienborn

 

Puh! Moralisch war das Ergebnis auf jedenfall wertvoll, spielerisch blieb wie zuvor zuviel im argen. Unmittelbar nach dem Spiel ging dann aber die Hutschnur von Trainer Fuat Kilic hoch und es wurde Tacheles geredet. Stellte sich der Trainer bisweilen immer schützend vor die Spieler, kamen nun neue Töne aus seinem Mund. Enttäuscht war er das der eine und andere Spieler deutliche Diskrepanzen zeigt zwischen Training und Spiel. Das was im Training gemacht wurde spiegelte nicht das wieder was auf dem Platz gezeigt wurde. Bevor die englische Woche mit drei Spielen am Stück eingeleitet wurde war mächtig Dampf unter dem Dach des Tivoli.

 

Wir wussten alle, dass wir das 1:1 machen werden bzw. gewinnen werden

Torschütze Stipe Batarilo nach dem Auswärtssieg beim 1. FC Köln II

 

Bei der bislang sieglosen Kölner Zweitvertretung sollte nun aber wirklich die Trendwende eingeleitet werden. Der geriet aber früh in Gefahr als die kleinen Geißböcke direkt ihre erste Chance nutzen und in Führung gingen. Alemannia war drauf und dran auch dieses Spiel frühzeitig aus der Hand zu geben, doch dieses mal konnte man in der zweiten Halbzeit den Geißbock sprichwörtlich umstoßen. Man drehte das Spiel und kam so zu einem 2:1 Auswärtssieg. Nach dem Abpfiff waren die polternden Herzen bis nach Aachen zu spüren. Positiv war zu hören das der Halbzeitrückstand innerhalb der Mannschaft kein Thema war und man sicher war das Spiel noch zu ihren Gunsten zu drehen, was auch gelang. Es zeigte sich das die Mannschaft innerlich intakt war und die deutlichen Worte unter der Woche Früchte trugen. Im kommende Heimspiel, das Mittwochabends unter Flutlicht gegen Aufsteiger TV Herkenrath stattfand, sollte endlich der lang ersehnte erste Heimsieg her. Mit einem satten und souveränen 5:1 wurde dann auch tatsächlich der erste Heimsieg eingefahren. Spielerisch offenbarte Alemannia keinen Zweifel daran das man dieses mal die Punkte zu Hause behalten wollte. Nicht nur der hohe Sieg war erstaunlich sondern auch die Tore und deren Entstehung. Die Chancen wurden diesmal genutzt, man belohnte sich endlich für den Aufwand den man betrieb. Auch Stürmer Dimitry Imbongo traf endlich, und dann auch direkt dreifach.

 

Es ist ein gutes Gefühl, ich habe sehr lange auf mein erstes Tor gewartet. Heute hat alles geklappt, mit den drei Toren. Wichtig ist der erste Heimsieg. Ich hoffe, es geht einfach so weiter

Stürmer Dimitry Imbongo nach seinem Dreierpack

 

Rechtzeitig vor dem Klassiker an der Essener Hafenstraße präsentiert sich die Alemannia mit zwei Siegen in Folge gut in Schuss. Hatte man vor wenigen Wochen noch die Sorge das man bei den stark gestarteten Rot Weißen abgeschossen werden würde, hatten sich die Umstände nun geändert. Rot Weiß Essen, schon nach vier Spieltagen zum Aufstiegsaspiranten vom Reviersport erkoren, verlor zwischenzeitlich die Tabellenführung und agierte nicht mehr so souverän wie am Anfang der Saison. Verletzungen und Sperren von Spielern zehrten an dem dünn besetzten Kader. Drei Unentschieden und zwei Niederlagen nagten nun schwer am Selbstbewusstsein der Essener, und wie bei Alemannia stieg nun auch hier der Druck an. Im Prestigeduell der beiden Traditionsmannschaften konnte ein Sieg vieles vergessen machen. Alemannia wollte die Gunst der Stunde nutzen und sich die englische Woche mit einem Sieg in Essen vergolden. Das gelang fast schon souverän und man belohnte sich mit einem 1:0 Auswärtssieg beim Erz-Rivalen. Nach einem schwierigen Start in die Saison ist man nun seit acht Spielen ohne Niederlage und konnte den 7. Tabellenplatz erklimmen, man ist erstmal raus aus dem Keller. Wer hätte das noch nach dem Spiel gegen 1. FC Kaan-Marienborn gedacht? Die Mannschaft scheint sich nun gefunden zu haben, und das Glück ist uns auch wieder hold – was nur der Tüchtige erhält. Nun gilt es weiter zu machen bis zur Winterpause, um diesen guten Eindruck auch weiter zu bestätigen in den kommenden Spielen. Die Alemannia ist wieder in der Spur – und will diese auch nicht mehr verlassen.

 

Überragend was die Jungs in den letzten Wochen leisten

Trainer Fuat Kilic nach dem Sieg über Rot Weiß Essen

 
 

Ergebnisse bis zum 11. Spieltag:
Viktoria Köln – Alemannia 2:1
Alemannia – SG Wattenscheid 09 0:2
RW Oberhausen – Alemannia 3:2
Alemannia – SC Wiedenbrück 2:2
F.Düsseldorf II – Alemannia 0:1
Alemannia – SV Rödinghausen 1:1
Wuppertaler SV – Alemannia 0:0
Alemannia – 1.FC Kaan-Marienborn 2:2
1. FC Köln II – Alemannia 1:2
Alemannia – TV Herkenrath 5:1
RW Essen – Alemannia 0:1
 
 
 
 

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