100 Jahre V.f.R Aachen-Forst

 
 
Am Montag, den 30. September 2019, feiert ein Fußballverein im Aachener Osten in der Sonnenscheinstraße seinen 100. Geburtstag. In meinen jungen Jahren, es war 1983, schnürte auch ich für einige Saisons die Forster Fußballschuhe und spielte bis zur A-Jugend dort.
 
Der V.f.R ragte damals als Landesligist zweimal neben der “großen” Alemannia in Aachen heraus, als man sich jeweils für die erste Runde im DFB-Pokal qualifizierte und seine Spiele auf dem alten Aachener Tivoli austrug. Neben diesen sportlichen Erfolgen machten auch einige Forster Spieler auf sich aufmerksam und wechselten zur Alemannia. Noch heute ist der Name “Nobby” Lenzen auch außerhalb von Aachen noch immer bekannt.
 
Aber wie fing alles an?
Am 01.06.1908 fanden sich sportbegeisterte junge Männer zusammen die jeweils bestehend aus dem FV Germania, FC Preussen und dem Forster Jugendbund zusammenkamen. Hieraus sollte die Kameradschaft und der Fußball Sport in der Forster Gemeinde gepflegt werden. Zu dieser Zeit gab es noch keinen Sportplatz wie man ihn heute kennt und es gab auch keinen Ball. Es war eher ein Ei-förmiges Leder mit dem man auf der großen Wiese spielte wo man vorher noch die Tore aufbauen musste um sie später wieder abzubauen da dort das Vieh weidete. Das erste “offizielle” Spiel wurde 2:0 gewonnen, wer der Gegner war ist heute nicht mehr zu ermitteln und das Ergebnis nur noch aus dem Gedächtnis her überliefert. Dennoch wurde hier der Grundstein gelegt für den heutigen Fußball Verein V.f.R Aachen-Forst. 1914 wurden durch die Ereignisse des ersten Weltkriegs große Lücken in den Reihen der Sportler gerissen so dass ein Weiterbestand der einzelnen Vereine nicht mehr gewährleistet werden konnte. So dauerte es bis 1919 ehe Johann Sauren die Initiative ergriff mit den noch vorhandenen Kräften die Gründung eines neuen Vereins voranzutreiben. Am 30.09.1919 war es soweit. Der Verein V.f.R Aachen-Forst wurde geboren. 23 junge Männer legten im Vereinslokal Cuvelier den Grundstein für die Gründungsversammlung. Dort wurden Satzungen erarbeitet um den Fortbestand des Vereins zu gewährleisten.
 
In den zwanziger Jahren waren immer noch die Weltkriegsereignisse spürbar und in Folge der Massenarbeitslosigkeit und Inflation war es der pure Idealismus der die Freunde des V.f.R zusammen hielt. In der Spielzeit 1920/21 stieg die erste Mannschaft in die B-Klasse auf und 1922/23 in die A-Klasse. Dort konnte man 1924/25 sogar den zweiten Platz in der Endplatzierung erreichen. Nachdem der Dachverband die Ligen neu strukturierte spielte die 1. Mannschaft des V.f.R in der 3. Gauliga. Ein Jahr später errang man die Meisterschaft und stieg in die 2. Gauliga auf ehe man 1930/31 in die 1. Gauliga aufstieg. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten gingen wieder Neustrukturierungen einher. Hatte es vorher in zahlreichen regionalen Staffeln (teils auch schon “Gauliga”, sonst häufig “Bezirksklasse” und “Oberliga” genannt) an die 500 “Erstligisten” gegeben, so wurden nun 16 Gauligen eingerichtet, deren Sieger in einer Endrunde den deutschen Meister ermittelten. Der V.F.R wurde in die zweite Bezirksklasse eingeordnet wo man den Aufstieg in die erste Bezirksklasse schaffte. Eine Anekdote am Rande zeigt wie seinerzeit der “Heimatverein” in dem Aachener Stadtteil Forst tief verbunden war. So wie heute üblich wechselten auch schon damals gute Spieler zu Vereinen die in höheren Klassen spielten. So auch der Stürmerstar des V.F.R Aachen-Forst Albert Schüller. Er wechselte zur ersten Mannschaft von Alemannia Aachen. Das nahmen ihm die Forster übel so dass das elterliche Schuhgeschäft quasi boykottiert wurde und zahlreiche Kunden verlor. So redete die Mutter ihrem “abtrünnigen” Sohn ins Gewissen das dieser gar ganz mit dem Fußball spielen aufhören wollte. Einige Monate später spielte Albert Schüller wieder erfolgreich für den V.f.R. Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges kam der Sport zum erliegen und es sollte bis zum September 1945 dauern ehe der V.f.R Aachen-Forst gegen die TuS Eilendorf ein Spiel bestritt. Zum Ende des Jahrzehnts stieg die Mannschaft in die Bezirksklasse auf ehe sie 1954 in die Kreisklasse abstieg. Ein Jahr später gelang jedoch der direkte Wiederaufstieg. In den 60er und 70er Jahren stieg man mehrmals ab und wieder auf und schaffte 1977 den Aufstieg in die Bezirksliga. 1969 bekam der V.f.R auch seine neue Sportanlage. Hatte man bislang auf dem Sportplatz am Schlackenberg gespielt siedelte man nun in die neue Sportanlage an der Sonnenscheinstraße um wo man bis heute immer noch spielt.
 
Die 80er Jahre waren die Höhepunkte im Verein. Man stieg nicht nur in die Landesliga auf (1981/1982) sondern konnte sich auch zweimal für die erste Hauptrunde im DFB Pokal qualifizieren. Am 27. August 1983 spielte der V.f.R Aachen-Forst gegen den Bundesligisten und DFB Pokalverteidiger 1. FC Köln und unterlag respektabel mit 1:6. Forst Trainer Hans Broichhausen, früher Spieler bei Alemannia Aachen, machte seine Mannen heiß auf das Spiel des Jahres. Der Torwart des V.f.R war mit seinen Gedanken nur bei zwei wichtigen Dingen. In seinem ersten Pflichtspiel wollte er nicht zweistellig verlieren und nach Spielschluss das Trikot und die Torwarthandschuhe von Nationaltorwart Harald “Toni” Schumacher erhaschen. Doch es kam anders, zweistellig wurde nicht verloren und die Torwart Handschuhe samt Trikot blieben bei Toni Schumacher. Wutentbrannt verließ der Nationaltorwart den Platz weil er tatsächlich ein Gegentor bekommen hatte. Und das auch noch von einem Amateurverein. Trotzdem war dieses Pokalspiel ein Feiertag für den Verein der den Amateurfußball würdig vertreten hatte. Wann spielt man schon u.a gegen deutsche Nationalspieler und Stars ala Toni Schumacher, Gerhard Strack, Paul Steiner, Klaus Fischer, Pierre Littbarski und Thomas Allofs?
 
1986 erreichte man in der Landesliga die Vizemeisterschaft, der Aufstieg wurde ein Jahr zuvor nur knapp verfehlt. Im Februar 1987 verstarb die Forster Fußball Legende Albert Schüller der für seinen Verein sagenhafte 1200 Spiele bestritt! Im selben Jahr qualifizierte man sich wieder für die erste DFB Pokal Hauptrunde und spielte am 28.08.1987 gegen den Bundesligisten Karlsruher SC. Vor geschätzten 2000 Zuschauern verlangte man dem Bundesligisten alles ab auch wenn man mit 0:5 das Spiel verlor. KSC Trainer Winnie Schäfer zollte den Forstern Respekt da sie bis Schluss munter mitmischten im Spiel. Auch V.f.R Coach Jochen Heck war mehr als zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. Denn das sprichwörtliche Kanonenfutter wurde man auch diesmal nicht. Munter spielte man nach vorne und hatte Chancen genug das eine oder andere Tor zu erzielen. Doch der Bundesligist war zwar beeindruckt aber schlug mit seiner Erfahrung abgeklärt zu und nutzte die Fehler in der Forster Abwehr. Dennoch ließen sich die Forster auch vom Rückstand nicht beirren und suchten weiterhin ihr Heil in der Offensive. Wenigstens ein Tor sollte fallen, so wie vor vier Jahren gegen den großen 1. FC Köln. Das Tor der Forster fiel auch, leider ins eigene. So wurde V.f.R Keeper Achim Kaiser auch noch von seinem eigenen Mitspieler (Biewendt) bezwungen als dieser retten wollte. Besonders der junge Claudio Scintu spielte groß auf und ragte aus einer guten Forster Mannschaft heraus. Er wechselte später zu Alemannia Aachen als diese aus der zweiten Bundesliga abgestiegen war. Mit einer gut geschlossenen Mannschaftsleistung verabschiedete man sich aus dem DFB-Pokal der ebenfalls noch vielen in Erinnerung bleiben wird. Als Aufstiegskandidat in der Landesliga gehandelt konnte man dann doch leider diesem nicht gerecht werden und verpasste abermals den Aufstieg.
 
1997 stieg man aus der Landesliga ab ehe man in der Spielzeit 2000/2001 auch aus der Bezirksliga absteigen musste in die Kreisliga A. Immer wieder spielte man oben mit ohne das erhoffte Ziel den Aufstieg in die Bezirksliga zu schaffen. Heute muss auch der V.f.R Aachen- Forst kämpfen um in schwierigen Zeiten einen Fußball Verein erfolgreich zu führen. Die Einstellung der jungen Leute hat sich geändert, ebenso das Freizeitangebot neben dem Fußball. Dennoch wird der Verein neben der großen Alemannia ein Aushängeschild bleiben. Die sportlichen Höhepunkte bleiben unvergessen. Aktuell spielt der VfR Aachen-Forst in der Kreisliga B (Stand 2019). Neben Albert Schüller wechselten auch andere Forster Spieler zu Alemannia Aachen, unter anderem Fred (Pommer) Schumacher, Norbert (Nobby) Lenzen und Claudio Scintu.
 
 
Sportliche Erfolge:

  • 1981 /1982 – Aufstieg in die Landesliga (wo man dann 13 Jahre blieb)
  • 1983 / 1984 – DFB-Pokalspiel gegen 1. FC Köln (1:6 auf dem Tivoli)
  • 1987 / 1988 – DFB-Pokalspiel gegen Karlsruhe SC (0:5 auf dem Tivoli)

 
Achja, wenn ihr zu den Geocachern gehört, dürft ihr gerne meinen Geocache V.f.R Aachen Forst (be)suchen gehen, wenn ihr zuvor die Fragen beantwortet habt :-)
 
 

An dieser Stelle H A P P Y   B I R T H D A Y  und alles Gute zum 100-jährigem bestehen V.f.R Aachen Forst :-)
Lasst es krachen und feiert ausgiebig. Auf die nächsten 100 Jahre!

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 


 

 
 
 
 

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