Corona und die Folgen – Es geht es um die Existenz


 
 
Um eins von vornherein klarzustellen. Die Gesundheit eines jeden einzelnen steht im absoluten Vordergrund. Die Folgen vom Coronavirus (convid19) werden immer sichtbarer, hörbarer und spürbarer. Das öffentliche Leben ist eingeschränkt, soziale Kontakte sollen auf ein absolut notwendiges Minimum heruntergefahren werden. Bilder von leeren Regalen, leergefegten öffentlichen Plätzen und Orte sind uns im TV nun allgegenwärtig. Klopapier hat mittlerweile das Gold abgelöst als wertvollsten Rohstoff, die Hamsterkäufe sind jeden Tag zu beobachten wo sich die Panik breit macht – vor einen Monat noch unvorstellbar.
 
Wie bei allem anderen leidet natürlich auch der Sport darunter. Die Verschiebung der Europameisterschaft 2020 ist unausweichlich, und wird um ein Jahr verschoben damit die Bundesliga und die übrigen Ligen Zeit genug bekommen den Ligabetrieb zu beenden. Während die Vereine in der Belletage der oberen Ligen um wichtige TV Einnahmen fürchten die ausbleiben, beginnen die ersten Vereine um ihre nackte Existenz zu kämpfen.  Die, die eh schon viel haben und an den Fleischtöpfen der Millioneneinnahmen hängen klagen bereits gewaltig welche Folgen es haben wird wenn die Bundesligen und internationalen Spielen nicht spätestens in vier Wochen weitergehen. Auch wenn es Geisterspiele werden, die Spiele müssen stattfinden – sonst ist die eigene Existenz bedroht.
 
Da kann man als Fan eines Regionalligisten nur laut drüber lachen. In Zeiten wo schon mittelmässige Spieler astronomische Ablösesummen erzielen muss man sich Fragen wie es denn im Unterbau unterhalb der beiden ersten Ligen zugeht? Selbst die 3. Liga bekommt zumindest noch ein Kleckerteil an TV-Geldern zugestanden (der im Verhältnis ein Tropfen auf dem heißen Stein ist) während es ab den Regionalligen nichts mehr gibt, außer ein festgesetztes kleines Sümmchen das nicht mal die Würstchenbude im Stadionumlauf deckt. Fast alle Vereine sind angewiesen auf Zuschauereinnahmen, Einnahmen aus dem Catering und Einnahmen aus dem Merchandising. Und gerade jetzt fehlen diese und sind für Klubs in der Regionalliga existenzbedrohend. Alemannia und Rot Weiß Oberhausen beziffern ihren Ausfall auf rund 400.000 Euro, wenn die noch ausstehenden Heimspiele nicht mehr absolviert werden. Rot Weiss Essen, die mit einem ordentlichen Etat diese Saison ausgestattet sind, beziffern ihre Verluste schon auf 2.5 Mio Euro. Aber auch alle anderen Vereine müssen schauen wie sie über die Runden kommen, da ist die Insolvenzangst nicht mehr allzu fern. Außer der SC Verl, der dank DFB-Pokal Einnahmen und Gönnern sich anscheinend keine große Sorgen machen muss. Die Verluste bei den ausstehenden und attraktiven Heimspielen gegen Rot Weiss Essen und SV Rödinghausen schmerzen zwar, aber existenzbedrohend sind sie laut eigenen Angaben nicht.
 

 
Da niemand weiß wie lange der Zustand des Stillstands anhalten wird, mindestens aber bis zum 19. April 2020, werden nun die Fans der jeweiligen Vereine kreativ und wollen unterstützen. Alemannia Aachen machte es am Anfang der Saison bereits vor mit dem Erwerb des goldenen Tickets. Vor Saisonbeginn war dieses Ticket dazu gedacht das spielfreie Wochenende in der Liga zu überbrücken. Angesichts von 19 Teams in der Regionalliga West würde jeder Verein ein spielfreies Wochenende haben wo man keine Einnahmen zu verzeichnen hat. Dann kam aber noch der sportliche Rückzug von Wattenscheid 09 dazu, die sich insolvent vom laufenden Spielbetrieb abmeldete. So hatten die Vereine nun statt ein auf einmal zwei spielfreie Wochenenden. Für die Alemannia hatte das zur Konsequenz das nicht nur die drei Punkte vom Auswärtssieg im Lohrheidestadion futsch waren, auch das Heimspiel in der Rückrunde entfiel und die damit verbunden wichtige Einnahmen. Nun wird das goldene Ticket wieder aktueller denn je, für 10 Euro kann man es im Online-Ticketcenter der Alemannia erwerben.
 

Durch eine virtuelle Partie sollen möglichst wegfallende Einnahmen kompensiert, der Spielbetrieb und Arbeitsplätze gesichert werden.

 
Andere Vereine machten es nach und bieten mittlerweile ebenfalls “Geisterspieltickets” oder ein “virtuelles Ticket” an. Rot Weiß Oberhausen verkauft die virtuellen Tickets für 19,04 Euro, zudem erhält jeder Unterstützer eine Original-Eintrittskarte in einem ganz speziellen goldenen Design plus einen Zehn-Euro-Fanshop-Gutschein zum Einlösen auf das neue Trikot der kommenden Saison 2020/21. Fortuna Köln setzt ebenfalls auf die virtuellen Tickets und gibt diese zu den Preisen von 10,00 Euro Stehplatz, 19,48 Euro Sitzplatz, und für 100 Euro VIP ab. Die Fortuna erhofft sich davon ein “volles Haus von rund 9.533 virtuellen Zuschauer. Auch Zweitligist VfL Bochum gab auf einer Fan-Initiative hin ein virtuelles Ticket heraus, als die Begegnung gegen den FC Heidenheim als Geisterspiel stattfinden sollte . Ein Spiel vor leeren Rängen würde dem VfL rund 500.00 Euro kosten, was dann aber nicht stattfand und abgesagt wurde. Trotzdem verkaufte der VfL Bochum 3.000 Geistertickets zu Preisen von 5 Euro, 10 Euro und 19,48 Euro.
 

Wir werden am Dienstag unserer Profi-Mannschaft die Kurzarbeit anbieten. Dann werden unsere Arbeitnehmer nur noch 60 bis 67 Prozent ihres Gehalts erhalten
RWO Präsident Sommers

 
Kommen keine Einnahmen herein wird für viele Klubs der finanzielle Kollaps eintreten. Für unsere Alemannia wäre eine vorzeitige Beendigung der Saison laut Geschäftsführer Martin vom Hofe der finanzielle Ruin. Rot Weiß Oberhausen prognostiziert das viele Regionalligisten in den nächsten Monaten gewaltige Probleme bekommen und sogar die Insolvenz anmelden müssen. Sich selbst will man da nicht ausschließen. Als erste Maßnahme wird man den Spielern Kurzarbeit anbieten. Dann werden alle Angestellten nur noch 60 bis 67 Prozent ihres Gehalts erhalten bei reduzierten Arbeitsstunden. Das entlastet erstmal den Verein, kann aber nur für einen begrenzten Zeitraum durchgeführt werden. Aber wenn nur ein Spieler diesem nicht zustimmt fällt das ganze wieder. Ein Modell auch für andere Klubs? RWO Präsident Sommers spricht Klartext. Wie sollen in den kommenden Wochen neue Sponsorenverträge abgeschlossen werden wenn die Sponsoren abwarten bis die Pandemie vorbei ist. Wann ist sie vorbei, im Mai im Juli oder vielleicht erst im Oktober? Viele Fragen die derzeit allen Klubverantwortlichen gestellt werden und wo es zur Zeit keine Antwort drauf gibt. Kann man auf Hilfe des DFB hoffen? Wenn ja wie sollte diese aussehen? Ein Übergangskredit, ein Fond den es nicht gibt der Notleidende Klubs bedient oder doch aus einem DFL Topf der Top Klubs? Ist man so Solidarisch bin hinunter in den unteren Ligen? Oder gibt es Sponsoren die die Summe finanzieren samt Prämien? Darauf will sich niemand verlassen, genauso wenig das der DFB aushelfen wird. Selbst ist der Verein.
 
Alle Fans und Gönner sind nun aufgerufen zu helfen, sei es durch Kauf von virtuelle Tickets, goldene Tickets oder Geisterspiel Tickets. Auch der Fanshop bietet noch einiges an Einkaufsmöglichkeiten, die meisten aber nur noch via Online. Denn während Vereine wie Alemannia, Rödinghausen, Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiss Essen den Trainingsbetrieb eingestellt und die Fanshops teils schon geschlossen haben, versuchen andere Klubs den Betrieb noch aufrecht zu erhalten. Aber sollte nur ein Spieler von dem Coronavirus befallen werden, so wie  Spieler von Hannover 96, SC Paderborn und Hertha BSC Berlin, dann ist man einkaserniert für die nächsten zwei Wochen. Niemand weiß wie es weitergeht, die Politik schafft Fakten durch Erlässe und Maßnahmen, und der Verband hinkt hinterher. Der Regionalliga West Spielbetrieb ruht offiziell noch bis zum 22. März 2020. Aber niemand glaubt das danach der Ball rollt wo die meisten Erlässe bis zum 19. April 2020 gehen, zum Ende der Osterferien. Und auch dann ist es fraglich ob sofort gespielt werden kann. Und jeder Tag der ins Land streicht kostet den Vereinen Geld das nur die wenigstens haben um laufenden Kosten abzudecken.
 
Wenn euch was an eurem Klub liegt kann es nur eine Lösung geben – kauft jede Woche ein Ticket oder zwei, das hilft dem Verein. Und gleichzeitig sollte man Klarstellen das man als Dauerkartenbesitzer oder VIP auf eine mögliche Rückerstattung der Tickets verzichtet. Denn dieser Anspruch kann entstehen wenn die Saison abgebrochen wird. Dieses mal ist der jeweilige Verein nicht selber schuld, schuld ist ein Virus der unser aller Leben gerade gehörig auf dem Kopf stellt. Natürlich ist der Sport nur eine Nebensache, eine sehr schöne Nebensache. Aber wenn das Virus irgendwann weg ist, mag man nicht dran denken das auch der eigene Verein dann ganz weg sein könnte.
 

 
Hier geht es entlang zum goldenen Ticket der Alemannia, das Ticket berechtigt zwar nicht zum Eintritt ins Stadion, kann aber in einem der nächsten Heimspiele gegen ein Getränk, eine Bratwurst oder eine Portion Fritten eingelöst werden. –> Online-Ticket-Shop der Alemannia.
 
 
 
 

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