Als der alte Tivoli umgebaut werden sollte


 
 
Im Zuge meines “10-Jahre neuer Tivoli Rückblick” möchte ich noch ein Stadionmodell vorstellen, das weder am jetzigen Standort noch auf dem Gelände des jetzigen Porta-Möbelhauses realisiert werden sollte. Nein, es sollte ein Umbau des alten Tivoli an alter Stelle erfolgen. Die Pläne hierzu waren seinerzeit schon weit gediehen.
 
Ja, es gab tatsächlich im Jahre 2000 die Überlegung den alten Tivoli am alten Standort umzubauen, um ihn damit fit für die Zukunft zu machen. Die Älteren unter uns werden sich sicherlich noch daran erinnern. Die Stadionpläne wurden damals, nach meinem Gefühl,  zwar etwas kurz und knapp seitens Alemannia vorgestellt, und verschwanden mit dem Wechsel des Alemannia Präsidiums schnell wieder in der Schublade wo sie nie mehr herauskamen. Zuvor konnte man sich allerdings die Pläne und das Stadionmodell im Rathaus anschauen. Wenn man sich das Stadionmodell näher betrachtete hatte es tatsächlich Scharm und Ästhetik, und war sicherlich im Einklang seiner Zeit der modernen Stadien zu finden. Futuristisch kam es daher, und sollte allen Komfort haben den ein neues Stadion so mit sich bringt.
 
Man mag sich sogar heute kaum vorstellen was daraus geworden wäre und wir statt im neuen Tivoli im neuen alten Tivoli spielen würden. Leider gibt es im Internet dazu nicht mehr allzu viel zu finden, dank Wolfgang Pomp (Web-Admin des Alemannia Forum) konnten aber die beiden Bilder noch öffentlich gesichert werden. Der Geschäftsführer der Aachener Stadion-Beteiligungsgesellschaft (ASB), Bernhard Deil, hatte mir vor kurzem in einem Smalltalk erzählt das er damals unmittelbar an dem Stadionplan mitgearbeitet hatte. Dabei hatte man sich damals aufgemacht und verschiedene Stadien in im benachbarten Ausland besucht, bis man schließlich das Stadion Amiens in Frankreich sah. Ähnlich diesem Stadion sollte der “neue” alte Tivoli umgebaut werden, futuristisch mit einer gläsernen Dachkonstruktion. Was lag näher als die damalige Glasfirma Vegla in Aachen mit ins Boot zu holen? Leider ließ es sich am Ende im Entwurf doch nicht so realisieren und das das Stadiondach wurde nochmal angepasst. Allerdings sind die Ähnlichkeiten zur ursprünglichen Idee geblieben. Was aber war die damalige Motivation für ein neues Stadion?

 
Hier einige Fakten:

  • DFB-Auflagen, die kontinuierlich weiter stiegen
  • 80% aller Plätze sollen Sitzplätze sein
  • die Spielfläche musste vergrößert werden
  • Trennung der Fanblocks
  • Anwohner, die keine Fans im Vorgarten sehen wollten
  • Lärmschutz
  • höhere Wohn- und Lebensqualität am Stadion

 
Dem gegenüber standen die Wünsche der Alemannia:

  • Fassungsvermögen 25.000 Zuschauer
  • Vermarktung im Stadion
  • wenig Kompromisse während der Umbauzeit bei laufenden Betrieb
  • eine bezahlbare Lösung
  • Fertigstellung im Jahr 2003

 
Die sich daraus ergebenen Konsequenzen waren:

  • Der Standort bleibt
  • die Tradition wird erhalten
  • eine schnelle Realisation war möglich
  • 25.000 Zuschauer nahe am Geschehen
  • zwei übereinander liegende umlaufende Ränge
  • die Ränge beginnen an der Rasenfläche
  • 80% Sitzplätze, 20% Stehplätze
  • kurze Wege zur Gastronomie
  • keine Zäune zum Spielfeld
  • Innen Stimmung – außen Ruhe
  • Schallschutzverbesserung um 100%
  • Erschließung nur über die Krefelder Straße
  • kein unnötiger Verkehr neben dem Stadion
  • Fans der Gäste gelangen direkt per Bus ins Stadion
  • die Stadionhülle ist teilweise transparent, aber seitlich komplett geschlossen
  • es wird in drei Abschnitten gebaut
  • der Spielbetrieb wird nicht gestört
  • der Tivoli bleibt und erhält ein neues Gesicht
  • Kosten des Umbaus – 25 Millionen DM
  • Unterstützung durch eine kompetente Aachener Planungsgruppe

 
 
Und so sollte es aussehen:

Der Aachener Wall sollte mobile Zäune bekommen um den Gästeblock, der nur noch aus reinen Sitzplätzen bestehen würde, je nach Bedarf zu verkleinern oder zu vergrößern. Es war vorgesehen das es eine Zufahrt direkt in das Stadioninnere gab, und zwar an der Ecke Merowingerstraße / Krefelderstraße. Dort sollten dann der Mannschaftsbus, Einsatzfahrzeuge, ASEAG und auch der Gäste-Mannschaftsbus einfahren und so direkt an Ort und Stelle gelangen um z.B. die Funktionsräume wie die Spielerkabinen zu erreichen. Die Gästefans sollten  mittels Bus direkt bis vor dem Gästeblock gefahren werden und von dort aus mittels einer Treppe in den jeweiligen Bereich des Gästeblocks gelangen.
Der Weg der Fahrzeuge im Stadion sollte dann weitergehen hinter der Haupttribüne (damalige Sitzplatztribüne) vorbei, rechts rum am Würselener Wall entlang um dann wieder aus dem Stadion herauszukommen auf die Krefelder Straße, ungefähr da wo damals das VIP-Zelt stand.
 
Das Stadion sollte komplett überdacht sein, das Tribünendach aus Schallschutzgründen eiförmig abschließen. An den Rändern der Tribünendächer sollte die umlaufende 26m lange Spielfeldfeldbeleuchtung angebracht werden um so zu Vermeiden das es keine Schlagschatten mehr auf dem Spielfeld gibt. Das Spielfeld selbst sollte etwas versetzt und vergrößert werden (auf 105 m x 68 m) und hätte die vom DFB geforderten fünf bis sieben Metern Auslaufflächen an den Seiten erhalten.
 

 
Eine weitere Neuerung wäre der Zutritt zum Stadion gewesen, der nur noch von der Krefelder Straße aus erfolgen sollte und aus drei Eingängen bestanden hätte. Der Haupteingang wäre in der Mitte der damaligen überdachten Stehplatztribüne gewesen. Dort wären auch die neuen Funktionsräume wie Geschäftsstelle, Cafe, Fanshop, Umkleiden, Behandlungsräume, Einsatzleitung, Waschraum, Zeugwart, Küche, Jugendgeschäftsstelle und vieles mehr untergebracht gewesen. Zwei weitere Eingänge hätte es dann im in den Kurven als Eingang Nord (wie seinerzeit zum Würselener Wall) und als Eingang Süd (gegenüber den beiden Tankstellen Merowingerstraße/Krefelderstraße) gegeben. An allen vier  Tribünenseiten wären dann nur noch Notausgänge vorhanden gewesen.
 
Für die Zuschauer hätte es im Stadion einen Umlauf um das ganze Stadion gegeben, einmal im unteren Bereich, aber auch im oberen Bereich, wo es zu den Oberrängen gegangen wäre. Für die Alemannia-Fans und Fanclubs war hauptsächlich der Unterrang Würselener Wall vorgesehen, der sich variabel als Sitzplatz oder Stehplatz nutzen ließ. Vor allem im oberen Bereich der Tribünen war ein hohes Maß an Verglasung vorgesehen, um das notwendige Licht für den Rasen zu erhalten. Auch an die Luftzirkulation wurde gedacht. Die Ecken des Stadions wären zwar im Prinzip geschlossen, die sich dort befindlichen Rolltore hätten sich aber an spielfreien Tagen öffnen lassen um so dem Rasen den notwendigen Luftaustausch zu ermöglichen. Ebenfalls war vorgesehen zwei Videotafeln zu installiert damit alle Zuschauer beste Sicht auf die Anzeigen gehabt hätten. Eine Videotafel wäre in der Kurve Hauptribüne/Würselener Wall gekommen, die andere in der gegenüberliegende Kurve.
 
Die erste Bauphase sollte im Mai 2001 beginnen, und zwar an der Krefelder Straße mit ca. 5000 qm Eingangsbereich und den Funktionsräumen. Im nächsten Schritt war dann ab Sommer 2002 geplant die Überdachte und den Aachener Wall umzubauen bevor im dritten und letzten Bauabschnitt bis zum Ende der Sommerpause 2003 die Sitzplatztribüne und der Würselener Wall umgebaut worden wären.
 
Aber letztendlich kam alles anders, nach dem Wechsel im Alemannia Präsidium verschwanden die Pläne in der Schublade und blieben bis heute dort. Die Pläne existieren noch, aber sind leider unter Verschluss in privaten Händen. Stattdessen wurde ein paar Jahre später die Planung und der Neubau an anderer Stelle des Tivoli vorangetrieben.
 
 
Wer noch Bilder haben sollte, oder Zeichnungen, Infos etc. kann diese mir gerne zur Verfügung stellen. Ich würde den Artikel dann entsprechend erweitern. Ich weiß doch das ihr noch was habt :-)
 
 
 
 

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