Die Kreisliga Kicker vom SSV Blau Weiß Dobbertin

 

Heute möchte ich euch abseits der Alemannia einen kleinen Verein Vorstellen, der mitten in Mecklenburg Vorpommern liegt und SSV Blau Weiß Dobbertin e.V. heißt. 
 
Dobbertin ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim, und bietet neben dem Dobbertiner See auch eine sehr schöne Klosteranlage. Der zentrale Teil der Gemeinde ist durch eine Weiden- und Feuchtwiesen Landschaft geprägt. Wenn man Ruhe und Erhohlung sucht, ist man hier genau richtig. Obwohl ich schon öfters in Dobbertin war, faszinierte mich der kleine Verein jetzt zum ersten mal. Vorher habe ich ihn garnicht so wahrgenommen, weil es immer hieß »ja früher, da war hier was los«. Aber heute? Da dachte ich mir, das schaust du dir jetzt aber mal ganz genau an. 

 

 

Wenn man durch den Park Richtung Campingplatz und Ferienhäuser geht, kommt man unweigerlich an dem »Parkstadion« von Dobbertin vorbei. Parkstadion? Da denkt man an eine Arena mit mindestens 40.000 Zuschauer und allem Schnick und Schnack. Nein, hier ist es ein ganz gewöhnlicher Fussballplatz – ohne Tribüne, ohne Kartenhäuschen, ohne Zaun, ohne Ordner und ohne Kioske die Bier und Essen ausschenken. Dafür gibt es Sitzbänke und Unterstände für die Trainer und Auswechselspieler. Alles sehr schlicht gehalten, fast schon idyllisch. 
 
Direkt am Parkstadion ist ein kleiner Komplex das heutige Gemeindezentrum von Dobbertin ist. In einem Seitenflügel sind die Kabinen angesiedelt, einmal für die Heimmannschaft des SSV Blau Weiß Dobbertin und einmal für den Gast. Ein Blick durch das Fenster offenbarte eine liebevoll eingerichte Kabine mit einigen Wimpeln, Bildern und ein Trikot an der Wand. So gut ich auch wollte, durch das Fenster sollte kein gutes Foto gelingen. Draussen auf dem Rasen, bzw. neben dem Rasen fuhr der für mich erkennbare Greenkeeper mit seinem Rasentraktor neben dem Platz. Um es vorweg zu nehmen, es sollte drei Tage später das erste Pflichtspiel im Kreispokal stattfinden. 

 

Das Parkstadion von Dobbertin

 

Freundlich wie ich bin fragte ich den älteren Greenkeeper auf seinem Rasentraktor höflich ob es möglich wäre in der Kabine einen Blick reinzuwerfen. Der Greenkeeper stieg von seinem Rasentraktor ab und gab sich als Vereinspräsident zu erkennen und hieß Peter Goldberg. Noch während Herr Goldberg sprach stellte ich mir schmunzelnd vor meinem geistigen Auge vor wie unser Vereinspräsident Dr. Martin Fröhlich bei uns im Tivoli den Rasen mähen würde :-). Herr Goldberg beäugte mich zwar kurz, aber mit Alemannia Aachen und meiner Fan-Seite konnte ich ihn überzeugen das ich nur Gutes im Schilde führen würde. Ich lauschte weiterhin den Worten von Peter Goldberg, der die Tür zur Kabine aufschloss und unsicher war das die Spieler die Kabine aufgeräumt hinterlassen hätten. Nun konnte ich die ganzen Wimpel, Bilder und sonstige Utensilien im Augenschein nehmen. Eine typische Kabine die ich früher, selbst kickend beim VfR Aachen Forst bis zur A-Jugend, auch noch nicht so gesehen hatte. In der Mitte ein Tisch mit Stühlen drumherum wie man sie aus der Kneipe kennt und weitere Stühle wo die Kicker ihren Platz finden sollten. Eine schlichte Taktiktafel, ein Motivationsposter und Foto-Collagen aus vergangenen Tagen zierten neben vielen Wimpeln den Raum. Zwei kleine Pokale standen ebenfalls auf der Fensterbank. Peter Goldberg verwies darauf das die anderen Pokale alle in der Gaststätte zu finden sind, denn wo sollten sie hier auch Platz finden?

 

Die beiden Kabinen im Seitenflügel des Gemeindehauses

 

Er erzählte wie schwer es ist mittlerweile den Verein am Leben zu erhalten. Die früheren Kabinen musste man verlassen als im Zuge der Umstruktierung aus dem Vereinsheim das Gemeindehaus werden sollte. So musste man in kleinere Räume am Rand einziehen. Und wie bei uns auf den Dörfern ist es mittlerweile auch in Dobbertin ein Problem den Nachwuchs heranzuholen. Die heimische Schule wurde geschlossen, die befindet sich nun ein Ort weiter. Damit brach für den Verein die Zukunft weg, denn die Kinder und Schüler spielen nun natürlich im anderen Ort Fußball. Der Hauptsponsor ist die Gaststätte »Zwei Linden« die den Verein so weit es geht unterstützt. Alles andere ist ehrenamtlich und wird in der Freizeit nebenbei gemacht. Die Jugend ist weniger im Dorf präsent und junge Familien lassen sich dort nieder wo die Arbeit ihren Sitz hat. So wird es Jahr für Jahr schwerer den Nachwuchs zu begeistern, und man beißt sich noch irgendwie durch. Aber lange wollte man nicht klagen, denn schließlich muss es irgendwie weitergehen. 

 

Tolles Spiel trotz 1:4 Niederlage

 

Am Sonntag war ein wichtiger Tag für den SSV. Das erste Pflichtspiel der neuen Saison sollte gleich ein Kreispokalspiel sein gegen den Nachbarverein SV Grün-Weiß Severin sein. Am Ende verlor der SSV Balu Weiß Dobbertin mit 1:4 gegen den Nachbarn. Nett anzusehen war das der SSV-Trainer mit seiner Tochter auf dem Arm am Spielfeldrand stand, die Spielerfrauen und Kinder auch in der Nähe saßen und es richtig schön familär zuging. Statt einer Bierbude musste ein offener Wagen herhalten mit den Kästen Bier und Wasser, es fehlte nur der Grill mit den Würstchen am Spielfeldrand – einfach herrlich. Das Spiel beobachteten dann ca. 50 Zuschauer, die aber nicht weniger zimperlich nach dem Abpfiff dem Schiedsrichter noch einen mitgaben auf dem Weg »wenn ich so pfeiffen würde wie du….« :-) Nach dem Abpfiff wurde sich kurz gesammelt und dann direkt die Tornetze und Eckfahnenstangen abmontiert und mitgenommen – Vorbildlich. Nach dem üblichen Shakehands nach dem Spiel wurde vor der Kabine, einige schon auf dem Weg dorthin, die Zigarette angezündet und ein Bierchen gezischt. Der Gast aus Severin musste das im sitzen bewerkstelligen, der SSV hatte ja Stühle wo man sich drauf setzen konnte. Während die Männer sich erholten und duschten warteten vor der Kabine die Famlien. Was für ein Ausklang eines Pokalspieles. 

 

Pokale die Geschichten erzählen

 

Mein Weg führte dann zum Hotel und Gaststätte »Zwei Linden«. Dort wollte ich mir schließlich die Pokale anschauen, und es war recht beeindruckend wieviele Pokale die Wände schmückten. Eine schöne Zeitleiste war zu bewundern von diesem Verein aus Vergangenheit bis zur heutigen Gegenwart. Leider fehlte dort der goldene Traktor Pokal von 1978, über seinem Verbleib gibt es leider keinerlei Hinweise mehr. Was man weiß, er war nicht sehr groß – es passte der Inhalt einer 0,7 Liter Kornflasche rein :-).  In der Gststätte traf ich auch Vereinspräsident Peter Goldberg wieder, der mir einiges noch erzählen konnte aus den vergangenen Zeiten des Vereins. Leider gibt es keine schriftliche Vereinschronik die festgehalten hat wann was wo passiert ist. Es lebte alles nur im Gedächnis von wenigen weiter, und auch diese Erinnerung verblasste immer mehr. Er verwies dann aber auf Hartmut Behrens, der auch erst skeptisch war was wir denn wollten. Als ich ihm von Alemannia erzählte meinte er »die sind doch auch schlecht dran«, wo Peter Goldberg konterte »aber die sind immer noch besser als wir« Als ich ihm erklärte warum und wieso ich so Neugierig war erzählte er dann von den goldenen Zeiten. Es gibt wohl noch einen 80 Jährigen Fan der quasi das lebendige Kompedium des Vereins ist. Doch der war leider nicht zugegen um ihn zu befragen, deshalb sind die Daten nach besten Wissen und Gewissen recherchiert. Selbst das große Internet gibt nichts preis über Erfolge oder Mißerfolge vergangener Tage. Da wünschte man dem Verein einen Archivar wie unseren Lutz van Hasselt. 

 

Al-Aix trifft Dobbertin

 

Wenn man den eigentlich unfairen Vergleich zieht zur unserer Alemannia und dem SSV Blau Weiß Dobbertin, dann bin ich froh das unser Verein sich ebenfalls noch weitgehend ein großes Stück der Alemannia Familie behalten hat. In unseren neuen Spielstätte ist es zwar nun hochmodern, aber im Vergleich zu anderen Stadien und Vereinen ist der Verein immer noch zum Anfassen. Das war auch so zu unseren goldenen Zeiten von 2003 – 2007  ehe der Verein 2012 totalen Schiffbruch erlitt und die Kreisliga tatsächlich kurz eine Option war – die gottlob keine Realität wurde. Zwei Insolvenzen später spaziert auch die Alemannia auf dem schmalen wirtschaftlichen Grat in der Regionalliga und hofft auf bessere Zeiten. Ohne Geld ist ein entkommen aus der Regionalliga West kaum möglich, dennoch schwärmen einige Fans davon statt totalen Kommerz und Verkauf der Seele lieber in der Kreisliga weiterzumachen. Wenn ich mir das so anschaue, einen gewissen Charme hat es tatsächlich. Aber ich bin ehrlich, die Alemannia Zukunft liegt doch hoffentlich wieder irgendwann in der 2. Liga. Für den SSV Dobbertin hoffe ich das auch sie es schaffen mit ihren bescheidenen Mitteln weiter voran zu kommen, und das der Nachwuchs den Weg nach Dobbertin findet. Denn diese stellt die Zukunft für den Verein dar. ich werde es weiter beobachten :-)  
 
 
 
Vereinshistorie:
 
Gegründet wurde der Verein 1949 als BSG Traktor Dobbertin. Die damalige DDR hatte fünf Fussballligen, mit der höchsten Spielklasse Oberliga. Es folgten die DDR Liga, Bezirksliga, Bezirksklasse und die Kreisklasse. 1978 feierte der BSG Traktor Dobbertin seinen größten sportlichen Erfolg, man holte den goldenen Traktorpokal vom Bezirk Schwerin, heute vergleichbar mit dem Landespokal. 1981 schaffte man den Aufstieg in die Bezirksklasse, konnte sich dort aber nicht lange halten und stieg wieder ab. Nach der Wende 1992 wurde aus dem BSG Traktor Dobbertin der heutige SSV Blau Weiß Dobbertin. 1997 stieg man auf in die Bezirksliga, doch kurze Zeit später stieg man wieder ab. In der Saison 2002/2003 konnte man nicht nur den Hallenpokal gewinnen, man wurde auch Kreispokalsieger sowie Kreismeister. Erfolgstrainer war zu diesem Zeitpunkt Bernd Roloff. Nach dieser goldenen Zeit übernahm dann Peter Goldberg das Traineramt, als der Verein ins schlingern geriet und wieder sportlich unten angekommen war. Nach seiner Trainerzeit wurde er dann Vereinspräsident – »einer musste es ja machen«. Heute spielt der SSV Blau Weiß Dobbertin in der Kreisliga Westmecklenburg Ost. 
 
 
 
Hier einige Bilder vom SSV Blau Weiß Dobbertin:
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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