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Aug 28 2017

Kartoffelkaefer

Im Gespräch – Horst Rambau

 

Hin und wieder gibt es hier auf dem Blog ein Interview z.B. von ehemaligen Alemannia Spielern, oder von Fans deren Herz schwarzgelb schlägt. Ein ebenso großes schwarzgelbes Herz hatte bislang auch Horst Rambau. Er steht seit Wochen, mit der Bekanntgabe der Kandidatur und dem kurzfristigen Rückzug des Team 2, im Scheinwerferlicht bei Fans, Medien und Sponsoren. Liest man sich die gängigen Alemannia Facebook Gruppen oder das Alemannia Brett durch, kommt er bei einigen Fans nicht gut weg – wobei das noch nett umschrieben ist. Wenn jemand so im Fokus steht, dann will man mehr Wissen als von Podiumsdiskussionen und Artikeln aus den hiesigen lokalen Medien. Deshalb war ich erfreut das es zu diesem Interview gekommen ist, das ich euch heute hier vorstelle. 

 

Zur Person Horst Rambau: 
 
Diplom-Finanzwirt Horst Rambau, 44 Jahre, 2 Töchter (15 und 12 Jahre alt). Seit 2005 selbständiger Steuerberater in Eschweiler. Gründung der 1. Zweigniederlassung in Hirschberg bei Heidelberg 2016. Seit 2017 in einer Partnerschaftsgesellschaft mit dem Kollegen Diplom-Finanzwirt Frank Ilgart.
Alemannia Fan seit der Saison 1989/1990 nach Umzug der Eltern vom Hochsauerland nach Eschweiler. Seit dieser Zeit regelmäßiger Tivoli Gänger und war von 2010 – 2012 ehrenamtliches Mitglied im Alemannia Aufsichtsrates gewesen. Zudem war er von 2008 – 2015 als Sponsor bei der Alemannia aktiv. Seit Juni 2015 nur noch sporadisch am Tivoli.
 
 
 
Hallo Herr Rambau, wie waren die letzten Wochen für Sie?
 
Da ich beruflich sehr eingespannt bin und wir derzeit enorm viel zu tun haben, konzentriere ich mich mal zu aller erst auf meine Arbeit. Dann fordern mich auch meine Kinder, die ich über alles liebe und außerdem die letzten Wochen auch mein Engagement bei einem B-Ligisten, für den ich selber früher mal einige Jahre in der Bezirksliga Fußball gespielt habe.
 
 
Gemeint war mehr die Situation bei der Alemannia!
 
Ach wissen Sie, das ist ja inzwischen ein Thema, das man sich als seriöser Vertreter kaum noch leisten kann. Das liegt leider nicht am Verein, sondern vielmehr an einigen Protagonisten und vor allem an einem völlig ferngesteuerten Vertreter der AN/AZ. Ich verstehe immer noch nicht, wessen Interessen hier vertreten werden. Die von Alemannia auf jeden Fall nicht! Wenn man sich die letzten 35 Jahre bei Alemannia anschaut, dann sind kaum mal Ehrenamtler unbeschädigt bei der Alemannia raus gekommen. Wem soll das denn wirklich Freude bereiten?
 
 
Und trotzdem wollten Sie nochmal in ein Ehrenamt als Schatzmeister?
 
Das ist bisher auch gerade von Herrn Pauli (Sportchef Christoph Pauli der Aachener Zeitung – Anm. d. Red.) trotz besseren Wissens immer wieder falsch dargestellt worden. Wir haben uns im März 2017 das erste mal in einer lockeren Runde getroffen. Zu dieser war zum Beispiel auch Björn Jansen eingeladen. Er ist aber dann nicht dabei gewesen. 14 andere Personen aus dem Umfeld der Alemannia waren aber dabei. Hauptsächlich Sponsoren und Ex-Profis. Im ersten Treffen habe ich sofort gesagt, dass ich auf keinen Fall nochmal in ein Amt gehen werde.
Meine Bereitschaft war einzig begründet durch die Bereitschaft eines Mandanten meine große Liebe zu unterstützen (Gemeint ist hier die zwei Millionen Euro Offerte eines Gönners – Anm. d. Red.). Diese Unterstützung sollte jedoch nicht bedingungslos erfolgen.
 
 
Ja, aber Herr Delheid behauptet ja nun wohl, dass es diesen Gönner gar nicht geben würde.
 
Herr Delheid ist schon ein lustiger Vertreter seiner Zunft. Herr Delheid behauptete ja auch schon, dass er ehrenamtlich für Alemannia gearbeitet habe. Das ist sicherlich hier und da der Fall gewesen, aber er war auch schon genauso gut als Rechnungssteller unterwegs. Ebenso behauptete er ja wohl am vergangenen Donnerstag, man habe einen neuen Sponsor für den Stadionnamen, dessen Namen man aber noch nicht nennen dürfe. Vermutlich aus Gründen der Seriösität (lacht).
Gleichzeitig will er aber den Namen meines Mandanten bekommen, obwohl er als Jurist wissen sollte, dass ich diesen gar nicht nennen darf. Außerdem bin ich als Steuerberater natürlich der Seriösität verpflichtet.
 
 
Was sagen Sie denn zu den persönlichen Anfeindungen von Herrn Delheid?
 
Wissen Sie, ich habe gelernt, dass man keinen Menschen in seiner Würde oder Ehre verletzen sollte. Es ist letztendlich auch eine Frage der Kinderstube und in meinem Fall auch eine Frage meines tiefen christlichen Glaubens. Es ist für mich aber auch gleichzeitig erschreckend, wie Menschen, die noch kein Wort mit mir gewechselt haben, die von dritten, die mich auch nicht wirklich kennen, irgendetwas gehört haben, mich aburteilen.
Das gilt auch für einige vermeintlich intellektuelle Fans. Daher behalte ich mir immer vor, einen Menschen selber kennen zu lernen, mir ein eigenes Bild zu machen und dann dennoch nie ein Urteil über diesen zu sprechen, da es mir nicht zusteht. Jedem Menschen muss man auch die Möglichkeit der Veränderung zusprechen. Herr Delheid zum Beispiel kennt mich überhaupt nicht. Insofern braucht man dazu nichts mehr zu sagen.
 
 
Wie sehen Sie die Situation mit Herrn Goy und den Anfeindungen gegen ihn?
 
Ähnlich! Schauen Sie, Herr Goy hat mit seinen verschiedenen Unternehmen mittlerweile über 300.000 Euro an Alemannia gezahlt. Hauptsächlich in der 4. Liga! Derjenige, der mindestens genauso viel für die Alemannia getan hat und ohne jeden Mangel ist, der darf auch Steine werfen. Alle anderen sollten besser schweigen.
Sponsoring hat auch immer etwas mit betriebswirtschaftlicher Sinnhaftigkeit zu tun. Bei Alemannia wird aber das Zusammenwirken der Sponsoren untereinander seit vielen Jahren überhaupt nicht gefördert. Aber genau das müsste passieren um in der 4. Liga die Attraktivität für Sponsoren zu erhöhen. Stattdessen wird Herr Goy, der definitiv immer noch bereit ist zu helfen, von der Presse durch Falschdarstellung und durch einige Fans, die keinen Respekt vor dem Engagement des Sponsoren haben und vom Insolvenzverwalter, der Herrn Goy auch nicht wirklich kennt, angegriffen und abgeurteilt. Der Gipfel war dann die Sippenhaft durch den Insolvenzverwalter für das sogenannte Team 2. Ich gehe nicht davon aus, dass er dies unbedacht geäußert hat, bin jedoch auch nicht nachtragend.
 
Wissen Sie, ich bin der Auffassung, dass man langfristige Partnerschaften nur dann dauerhaft erhalten kann, wenn man in guten und schlechten Zeiten zueinander steht. Bei Alemannia war es den Beteiligten stets egal, in welcher Situation sich die Sponsoren befanden und gleichzeitig erwartete Alemannia aber auch, dass es den Sponsoren egal sein soll, dass diese im Rahmen der ersten Insolvenz Geld nachschießen mussten, obwohl die Leistungen bereits bezahlt waren, die Alemannia zweimal abgestiegen war und, und, und. Ganz klar: Alemannia muss heute für jeden Unternehmer, jeden Menschen und vor allem jeden Fan dankbar sein, der noch da ist.
 
 
Herr Delheid behauptet ja, dass die 2 Millionen Offerte die Gespräche mit Sponsoren deutlich erschwert hätte. Was meinen Sie zu diesen Vorwürfen?
 
Herr Delheid scheint sich geradezu auf diese 2 Mio fokussiert zu haben. Es ist aber nicht mein Geld. Nach seinen Äußerungen wäre ich übrigens, falls es mein Geld wäre, nicht mehr bereit einer solchen Führung, die formuliert hat, erst nach der Wahl ein Konzept für die Alemannia entwickeln zu wollen, auch nur einen Euro zur Verfügung zu stellen.
Der Mandant sieht das sehr ähnlich. Wir sind natürlich im Kontakt und ehrlich gesagt, diese Ausmaß an Unseriösität beim „Kompetenzteam“ hat nicht nur diesen, sondern auch mich sehr geschockt. Da hat auch Herr Delheid gemeinsam mit Herrn Dr. Fröhlich der Alemannia ein deftiges Ei in Nest gelegt, denn kein seriöser Unternehmer, der das Geschehen bei Alemannia verfolgt, kann vor dieser Wahl etwas investieren, denn jeder Unternehmer muss ein solches Sponsoring bei Alemannia vor seinen Gesellschaftern und ich meine auch vor seinen Mitarbeitern verantworten können. Ich werde meine Mitarbeitern auf jeden Fall nicht sagen „Wir investieren bei Alemannia, auch wenn es dort kein Konzept gibt“.
 
 
Hatten Sie als Team denn ein Konzept?
 
Nochmal, eigentlich gab es uns als Team gar nicht, es war mehr ein Notteam. Aber ja, das hatten wir und haben wir auch noch. Es beinhaltet mehr als eine Zugabe von 2 Mio Euro. Denn diese 2 Mio spielten bei uns von März bis Juli keinerlei Rolle.
Unsere Absicht war ja auch nie ein Antreten als Team, sondern das Einbringen von Konzepten und Ideen. Wir haben uns zu diesem Zwecke mehrfach als große Gruppe getroffen. Jeder konnte seine Ideen einbringen. Hieraus haben wir dann ein Paket geschnürt, das wir gerne mit Herrn Dr. Niehring besprechen wollten. Leider haben auch mehrere Kontaktaufnahmen meinerseits und ein persönliches Gespräch am 2. Mai 2017 nicht zu einem Rückruf durch den Insolvenzverwalter geführt.
Dieser hat sich erst gemeldet, nachdem die 2 Mio am 30.07.2017 in der SuperSonntag erwähnt wurden. Dazu muss sich jeder sein eigenes Bild machen.
 
 
Herr Delheid und Herr Gronen haben ja die grundsätzliche Bereitschaft erklärt, ihre Präsidiumsstühle zu räumen, falls der Gönner seine Zahlung von Ihrer Eigenschaft als Schatzmeister abhängig macht. Was sagen Sie dazu?
 
Populismus! Hier geht es insbesondere Herrn Delheid um Stimmungsmache. Das ist aber selbst für den letzten Fan leicht durchschaubar. Und nochmal, vor einer Wahl sollte ein Konzept stehen und eine Präsidiumsstuhl kann man erst räumen, wenn man gewählt ist. Hier wird das Fell des Bären aber verteilt, bevor der Bär erlegt ist. Die Herren machen da aus meiner Sicht den dritten Schritt vor dem ersten.
 
 
Was sagen Sie zur Rolle von Herrn Dr. Fröhlich?
 
Ich kenne seinen Vater etwas besser, da ich mit diesem in der Vergangenheit hin und wieder kurze Gespräche geführt habe. Mit dem Junior habe ich bisher keinerlei Gespräch geführt und kenne Ihn daher auch überhaupt nicht und kann ihn weder als Mensch, noch als Anwalt bewerten und mache dies auch wie ich bereits erwähnte sehr ungern. Wenn ich aber an seiner Stelle gewesen wäre, hätte ich mir das mit dem Präsidenten-Stuhl gut überlegt. Er saß ja wohl die ganze Zeit mit am Tisch, wenn der Aufsichtsrat tagte und war insofern von Anbeginn seiner Tätigkeit als Verwaltungsratsvorsitzender stets involviert. Das hat mindestens ein bisschen Geschmäckle. Das finde ich für ihn persönlich sehr bedauerlich. Aber die Entscheidung über seinen weiteren Weg muss er alleine treffen.
 
 
Ja, aber Herr Dr. Fröhlich war ja scheinbar auch involviert, als der vorherige Aufsichtsrat (Team 2018 – Anm. d. Red.) mit dem Rechtehändler Kölmel heimlich, still und leise der Vertrag hinsichtlich der Beteiligung an etwaigen Fernsehgeldern von 12 auf 13 Jahre verlängert wurde!
 
HR: Wissen Sie, das war ja dann offensichtlich so heimlich still und leise, dass selbst ich davon nichts mitbekommen habe (lacht). Aber mal im Ernst, da ist mal wieder das alemannische Transparenzproblem. Es scheint sich wirklich nichts geändert zu haben. Ein lieber Freund von mir, der bis 1999 auch am Tivoli spielte, sagte mal zu mir „Dieser Verein wird nie dauerhaft im Profifußball verweilen, da er hinter den Kulissen geprägt wird von Scheinheiligkeit, Verlogenheit und Hinterhältigkeit.“ Heute sage ich, er hat Recht behalten. Er ist übrigens heute noch im Profifußball tätig.
 
Das eigentlich Schlimme daran ist, dass die tollen, echten Fans darunter leiden müssen. Ich habe im Urlaub vor einiger Zeit mal einen behinderten jungen Mann und seine Mutter kennen gelernt, die beide heißblütige Alemannen waren und bestimmt auch noch sind und genau für diese Menschen tut mir die ganze Entwicklung mehr als leid. Für diese Menschen tragen die Leute in den Gremien der Alemannia eigentlich die Verantwortung und derer sollten sie künftig wieder gerecht werden.
 
 
Wie geht es jetzt weiter mit der Alemannia?
 
Es muss viel passieren. Vor allem sollten die Mitglieder sich ein ehrliches Bild vom sogenannten Kompetenzteam machen. Dieses wird selber oder über Fürsprecher aus dem Umfeld jetzt wieder emotionalen Druck auf die Fans ausüben. Der Tenor wird sein, dass es sich die Alemannia nicht erlauben kann, ohne Führung aus der Insolvenz raus zu gehen. Daher wird von vielen Seiten die Wahl des Kompetenzteams empfohlen werden. 2009 wurde ein Präsidentschaftskandidat mal nicht gewählt und es ging mit einem „Notvorstand“ bis Juni 2010 weiter. Als Zweitligist!
Die Fans und die Mitglieder sollten davor also nicht allzu viel Angst haben. Angst haben sollten diese vielmehr vor einer konzeptlosen Führung, die auf jeden Fall zu großen Teilen alten Seilschaften zuzurechnen ist. Das wäre der Untergang für die Alemannia.
 
 
Was wäre Ihr Lösungsansatz gewesen?
 
Zusammen, für Aachen. Nur gemeinsam kann man Ziele nachhaltig erreichen. Außerdem wurden Altlasten aus der ersten Insolvenz immer noch nicht aufgearbeitet und genauso sollten die Gründe für die 2. Insolvenz klar benannt werden. Die drohenden Steuerlasten, wie Herr Pauli berichtete, waren und jeden Fall kein Grund. Ebenso wenig die „fehlenden“ 39.000 Euro von check2win. Zu meinem Lösungsansatz gehören auch Ehrlichkeit und Transparenz. Dinge, die in den letzten Jahren oft versprochen wurden, aber nicht wirklich mit Leben gefüllt worden sind.
 
Dazu gehört es auch den Sponsoren ehrliche Möglichkeiten zur Erreichung eines Marketingerfolges anzubieten, damit Sie gerne und erfolgreich investieren können. Dies gilt gerade für KMU’s. Diese bilden derzeit die Basis des Aachener Sponsorenpools.
Ich wünsche der Alemannia auf jeden Fall viel Erfolg für eine schwere Zeit, die nun vor ihr liegt. Den handelnden Personen wünsche ich viel Weisheit und Verstand und vor allem mehr Gottvertrauen und weniger Heckenschützen. Sollte man irgendwann meinen Rat hören wollen, meine Nummer steht im Telefonbuch.
 
 
Sehen Sie ihre Zukunft weiter im Fußball?
 
Als Spieler, egal ob bei Alemannias Traditionsmannschaft oder im Notfall bei „meinem“ B-Ligisten, auf jeden Fall. Als Funktionär wohl eher nicht. Als Sponsor ist der Amateurfußball sehr viel interessanter als der Profibereich. Zum einen sind die Menschen dort in der Regel ehrenamtlich aktiv und zum anderen, vielleicht auch deshalb, sehr viel dankbarer für jede Form der Unterstützung. Das Miteinander ist deutlich besser.
 
 
 
Vielen Dank für das interessante Interview. Persönlich wünsche ich Ihnen alles Gute und hoffe das es irgendwann wieder die vielbeschriebene Alemannia Familie gibt deren Ziel wirklich nur die Alemannia ist. Vielleicht wird ihr Rat ja doch schneller gebraucht als gedacht.