Auswärtspunkt in Essen – Hitziges Spiel findet keinen Sieger

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12.097 Fans im Essener Stadion an der Hafenstraße, darunter 2.500 Fans aus Aachen, sorgten für eine zweitligareife Kulisse. So ist das wenn zwei Traditionmannschaften aufeinandertreffen die auch schon bessere Zeiten erlebt haben. Aber der Name lebt und die Fans kommen auch weiterhin. Am dritten Spieltag sollte es schon ein kleines Spitzenspiel werden zwischen den beiden bis dato ungeschlagenen Teams. Die Alemannia reiste mit sechs Punkten im Gepäck an, der “Favorit” aus Essen konnte vier Punkte vorweisen. Heute wurde zwar nicht die Meisterschaft entschieden, aber ein Sieg im Traditionsduell war auch wichtig. Letzte Saison traf man sich ebenfalls früh in der Serie, da reiste Alemannia mit breiter Brust an und wurde mit einem 2:0 verpackt nach Hause geschickt. Das sollte diesmal anders werden, so jedenfalls lautete die Aachener Devise.

 

Einlass zum Gästeblock
Einlass zum Gästeblock

 

Die Anreise nach Essen gestaltete sich völlig unproblematisch. Da es ja voll werden solte an der Hafenstraße war ein frühzeitige Anreise sicherlich nicht verkehrt. Um kurz nach 12 Uhr war man dann auch da, und nach einiger Rumkurverei fand man in der “Aachen Zone” dann seinen Parkplatz. Hier kippten sich schon die ersten Öcher das Gerstensaft in den Hals, in der unsicheren Absicht das es im Stadion nur “alkoholfreie Plörre” gibt. Basierend auf die Vorkommnisse im letzten Jahr, und der angekündigte Aufmarsch der Polizei, war doch irgendwie wenig von der Staatsmacht zu sehen. Und was noch wichtig ist – vor, während und nach dem Spiel blieb es friedlich. Das lag auch daran das Alemannia Fans und Essener gut abgeschottet voneinander waren. Da gelang selbst nach Spielschluss flugs die schnelle Abreise ohne Stau. Wenn man bedenkt wie das bei uns abläuft nach einem Spiel. Das “Einchecken” ins Stadion war auch unproblematisch, freundlich wurde man empfangen vom Essener Sicherheitsdienst.

 

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Das neue Stadion von RWE war für uns “Neuland”, zuletzt war ich noch im alten Stadion vor einigen Jahren. War es das Pokalspiel? Ich weiß es garnicht mehr. Ähnlich wie seinerzeit der Tivoli hat nun auch das neue Essener Stadion jeglichen Charme verloren. Aber andererseits ist es doch eine “schnuckelige Bude” geworden. Keine ausgebauten Ecken, keine Anzeigetafel (eine Anzeigebande im Kleinformat muss hier ausreichen), die Logen spärlich und kleiner als wir es in unserem “Superstadion” her kennen. Da fragten wir uns auch “hätte sowas nicht auch für uns gereicht?”. Denn das Ausbaupotenzial ist ja unweigerlich vorhanden. Aber da es bei uns ja jahrelang Theater gab mit den Anwohnern war die Sache mit den offenen Ecken wohl von vorne herein keine Option beim Thema Lärmschutz. Da sind die Essener Anwohner unweit des Stadions wohl anders gestrickt. Auch die Akustik der Boxen ist im Gegensatz zu unserem Tivoli um zwei längen besser. Man versteht etwas! Auch wenn die Essener einen so beschallen als wäre man in der letzten Stufe der Schwerhörigkeit. Die Auswahl an den Kiosken ist im Gegensatz zu unserem Tivoli bescheiden, und zudem schmeckt die Wurst auch nicht irgendwie lecker. Aber betrachtet man woher wir kommen (aus Richtung Bundesliga mit kleinen Stopp Zweiteliga und dann geradewegs in die Regionalliga) dann sieht man wie gut man es sich hat gehen lassen. Wursttechnisch ist ohnehin die Wattenscheider weit vorne in der Schlemmerkategorie.

 

Aussicht vom Sitzplatz Gästeblock - Wenn man Pech hatte
Aussicht vom Sitzplatz Gästeblock – Wenn man Pech hatte

 

Man denkt ja immer das wir am Tivoli einen “beschissenen” Gästebereich anbieten, wo die gegnerischen Fans “Pech” haben wenn sie zuweit an der Haupttribüne stehen. Denn dann sehen sie nur sehr eingeschränkt etwas vom Spielfeld. Im Sitzplatzbereich des Essener Gästeblocks ist es auch nicht anders, nur schaut man hier durch mehrere Stahlgitter hindurch wenn man Pech hat. Was die Essener sich da fabriziert haben? Das hätte man auch anders lösen können. Da die Tribüne ja nicht ausverkauft war, der G3 Bereich war anscheinend “gesperrt”, setzten wir uns auch mal um – so das man ungehinderte Sicht hatte. Andere die das auch versuchten wurden aber vom “Ordner-Wachund” zurückgepfiffen. Da haben die Essener ein ganz besonderes Exemplar im Gästebereich zur Bewachung abgestellt. Sobald aber auch nur ein Fuß jenseits des Blocks G2 gesetzt wurde, sprang der Wachhund auf und maßregelte laut kläffend die Fans zur Ordnung. Selbst vor kleinen Fans machte er nicht halt.

 

Ordner der Kategorie Wachhund
Ordner der Kategorie Wachhund

 

Das Stadion füllte sich nun merklich, und die Stimmung kam nun langsam in Gang. Der Stadionsprecher verkündete zwar keinen Rekord, aber für Regionalliga Verhältnisse sicherlich imposante 12.097 Fans. Begrüsst wurde Alemannia auch freundlich, und eine kleine Spitze Richtung Alemannia das man im Pokalfinale 1953 mit 2:1 gewonnen hatte durfte natürlich auch nicht fehlen. Im Vorfeld wurde ohnehin viel geschrieben, vom Favorit aus Essen mit seiner runderneuerten Mannschaft mit klarer Zielrichtung die Regionalliga zu verlassen. Wenn möglich schon dieses Jahr. Im nächsten Jahr könnte es da eng werden, denn dann wären wir auch diesem nicht abgeneigt.

 

Prächtige Stimmung im Gästeblock
Prächtige Stimmung im Gästeblock

 

Schlag 14 Uhr gab es dann den Einmarsch der Titanen und nun ging es endlich los. Wie vorher angekündigt durch RWE Coach Fascher legten die Rot Weißen auch los wie die Feuerwehr. Aber schon nach drei Minuten sagtenauch die die “Men in black” einmal guten Tag am Essener Tor. Rafael Garcia passte in die Nahtstelle der Abwehr und Kevin Behrens ließ sich nicht lange bitten und zog ab – Außennetz. Dann aber drückten die Rot Weißen und Alemannia brauchte einige Minuten um sich zu sortieren. Glück hatte man sieben Minuten später, als Ex-Alemanne Tim Hermes (vor neun Jahren Spieler der U23 Alemannia) einen Freistoß an den Pfosten setzte. Die Partie wurde hitzig geführt, mehrere kleine Fouls und Nicklichkeiten führten dann schon nach einer Viertelstunde – nach einigen kleineren – zur großen Rudelbildung mit bitteren Ausgang für RWE. Nach einem Foul von Michael Lejan an Sven Kreyer nahe der  Außenlinie, das Spiel war bereits abgepfiffen, wollte Kreyer den Ball wegspitzeln und traf Lejan zweimal. Der Schiedsrichter fackelte nicht lange und schickte den “Heißsporn” vom Feld.

 

Nach 15 Minuten war für Sven Kreyer der Tag beendet - Rot
Nach 15 Minuten war für Sven Kreyer der Tag beendet – Rot

 

Die Angriffsphase der Essener war damit beendet, und spielte Alemannia unweigerlich in die Karten. Schon herschte die Meinung im Gästeblock – da ist mehr als ein Punkt nun drin. RWE Coach Fascher führte sich nun wie Rumpelstilzchen auf und gestekuklierte wild auf dem Platz herum. Eine neue Ordnung musste nun her. Alemannia übernahm nun optisch das Kommando und die Rot Weißen mussten sich neu sortieren. Die Partie blieb hitzig, man schenkte sich nichts. Ständiges Reklamieren und bei “Feindberührung” zum Boden gleiten prägten das Bild. Die optische Überlegenheit führte nun zu einer guten Chance als Rafael Garcia aus 12m abzog im Strafraum und RWE Keeper Heimann den Schuss mit dem Fuß parierte. Die alte Fußballerweiheit, gegen neun Feldspieler ist es immer schwerer in Überzahl, sollte sich bestätigen. Während unsere Men in black keinen Zugriff im Essener Strafraum fanden, machten die Rot Weißen aus ihrer Lage das Beste. Ein Freistoß von der rechten Seite aus über 30m Entfernung, getreten von Tim Hermes, wurde lang und länger – flog an Freund und Feind vorbei und titschte einmal auf und prallte im Winkel rein zum 1:0 (37.). Die Rot Weißen konnten ihr Glück kaum fassen während die Alemannen schon ein bisschen übertölpelt sich anschauten.

 

Das 1:0 für RWE nach einem Freistoß der zum Torschuss wurde
Das 1:0 für RWE nach einem Freistoß der zum Torschuss wurde

 

Denkbar ungünstiger Zeitpunkt in Überzahl in Rückstand zu geraten. Aber unsere Alemannen spielten weiter und gaben nun Tempo Richtung Essener Tor. So wurden die Rot Weißen zeitweise am eigenen Strafraum festgebunden während Alemannia eine Chance nach der anderen liegenließ. War es am Anfang noch überhastet – Dominik Ernst verstolperte den Ball – kam auch Pech hinzu als ein abgefälschter Ball von Behrens noch vor der Linie geklärt wurde. Am Ende, nach weiteren hochkarätigen Chancen im Minutentakt wurde es fahrlässig. Denn kurz vor dem Pausenpfiff schwärmten die Essener nach einem Kontor aus, und erst Freddy Löhe mit einer guten Parade hielt die Alemannia im Spiel. Ein 2:0 wäre zu diesem Zeitpunkt fatal gewesen.

 

Die Essener Standards waren gefährlich
Die Essener Standards waren gefährlich

 

 

Nach dem Wiederanpfiff sollten sich die Gemüter wieder beruhigt haben, so glaubte man jedenfalls. Während Alemannia die Kontrolle übernahm verlagterte sich Rot Weiß an den eigenen Strafraum und setzte auf Konter – mit der einzigen Sturmspitze marcel Platzek. Doch die Rot Weißen machten klar wie sie die Führung verteidigen wollten. Einwürfe wurden in Zeitlupentempo ausgeführt, das Spiel verlangsamen wo es nur ging. Und gab es eine körperliche Berührung lag man am Boden und reklamierte. Das schaukelte die Gemüter auf dem Platz und auf den Rängen wieder hoch. Als wieder ein Essener am Boden lag, der Schiedsrichter aber auf Weiterspielen entschied, spielte Alemannia auch weiter und beförderte den Ball nicht ins Aus – so wie es eigentlich üblich ist im Fairplay. Während der Essener weiter am Boden lag spielte Alemannia munter weiter zum Ärgernis der Rot Weißen Spieler. Als der Ball zu Dominik Ernst kam ließ er ihn passieren ohne ins Aus zu befördern. Das tat dann Tim Hermes und beide Spieler standen sich Nase an Nase gegenüber bis Hermes zum Kopfstoß ansetzte – selbst der Versuch ist eine Tätlichkeit. Während es nun wieder eine Rudelbildung gab blieb diese Aktion diesmal folgenlos für Essen und Tim Hermes.

 

Immer wieder Rudelbildung
Immer wieder Rudelbildung

 

Alemannia unternahm nun alles und drückte auf dem Ausgleich. Aber das Essener Abwehrbollwerk hielt. Nach Flanke von Michael Lejan konnte am langen Pfosten Kevin Behrens ungehindert abziehen – RWE Keeper Heimann parierte den Ball glänzend über den Kasten. Je länger die Uhr tickte desto mehr sah es einfallsloser aus was Alemannia nun darbot. Wie im Handball ging der Ball nach vorne, quer, links raus, rechts raus, wieder zurück. Man suchte die Lücke, fand sie aber selten. Selten probierte man es, auf dem inzwischen nassen Boden, mit Fernschüssen. Rafael Garcia probierte es aus 18m und traf die Querlatte. Es war zum Haareraufen. Die Rot Weißen kamen selten in die gegnerische Hälfte, meist waren sofort zwei bis drei Abwehrspieler zugegen und sicherten ab. Nach 70 Minuten kam Sahin Dagistan, er hatte bereits zehn Minuten zum Einwechseln bereitgestanden, und löste  Domagoj Duspara ab der wiedermal über eine Stunde vorne rumackerte.

 

Der Joker stach - Sahin Dagistan mit dem 1:1
Der Joker stach – Sahin Dagistan mit dem 1:1

 

Kaum war drin hatte er seine Mission schon erfüllt. Ein Flankenlauf von Dominik Ernst über die rechte Seite fand den Kopf von Sahin Dagistan, der entgegen der Laufrichtung von RWE-Keeper Heimann zum 1:1 ins lange Eck einköpfte. Die mitgereisten 2.500 Alemannia Fans jubelten nun ausgelassen, denn endlich war die verdammte Pille drin! Nun sollte aus dem möglichen einen Punkt ein Dreier werden. Alemannia lief weiter an, und Essen stand wie eine Mauer hinten drin und hielt dicht. Dennoch hätte sie beinahe den tödlichen Nadelstich gesetzt, als ein Konter nicht von Alemannia unterbunden wurde. Essens Cebio Soukou vernaschte an der Eckfahne zwei Alemannen und zog von der Grundlinie Richtung Tor. Der Pass im Rücken der Abwehr glückte und war wohl zu überraschend für Studtrucker der freistehend in den Gästeblock schoss. Nach 93. Minuten pfiff der nicht immer souveräne Schiedsrichter die Partie ab, die Gemüter hatten sich beruhigt und beide Seiten waren letztendlich zufrieden mit dem Punkt. Der Klassiker hielt das was er versprach, die unterschiedlichen Sichtweisen waren bei Facebook kontrovers diskutiert. Das wichtigste aber war – es blieb friedlich. Man freut sich schon auf das Rückspiel am Tivoli. Dort begrüsst man am kommenden Samstag um 13 Uhr Fortuna Düsseldorf II.

 

Ein Team - weiter ungeschlagen
Ein Team – weiter ungeschlagen


Bewegte Bilder zum Spiel      (Quelle: reviersporttv)

Einlauf der Mannschaften          (Quelle – Manni)

 

 

Bilder vom Spiel:

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Holzstühle für die Gästetrainer – Da sitzt man bei uns ja Fürstlich am Tivoli

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