Wenn der Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt

 


 
 

Wenn die Unbelehrbaren unbelehrbar sind

 

Blicken wir kurz zurück. Montagabend, live auf Sport1, konnte man die Partie Fortuna Köln – Alemannia Aachen verfolgen. Was früher mal ein Fußball-Leckerbissen war, ist immerhin noch ein Westduell das die Leute auch in der Regionalliga begeistert, trotz das sich beide Teams im grauen Mittelfeld der Tabelle befinden. Es reizt halt immer noch, und die letzte Begegnung beider Teams im Bonner Sportpark im Sommer beim Bitburger Pokalfinale ist ja noch bestens in Erinnerung.
 
Nach rund einer halben Stunde des stillen Protestes gingen beide Fanlager dazu über mit Trillerpfeifen das Spiel zu stören, aus dem Fortuna Block flogen zig Tennisbälle auf das Spielfeld. Trotz Aufforderung des Stadionsprechers trällerten die Fans weiter. Auf Seiten der Alemannia versuchten die Verantwortlichen aus dem Aufsichtsrat Martin Fröhlich, Thomas Gronen und Dirk Kall die Aachener Fans zu beschwichtigen – umsonst. Die Partie wurde rund 16 Minuten unterbrochen ehe sie fortgeführt wurde.
Schon seid langem werden bei Sport1 Live Übertragungen von Regionalliga Spielen Protestbanner sichtbar, da den Fans die Anstoßzeit am Montagabend um 20:15 Uhr missfällt, und zudem die Vereine finanziell davon kaum profitieren. Während in den höheren Ligen doch etwas üppige TV-Gelder ausgeschüttet werden bekommen die Regionalliga Teams nur einen zugewiesenen Bruchteil von 5.000-6.000 Euro vom Verband – unabhängig ob man Live im TV präsent ist oder nicht. Auf der anderen Seite haben die Vereine die Möglichkeit sich vor einem großen TV-Publikum zu präsentieren. Die Regionalligaspiele werden im Schnitt von 250.000 bis 500.000 TV-Zuschauern verfolgt, so werden auch lokalere Sponsoren im TV sichtbar und Spieler können auf sich Aufmerksam machen. Das Hauptargument für so eine Liveübertragung.
 

Auch in Zukunft wird das Fernsehen nicht kommen, wenn wir spielen, sondern wir spielen, wann das Fernsehen kommt

Präsident des WFLV Herrmann Korfmacher bei der Unterzeichnung des 4 Jahres TV-Vertrages mit Sport1 2018

 

Man kann natürlich zu solchen Protesten stehen wie man will. Für die einen sind sie ärgerlich da sie ein bis dahin gutes Spiel unterbrochen haben, für die anderen ärgerlich da es gegen sie gerichtet ist, und wiederum anderen ist es egal und sie erfreuen sich an dem Protest das man es “denen da oben” mal zeigt. Das scheint aber einigen leider nicht ausreichend genug sein, wenn schon mal das Fernsehen da ist dann kann man auch anders. Dies wurde schon in einer Alemannia Facebook Gruppe angekündigt “ihr werdet staunen was in der zweiten Halbzeit geplant ist“. Und ja, man staunte in der Tat kopfschüttelnd welch eine große Pyro-Show im Aachener Fan-Block dort zelebriert wurde hinter einer großen Blockfahne. Das konterkarierte den Protest aus der ersten Halbzeit natürlich sofort wieder. Minutenlang fackelten im Block die Pyros, das Spiel wurde erneut unterbrochen. Und wieder waren die Alemannia Aufsichtsräte um Martin Fröhlich, Thomas Gronen und Dirk Kall bemüht das schlimmste zu verhindern was aber nicht mehr zu verhindern war.

 

Ein konstruktiver Dialog war nicht möglich

Martin Fröhlich (Alemannia Präsident und Aufsichtsratsmitglied)

 
Die allseits bekannten Alemannia Ultras hatten erneut ihr Forum gefunden. Immer wenn man dachte “jetzt haben sie es wohl begriffen das sie ihren Verein schädigen” setzen sie über kurz oder lang doch wieder ihre eigene Befindlichkeiten durch. Für diejenigen, die etwas weiter darüber nachdenken war schnell klar – das wird nicht nur teuer für den Verein, das wird und muss nachhaltige Konsequenzen nach sich ziehen. Denn zum xten mal wird Alemannia als Verein wieder auffällig beim Verband, wo man eh schon unter Beobachtung steht und das auch noch auf Bewährung. So wird sich die Verbandsspruchkammer des Westdeutschen Fußballverbands (WDFV) erneut mit der Alemannia zu befassen haben. Zur Erinnerung – die Alemannia wurde in den letzten zwei Jahren mehrmals verurteilt und deshalb als Wiederholungstäter eingestuft. Das Wort Dauergast liegt nicht mehr in weiter Ferne. Schon bei der letzten Zusammenkunft, im Rahmen nach den Vorkommnissen im Bitburger Pokalfinale, machte der Vorsitzende der Spruchkammer den Alemannia-Verantwortlichen klar das noch höhere Geldstrafen drohen bis hin zu Zuschauerteilauschlüssen oder Geisterspiele. Die Geduld der Spruchkammer ist nicht unendlich und kennt kein Pardon mehr.
 
Was manchen der sogenannten “Fans” nicht bewusst ist oder einfach ignoriert wird, die Alemannia steht am Scheideweg. Weitere Strafzahlungen und erst recht Zuschauerausschlüsse könnten zu nicht verkraftbaren Einbußen führen, die den Klub vor existenzielle Probleme stellen. Zudem droht weiteres Ungemach aus dem Alemannia Sponsorenbereich. Helmut Kutsch, Chef der Bauunternehmung „Gebr. Kutsch“ ist der Haupt- und Trikotsponsor der Alemannia und drohte dem Verein bereits:
 

Unter diesen Bedingungen habe ich keine Lust mehr. Ich akzeptiere nicht mehr das gutes Geld für Geldbußen verwendet wird

 

Nun sind die Verantwortlichen der Alemannia gefordert, ehe noch mehr Sponsoren ins selbige Horn stoßen werden. Lange Zeit hat man es mit Gesprächen versucht, es wurden zeitbasierte Strafen verhängt, einzelne Stadionverbote ausgesprochen und Privilegien gestrichen und wieder aufgehoben. Genutzt hat all das nichts. Man stößt bei den Ultras auf taube Ohren, Warnungen werden ignoriert und selbstherrlich propagiert das ohne sie ja sowieso keine Stimmung mehr im Tivoli ist. Da müssen sich einige Vereinsobrigen an die eigene Nase fassen das man dieses Argument lange stillschweigend toleriert hat, und es häufig mit Ermahnungen oder wie oben beschrieben kurzweiligen Strafen belassen hat. Ganz anders als der damalige Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning, der dem Treiben schnell ein Ende setzte und 255 Stadionverbote aussprach und Sanktionen durchsetzte. Nun ist Handeln gefragt, und zwar deutlich und nachhaltig. Es muss Schluss sein das diese sogenannten “Fans”, die den Verein massivst mit ihrem Verhalten finanziell und in der Außendarstellung schädigen, am Nasenring durch die Manege ziehen. Jetzt muss konsequent gehandelt werden. Wenn Täter nicht zu ermitteln sind die man in Regress nehmen kann muss eben eine kollektive Strafe ausgesprochen werden, und die Alemannia eben einen ganzen Block/Gruppierung vor die Tür setzen und somit ihr Hausrecht durchsetzen. Anders scheint es kein Verständnis oder Begreifen zu geben das die Stunde geschlagen hat. Denn es muss klar sein, eine Alternative dazu ist jetzt alternativlos. Wenn Sponsoren drohen ihr Engagement einzustellen dann wird das unmittelbare katastrophale Folgen für den Verein haben – Wattenscheid 09 lässt grüssen. 
 
Schon Ende 2016 sah sich der Aufsichtsrat, das Präsidium und der Verwaltungsrat von Alemannia Aachen genötigt einen offenen Brief aufzusetzen. Der Verein appellierte an die Anhängerschaft im folgenden Wortlaut:
 

Die Werte, für die Alemannia Aachen steht, sind im Leitbild des Vereins fest verankert: „Wir stehen für Tradition und eine familiäre Gemeinschaft, in der sich alle wohlfühlen. Demokratische Grundrechte, -werte und Toleranz leiten ebenso unser Handeln im Verein wie unsere soziale Verantwortung für Stadt und Region. Mit einem respektvollen und gewaltfreien Umgang miteinander streben wir mit fairen Mitteln nach sportlichem Erfolg. Leider werden diese Werte nicht durchgängig von allen Fangruppen gelebt.

 
Wer jetzt die Zeichen noch nicht verstanden hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Aber auch wir Fans müssen uns noch deutlicher Positionieren das es so nicht weitergehen kann. Und bevor sich jemand fragt warum die Alemannia zukünftig weiterhin Probleme hat Sponsoren zu akquirieren, oder die Zuschauer sich nicht mehr so begeistern lassen sich für die Alemannia zu engagieren – wird die Antwort schnell finden.
 
Es ist auch bei uns seit Montagabend spätestens 2 vor 12. Jetzt muss gehandelt werden im Interesse aller Alemannen die dem Verein am Herzen liegen! Nur damit das klar ist, wenn die Ultras selber ein einsehen haben und sich selbst disziplinieren, Verantwortung übernehmen und unbelehrbare Gruppenmitglieder rauswerfen, können sie wieder im Schoss der Alemannia zurückkehren. Jeder verdient eine Chance. Aber die Chancen waren in den letzten Jahren reichlich vorhanden, jetzt muss man sich an Taten messen lassen.

 
 
 
 

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