Der Tag nach der Blamage


 
 
Um es gleich klarzustellen – der 1. FC Düren hat absolut verdient gestern den Bitburger Pokal geholt! Währenddessen hat unsere Alemannia bzw. deren Spieler und Verantwortlichen uns wieder einmal in eine tiefe Depression gestoßen. Schlimmer geht immer, und erschreckende Zustände der Spieler samt Taktik und System lassen nichts gutes erahnen für die neue Regionalliga West Saison 2020/2021, die in gut zwei Wochen startet. Was ist mit unserer Alemannia los? Wie kann man mit einer derartigen Leistung, die noch einer Thekenmannschaft umschmeichelt, in einem so wichtigen Spiel wo es um so viel geht dermaßen so vergeigen das selbst der Gegner Mitleid hat?
 
Gestern Mittag trafen sich hunderte von Alemannia Fans am Tivoli. Es gab eine nicht öffentliche Mail das man die Mannschaft überraschen wollte und Spalier stehen wollte, wenn sie sich Richtung Bonn zum Bitburger Pokalfinale aufmacht. Der Aufruf wurde gehört, wenn man schon nicht Live vor Ort sein durfte wegen den Corona-Schutzbestimmungen, dann gibts wenigstens die Motivation von den Fans auf dem Weg dorthin. Im kleinen Kreis zuvor hatten wir im kleinen Kreis noch gesagt “wenn die Spieler mal so spielen würden wie die Fans sich engagieren“. Stunden später war man genau bei diesem Satz angekommen. Einen Alemannia Bus haben wir auch nicht mehr scheinbar, der Reisebus mit dem man nach Bonn fuhr hatte ein Hauch von Kaffeefahrt. Wie bitter im Nachhinein.
 

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Ja, gestern schon während des Spiels und unmittelbar nach dem Abpfiff wurde kübelweise die Häme ausgeschüttet über unsere Alemannia. Egal ob es private Nachrichten waren oder in den Social Medien, die Leute tobten sich aus. Und ja, das müssen die Spieler und Verantwortlichen ertragen, so bitter es nun mal ist. Wenn man den Profianspruch hat, und den hat unsere Alemannia, dann muss man auch so spielen. Und nicht so armselig wie man gestern aufgetreten ist. Natürlich, der 1. FC Düren war auf dem Papier ein Oberligist, aber in den Trikots steckten jede Menge Regionalliga Erfahrung drin die man sich schön zusammengekauft hat. Spieler von denen Alemannia nur Träumen kann weil es finanziell nicht reicht im Augenblick. Dennoch war es keineswegs so das wir 11 neue Spieler auf dem Platz hatten die noch nie gegen den Ball getreten hat oder gar Erfahrung mitbringt. Aber dieser Eindruck entstand tatsächlich immer mehr je weiter die Zeiger der Uhr sich drehten im gestrigen Spiel.
 
Wir sind Alemannia, wir sind der Regionalligist. Und demütig mussten wir auch sein. Ja. Demütig waren wir 75 Minuten lang im zuschauen und verzweifeln wie man die sich anbahnende Katastophe noch abwenden konnte. Wenn ein Spieler komplett ausfällt ist das noch zu verkraften, wenn es aber schon sieben sind dann wird es zu einem großen Problem. Und da bleiben einfach Fragen offen. Wo waren gestern die Führungsspieler der Alemannia? Namen muss ich nicht nennen, wer das Spiel gesehen hat weiß um welche Spieler es geht. Wo war jemand der mal auf dem Putz (nicht Pütz) gehauen hat während des Spiels? Wo waren die aufmunternden Worte wenn ein Spieler einen Fehler macht? Wo waren die Anweisungen von außen? Wieso stand unser neuer Coach Stefan Vollmerhausen wie eine Salzsäule am Spielfeldrand? Wenn selbst dem TV-Reporter auffällt das unser Coach scheinbar nach 80 Minuten aufgegeben hat, dann stimmt da etwas ganz gewaltig nicht nach 5 Wochen Training. Oder hat er schon bei der Halbzeitansprache auf dem Platz gespürt das die Spieler gar nicht mehr anwesend waren?
 

 
Wenn man bedenkt wie froh wir waren als der Kader fast so zusammenblieb wie wir ihn kannten, nachdem der Gürtel enger geschnallt werden musste im Sommer. Die Stammspieler verlängerten, waren von dem Konzept überzeugt und wollten den weiteren Alemannia Weg mitgehen. Da stand man noch im Halbfinale des Bitburger Pokals und alle Optionen schienen offen. Kostengünstige Spieler mussten verpflichtet werden, der Etat gab nicht mehr her. Die stille Hoffnung war das erreichen des DFB-Pokals, damit einhergehend sollten noch Spieler von Qualität geholt werden. Die Spieler die verlängerten gaben als Statement meistens heraus wie schön es ist im Tivoli zu spielen und vor diesen Fans. Wenn man das gestrige Spiel gesehen hat, sieht man das diese Worthülsen im Brackwasser der Beliebigkeit untergegangen sind. Schon die Testspiele sollten ein Vorgeschmack auf das geben was wir gestern im Bitburger Pokalfinale zu sehen bekamen.
 

 
Gute 15 Minuten zeigte die Alemannia ein solides Spiel, war optisch überlegen und ließ sich vom 1. FC Düren scheinbar einlullen. Die machten erstmal nicht viel und warteten ab was die Alemannia zu tun gedenkte. Und irgendwo da zwischen Minute 5 und 15 musste in den Köpfen der Spieler der große FC Bayern umhergeschwirrt haben, denn man brauchte anscheinend nicht viel zu tun gegen den ambitionierten Mittelrheinligisten im Regionalligakleid. Das Tor würde irgendwann schon fallen, sei es aus einem Standard oder weil man im laufe des Spiels einfach die bessere Luft hat. So wie beim FC Pesch im Halbfinale, die waren unbequem und gallig aber am Ende entschied man das Spiel doch. Diese Idee sollte aber nicht aufgehen. Genauso wenig wie die Idee einen Steven Rakk auf Rechtsaußen zu stellen (wo er eher in der Mitte zuhause ist). Das hatte schon in den Testspielen nicht funktioniert, das sollte heute auch nicht funktionieren. Bitter das über seine Seite dann auch das 1:0 fiel, als er noch schnell Abseits reklamieren wollte (was es vielleicht sogar knapp gewesen ist) und seine Mitspieler in der Abwehr veranlasste einfach nichts mehr zu machen. Denn Dürens Wipperfürth konnte von der linken Grundlinine nach innen passen und Omerbasic dankbar ohne Gegenwehr zum 1:0 für den Mittelrheinligisten einnetzen. Weder unser Keeper Mroß reagierte noch jemand in der Abwehr. Der letzte Grätschversuch hinderte den kürzlich von Bonn nach Düren wechselnden Omerbasic nicht daran einfach zu vollstrecken. Für Steven Rakk war nach einer halben Stunde das Pokalfinale vorbei, unser Coach hatte ein einsehen das dieser Versuch gründlich in die Hose gegangen war. Und ab da war die Sache scheinbar schon gegessen. Denn Alemannia zeigte nichts, blieb harmlos und vor allem Ideenlos.
 
Auch in der zweiten Halbzeit, wo man eigentlich eine wutentbrannte Alemannia erwartet hatte, blieb sie ihrer Linie treu. Der 1. FC Düren musste nicht viel tun außer hinten solide stehen und einfach abwarten. Selbst nach einigen Chancen, die aber letztlich an Harmlosigkeit nicht zu überbieten waren, konnte man nicht zulegen. Zu viele Fehler im Spielaufbau, lange Bälle nach vorne auf Boesen der an der Kette lag und kaum was zeigen konnte. Ein Schuss von Bösing aus 18m ging dann knapp am Tor vorbei, und endlich regte sich was im Alemannia Blut. Der frisch am Morgen verpflichtete Nils Blumberg kam und hatte unmittelbar die beste Chance zum Ausgleich – eine scharfe Hereingabe von Falaye landete am zweiten Pfosten wo Blumberg mit seinem Schuss an Dürens Keeper Jackmuth scheiterte, als er den Schuss aus kurzer Distanz mit einer starken Parade auf der Linie entschärfte. Was wäre gewesen wenn? Tja, was wäre gewesen wenn. Es war die letzte Chance für die Alemannia. Man hatte zwischenzeitlich noch Glück das dem 1. FC Düren einen klaren Elfmeter verweigert wurde. Ein letztes Aufbäumen blieb ebenso aus wie das allerletzte Mittel der Brechstange. Zum Brechen war dann allerdings die unumstößliche Tatsache mit dem Schlusspfiff das man sich nicht nur blamiert hat sondern auch mit dem nicht erreichen der ersten DFB-Pokalrunde gegen den FC Bayern München eine ganze Menge Geld weggeworfen hat. Man kann verlieren, auch gegen einen 1. FC Düren der erfahrungsmässig auf Augenhöhe war. Aber die Art und Weise wie man verloren hat und sich nicht mal dagegen gestemmt hat ist erschreckend.
 

 
Da muss man nun nicht die große Schiefertafel bemühen das die neue Saison mit diesem Kader eine sehr schwere wird, wenn die entsprechenden Spieler nicht an ihre Leistungsgrenze gehen. Ganz abgesehen davon das seitens der Ersatzbank keine große Hilfe zu erwarten ist. Der Traum personell qualitativ nachzulegen ist mit der gestrigen Niederlage ausgeträumt. Wenn Alemannia noch Oberligaspieler bekommt zum Kaderauffüllen ist das mehr als man aktuell erhoffen kann in diesen Coronazeiten. Der Verein wankt schweren Zeiten entgegen, die er teils nicht mal selbst verschuldet hat. Aber wenn weiterhin keine Zuschauer im Tivoli gelassen werden, und so sieht es scheinbar aus, wird der Gürtel eher noch enger geschnallt werden müssen. Schon vor dem Start in die Liga sind wir im Mittelmaß angekommen, und man muss ehrlich sein das man eher nach unten als nach oben schauen muss. Die Konkurrenz ist nicht Oberhausen, Essen, Dortmund, Köln oder Münster sondern  Bergisch Gladbach, Homberg, Wiedenbrück und Ahlen.
 
Am Schluss sei aber gesagt, in der Stunde der blamablen Niederlage kommen alle Weisheiten und Besserwisser auf das Tableau. Die ersten Unkenrufen sehen ohnehin schon das Ende der Alemannia, das Versagen von Sportdirektor Hengen und Coach Vollmershausen, sowie das amatuerhafte Arbeiten in den Gremien. Eigentlich können wir es alle besser, und vor allem wir Wissen es alles besser. Nur ein Investor kann uns retten, die stehen ja schon seit Jahren schlange an der Krefelderstraße und klatschen aufmunternd in den Händen das sie endlich einsteigen können. Auch die neuverpflichtenden Spieler sind nur Fallobst, wieso holt man einen Abwehrspieler und keinen Stürmer? Ist aber auch unverschämt das die zu anderen Vereinen gehen statt hier nahezu umsonst zu spielen. Ja, der Fußball Manager ist eben doch einfacher als die Realität. Und die die immer noch vom großen Aufstieg faseln sind nun auch die ersten die den endgültigen Untergang propagieren. Wenn man die mehr als 1.000 Kommentare im Netz ließt was da manche ablassen kann man teils nur mit dem Kopf schütteln in Bezug auf der Verunglimpfung. Sachlich ist man da nur selten. Aber da müssen die Spieler und Trainer durch, denn die Angst vor dem was da noch auf uns zukommt ist im Augenblick real. Niemand kann sich ernsthaft vorstellen wie man Dortmund II in zwei Wochen hier auf dem Tivoli in Schach halten will. Und die kommen mit einer ganz anderen Qualität als der 1. FC Düren. Jetzt gilt es für jeden einzelnen Spieler – Arschbacken auseinander klemmen und endlich 100% geben!
 
Wir Fans leben Alemannia – in guten wie in schlechten Zeiten. Das darf man auch von Spielern erwarten. Mit Leistung und Leidenschaft! Während viele ja ihre Dauerkarte nun nicht mehr verlängern wollen oder erst gar nicht holen wollen, appelliere ich trotzdem. Jetzt braucht die Mannschaft und der Verein uns, genau jetzt! Wenn wieder bessere Zeiten kommen dann kommt viele Hilfe von ganz alleine. Aber das jetzt und hier ist entscheidend. Wir sind die Fans, wir bekloppten schwarzgelben Enthusiasten sind die letzte standhafte Säule der Alemannia die dieses Jahr 120 Jahre alt wird. Und ich will das wir auch noch die 130 Jahre der Alemannia erleben, vielleicht mit einer dann besseren Perspektive. Ich weigere mich einfach zu akzeptieren das wir unsere Alemannia verrotten lassen. Dafür bin ich zulange dabei.
 
 
 
Wie immer ist dieser Artikel nicht frei von Emotionen geschrieben, und wahrscheinlich wird dies und das und welches hier irgend jemanden nicht passen. Aber so ist das nunmal. Meine Ängste und Sorgen manifestieren sich in solchen Artikeln, ob die nun auf Wohlgefallen stoßen oder nicht. Ich weiß es doch auch nicht.   
 
 
 
 

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