Der Geduldsfaden steht auf Spannung


 
 
Nach dem gestrigen Tag müssen die ganzen Ereignisse und Vorkommnisse irgendwie verarbeitet und geordnet werden. Wie macht man das am Besten? Man schreibt sich die alemannische Seele runter, ehe man noch verrückt wird. Und verrückt sind wir als Alemannia Fans eigentlich schon genug. Aber immer wenn man denkt tiefer und niveauloser kann es ja nicht mehr werden, wird man doch wieder überrascht. Und man wird es ganz langsam leid, sehr leid. Fassen wir den gestrigen Tag kurz bzw. lang zusammen. Was ist passiert?
 
Zu aller erst machte eine Stellungnahme der Karlsbande Ultras (KBU) die Runde in diversen Facebookgruppen der Alemannia. Dort war zu lesen das die Spatzen von den Dächern schon seit Tagen trällern das der alemannische Haussegen enorm schief hängt und man alle Beteiligten aufruft sich an einem Tisch zu setzen. Komisch, von den Spatzen habe ich bisweilen nichts gehört, und Maße mir an zu behaupten das ich soweit gut vernetzt bin das mir etwaiges “zwitschern” schon zu Ohren gekommen wäre. Aber auch in anderen diversen Medien und selbst beim Lokalblatt aus Aachen war nichts zu vernehmen. Es herrschte offensichtliche entspannte Ruhe, soweit man das unter Coronabedingungen und ausgefallen Spielen ausmachen konnte. Also stellte man die Frage an die KBU was denn da los ist und worum es genau geht? Und schon ging die Spekulation kontrovers in Gang ohne jedoch zu Wissen was da im alemannischen Kosmos los ist.
 
Es dauerte bis in den Nachmittag ehe die Aachener Zeitung Licht ins dunkle bringen sollte. Und das was man da las haute einen glatt die Füße vom Boden weg. Zu lesen war von Spielerrevolte, Forderung nach Entlassung des Trainers, Nichteinhaltung des Dienstweges über Sportdirektor, Aufsichtsrat und Hauptsponsor. Da musste man sich erstmal dreimal schütteln weil es wieder einmal so unglaublich klang, und man erinnerte sich stark an die Geschehnisse die sich im Dezember 2015 zutrugen. Letztendlich mündete das Ganz in drei Spielersuspendierungen und ein weiterer Eintrag in der langen Skandalliste der Alemannia.
 

 
Trotz guter sportlicher Ergebnisse, mit dem besten Saisonstart seit 2015, schien es bei der Alemannia alles nach Plan zu laufen. Sogar besser als ursprünglich mal gedacht mit reduzierten Etat und einem Fehlstart erster Güte mit der blamablen Bitburger Pokal Finalniederlage gegen den 1. FC Düren (1:0) und den darauffolgenden Testspielen gegen unterklassige Gegner die nichts Gutes für die neue Saison verheißen sollte. Doch weit gefehlt. Trotz Auftaktniederlage gegen einen der Top-Favoriten der Liga (0:1 gegen BVB II) zeigte man ein starkes Spiel. Es sollte bis zum achten Spieltag der Alemannia (Coronabedingt fielen einige Spiele aus) die letzte Niederlage gewesen sein. So steht man mit 17 Punkten aus acht Spielen mehr als glänzend in der Tabelle dar. Aber anscheinend war dies nur Augenwischerei, denn bereits seit mehr als einer Woche schwillt Ungemach in und um dem Tivoli herum. So konnte man lesen das Spieler an den Sportdirektor herangetreten waren um die Entlassung des Trainers zu fordern. Warum? Das spekulieren wir später. Sportdirektor Thomas Hengen hatte offensichtlich kein solidarisches Gehör und stärkte Coach Stefan Vollmershausen den Rücken.
 

Hier sind Verhaltensregeln, Kompetenzen und die richtigen Wege nicht eingehalten worden. Das muss und wird intern geklärt. Soll ich bei jedem Gegenwind einen Trainer herauswerfen, weil es Spieler, Berater oder Sponsoren so wollen?
– Alemannia Sportdirektor Thomas Hengen –

 
Das passte den Spielern offensichtlich nicht und so ging man zum Alemannia Aufsichtrat mit der selbigen Forderung, und wurde prompt wieder zurückgeschickt zum Sportdirektor. Ein erneutes Vorstellen beim Sportdirektor erschien den Spielern aber zwecklos so das man direkt zum Hauptsponsor Kutsch nach Düren eilte, um sich dort Gehör zu verschaffen. Der, nach eigenen Aussagen in der Zeitung, fand Gehör bei den Spielern und hatte sogar Verständnis nach ihrer Maximalforderung das ein weiteres Zusammenarbeiten mit dem Coach nicht mehr möglich ist. Hallo? Und um den Ganzen Nachdruck zu verleihen spielte man offensichtlich der Karlsbande Ultras diverse Informationen zu um die Maxmimalforderung auch durch weiteren Öffentlichen Druck zu untermauern. Denn wenn die breite Öffentlichkeit einwirkt hat das eine ganz andere Dimension als das stille Kämmerlein.
 

Sie wollten sich mal Luft verschaffen. Sie wussten nicht mehr ein noch aus. Nach allem, was er gehört habe könne er die Spieler und ihre Forderung verstehen.
– Hauptsponsor Helmut Kutsch –

 
Als Fan wundert man sich was denn da nun abgeht am Tivoli. Die Spieler rebellieren und wollen den Trainer gerne weit weg vom Tivoli sehen, die Alemannia Führung ist verdutzt und mahnt den richtigen Weg an, der Hauptsponsor solidarisiert sich mit den Spielern und Coach Stefan Vollmerhausen – die Hauptperson – hat sich bislang noch nicht öffentlich erklärt. Das wollen die Spieler übrigens vorerst auch nicht weiter tun. Nun soll es Einzelgespräche geben zwischen Spielern und Trainer, der Sportdirektor mahnt zum Zusammenhalt und Loyalität, und bestenfalls soll alles wieder ins Lot kommen ohne Suspendierungen und Nachkarten. Aber der Hinweis “Bei Alemannia darf man arbeiten, hier muss man nicht arbeiten” ist deutlich.

 

 

Und nun? Nun wissen wir das es einen großen gordischen Knoten gibt der eng um den alemannischen Hals hängt und sich schleichend weiter zuzieht. Wenn es am Freitag, beim Auswärtsspiel beim Neuaufsteiger FC Wegberg Beeck, eine Niederlage setzt dann zieht sich der Knoten ganz schnell enger zu. Und seien wir ehrlich, ich erwarte diese Niederlage weil es kein besseres Argument gibt um einen Trainer auf das Abstellgleis zu schieben. Da kann die Vereinsführung noch so große Treueschwüre halten. Desweiteren werden wir Fans und die Medien nun alle Spieler kritisch beäugen wie sich auf dem Platz geben, wie ihre Leistung ist auf und neben dem Platz, wie sich Spieler verhalten wenn sie auf der Bank, Tribüne sitzen oder ausgewechselt werden. Klatschen sie den Trainer ab? Oder eben nicht und geben damit ein Indiz? Wie soll das Ganze weitergehen? Der Hexenjagd sind bereits jetzt Tür und Tor geöffnet. Das Tischtuch wird zerschnitten sein zwischen teilen der Spieler und Trainer. Oder glaubt jemand ernsthaft das ab morgen wieder Friede, Freude, Eierkuchen ist? Mir fehlt dazu die nötige Fantasie.
 

Niemand ist größer als der Verein, keiner ist unersetzbar.

 
Um nicht falsch verstanden zu werden, ohne zu Wissen was die Spieler dazu bewegt sind deren Handlungen und Wege nicht in Ordnung. Man stelle sich das in der freien Wirtschaft vor wo Angestellte statt zum Abteilungsleiter direkt zum CEO gehen und die Bildzeitung informieren? So geht es nun mal nicht, und verdeckte Äußerungen unter Fangruppen streuen auch nicht. Dann soll man Rost und Reiter nennen wenn man es schon publik macht. Und was ist mit dem Trainer Vollmerhausen? Er hat sich noch nicht geäußert zu den Anschuldigungen und ist jetzt schon beschädigt. Soll er es einfach durch gehen lassen, fordert er nicht auch Konsequenzen? Wie will man es schaffen das alle in dieser vertrackten Situation das Gesicht wahren? Den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. Als langjähriger Fan habe ich für meinen Teil mittlerweile die Faxen dermaßen dicke habe das ich kurz davor bin das mir die Spieler samt Verein am Allerwertesten vorbeigehen können! Kaum stellt sich sowas wie Erfolg ein wird auf das zarte Pflänzchen der Hoffnung auf bessere Zeiten gnadenlos rumgetrampelt. Was das wieder für ein öffentliches Bild in und um Aachen herum abgibt? Kein Gutes, und ein nachhaltiges negatives Bild von einem Verein der sich wieder einmal nicht im Griff zu bekommen scheint. Die Forderung an den Verein kann nur lauten – Zuhören, Zusammensetzen, Reden, Aufklären, Maßnahmen ergreifen, und am Ende gehen alle Beteiligten ein Bier trinken und stellen sich wieder in dem Dienst des Vereins und deren Ziele. Es werden spannende Tage und wenige Wochen werden, denn es wird etwas passieren. Auf die eine oder andere Art und Weise. Zurück bleibe ich mit einem unguten Gefühl in der Magengrube und einen weiteren Punkt in der alemannischen Skandalskala.
 
Nur der TSV!!!
 
 
 
 

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Ein Gedanke zu „Der Geduldsfaden steht auf Spannung

  1. Advent – Zeit der Erwartung …
    Entweder sieht irgendeine Gruppierung, in der ungewohnt seriösen zurückhaltenden Art der aktuellen Führungscrew, sozusagen zunehmend ihre Felle schwimmen oder Irgendwer, samt Gefolge, möchte ((zurück(?)) in die Kommandozentrale? Ich möchte auf der Stelle tot umfallen, wenn die jüngsten Finanzhilfen des Landes NRW nicht den eigentlichen Hintergrund hierfür liefern.

    Indirektes Kompliment an die gesamte Führungscrew
    Als die Karre – total verfahren – bis zur Achse im Morast stand, schien man froh dass sich ‘Dumme’ fanden, den schwierigen unattraktiven Job zu übernehmen. Schließlich galt es, kleine Brötchen zu backen. Jetzt, praktisch zeitgleich mit der ‘Frohen Botschaft’, bricht urplötzlich/zufällig Irgendwer einen absurden Konflikt vom Zaun? Allein die Art und Weise, wie (un-)geschickt das eingefädelt wurde, lässt Böses erahnen. Andererseits aber auch, dass die aktuelle Führungscrew unterschätzt wird.

    PS:
    „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende“. – Oscar Wilde

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