Der Mini-Tivoli – Ein Meisterwerk des Modellbaus


 
 
Wer kennt ihn nicht, unseren Mini-Tivoli im Fanshop? Gesehen haben ihn bestimmt schon viele. Aber woher er kommt und wieso er überhaupt noch da steht wo er steht vielleicht weniger. Denn hinter diesem imposanten Modell im Maßstab 1:87 steckt eine schöne Geschichte dahinter, über die Idee bis hin zur Umsetzung von liebevollen Details. Am Ende entbrannte sogar ein Streit um den Mini-Tivoli der Folgen hatte, aber nicht zur Folge hatte das er für immer aus dem Blickfeld der Fans verschwand.
 

Der Tivoli hat es verdient, ein Denkmal zu bekommen. Dieses Modell wird ihm viel gerechter als eindimensionale Fotos oder Bilder

Baumeister Ralf Gellings

 
Aber fangen wir von vorne an. Bei dem legendären DFB-Pokalspiel Alemannia Aachen – FC Bayern München (2:1) am 4. Februar 2004, als der alte Tivoli wieder Kopf stand nachdem Stefan Blank mit einem fulminanten Schuss aus 25m Bayern Keeper Oliver Kahn überwand, kam Ralf Gellings die Idee diese Szene festzuhalten. Der routinierte Modellbauer, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und im Modellbau schon internationale Preise gewonnen hatte, besorgte sich im Baumarkt entsprechendes Material und erschuf den Ansatz für die erste Tribüne. Die Idee war geboren und der “Bau” des alten Tivoli sollte sich über einige Jahre hin erstrecken.
 
Aus mehr als 200 Fotos, die den alten Tivoli detailliert zeigten, erschuf er für die Nachwelt sein “Baby”. Die Aufbauten der Wälle und Tribünen sind aus Holz und Polystyrol gestaltet, dazu kamen noch viele Materialien wie Drahtgewebe, Leimtücher und Gips. Neben viel Geduld war auch eine Menge Kreativität bei dem Werk gefordert. Es sollte schließlich nicht nur ein Modell des alten Tivoli sein, es sollte auch erlebbar werden. So bietet das Modell ein funktionierendes Flutlicht aus winzigen Leuchtdioden, den typischen Stadion Sound, eine funktionierende Videowand sowie eine komplette Beleuchtung der Außenbereiche. Als besonderes Highlight gibt es im S-Block ein Bengalische Feuer, das mittels eines Raucherzeugers und flackernden roten LED Lichtern unter dem Tribünendach simuliert wird.
 
Was im Frühjahr 2004 begann sollte im Winter 2010 sein Ende finden. Dazwischen lagen fast 6.000 Arbeitsstunden an einem Modell mit den Ausmaßen von 180x160x60 cm das seinesgleichen sucht. Ausgestattet mit viel Liebe zum Detail wuchs der Mini-Tivoli nicht nur in die Breite, auch im Innenleben sollten unter anderem mehr als 4.000 handbemalte Figuren ihren Platz finden. Damit die Fans sich direkt an dem Bau beteiligten konnten entstand die Idee das es nummerierte Eintrittskarten zu kaufen gab, die dazu berechtigten das der Fan sich selbst als Minifigur im Mini-Tivoli verewigen konnte. Natürlich genau dort wo man all die Jahre immer gestanden hat im großen Tivoli. Um der Detailverliebtheit den letzten Schliff zu geben konnte man sogar wählen ob die Minifigur groß, klein, dick oder dünn sein sollte. In Workshops sollte es Anleitungen geben wie die Minifiguren zu bearbeiten und bemalen sind. Selbst aus Bayern gab es einen Fan der davon so angetan war das er gleich 1.500 Minifiguren spendete. Ziel war es das am Ende der Mini-Tivoli, wie sein großer Bruder, mit 20.400 Minifiguren ausverkauft ist. Und wer sich die Sitzplatz-Tribüne und den Spielertunnel genauer anschaut wird unter den ganzen handbemalten Minifiguren vielleicht unseren ehemaligen Präsidenten Horst Heinrichs sowie Hausmeister Krause dort entdecken.

Viele Hände halfen mit, als es galt den Mini-Tivoli vom hohen Norden nach Aachen zur Krefelder Straße zu transportieren und vor Ort wieder zusammenzubauen. Denn der Mini-Tivoli besteht bei solch einer Dimension aus diversen Modulen, anders könnte man ihn nur schwerlich transportieren. So dauerte es nochmal annähernd zwei Wochen bis der Mini-Tivoli fertig aufgebaut war und unter einer entsprechend gefertigten Plexiglashaube sein neues Zuhause fand und bereit war präsentiert zu werden.
 

Ralf Gellings – Erbauer des Mini-Tivoli (Bildquelle Alemannia Aachen)

 
Offiziell wurde der Mini-Tivoli im Dezember 2010, pünktlich zur 110 Jahrfeier der Alemannia, der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Neben dem Museumseck “Aue Pröll” sollte er seinen Platz im Tivoli Fanshop finden. Da ahnte noch niemand das zwei Jahre später der Mini-Tivoli zum Zankapfel wurde zwischen Erbauer und teilen der Fans. Kurz gesagt ging es um die Auseinandersetzungen der Fangruppierungen KBU und ACU, um die Stadiongruppe, ums liebe Geld, Unterstellungen von Eitelkeiten und Selbstdarstellungen bis hin zur Drohung den Mini-Tivoli wieder aus dem Tivoli Fanshop zu entfernen. Denn das wollte der Erbauer des Mini-Tivoli, Ralf Gellings, tatsächlich tun um ein bzw. sein Zeichen zu setzen bei dem Thema zum Umgang mit den beiden betreffenden Fangruppierungen. Die bereits gekauften “Eintrittskarten” sollten erstattet werden, auch darüber entbrannten sich wochenlang eine hitzige Diskussion.
 
Die genauen Gründe und Motivation dahinter sind mir bis heute nicht allesamt bekannt und sollen auch nicht Teil dieser Geschichte sein, müssen aber in dem Zusammenhang erwähnt werden damit sie im Kontext bleibt. Wer die Muße besitzt sich durch diverse Forenbeiträge durchzuwühlen kann das heute noch im alten Alemannia-Forum tun und selbst recherchieren. 
 
Es passierte zum Glück – aus heutiger Sicht – nichts. Der Mini-Tivoli blieb unangetastet im Tivoli Fanshop stehen und irgendwie kehrte rund um das Thema Ruhe ein. Leider ließen sich die ursprünglichen Ideen am Mini-Tivoli am Ende nicht so umsetzen wie sie einmal geplant waren. Weder die Idee der 20.400 Minifiguren noch die nachgestellte Spielszene als Stefan Blank den Ball vorbei Bayern-Keeper Oliver Kahn vorbei schoss zum 1:0, sollte jemals verwirklicht werden. So ist bis heute nur die “Aufwärmphase” beider Mannschaften vor gut 4.000 Minifiguren im Mini-Tivoli zu sehen. Immerhin etwas aus heutiger Sicht.
 
Im Dezember 2015 verstarb Ralf Gellings im Alter von 56 Jahren nach langer schwerer Krankheit. Sein Vermächtnis ist trotz aller Differenzen und zweier Alemannia Insolvenzen immer noch im Fanshop zu bestaunen. Und wenn man heute sieht wie Fans, Kinder und Besucher mit den Augen an der Plexiglasscheibe hängenbleiben, um jenes noch so kleine Detail im Mini-Tivoli zu entdecken, dann weiß man erst was sein Erbauer uns allen Hinterlassen hat. Der Tivoli bleibt auch für nachfolgende Generationen als Mini “erlebbar”, auch wenn sein großer Bruder schon lange abgerissen ist und nur noch auf Bilder und im Herzen existiert.
 
 

 
 
 
 

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