Alarmstufe gelb am Tivoli

 

Man weiß gar nicht wo man anfangen soll. Am besten ganz hinten, so um den November 2018 rum. Denn dort hat unser Trainer Fuat Kilic verkündet das er seinen Dreijahres-Vertrag am Tivoli nicht mehr verlängern will wenn er in der Saison 2019/2020 ausläuft. Er wolle nicht mehr als Cheftrainer in dieser Liga arbeiten. „Das ist die Deadline, die ich mir gestellt habe.“, so Fuat Kilic. Allenfalls über eine andere Position im Verein ließe sich verhandeln. Punkt. Das versetzte damals einige in Aufruhr, aber es war noch genügend Zeit bis zur Saison 2019/2020. Nun wurde die Saison 2018/2019 am Ende zwar mit Platz 6 abgeschlossen, aber war dennoch erfolgreich. Man konnte den Stamm an Spielern nach langer Zeit endlich halten ohne das die Mannschaft komplett auseinanderbrach, und konnte zudem den Bitburger Pokal 2019 gewinnen – einhergehend mit dem DFB-Pokal Einzug in die erste Runde.
 
Es erwachte so etwas wie Euphorie am Tivoli, der Dauerkarten Verkauf startete früh und konnte die Vorjahresmarke von 2.400 um mehr als 600 Dauerkarten übertreffen. Dann kam noch das schicke DFB-Pokal Los mit dem Championsleague-Teilnehmer Bayer Leverkusen mit einem ausverkauften Tivoli dazu. Die Zielsetzung war “oben mitspielen”, und nicht nur Fuat Kilic nahm das Wort “Aufstieg” in den Mund. Auch einigen Spielern schien dieser Gedanke zu gefallen. Dann kam der erste Spieltag, und es setzte gleich im Westschlager in Wuppertal eine Niederlage, und auch das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf II endete nur mit einem mageren 1:1. Nachdem mehr bescheidenen Saisonstart verließen auch zwei Stürmer schnell wieder den Tivoli, und Stürmer Nummer 1 David Bors verletzte sich schwer und fällt rund ein halbes Jahr aus. Nun war Not am Mann und die Sturmreihe ziemlich dünn besetzt – bis heute.
 
Und wie das so ist wenn es nicht so läuft wie es hätte laufen sollen, wird die Kritik am Trainer laut. Angefangen vom spielerischen System das seine Spieler nicht so verinnerlichen wie gedacht, bis hin zu Ein- und Auswechslungen die man als Fan nicht verstehen konnte und/oder wollte. Achja, da war noch das Thema Aufstieg was Fuat Kilic vollmundig als Ziel auserkoren hatte. Auf der Pressekonferenz nach dem DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen, relativierte er seine Aussage. Er wollte das zarte Euphoriepflänzchen befeuern damit die Sponsoren noch etwas mehr Geld locker machen. Das hatte aber leider nicht gefruchtet, und so war er laut eigener Aussage der Depp der Nation. Das wollte aber nun keiner hören. Die Aufstiegsgeißel wurde nun um den Hals von Fuat Kilic gelegt und einige bissen sich daran fest. Zudem agierte er ungeschickt in einem Interview und unterstellte einigen Fans 3 Gramm Gehirn. Das war natürlich von ihm nicht so beabsichtigt, alle über einen Kamm zu scheren sondern an jene gerichtet die meinen das ihr Wissen ausreiche um seine und die Arbeit der Mannschaft zu beurteilen. Für die einen war es dünnhäutig, für die anderen ein weiterer Tropfen auf dem heißen Stein und wiederum andere machten sich keinen Kopf und fühlten sich auch nicht angesprochen. Trotzdem bedurfte es eine Stellungnahme um das “Gehirngate” wieder gerade zu biegen. Nach einem kleinen Zwischenhoch, wo sich einige Fans wieder teils auf Aufstiegskurs befanden, folge die Ernüchterung. Nach zwei Niederlagen gegen Bonn und Schalke war das Fass bei teilen der Fanschar nun übergelaufen. In den diversen Facebook-Gruppen ging es teils drunter und drüber, wer nicht gegen Kilic war wurde als Schönredner, Rosarote Brille oder Schwarzgelbe Brille sehender tituliert. Umgekehrt waren die Kilic Hater die ewig motzdenden Experten die sowieso schon immer alles besser wussten. Aus der Anonymität läßt sich ja bekanntlich am besten die Keule schwingen. Gut das es den PC dazwischen gab, man hätte sich fast noch geprügelt. Dabei ist allen zu unterstellen das sie nur das beste für die Alemannia wollen, für ihren Verein, für ihr schwarzgelbes Herz und ihre schwarzgelbe Seele. Und egal wie man zu Spielern und Trainer steht, die einzige wahre Aussagekraft ist und bleibt die Tabelle – denn die lügt nicht und ist zudem neutral. Und die weist nach 11 Spielen das aus was die Mannschaft leistet – Mittelmaß. Und wenn man nicht aufpasst im Restprogramm kann man sehr schnell ganz unten in der Tabelle drin hängen. Denn es erwarten der Mannschaft nun Vereine aus der oberen Region, wie Spitzenreiter SC Verl oder Dortmund II, Gladbach II, Fortuna Köln, Rot Weiß Essen, Sportfreunde Lotte. Und dann sind wir schon bei der Rückrunde angelangt und die taumelnden Wuppertaler kommen zum Tivoli. Das könnte wenn es ganz krumm läuft eine frostige Winterpause werden. Und wenn die SG Wattenscheid aufgrund ihrer Insolvenz auch noch den Spielbetrieb einstellen sollte, dann sind die drei Punkte aus dem Auswärtssieg in Wattenscheid auch noch futsch, mit dann gravierenden Folgen für die Alemannia.
 
Als wenn das nicht schon genug wäre wurde nach dem Abschlusstraining vor dem Schalke Spiel Manuel Glowacz für ein paar Tage suspendiert. Als Grund war die Körpersprache und fehlende Motivation ausgemacht, so Fuat Kilic. Nun ist auch solch eine Aktion immer von zwei Seiten zu betrachten. Ist Manuel Glowacz nun ein Bauernopfer oder erhofft man sich eine Reaktion vom Spieler selbst und der Mannschaft? Legt man die beiden letzten Spiele zu Grunde, dann müsste man noch einige andere Spieler mit suspendieren. Denn gerade bei dem Schalke Spiel (0:1) konnte man erkennen wer von den Spielern noch das Spiel rumreißen wollte und wer schon im Aufgabemodus geschaltet war. Das wiederum läßt spekulieren ob Fuat Kilic die Mannschaft nicht mehr erreicht, oder umgekehrt die Mannschaft Fuat Kilic nicht mehr. Fuat Kilic sagte aber auch nach der Suspendierung das auch ihm die aktuelle Lage missfällt, er von einigen Spielern enttäuscht ist (vor denen er sich immer gestellt hat) und auch er falsche Entscheidungen getroffen hat. Die Frage ist jetzt natürlich wie weit die “Kuh” auf dem Eis steht, und wie man diese schnell wieder herunterbekommt. Denn neben der sportlichen Talfahrt mit seinen ganzen Baustellen im Kader wird es im Winter die nächste geben. Wer wird Nachfolger von Fuat Kilic, der ja nach eigenen Bekunden seinen Vertrag nicht verlängern mag, und wer sucht ihn aus? Oder verlängert man doch mit ihm, weil die damaligen Rahmenbedingungen der Regionalliga sich geändert haben (der Meister steigt ab der Saison 2021/2022 auf)? Geben die Sponsoren damit auch mehr Geld weil das Ziel erreicht werden kann ohne das Würfelspiel Aufstiegsrunde? Oder wird Fuat Kilic einfach Sportdirektor und sucht seinen Nachfolger dennoch aus? Und wenn nicht, wer führt die Vertragsverlängerungen mit den Spielern die man halten will? Wer will überhaupt wen halten? Fragen über Fragen, und Probleme über Probleme die unserem Klöpschenklub nun wieder ereilen. Während die einen jeden Tag spekulieren das Fuat Kilic von sich aus geht, hoffen und bangen die anderen das sich einfach die Mannschaft den Arsch aufreißt und endlich Ergebnisse liefert. Das wäre die beste Form erstmal wieder Ruhe reinzubringen – aber sind damit die Probleme gelöst? Die Winterpause wird heiß werden, auch bei null Grad.
 
 
 
 

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