Heute wird die Alemannia stolze 120 Jahre alt. 120 Jahre Tradition. Das es unseren Verein noch gibt scheint manchmal an ein Wunder zu grenzen, bedenkt man was er alles mitgemacht hat in der Zeit.
 
Gegründet wurde er Anfang Dezember 1900 von 18 Studenten des Kaiser-Wilhelm-Gymnasium und hieß Fußballclub Aachen. Da der Name aber bereits “belegt” war durch einen kurz davor gegründeten Klub nannte man sich stattdessen Alemannia. Dieser Name sollte damals das Deutschtum des äußersten Westen des Deutschen Reichs betonen. Die ersten Spiele fanden noch auf dem Marienthaler Kasernenhof statt an der Franzstraße, von dem heute aber nichts mehr übrig ist. Am 16.12.1900 gab es dann das erste Spiel gegen den belgischen Verein FC Dolhain das mit 6:0 gewonnen wurde. Mitte des Jahres 1901 zog man von der Marienthaler Kasernenhof weg und hin zum Innenraum der Radrennbahn im Zoologischen Garten, dem heutigen Westpark. Im Jahre 1904 zog man wieder um, diesmal zum Waldspielplatz im Aachener Stadtwald – dem heutigen Waldstadion. Das sieht heute in Teilen immer noch so aus und hat seinen Charme behalten. Mit der ersten Saison 1904/1905 wurde an einem Meisterschaftsspielbetrieb des FV Rheinland-Westfalen teilgenommen.
 
Nach den Kriegsjahren des ersten Weltkrieges wurde 1910 der Meisterschaftsspielbetrieb wieder aufgenommen, es folgte die Fusion mit dem Aachener Turnverein von 1847 und nannte sich Aachener Turn- und Sportverein Alemannia 1847. Aber bereits 1924 wurde die Fusion wegen äußere Einflüsse wieder aufgehoben, es blieb aber nun der Name der bis heute gilt: Aachener Turn- und Sportverein Alemannia Aachen 1900 e.V. Ab diesem Tag durchlebte der Verein bis heute teils turbulente Zeiten, aber auch die bis heute sportliche Höchstleistung mit der deutschen Vize-Meisterschaft 1968/1969. Es folgte Aufstiege, Abstiege, fortwährende finanzielle Schwierigkeiten, Eitelkeiten, Spielerrevolten, Schlägereien zwischen Funktionsträgern, drei geile Jahre, drei DFB Pokalenfspiele, die UEFA Cup Tour bis hin zum langersehnten Bundesliga Aufstieg 2006. Weiterhin gab es Skandale wie mit dem (bis heute) verschwundenen Geldkoffer, zwei Insolvenzen, turbulente Jahreshauptversammlungen, das erste Geisterspiel überhaupt auf dem Tivoli, Fangnetze an den Tribünen nachdem ein Gast-Trainer von Gegenständen getroffen wurde. Und es gab den tragischsten Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga 1999, als kurz zuvor der Erfolgstrainer Werner “Mr. Alemannia” Fuchs verstarb und den Aufstieg nicht mehr miterleben durfte. Im August 2006 stimmten die Alemannia Mitglieder mit 84% für die Gründung einer Alemannia Aachen GmbH. Mit der damit verbundenen Ausgliederung der Profimannschaft wechselten auch die Jugendmannschaften bis zur U13 in die neue GmbH.
 
Sportlich ging es mit dem neuen Tivoli 2009 stetig abwärts, Steine statt Beine lautete das Credo bis hin zur Verstöße im Lizensierungsverfahren sowie Inanspruchnahme von Geldern aus dem DFB-Kautionsfonds. Der Verein wurde 2013 somit vollends gegen die Wand gefahren und meldete die erste Insolvenz an. Der sportliche Abstieg aus der 3. Liga war auch mit der Insolvenz perfekt. Seitdem ist man in der Regionalliga West gestrandet und versucht verzweifelt dort wieder rauszukommen. Auch der Mutterverein (Aachener Turn-und Sportverein Alemannia 1900 e.V.) stand kurz vor dem Untergang. Nach einem rechtskräftigen Urteil des Oberlandesgerichtes Köln vom 09. Juli 2014 wurde die Alemannia aus einem 1998 datierten Vermarktungsvertrag mit dem Rechtehändler Prof. Dr. Michael Kölmel zur Zahlung von rund 2.3 Mio Euro verurteilt. Michael Kölmel einigte sich mit dem Mutterverein und verzichtete auf die Rückforderung, stattdessen verpflichtet sich die Alemannia über einen Zeitraum von 12 Jahren 15% der TV- und Vermarktungserlöse an Kölmel abzutreten. Die Frist beginnt mit dem Aufstieg in die dritte Liga, gezahlt werden muss allerdings erst ab dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die ganze Chronik könnt ihr auf derAlemannia Aachen Vereinshistorie nachlesen.
 
Ja, als Alemannia Fan hat man es nicht immer leicht in diesen Zeiten, und man wird meist müde belächelt oder muss sich erklären warum man überhaupt noch Alemannia Fan ist. Dabei ist das doch ganz leicht, diesen Klömpchensklub kann man nur lieben ganz gleich was auch passiert. Wenn man als Fan soviel mitgemacht hat, dann wendet man sich nicht einfach ab obwohl es wohl hunderte Gründe geben würde das zu tun. Es ist halt ein schwarz-gelber Virus der in einem drin ist. Und wenn man denkt, es kann nicht tiefer gehen muss man dann nochmal ein tieferes Tal durchschreiten. Und wenn man denkt es geht wieder aufwärts dann grätscht irgendwas dazwischen wo man wieder stolpert aber nicht hinfällt. Es mag sein das manche, die sich inzwischen abgewendet haben, nur noch spöttisch über den Verein und deren Fans reden. Aber ich bin mir sicher, alle haben noch ein schwarz-gelbes Utensil im Schrank das nur darauf wartet herausgeholt zu werden wenn der Verein wieder Erfolg hat. So war es früher schon, so wird es auch in Zukunft sein. Die Alemannia ist zwar kein Verein die mit unzähligen Titeln aufwarten kann, aber dafür mit jeder menge aufregenden Geschichten. Ich war von Ende der 70er bis heute dabei, und werde bis zum letzten Atemzug auch dabei bleiben egal was kommt und kommen wird. Vielleicht erlebe ich noch 150 Jahre Alemannia, und vielleicht sind die Geschichten bis dahin doch mal mehr positiver und erfolgreicher als heute. Dann werde ich schmunzelnd auf diesen Tag zurückblicken. Bundesliga, ja das wäre nochmal was.
 
Achja, Anfang des Jahres 2020 konnte man bei der Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten die Alemannia Legendenelf wählen. Dazu wurden viele Spieler zur Auswahl gestellt die herausragten in der 120 jährigen Geschichte des Vereins. Die Leser stimmten am Ende für die folgende Elf:
 
Tor: Stephan Straub
 
Abwehr: Willi Landgraf, Jo Montanes, Stefan Blank, Reinhold Münzenberg
 
Mittelfeld: Günter Delzepich, Reiner Plaßhenrich, Martinelli
 
Sturm: Benjamin Auer, Erik Meijer, Stephan Lämmermann
 
 
Hättet ihr auch so gewählt? Es wird den anderen leider nicht gerecht das sie hier nicht auftauchen.  Kein Gerd Prokop, Jupp Kapellmann, Hannes Kau, Roger Claessen oder Michel Pfeiffer. Dafür wurde aber der Legenden-Trainer eindeutig gewählt, es konnte nur Mr. Alemannia Werner Fuchs sein mit seinem Co-Trainer Jörg Berger.
 
In diesem Sinne – herzlichen Glückwunsch Alemannia – nur der TSV
 
 
 
 

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