Denn sie wissen nicht was sie tun


 
 
Abbruch der Regionalliga West wird kommen – Verbände handeln eigenständig – DFB schaut tatenlos zu
 
Einen Tag vor der Telefonkonferenz der Regionalliga Vertreter mit dem Westdeutschen Fußball Verband (WDFV) berichtete die Westdeutscher Rundfund (WDR) im Rahmen der WDR Lokalzeit Aachen bereits das laut WDR Informationen 16 von 18 Regionalliga West Vertreter sich für einen Abbruch der Regionalliga West Saison 2019/2020 ausgesprochen haben. Demzufolge würde der SC Verl (als Tabellenzweiter) in die 3. Liga aufsteigen (da Spitzenreiter SV Rödinghausen keine 3. Liga Lizenz beantragt hat) und es gäbe in der Liga keine Absteiger. Diese Meldung ging natürlich sehr schnell rum und sorgte für unterschiedliche Diskussionen in und außerhalb vom Social Media.
 

Die Zeit der Glaskugelkalkulationen muss vorbei sein

Alemannia Geschäftsführer Martin vom Hofe

 
Am Mittwoch (21. April 2020) in der Telefonkonferenz des WDFV mit den 18 Regionalliga West Vertretern wurde der Abbruch der Saison zwar nicht verkündet, aber die Weichen dahin gestellt. 16 von 18 Vertretern stimmten einen vorzeitigen Abbruch der Saison zu, unter anderem auch Alemannia Aachen. Zwei Vereine scherten aus, Rot Weiss Essen stimmte dagegen und die U23 aus Mönchengladbach enthielt sich der Stimme. Die endgültige Entscheidung wird im Mai fallen, wenn das Präsidium des WDFV grünes Licht für den Verbandstag gegeben hat. Zunächst muss Rechtssicherheit bestehen, ähnlich wie in Österreich wo mittels eines Gutachten die Saison abgebrochen wurde und das Klagen der Vereine erschwert wurde. Die Verbandsvertreter müssen jetzt prüfen, welche Lösung juristisch in Bezug auf mögliche Haftungsansprüche infrage kommt. Sollte es so kommen würde es keinen Absteiger geben, ähnlich wie in den unteren Ligen. Weiterhin wurde beschlossen das die neue Spielzeit 2020/2021 im September starten soll, da bis zum 31. August 2020 alle Großveranstaltungen untersagt sind. Die Vereinsvertreter hatten sich darauf verständigt dass es keine Absteiger geben soll und die Regionalliga West in Abhängigkeit von den Entscheidungen der 3. Liga und der Mittelrheinliga zur nächsten Saison die Liga aufgestockt werden soll. Somit würde die Regionalliga West mit 21 oder 22 Teams in eine neue Saison starten. Ebenfalls wurde betont das die 3. Liga eingleisig bleibt, und somit das vor einigen Tagen favorisierte Positionspapier einer zweigeteilten 3. Liga mit 40 Mannschaften damit ausgeschlossen wurde. Nach rund einer Stunde war die Videokonferenz bereits beendet, denn schnell war klar das Geisterspiele weder gewünscht noch durchführbar wären. Alemannia bezifferte die Kosten alleine für die Coronatests mit 75.000 Euro. Zuviel für die Alemannia und übrigen Regionalligisten die seit Wochen ohne Einnahmen dastehen. Für Alemannia Geschäftsführer Martin vom Hofe gibt es nun Planungssicherheit, auch wenn der offizielle Beschluss noch aussteht. “Wir haben einen klaren Arbeitsauftrag formuliert. Die Zeit der Glaskugelkalkulationen muss vorbei sein“.
 

 
Was bedeutet das nun für die Vereine? Der SC Verl darf sich heimlich auf die 3. Liga freuen. Der Verband erklärte, dass “die Ist-Situation” bewertet wird, und da liegt der SC Verl aufgrund des Drittliga-Verzichts des SV Rödinghausen in der Regionalliga West vorne. Die Verler hätten nach den bislang diskutierten Varianten (Wertung der aktuellen Tabelle, Wertung nach der Hinrunde oder Wertung nach Punkte-Quotient) im Vergleich zu den direkten Verfolgern Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen jeweils die Nase vorn. Aber, normalweise hätte der Regionalliga West Meister noch in einem Aufstiegsspiel um den Platz in der 3. Liga gegen den Meister der Regionalliga-Nordost ausspielen müssen. Bisweilen kann niemand die Frage beantworten wie ein solches Spiel ausgetragen werden soll und auch wann. Im Umkehrschluss hieße das, falls dem SC Verl der direkte Aufstieg ermöglicht werden würde, das auch der Meister der Regionalliga Nordost in die 3. Liga aufsteigen würde, neben dem 1. FC Saarbrücken aus der Regionalliga Südwest, Türcgücü München aus der Regionalliga Bayern sowie dem VfB Lübeck aus der Regionalliga Nord. Unter dem Strich würden dann fünf Teams in die 3. Liga aufsteigen. Die 3. Liga indes ist noch garnicht fertig mit ihren Überlegungen wie die Saison 2019/2020 zuende gespielt wird und beharrt auf maximal vier Aufsteiger. Sollte auch hier ein Abbruch erfolgen, mit der Konsequenz das es keine Absteiger gibt, würde die Liga in der neuen Saison mit 22 Teams starten müssen. Deshalb gab es den klaren Wunsch aller Beteiligten das eine einheitliche Regelung für alle fünf Regionalliga-Staffeln erreicht werden muss. Eine zweigleise 3. Liga wurde seitens der Vereine mehrheitlich abgelehnt.
 
Seid der Saisonunterbrechung ist für alle Vereine der Regionalliga West ein riesiger finanzieller Verlust zu verkraften, u.a. steht Alemannia Aachen bereits seit Anfang Februar ohne Einnahmen aus Heimspielen da. Aus den verbliebenen fünf Heimspielen, zu denen es nun nicht mehr kommen wird, muss auch die Zeit bis frühestens September 2020 überbrückt werden ehe wieder Einnahmen fließen werden. Staatliche Hilfe ist noch nicht zu erwarten, auch der Deutsche Fußball Bund (DFB) hält sich zurück und verweist darauf das er als “gemeinnütziger” Verein nicht aushelfen kann. Schade, wo man doch so gerne die Amateurfahne jedes Jahr hochhält und betont wie wichtig ihm doch seine Amateurevereine sind. Offensichtlich zählt das nicht in Krisenzeiten. So muss sich nun jeder Klub selber helfen, sei es in Form von Geistertickets, Versteigerungen von Trikots, oder sonstigen Möglichkeiten Einnahmen zu generieren. Abhängig ist man natürlich auch weiterhin von den Sponsoren die nun hoffentlich bei der Stange bleiben und den Verein (vorerst ohne Gegenleistung) unterstützen müssen. Daneben werden sich der eine und andere Verein noch Regressforderungen entgegen sehen, wie zum Beispiel bei den Dauerkarten wo der Gegenwert über teils 5 Spielen fehlt und zurückgefordert werden kann. Der Alemannia Fanclub Black Eagles hatte hierzu bereits einen Aufruf gestartet das man seinen Verzicht auf Ansprüche gegenüber der Alemannia per E-Mail durchführen soll.
 

 
Und wie sieht es im Bitburger Pokal aus? Dort wurde die aktuelle Pokalrunde ebenfalls unterbrochen, die Halbfinalpartien und deren Auslosung stehen noch aus. Der Fußball Verband Mittelrhein (FVM) hat sich bislang nur dahingehend geäußert das die Spiele und das Finale am 23. Mai verschoben werden müssen. Wenn die Möglichkeit besteht sollen im Juni in einem Rutsch die Partien durchgeführt werden, damit die teilnehmenden Vereine wie Alemannia Aachen, FC Arnoldsweiler, 1. FC Düren und FC Pesch Planungssicherheit haben. Im Hinblick auf die finanzielle lukrative Qualifikation zum DFB-Pokal 2020/2021 ist auch dieser Wettbewerb für die Alemannia emens wichtig, zumal man als Titelverteidiger die Möglichkeit hätte den Pokal zu verteidigen und sich erneut für die erste Runde im DFB-Pokal zu qualifizieren. Im Gegensatz zu den Meisterschaftsspielen könnten hier tatsächlich die Halbfinalspiele samt Finale als Geisterspiele ausgetragen werden.
 

Eine bundeseinheitliche Lösung ist schwierig, jeder Verband muss seinen eigenen Weg gehen. Wir sind der siebtgrößte von 21 Verbänden und haben das Selbstbewusstsein, unsere eigene Position zu vertreten

Bernd Neuendorf, Präsident des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM)

 
Als unterer Verband des Westdeutschen Fußball Verbandes (WDFV) schert man aber mit der gestrigen Erklärung nun aus und will für seinen Bereich die Spiele ab Mittelrheinliga abwärts aussetzen bis zum September. Danach soll die Saison 2019/2020 zuende gespielt werden, ob nun früher oder später oder sogar erst Anfang 2021. Die Flexibilität will man sich erhalten weil natürlich noch niemand vorhersagen kann wie die Lage im September aussieht. Das steht natürlich im krassen Widerspruch zu der möglichen Entscheidung in der Regionalliga, sowie dem Wunsch vieler Vereine und anderen Verbänden unter dem WDFV die einen Abbruch befürworten. Die Argumentation des FVM ist hier nicht schlüssig wenn sie argumentiert das die rechtlichen Problemen wegen Auf- und Abstiegs geringer wären als die möglichen rechtlichen Konsequenzen bei einem Saisonabbruch. Das letzte Wort sollen aber die rund 1100 Vereine aus den neun dem FVM angehörenden Fußball-Kreisen haben, die von Freitag bis Sonntag per Videoschalte informiert werden und von Montag bis Mittwoch ihre Meinung dazu kundtun können. Die endgültige Entscheidung wollen Präsidium und Beirat des FVM Anfang Mai treffen. Wie problematisch das ganze werden könnte zeigt sich im Detail. Falls die Regionalliga West ihre Saison abbricht und im September die neue Saison startet, und der FVM ihrerseits ab diesem Zeitpunkt die Saison im Mittelrhein fortführen möchte, kommen die Probleme offen zu Tage. Denn was passiert mit den beiden Vereinen aus dem Mittelrhein die in die Regionalliga West aufsteigen könnten? Dies würde aktuell den FC Wegberg-Beeck und den 1. FC Düren betreffen. Hier will der Verband den Dialog suchen, wobei die Frage ist wie dieser enden soll in einer Lösung? Werden die Vereine vorher ausgekoppelt aus der Mittelrheinliga, wird ausgewürfelt wer aufsteigt oder steigen beide auf? Oder treten sie nachträglich in einer Regionalliga West bei während dort die Saison bereits läuft? Auch bei den Verträgen die am 30. Juni enden, sowie den Wechselfristen der Spieler und Trainer und nicht zuletzt Jugendspielern in den Altersklassen die in einen anderen Verband wechseln wollen. Das schiebt man erstmal beiseite und setzt einfach auf Zeit, die man aber nicht hat und die Vereine samt Spieler im Unklaren läßt. Alles wird abgebügelt das man irgendwo und irgendwie eine Lösung finden wird.
 
An dieser Stelle zeigt sich übrigens wie der große DFB (Deutscher Fußball Bund) hier als oberster Dachverband auf ganzer Linie versagt. Statt sich um seine Amateure zu kümmern und Entschdeidungen vorzugeben, damit die Landesverbände auf einer Linie agieren, hält man sich charmant zurück und überläßt den Landesfürsten die Entscheidungen. Diese wissen das natürlich zu nutzen und eigene Interessen zu vertreten. Das Chaos ist hier vorprogrammiert und geht auch über WDFV Verband hinaus bis in die anderen Landesverbände im Süden und Norden des Landes. Auch der bayerische Fußball Verband (BFV) hat gestern entschieden das man im September die Saison fortsetzen wird, und die Regionalliga Bayern nicht den Entscheidungen des BFV unterliegt. Wenn es so kommt wird der Fußball unterhalb der 3. Liga auf Jahre hinaus mit diesen ganzen Chaos leben müssen.
 

Fuat Kilic verläßt die Alemannia am Ende der Saison als Rekordtrainer mit 1.642 Tagen

 
Eine ganz andere Sache wird sein wie und ob wir uns in irgendeiner Form von Fuat Kilic und den Spielern die uns verlassen werden noch verabschieden können. Gerade Fuat Kilic, als längster amtierender Trainer der Alemannia, ist es ganz bitter das er nicht so verabschiedet werden kann wie es eigentlich bedurft hätte. Nach 1.642 Tagen am Tivoli sagt man nicht einfach “Tschöö mach et jott”. Aber die Umstände sind leider so wie sie momentan sind. Hoffentlich wird ihm und seinen Mannen wenigstens noch die Titelverteidigung im Bitburger Pokal ermöglicht. Ob als Geisterspiel, ausgewürfelt oder wie auch immer. Ebenso wird die Saisonplanung 2020/2021 dieses Mal anders verlaufen als in den vorherigen Jahren. Sponsoren müssten viel länger finanzieren ohne den Gegenwert zu bekommen, Spieler könnten erst kurzfristig verpflichtet werden wenn sicher wann gespielt wird und überhaupt wie die ganzen Rahmenbedingungen im Herbst 2020 aussehen werden. Mit einem Abbruch der Saison werden zumindest einige Unwägbarkeiten ausgeräumt, Verträge enden pünktlich zum 30.06.2020 und beginnen zum 01.07.2020. Das würde dann auch dem neuen Trainer Stefan Vollmershausen entgegen kommen der seinen Dienst dann pünktlich antreten könnte. Wann allerdings eine Sommervorbereitung oder überhaupt ein normales Training wieder stattfinden kann, steht natürlich bis jetzt noch in den Sternen. Auch ist bislang unklar ob im September wieder mit Zuschauer im Stadion gerechnet werden darf, die Deutsche Fußball Liga hat ihre Vereine in den ersten beiden Ligen dazu aufgerufen besser auch mit den ersten Monaten im neuen Jahr 2021 ohne Zuschauer zu planen. Das wäre natürlich für uns im speziellen und für die Regiopnalligen als Ganzes natürlich fatal. Das Coronavirus wirft alles durcheinander, und es bleibt zu befürchten das der Fußball so wie wir ihn bislang kannten auf langer Sicht eingeschränkt bleiben wird, mit allen gravierenden Folgen für die Ligen die nicht am großen Fleischtopf hängen. Die nächsten Monate werden spannend bleiben – für alle Beteiligten.
 
 
 
 

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