Jan 04 2018

Eine Legende verabschiedet sich leise

Michel Pfeiffer 1925 -2018

Legenden sterben nie

 
Einer der größten und erfolgreichsten Spieler in der Aachener Vereinsgeschichte, Michael, genannt “Michel” Pfeiffer,  ist am Dienstagabend friedlich eingeschlafen im Alter von 92. Jahren. Ob als Spieler oder Trainer, Michel Pfeiffer überzeugte immer durch seine eigene Art und Weise die ihm so liebenswert machten. Selbstbewusst im Auftreten, sein Umgang mit der Mannschaft als Trainer, das waren die Markenzeichen die ihn auszeichneten. Überheblichkeit war ihm fremd, er blieb bodenständig und sprach eine Sprache die jeder Verstand. Das war es was ihn in Aachen und bei der Alemannia unvergesslich machte. Mit ihm konnte sich jeder Fan, ob damals oder heute, identifizieren.  Reden konnte er auch, und wenn er redete hörte man gerne zu. Denn dann war Michel wieder in seinem Element und konnte die Leute begeistern. Wenn er aber einmal Anfing fand er das Ende nicht mehr – so jedenfalls sagte es seine Frau Christine 1993 im Rahmen einer Talkrunde in der Alemannia Cafeteria, wo unter anderem auch Fritz Walter, Fritz Herkenrath, Jupp Martinelli und Egidius Braun teilnahmen.
 
Michel, Du bist ein lieber Kerl. Wenn Du eine Rede anfängst, ist das sehr schön. Den Anfang findest Du immer, aber nie ein Ende…“
 
Geboren wurde Michel Pfeiffer am 19. Juli 1925 in Eschweiler. Bei Grün-Weiß Eschweiler, die später mit der Fusion von Eschweiler Ballsportverein 06 in die Eschweiler Sportgemeinschaft mündete, schnürte er seine Schuhe in der Jugend. Bedingt durch den zweiten Weltkrieg musste er mit 18 Jahren als Soldat an die Westfront nach Frankreich, zwei Jahre vor Kriegsende. Nach seiner Kriegsgefangenschaft kehrte er 1948 in seine Heimat nach Eschweiler zurück und schnürte sofort wieder die Fußballschuhe. Auch wenn sein Onkel Jupp, seinerzeit ebenfalls Spieler der Eschweiler SG, die große Hoffnung hegte das sein Neffe höherklassige Angebote ablehnen würde, wechselte Michel bereits ein Jahr später zur Alemannia – und eine Karriere begann.
 
Neun Jahre lang trug Michel Pfeiffer das Trikot der Alemannia, in 244 Meisterschaftsspielen erzielte er 75 Tore. Damit gehört Alemannia zu den damaligen Top-Teams der Oberliga West. Zweimal verpasste man knapp die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. 1958 verabschiedete sich Michel Pfeiffer vom Tivoli uns wechselte zu Rot Weiß Essen. Dort spielte er noch drei Jahre an der Hafenstraße, ehe er seine Fußballschuhe beim niederländischen Club FC Geleen an den Nagel hing. Nun begann ein neuer Weg als Trainer.
 
Seine erste Trainerstation war 1963 bei Roda JC Kerkrade und führte ihn über Sittardia Sittard und BSV Schwenningen 1967 wieder zurück nach Aachen zur Alemannia. Dort hatte Präsident Leo Führen die Gust der Stunde genutzt und den Michel zurückgelotst an alter Wirkungsstätte. Gleich im ersten Jahr gelang Michel Pfeiffer der Aufstieg in die Bundesliga und mussten als Aufsteiger nur eine Heimniederlage hinnehmen. Zwei Jahre später wurde man sogar Vize-Meister, was den größten sportlichen Erfolg bis heute bedeutete. Nur der FC Bayern München war besser. Völlig überraschend und unverständlich wurde sein auslaufender Vertrag nicht verlängert – sehr zum Unmut von Michel Pfeiffer.
 

Unser damaliger Präsident Führen wollte unbedingt Georg Stollenwerk, obwohl ich vor dem gewarnt hatte. Ein halbes Jahr später stand Alemannia auf einem Abstiegsplatz, ich sollte zurück. Das habe ich natürlich abgelehnt.

 
Das Vereinspräsidium glaubte mit dem aus Düren stammenden Ex-Kölner Georg Stollenwerk einen besseren Trainer verpflichten zu können. Das erwies sich jedoch schnell als eklatante Fehleinschätzung. Ein Jahr nach der deutschen Vize-Meisterschaft stieg die Alemannia wieder ab. Und Michel Pfeiffer? Der ging nach einer kurzen Pause zum FK Pirmasens und verpasste die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Danach führte sein Weg über Austria Salzburg und zum SVA Gütersloh 1973/1974 noch einmal kurz zurück zur Alemannia in die Regionalliga West. Er führte den Verein in die neu gegründete Zweite Bundesliga, wurde aber bereits im September 1974 abermals entlassen. Nach einem kurzen Gastspiel als Trainer beim SVA Gütersloh 1976/1977 bekam er 1980 das Angebot vom tunesischen Verein CSS Faix, mit dem er auf Anhieb Meister wurde. Die Tunesier wollten ihm einen lebenslangen Vertrag geben, doch Michel Pfeiffer beendete seine Trainerlaufbahn und ließ sich im niederländischen Vaals, grenznah zu Aachen, nieder.
 

1980 kam ich zurück und sagte: Schluss. Es war der richtige Zeitpunkt.

 
Michel Pfeiffer war einer von drei Alemannen die das Trikot der deutschen Nationalmannschaft trugen, und war bis dato der älteste lebende Nationalspieler. Am 01. Dezember 1954 feierte er im Londoner Wembley-Stadion gegen England vor 100.000 Zuschauern sein Debüt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, da fast alle Weltmeister wegen Gelbsucht fehlten. Vor der Weltmeisterschaft 1954 in Bern plagten Michel Pfeiffer Leistenschmerzen. Für den damaligen Bundestrainer Sepp Herberger war das Risiko zu groß, Michel Pfeiffer blieb zuhause. Nach guten Spielen in der B-Mannschaft war sich Michel Pfeiffer sicher das er mit zur Weltmeisterschaft 1958 mit fahren würden. Aber Sepp Herbergers Assistent Helmut Schön sagte man könne sich noch empfehlen. Aber das war im Nachhinein nur ein Motivationstrick, der Kader stand bereits fest. So blieb es für Michel Pfeiffer bei einem einmaligen Länderspiel im Wembley-Stadion vor 100.000 Zuschauern. Ob er jemals verbittert darüber war?
 

Ach was! Man muss auch mal sehen: Ich war Mittelfeld-Regis­seur, meine Konkurrenten waren Fritz Walter und eventuell Max Mor­lock. Keine Schande, hinter diesen Klasse-Fußballern zu stehen.

 
So war er, der Michel. Und so werden wir ihn auch in Erinnerung behalten. Als einen der ganz großen Alemannen die der Verein hervorgebracht hat. Ruhe in Frieden Michel.