Abschied nach 1642 Tagen für Fuat Kilic

 

Niemand war länger Trainer bei der Alemannia als er, Fuat Kilic. Nach 1.642 Tagen (01.01.2016 – 30.06.2020) als amtierender Coach verabschiedet sich unser Coach vom Tivoli. Die Beweggründe dazu hatte er bereits im Frühjahr 2020 angekündigt mit der Bekanntgabe das er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Der Abschied war natürlich ganz anders geplant bis das Coronavirus alles auf dem Kopf stellte. Mit der Titelverteidigung im Bitburger Pokal 2019/2020 wollte er sich von den Fans verabschieden, nun ist dieser Wettbewerb auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und die Spieler in Kurzarbeit geschickt. Auch der Regionalliga-Betrieb ruht bis zum 20. Juni 2020. Dann soll auf dem DFB-Bundestag der Abbruch der Regionalliga West Saison Saison 2019/2020 beschlossen werden. Das führt unweigerlich dazu das Fuat Kilic sich nicht mehr vor den Fans im Tivoli Stadion verabschieden kann so das ihm ein gebührender Abschied verwehrt bleiben wird.
 
Aber wer so lange Coach der Alemannia war und alle Höhen und Tiefen miterlebt und durchgemacht hat, den kann man nicht einfach so gehen lassen ohne nicht ein paar Worte dazu zu schreiben. Man hat sich immer vorgestellt wie es sein wird wenn Fuat Kilic nach dem letzten Heimspiel seine Runden im Tivoli Stadion dreht und auf dem Zaun mit Megaphon in der Hand seine letzte Humba anstimmt. Ja, so wäre es wahrscheinlich gewesen wenn alles seinen normalen Gang genommen hätte. Als Fuat Kilic am 01.01.2016 sein Amt in Aachen antrat, ob er da schon ahnte auf welches Unternehmen er sich da einließ? Nach der Demission von Christian Benbeneck und der Tiefe Riss zwischen Mannschaft und Fans und den suspendierten Spielern, war es von Anfang an ein Einstieg ins kalte Wasser. Mit wenig Geld in der Hand musste er “zaubern” und teils unbekannte Spieler nach Aachen holen aus denen er gute Spieler formte. Am Ende der Saison wurden diese Spieler zumeist wieder verabschiedet, ein Aufbau der auf die Zukunft gerichtet war konnte finanziell nicht realisiert werden. Zu groß waren die finanziellen Verlockungen bei anderen finanzstarken Vereinen. Alemannia war eine Durchgangsstation, Fuat Kilic gute Arbeit blieb nicht unbemerkt. Als dem Verein die zweite Insolvenz erfasste war auch Fuat Kilic soweit die Alemannia wieder zu verlassen. Doch eine bis dahin nicht gekannte Fan Solidarität konnte am Ende Fuat Kilic dazu bewegen einen neuen Vertrag in Aachen zu unterschreiben. Denn wer passte in dieser schwierigen Zeit besser zur Alemannia als Fuat Kilic? Zu dieser Zeit war er genau der richtige Mann auf den richtigen Positionen als Trainer und Sportdirektor.
 
Mit dem Gewinn des Bitburger Pokals 2019 schien auf einmal alles möglich. Die Qualifikation zum DFB-Pokal war nach neun langen Jahren wieder gelungen, es winkte Bundesligist und Champions League Teilnehmer Bayer Leverkusen mit einem ausverkauften Tivoli. Nach langen Jahren konnte die Mannschaft endlich wieder gehalten werden, nun sollte sie mit weiteren Spielern gespickt werden die uns den Blick nach oben hin verschaffen sollten. Auch Fuat Kilic lehnte sich weit aus dem Fenster und nahm das Wort Aufstieg in den Mund. So sollten die Sponsoren die Geldbörse noch weiter öffnen und dafür Sorgen das die Qualität an Spielern gesteigert würde.

Das gefiel allen, und beseelt vom Aufstiegsgedanken wurde auch der Anspruch der Fans größer. Der nächste Schritt sollte nun gesetzt werden. Die Sponsoren zogen aber nicht mit, der Aufruf von Fuat Kilic verhallte ungehört. Die Mannschaft blieb schnell hinter den Erwartungen zurück, der Auftakt wurde vergeigt und zu wechselmutig war die Spielweise der Alemannia geworden. Es hakte im Spiel der Mannschaft und schon kam die Unzufriedenheit auf. Warum spielt Spieler X nicht, aber dafür Spieler Y und wieso wechselt er wieder Spieler Z ein? Wechselte Kilic zu früh, war es falsch. Wechselte er zu spät oder garnicht war es auch nicht richtig. Und dann war da auch noch später das 3 Gramm Gehirn, was fast einen Keil zwischen Fans und Trainer getrieben hätte. Dabei hatte er doch nicht mal unrecht. Was nehmen wir uns Hobbytrainer auf der dem Steh- und Sitzplatz heraus und geben gute Ratschläge? Wären sie ja noch gut gewesen, aber teils waren sie doch unter der Gürtellinie, und das muss sich dann auch ein Fuat Kilic nicht gefallen lassen. Am Ende entschuldigte sich Fuat Kilic, das auch manch einem Fan gut zu Gesicht gestanden hätte. Die Mannschaft blieb hinter den Erwartungen und die Alemannia schwamm im bedeutungslosen Mittelfeld der Regionalliga mit.
 
Wieder kam die Zeit des Nachdenkens, und für viele Fans war es Zeit das auf der Trainerposition ein Wechsel erfolgen musste. Aber auch Fuat Kilic musste einsehen das der Zeitplan der sportlichen Ziele zwischen ihm und der Alemannia auseinander liefen. Und so kam es wie es zu vermuten war. Die guten Absichten in der Winterpause 2019/2020 Vertragsgespräche zu führen waren da, aber am Ende kam dann das raus was zu erwarten war. Fuat Kilic erklärte das er seinen auslaufenden vertrag nicht verlängern würde und dies seine letzte Saison am Tivoli sein würde. Die Würfel waren gefallen und nun sollte als Abschied der Bitburger Pokal 2020 verteidigt werden, und sein Nachfolger eine günstige Ausgangsposition bekommen. Doch dann kam das Coronavisus im März 2020 so dass das letzte Heimspiel für Fuat Kilic der 1. Februar 2020 gegen Borussia Dortmund II (3:3) war. Der Bitburger Pokal 2020 wird wohl erst im Juli 2020 weiter ausgespielt, mit dem Top Favoriten und Titelverteidiger Alemannia Aachen. Dann allerdings mit neuen Coach und teils neuer Mannschaft. Ein Novum im Fußball und gleichzeitig absurd. So wird es jedenfalls auch Fuat Kilic sehen, denn sein Abschied mit dem Pokal in der Hand ist damit unmöglich geworden.
 
Was soll man noch schreiben, es gibt so viel mehr nach 1.642 Tagen am Tivoli. Nicht alles war wahrscheinlich richtig, aber soviel falsch auch nicht. Es war erstaunlich wie er jedes Jahr aus neuen Spielern ganz schnell eine Einheit formte und oben mitspielte, auch wenn es für den ganz großen Wurf nicht gereicht hat aus den unterschiedlichsten Gründen. Man darf gespannt sein was er neue Coach Stefan Vollmerhausen und der neue Geschäftsführer Sport Thomas Hengen tun werden, und wie sie Spieler von der Qualität nach Aachen lotsen können das Fuat Kilic versagt blieb. Als Trainer und Sportdirektor hat Fuat Kilic damit nun in Aachen nichts mehr am Hut. Wohin seine Reise gehen wird ist bis dato unbekannt.
 
Was bleibt am Schluß? Ein großes Danke Danke. Auf diesem Wege alles Gute für dich Fuat. Du warst zur passenden Zeit der richtige Trainer für uns. Viel Glück bei deinen neuen Aufgaben. Dein Platz im Alemannia Geschichtsbuch ist jedenfalls sicher – es wird wohl so schnell keinen Trainer geben der deinen Rekord von 1.642 Tagen knacken wird 🙂
 
 

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