Das Fazit zur Winterpause

 
Alemannia konstant im Mittelmaß

 
 
Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende entgegen, das letzte Spiel vor der Winterpause wurde erfolgreich mit einem Auswärtssieg beendet. Nachdem das letzte Heimspiel gegen den Wuppertaler SV am letzten Wochenende verloren ging mit 1:2, konnte man bei der Zweitvertretung der Düsseldorfer Fortuna mit 3:2 gewinnen. Trotz eines frühen Tores, und einem darauffolgenden Rückstand drehte die Alemannia am Ende das Spiel. Zusammengefasst war die Hinrunde, plus die ersten beiden Spiele der Rückrunde, für die Alemannia und deren Fans eine mittelmäßige Spaßbremse. Statt der großen Euphorie am Saisonanfang wurde schon am ersten Spieltag das Spiel in Wuppertal vermurkst. Nach dem mageren 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf II war schon Tristesse angesagt. Einzig das DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen war trotz des 1:4 ein Höhepunkt dieser Hinrunde. Meistens jedoch passten die eigenen Ansprüche nicht zu den Spielen und schwerwiegend kam noch hinzu das die Form einiger Spieler konstant unkonstant blieb. Spieler die letzte Saison die große Stütze waren, suchten ihre Form und fanden sie selten auf dem Platz.

 


 
Die Probleme der vorherigen Saison sollten auch weiterhin die alten bleiben. Die Chancenverwertung blieb und bleibt das große Übel, zuviele Chancen verpuffen ungenutzt. Selten legte man eine Kaltschnäuzigkeit an den Tag wo das Chancenverhältnis gemessen an den Toren gleich war. Mit viel Hoffnung wurde der Zweitbeste Torjäger der vergangenen Spielzeit verpflichtet, aber auch er brauchte lange bis zum ersten Tor. Und als er endlich traf verletzte er sich schwer und sollte ein halbes Jahr ausfallen. Ein neuer Torjäger musste her, einer der sofort weiterhilft und möglichst nichts kostet. Aber das ist die Krux im System, ein Torjäger der sofort weiterhilft kostet halt und wird von ganz vielen Vereinen händeringend gesucht. So hechelte man frühzeitig der Konkurrenz hinterher und belegt am Jahresende einen doch mageren 7. Tabellenplatz im Niemandsland der Tabelle.
 
Probleme gibt es diese Saison an allen Ecken und Enden innerhalb und außerhalb der Mannschaft. Je kleiner der Gegner desto schwerer tut sich die Alemannia mit ihm. Kommt dagegen ein Top-Favorit bzw. spielt man gegen diesen, dann zeigt die Alemannia meist ein anderes Gesicht und spielt auf Augenhöhe. Das tat man gegen den SV Rödinghausen, Rot Weiß Oberhausen und SC Verl. Beim Westschlager in Essen allerdings ging man einfach mit 3:0 unter. Der unrühmliche Höhepunkt fand sich dann auch im letzten Heimspiel wieder, als man gegen den Wuppertaler SV im ersten Rückrundenspiel alles besser machen wollte als in der Hinrunde. Mit 15 sieglosen Partien war ein Sieg natürlich vor dem Spiel nur eine reine Formsache. Am Ende stand man mit einer 1:2 Niederlage auf dem Platz und konnte sich nicht erklären wieso. Es muss wohl doch mit Motivation, Anspruch und Einstellung zu tun haben, wenn selbst Spieler vorher von einem deutlichen Sieg ausgehen. Aber auch dieses Phänomen ist schon seit Jahren zu beobachten, statt 100% Leistung reichen bestimmt in solchen Spielen auch 70% oder weniger. Hinter vorgehaltener Hand gilt die Alemannia seid jeher als Steigbügelhalter für erfolglose Vereine die sich hier ihr Vertrauen zurückholen.
 
Ein weiteres Phänomen der Hinrunde sind die Standards und im besonderen die Ecken. In fast jedem Heimspiel hat man 9-12 Ecken, und es kommt einfach nichts dabei herum. Man könnte die Ecke auch gleich ins Aus schießen, denn diese sind an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Sie kommen zu kurz, zu hoch, zu weit. Nichts was man daraus machen könnte. Was mal früher eine Stärke der Alemannia war, ist diese Komponente mittlerweile total verloren gegangen. Ebenso die Fernschüsse, auch diese wurden mal am Anfang ausgepackt mit großen Erfolg. Mittlerweile scheint sich kaum einer mehr zu trauen den Ball mal aus 20m einfach mal auf das Tor zu zimmern. Aber im letzten Spiel vor der Winterpause klappte es dann wenigstens doch noch mit der Ecke und dem Kopfballtor.
 
Kommen wir zur Erwartungshaltung. Ja, Trainer Fuat Kilic hat sich vor der Saison ganz weit aus dem Fenster gelegt. Und die Spieler wie auch wir Fans haben es dankbar angenommen. Allerdings haben die, an denen diese Botschaft gerichtet war, leider darauf gar nicht reagiert. Die Sponsoren ließen die Geldbörse zu. Nachdem der Fehlstart hingelegt war bekam Fuat Kilic es zu spüren. Seine Arbeit wird offen in Frage gestellt, sein Vertrag läuft aus, aus Sicht vieler gibt es keinen Grund diesen weiter zu verlängern. Zudem hatte Fuat Kilic unlängst selbst gesagt das er auf die Regionalliga keine Lust mehr hat, nur ein Aufstieg in die 3. Liga mit der Alemannia könnte sein Bleiben garantieren. An diesen Worten wird er nun von Spieltag zu Spieltag erinnert, gerne würden einige sehen wenn er sich schon in der Winterpause vom Acker macht. Aber auch Fuat Kilic musste lernen dass das dicke Fell doch manchmal brüchig ist, als er genau jene “die es immer besser Wissen” mit drei Gramm Gehirn titulierte. Da fühlten sich plötzlich ganz viele angesprochen und eine Entschuldigung per Stellungnahme war von Nöten, ehe sich die Gemüter wieder beruhigten.

 


 
Neben der Causa in der Trainerfrage gibt es noch einen Spieler bzw. Torwart der im Fokus der Fans kritisch beäugt wird. Ricco Cymer wurde als Nummer 1 gesetzt, nachdem das Trainerteam und Torwart-Trainer sich für ihn aussprachen. Die Nummer 2, die zuvor bei Fortuna Köln die Nummer 1 in der dritten Liga war, sollte es nicht werden am Ende der Vorbereitung. Zu spät war er erst gekommen, den Abstieg laut Trainerteam noch nicht verarbeitet. Und dann kam noch sein Pech dazu das eine schwere Verletzung im Training das Hinrunden Aus bedeutete. Ricco Cymer zeigt und zeigte Defizite, auch im letzten Spiel bei Fortuna Düsseldorf. Ein kleiner Patzer hier, ein zu langes zögern dort und das Spiel schnell machen ist auch nicht seine Sache. Dazu kommt das er vielen zu Arrogant wirkt, gepaart mit den vielen kleine Kritiken ufert es mehr und mehr zu Unmutsbekundungen aus. Da kann er selbst mal stark parieren oder einen “unhaltbaren” halten. Auch das wird ihm mittlerweile konsequent negativ ausgelegt. Das ständige Gemotze und Pfeifen trägt wahrlich nicht dazu bei das er Rückendeckung erhält. Man erinnert sich an letzter Saison, wenn Spieler oder Torhüter depressiv wurden weil der Druck so hoch war. Und war umso mehr überrascht als es den eigenen Torwart erwischte, der auch nicht den besten Stand in der Fangemeinde hatte. Als raus kam das Torhüter Niklas Jakusch ebenfalls eine depressive Phase durchmachte und außer Gefecht gesetzt war, machte sich Betroffenheit breit und man solidarisierte sich mit ihm. Als er gebraucht wurde war er wieder da und feierte mit dem Team den Sieg im Bitburger Pokalfinale 2019. Aber das ist ja wieder lange her. Die Torwartposition ist eh ein Schleudersitz bei der Alemannia. Richtig heimisch wurde niemand mehr seit dem Weggang von Freddy Löhe.

 


 
Was bleibt? Ein unentspannte Rückrunde mit vielen Baustellen die bearbeitet werden müssen. Angefangen von der Suche nach einem Sportdirektor, der mit Hilfe vom neuen Berater Peter Hermann gefunden werden soll, bis hin zur möglichen neuen Trainersuche. Der muss aber schon schnell gefunden werden damit die Planungen für die neue Saison bereits frühzeitig angegangen werden können. Ganz zu schweigen von Vertragsverlängerungen einiger Spieler und Transfers für die neue Saison. Als letzten Höhepunkt darf man wohl den Bitburger Pokal zählen, deren Titelverteidigung im Bonner Sportpark mitte Mai 2020 nur noch eine Formsache darstellen dürfte. Nachdem gänzlich alle “Favoriten” sich aus dem Pokal verabschiedeten, ist die Alemannia als letzter Klassenhöchster Verein vertreten. Die verbliebenen Mittelrheinligisten sind zwar nicht zu unterschätzen, dürfen aber kein Hindernis darstellen zur dringend benötigten Qualifikation zur ersten DFB-Pokal Hauptrunde. Und hier schließt sich wieder der Kreis mit der Motivation, dem Anspruch und die Einstellung der Spieler. Die Titelverteidigung im Bitburger Pokal könnte die Saison 2019/2020 noch retten, und vielleicht diesmal die dringend benötige Euphorie zur neuen Saison 2020/2021 entfachen. Aber dazu muss man Anfang Februar beim Favoritenschreck FC Hennef 05 den Grundstein legen, bei jenen Mittelrheinligisten der Drittligist Viktoria Köln sensationell eliminierte auf dem Weg nach Bonn. Das sollte Warnung genug sein.
 
Auch wenn die Saison eigentlich gelaufen ist kann man dennoch Werbung in eigener Sache machen und vielleicht am Ende doch ein paar Plätze in der Tabelle gut machen. Und auch wir Fans sollten weiter hinter der Mannschaft stehen in der Rückrunde. Es sind noch genug Punkte zu vergeben, und es gibt ja doch noch einige lukrative Spiele am Tivoli. Schauen wir gespannt was sich in der ersten Jahreshälfte 2020 so tut bei und neben der Alemannia. Aber zunächst sammeln wir Kraft in der Winterpause, genießen die besinnlichen Feiertage ehe wir uns wieder mit der Liebe unseres Lebens beschäftigen. Zeit einfach mal Inne zu halten.
 
 
 
 

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