Alemannia – Wie ein Verein sich selbst zerlegt

Wertschätzung

 

Hurra, Hurra, der Klömpschenklub ist wieder da! Gerade einmal zwei Jahre ist es her dass das zarte Pflänzchen Alemannia wieder auf die Füße gestellt wurde. Es wurde gehegt und gepflegt von Leuten derer denen die Alemannia am Herzen liegt. Ein guter Plan lag in der Tasche, denn das Pflänzchen Alemannia sollte ohne Druck gedeihen und spätestens 2018 wieder soviel Kraft haben das es sich in einer 3. Bundesliga bewährt. Wir schreiben das Jahr 2015, und das zarte Pflänzchen Alemannia ist jetzt schon soweit diese 3. Bundesliga erklimmen zu wollen. Man besitzt plötzlich die besten Voraussetzungen dazu etwas einmaliges zu schaffen, womit nur die aller wenigsten gerechnet hätten. Seite an Seite maschiert man mit dem Konkurrenten aus der Gladbacher U23 in die Zielgerade ein zur Meisterschaft der Regionalliga West. Der erste Etappenstein, bevor es in die Aufstiegsrunde geht.
 
Um zu untermauern das man schon so weit ist wurde bereits ein neuer Sportdirektor eingestellt. Er sollte das Trainerteam Schubert/ Plaßhenrich entlasten, und die vielen wichtigen Gespräche führen mit Spielern deren Verträge am Ende der Saison auslaufen. Auch die Verträge mit dem Trainerteam galt zu verlängern. Mit Alexander Klitzpera betrat wieder ein ehemaliger Spieler, und dazu Ex-Alemanne, ein für ihn neues Terrain. Seine Vorstellung wie er das Projekt Alemannia 2018 anpacken will überzeugte den Alemannia Aufsichtsrat. Mit einem mehrjährigen Vertrag ausgestattet wurde er ein- und der breiten Öffentlichkeit vor zwei Monaten vorgestellt. Brauchte man denn einen Geschäftsführer Sport? Das fragte sich nicht nur die Fanschar.

 

Ein Team das auseinander fällt?
Ein Team das auseinander fällt?

 
Die ersten Erfolge gab es zu vermelden, mit Stammkräften wie Peter Hackenberg und Dennis Dowidat wurden die Verträge verlängert. Auch mit dem Nachwuchstalent Tobias Mohr konnte man schnell einig werden und verlängern. Im Sonnenlicht des Tabellenzweiten und des Halbfinalisten im Bitburger Pokal waren das gute Schlagzeilen die mal gerne las. Dann aber war man plötzlich irritiert, denn die Verhandlung mit Peter Schubert stockte. Und anscheinend auch mit den anderen Spielern konnte die gewünschte schnelle Einigung nicht erzielt werden. Alles halb so wild könnte man meinen. Nachdem weiterführende Gespräche keine neuen Änderungen hervorbrachten meinte wohl unser neuer Sportdirektor seine Enttäuschung hierüber mittels eines Interviews in der Aachener Zeitung kundzutun. Und öffnete damit bewusst oder unbewusst die Büchse der Pandorra.
 
Es ist doch schön zu lesen wenn unter anderem Vertragsdetails öffentlich kommuniziert werden. Man könnte es unter der Rubrik “Transparenz” walten lassen die die Fans doch immer wieder gefordert haben. Aber mitnichten, es wurde öffentlich kommuniziert das der Sportdirektor das bestmögliche getan habe im Sinne der Alemannia. Und die Spieler, die vielleicht nicht gerade das erstbeste Angebot angenommen haben, in die Richtung Komfortzone abzuschieben und ihnen ein Stück mehr von Demut hinterherruft. Auch bei der Personalie von Trainer Schubert konnte man meinen das ihm seitens des Sportdirektors der goldene Teppich ausgelegt wurde. Und Peter Schubert wagte es dennoch diesen Teppich nicht zu betreten.

 

Ich bin auf ihn als erstes zugegangen, weil ich seine Arbeit schätze. Wir wollten schnell Klarheit und Ruhe. Ich habe erwartet, dass er vorangeht und ein Zeichen setzt. Meiner Meinung nach ist Aachen eine Chance für Peter Schubert. Bei den Verhandlungen gilt es, zwei Dinge zu unterscheiden. Zum einen habe ich als erste Amtshandlung eine sofortige finanzielle Besserstellung im laufenden Vertrag des Trainers veranlasst. Ein Zeichen von großer Wertschätzung.

Alemannia Geschäftsführer Sport Alexander Klitzpera

 

Für den Sportdirektor und die mitlesende Fanschar stellt sich das nun so dar. Sollte Alemannia aufsteigen verlängern sich eh alle Verträge um ein Jahr. Steigt Alemannia hingegen nicht auf besitzen momentan nur 8 Spieler einen gültigen Regionalliga Vertrag. Nun fragt man sich was einem Alexander Klitzpera geritten hat solche (Vertrags)Themen öffentlich mit dem lokalen Medienreporter der Aachener Zeitung auszudisktieren? “Von Spielern wurden Forderungen gestellt, die ich nicht erfüllen kann. Diese Absagen muss ich akzeptieren. Da ich mittelfristig etwas aufbauen will, brauche ich Planungssicherheit und Spieler, die den Weg mit uns auch über die Regionalliga gehen wollen”. Damit scheint die Tür zu! Und ein Peter Schubert samt Spieler sehen sich im Büßergewand an den Pranger gestellt.
 

Zusammenstellung durch Holger J. via Facebook
Zusammenstellung durch Holger J. via Facebook

 

Das dies nicht ohne Folgen bleiben würde in Zeiten der SocialMedia hätte man bei der Alemannia erahnen können. Schnell füllten sich die Seiten in Facebook mit den ersten Kommentaren. Und schnell reagierten auch Spieler die dort ihre Namen lesen mussten. Sie versuchten zu beruhigen während andere Fans noch an einen schlechten Aprilscherz glaubten. Schnell wurde aber klar das es absolut kein Scherz war. Auf dem nun fahrenden Zug sprang dann auch der “Reviersport” auf, der kurz vorher noch seinen Stammverein Rot Weiß Essen in Grund und Boden geschrieben hatte (massives forcieren der Entlassung von Sportdirektor Uwe Harttgen und Coach Marc Fascher). Das solche Schlagzeilen schnell eine Eigendynamik entwickeln war eigentlich klar.

 

Unstrittig habe ich einen Vertrag im Aufstiegsfall für die Dritte Liga. Das neue Angebot beinhaltete aber eine Kürzung des Grundgehaltes um 25 Prozent. Die Einbuße sollte durch eine Aufstiegsprämie in die 2. Liga kompensiert werden. Ich bin Realist, aber kein Fantast.

Alemannia Coach Peter Schubert

 
Zwei Tage später äußerste sich nun Coach Peter Schubert, ebenfalls via Aachener Zeitung, zu den “Vorwürfen”. Aus seiner Sicht der Dinge wurde ihm ein Angebot unterbreitet das er nicht annehmen kann. Seine Wertschätzung sieht eher einen Vertrag über ein Jahr hinaus vor (Regionalliga), denn auch er will Planungssicherheit haben. Und er nimmt Stellung zu weiteren Vertragsdetails wie auch über seine Arbeit (in Kombination mit Reiner Paßhenrich), die in ihren Augen keine überteuerte Mannschaft zusammengestellt haben. “Wir sind erfolgreich, wenn ich das sagen darf, und bei uns bekommt keiner überzogene Gehälter für die Regionalliga. Warum versetzt man sich nicht bei Verhandlungen mal in die Position des Gesprächspartners, warum schlägt man die Türe zu? Warum arbeitet man nur mit Druck, warum versteht man nicht, dass Spieler länger abwägen wollen? Das vermisse ich. Mit dem Holzhammer feiert man selten Erfolge”. Laut Sportdirektor Alexander Klitzpera ist der Spielraum ausgereizt, und es wird kein neues Angebot für Peter Schubert geben.

 

Ich habe am 13. März das Angebot ausgeschlagen, seitdem gehen wir professionell miteinander um. Über das Thema wurde nicht mehr mit mir gesprochen. Die Konsequenz ist klar: Wenn wir aufsteigen, verlängert sich mein Vertrag, ansonsten trennen sich unsere Wege im Sommer.

Alemannia Coach Peter Schubert

 

Während Alemannia in der Zielgeraden des Aufstiegsrennens einbiegt, leistet man sich ein öffentliches Scharmützel. Einen besseren Zeitpunkt hätte man sich wieder einmal nicht ausgucken können. Das Tischtusch, zumindest zwischen Schubert und Klitzpera, scheint zerschnitten. Wer glaubt an Harmonie selbst wenn der Aufstieg glücken sollte und Schubert weiterhin Trainer bleibt? Auch die anderen Spieler werden nun in der Öffentlichkeit als “Raffgeier” dargestellt, obgleich es absolut legitim ist nicht das erstbeste Angebot anzunehmen. Ebenfalls stellt sich die Frage warum der Alemannia Aufsichtsrat nicht längst eingeschritten ist um alle Beteiligten wieder einzufangen. Es mag anscheinend wieder typisch für unsere Alemannia zu sein das der Klömpschensklub seinen Namen wieder alle Ehre macht.
 
Alemannia demontiert sich im wichtigesten Saisonabschnitt selbst, das muss bei der Konkurrenz aus Gladbach mit befremden aufgenommen werden. Es stehen nun zwei wichtige Partien an in den nächsten Wochen. Am Samstag ist man im Bitburger Pokal unterwegs und spielt im Halbfinale gegen Mittelrheinligist Bonner SC. Man ist auch hier nicht weit entfernt sich, wenn man den Mittelrheinpokal gewinnt, für den lukrativen DFB Pokal zu qualifizieren. Ebenso steht am 17. April das direkte Duell gegen Borussia M´gladbach II an. Man muss wenig Fantasie besitzen um sich auszumalen was pasiert wenn beide Spiele verloren gehen.
 
Fazit:Einen besseren Zeitpunkt für dieses Scharmützel hätte man sich nicht aussuchen können. Sportdirektor Alexander Klitzpera ist schon beschädigt und kaum haltbar, vor allem wenn in den folgenden Wochen die Ergebnisse nicht mehr stimmen sollten. Wie kann ausgerechnet er in der Öffentlichkeit Trainer und Spieler am Pranger stellen die gerade vor dem vielleicht größten Höhepunkt in ihrer Karriere stehen? Wollte er damit Druck erzeugen und den schwarzen Peter (nicht Schubert) von sich wegschieben? Der beste Sportdirektor ist immer noch der, den man nur dann wahrnimmt wenn es absolut nötig ist. Vertragsgespräche gehören unter vier Augen, und nicht in die Zeitung. Und ein erfolgreiches Team demontiert man nicht öffentlich wenn es so gut wie lange nicht mehr sportlich ganz oben steht. Aber auch Peter Schubert verhält sich unklug wenn er ebenfalls über die Medien die verbale Antwort Richtung Alexander Klitzpera setzt. Ein Christoph Pauli von der Aachener Zeitung muss doch innerlich gegrinst haben was er da so zu hören bekam bei den beiden Interviews. Und das alles aus erster Hand frei Haus geliefert.
 
Während Peter Schubert in die Offensive ging, schweigt Reiner Plaßhenrich zu dem Thema. Ihm wurde ein Vertrag angeboten als Co-Trainer oder als Leiter des NLZ (Nachwuchsleistungszentrum). “Ich kann immer noch für mich selbst entscheiden, welchen Weg ich einschlage. Aber es ist nicht okay, von mir zu verlangen, mich auf die eine oder andere Seite zu schlagen.” Alles in allem sieht es nicht gut aus was da gerade passiert. Man kann nur wünschen das es doch noch eine gemeinsame Ausfahrt für alle Beteiligten gibt. Ansonsten fliegen am Tivoli die Fetzen. Und das zarte Pflänzchen Alemannia ist bereits im Ansatz wieder entwurzelt – dann wahrscheinlich auf sehr langer Zeit.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

5 × eins =