Okt 29 2017

Ausstellung – Alemannia 1933 – 1945

Fussball zwischen Sport und Politik

 
 
Bis 1933 spielten Reinhold Münzenberg „der Eiserne“ und Max Salomon, der trickreiche Stürmer, gemeinsam sehr erfolgreich für Alemannia Aachen, einen der damals bedeutendsten Vereinen im Westen des Deutschen Reiches. Ab 1933 trennte die nationalsozialistische Politik ihre Lebenswege, alle Lebensbereiche wurden neu ausgerichtet, auch der Sport. 
 
Was war Alemannia Aachen in dieser Zeit für ein Verein? Wie wirkte sich sich die nationalsozialistische Politik auf die Alemannia und das Vereinsleben aus? Wie agierten der Verein und seine Mitglieder im Spannungsumfeld zwischen Politik und Sport? Was geschah mit den jüdischen Vereinsmitgliedern? Entlang der Lebenswege von Reinhold Münzenberg und Max Salomon entfaltet die Ausstellung die Ereignisse und Entwicklungen bei Alemannia Aachen von 1933 – 1945. (Quelle: Auszug aus dem Flyer Alemannia 1933- 1945)
 

 
Ich muss gestehen das ich als Fan und Mitglied mir kaum Gedanken gemacht habe, was damals bei der Alemannia los war und was es bedeutete als das nationalsozialistische Regime in Deutschland an der Macht war. Es wurde in meiner Zeit ab den 1980er Jahren auch nicht thematisiert. Reinhold Münzberg war mir bekannt, ein Hero aus der Vergangenheit der bis heute sinnbildlich steht für das was die Alemannia ausmacht. Ein Nationalspieler, ein Kämpfer, ein Alemanne – der Eiserne halt. Den bekommt bzw. bekam man unweigerlich eingeimpft wenn man sich zum ersten mal den Alemannia Schal umgebunden hat und mit das Fähnchen „durch deä Soers zum Tivoli ging. Aber Max Salomon? Zuwenig war dieser Spieler bekannt, man hörte bzw. las von ihm im Alemannia Museums Eck und auch 2012 auf der Alemannia Webseite Seite zum Thema „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“. Auf seiner Flucht verlor sich in den Kriegswirren die Spur in Auschwitz. Viele Informationen gab es nicht dazu bis dato.
 

 
Umso erfreulicher das nun endlich dieses Kapitel auch thematisiert und greifbar gemacht wurde im Internationalen Zeitungsmuseum (IZM) der Stadt Aachen, dank des ehemaligen Alemannia IG Sprechers André Bräkling. Anhand von Reinhold Münzberg und Max Salomon sollte an diesen beiden Spielern exemplarisch gezeigt werden wie der Lebensweg beider Spieler im Verlauf in der NS-Zeit auseinander ging. Wer es nicht wusste – Max Salomon erzielte mehr als 80 Tore in rund 140 Pflichtspielen für Alemannia, letztmals zog er am 26. März 1933 das schwarz-gelbe Trikot über. Danach wurde er aus dem Kader aussortiert, da Juden auf und neben dem Rasen seinerzeit nicht mehr geduldet wurden. Kurz – Salomon trat infolge der Zeitrichtung ab.  

 

 

Gestern war es dann soweit, ich besuchte die Ausstellung mit meiner Frau und hatte die Kamera und Smartphone voll geladen. Damit sollte auch mein persönliches kleines Alemannia Archiv weiter bereichert werden, denn bislang galt das Augenmerk auf die sportliche Alemannia Vergangenheit. Ich glaube ich habe während der Ausstellung mehr als 300 Bilder gemacht, der Fussboden und die Decke wurden ausgespart. Der Raum in dem die Ausstellung zu sehen ist mag klein sein, aber dennoch ist er groß an jede Menge Information, Bildern, Leitsätze und Exponaten. Der Eintritt kostet übrigens 6 Euro und beinhaltet auch die größere Ausstellung in der ersten Etage des Internationalen Zeitungsmuseum. Um es vorne weg zu nehmen, ich habe mal zwar dort reingeschaut aber nicht wirklich vom Hocker gehauen. Das hat die Alemannia Ausstellung um so mehr. 

 


 
Ein Rundgang „lädt“ dazu ein in der Zeitlinie 1933 – 1945 umherzuwandern, im Zentrum auf einem langen Tisch findet sich alles zum Thema Reinhold Münzberg (Vordergrund) und Max Salomon  (Hintergrund) wieder, zwei große Papp-Aufsteller der Spieler sorgt dafür das man unweigerlich angezogen wird. Hier liest mal alles zu den beiden Spielern und wie die Politik dafür sorgte das der eine erfolgreiche Zukunft hatte während der andere als verschollen galt. Besonders schön das es zu Max Salomon noch einen Koffer gibt und seine Kappe, Dinge die bis heute überlebt haben von ihm. 
 
Neben dem Hauptkern Münzberg und Salomon gibt es auch abseits davon sehr Interessantes zu lesen. Namen wie Leo Führen, Dr. Karl Moll, Wolfgang Wynands, Josef Emunds fallen einem ins Auge, Was mich besonders überrascht hat war das unter dem damaligen Alemannia Präsidenten Dr. Karl Moll der Spieler Max Salomon ab dem 01. April 1933 kein einziges Spiel im Alemannia Trikot gemacht hat. Desweiteren meldeten sich jüdische Mitglieder bis zum Sommer vom Verein ab. Dr. Karl Moll entliess sie ohne Gruß oder Anerkennung für ihre Verdienste. Da viel mir ein das wir doch damals doch ein Dr. Karl Moll Haus hatten am alten Tivoli, die Vereinsgeschäftsstelle – sicherlich keine Glanzleistung von ihm in dieser Zeit.
 

 
Vorbei an „Fussball International“, wo man lesen kann wie erfolgreich Reinhold Münzberg in Sachen Nationalmannschaft unterwegs war bei der WM 1934 und Olympia 1936, stach einem direkt die große Wand entgegen mit dem Thema „Das passierte im Verein“. Hier erfährt man alles was zwischen 1933 und 1945 bei der Alemannia passierte, von Ligaspielen, Spielern, Skandalen und auch von Todesfällen die der Krieg mit sich brachte. Bei manchen ernsten Themen sind dort auch kleine „Aufheller“ zu finden – wer hätte z.B. gewusst dass das Spiel Alemannia Aachen – Alemannia Mariadorf (am 26.03.1937) vom Schiedsrichter abgebrochen wurde, weil sich der Aachener Spieler Schnitzler weigerte im Schnessturm seine Jacke auszuziehen? 
 

 

So liest man auch von dem Kampf in der Gauliga und Abstieg in der Bezirksliga, das Derby gegen Rhenania Würselen und Alemannia das die Massen elektrisierte. Übrigens war Rhenania Würselen mal so gut das sie die Alemannia in den Schatten stellten mit dem  Aufstieg in die Oberliga West. Dort spielte man gegen  Schalke 04 und Borussia Dortmund die zu Gast am Adolf-Hitler-Platz (heute Lindenplatz) waren. Bis zu ihrem Wiederabstieg 1950 blieben sie bis dahin in vier Spielen ungeschlagen gegen die  Alemannia. Überraschend las man auch das es schon zur damaligen ziemlich „rüde“ zuging in der Fanszene (wenn man sie denn so bezeichnen konnte). Da wurde Zäune niedergedrückt um auf das Spielfeld zu kommen oder der Schiedsrichter vom Tivoli bis zum Bahnhof verfolgt und malträtiert. Daneben aber immer wieder ernste Schicksale und Schlagzeilen die einem vergegenwärtigen was es damals doch für eine Zeit gewesen ist.

 

Und? Schon gehört Jupp?

In der Ecke gibt es einen kleine Tisch mit zwei Stühlen – was berichteten die damaligen Zeitungen? Neben den üblichen Spielberichten wird auch die Rolle des Sports in Deutschland kommentiert. Einige Abdrucke findet man auf dem Tisch wieder, sehr gut ausgedacht wie ich finde. Vom Sport als Ausdruck nationaler Gesinnung bis zu Volksverbundenheit, Kameradschaftsgeist und Naturliebe.
 

    Einblick in die Vereinszeitung der Alemannia 

Wie geht der Verein mit der Jugend um? Wer wird in der Zeitung zitiert? Lesenswertes aus der Vereinszeitung der Alemannia, mit den Schwerpunkten aus den Jahren 1934 bis 1945.

 


 
Fast am Ende angekommen findet man hier alles über Spieler und Mitglieder, aufbereitet an Karteikarten wo man Alemannen wiederfindet die nachweislich 1933 Vereinsmitglieder waren. Darunter auch Karten von Max und Robert Salomon. Am Ende steht ein kleines Fussballtor „Nachspielzeit“. Hier kann man an kleines Pappwimpeln seine Gedanken aufschreiben (sofern man es möchte) und diese an Netz hängen. Eine Klasse Idee wie ich finde. Natürlich habe ich meine Gedanken auch dort verewigt, denn wenn man nach mehr als zwei Stunden dort angekommen ist weiß man es zu schätzen ich welcher Zeit wir heute leben.
 

 

Ich kann wirklich nur jedem Empfehlen – besucht diese Ausstellung – ob Alemannia Fan oder nicht. Es ist für jeden Interessant der wissen möchte wie es damals hier in Aachen und insbesondere beim Sport gewesen ist in der Zeit 1933 – 1945. Die 6 Euro sind gut angelegtes Geld. Ein großes Danke Danke gilt den Initiatoren, Organisatoren  und dem Internationalen Zeitungsmuseum für diese Ausstellung. Die Ausstellung läuft noch bis zum 04. März 2018. Hoffentlich bleiben viele Sachen danach auch sichtbar und verschwinden nicht aus dem Blickfeld. Das waren sie lange genug.

 

Übrigens, hier meine Pappkarte mit den Gedanken am Ende des Rundganges.
 

 
 
 

Weitere Bilder aus der Aussstellung – die einen Besuch nicht ersetzen 🙂  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

#

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 

Hat dir der Artikel gefallen?

Wenn ihr mögt dürft ihr den Artikel gerne bewerten 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (5 votes, average: 4,60 out of 5)
Loading...