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Apr 26 2017

Kartoffelkaefer

Zusammenfassung und Gedanken zur gestrigen Informationsveranstaltung


 
 
Gestern gab es im Klömpchensklub am Tivoli ein Informationsabend für die Mitglieder. Dazu eingeladen hatte Insolvenzverwalter Dr. Niering um die Mitglieder über seine Pläne – die Zukunft der Alemannia – zu informieren. Herausgekommen ist dabei folgendes:
 

  • Die Lizenz für die Regionalliga West Saison 2017/2018 wurde ohne Auflagen erteilt.
  • Man geht vorerst ohne einen Investor in die neue Saison.
  • Weitere Gespräche mit dem Investor um Kölmel und Co herum hat es bislang nicht gegeben.
  • Sollte ein Investor einsteigen wollen wird es eine Jahreshauptversammlung geben wo die Mitglieder entscheiden werden.
  • Man plant die kommende Saison mit einem einstelligen Tabellenplatz.
  • Man kalkuliert mit einem Zuschauerschnitt von 4.800 Zuschauer.
  • Etat wird auf 700.000 Euro festgelegt (1.0 Mio Brutto) minus Sozialabgaben und Versicherungen.
  • Das Tivoli Echo steht zur Disposition.
  • Die Abschaltung der Videowand steht zur Disposition.
  • Das Nachwuchsleistungszentrum wird geschlossen bzw. nicht weiter zertifiziert.
  • Zweite Mannschaft steht zur Disposition da sie zu weit zur ersten Mannschaft ist
  • Die Auswärtsdauerkarte soll es weiterhin geben.
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten sollen weiter gefördert werden als Bindung zum Verein.
  • Ein neuer Geschäftsführer könnte nächste Woche vorgestellt werden.
  • Alemannia, Stadt Aachen und Sponsoren müssen alle ihren Beitrag leisten wenn es mit Alemannia weiter gehen soll.
  • Eine zweite Insolvenz bedeutet nicht das Ende eines Vereins.
  • Alle finanziellen Angaben beruhen auf Zusagen von Sponsoren die mitziehen müssen. Einige haben schon Zusage gegeben.
  • Der Tivoli bleibt die Heimspielstätte der Alemannia

 
 

Eine zweite Insolvenz bedeutet nicht das Ende. Auch andere Klubs brauchten mehrere Anläufe, um die Ausgaben an den Einnahmen zu orientieren. Das ist der Ansatzpunkt, und das wird schwer genug. Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe für Mitglieder, Sponsoren und Stadt. Jeder muss seinen Beitrag überlegen, wenn es weitergehen soll.

-Insolvenzverwalter Dr. Christoph Niering-

 
 
Einige Punkte sind durchaus nachvollziehbar, bei anderen fragt sich man allerdings schon nach dem Wieso und Warum. Wie will man Sponsoren begeistern wenn man ihnen die Werbemöglichkeit nimmt indem man das Tivoli Echo einstellt und die Videowand im Stadion dunkel lässt? Gerade das sind doch werbewirksame Medien die man einsetzen muss. Oder geht man davon aus das die Sponsoren bezahlen, aber kaum werben dürfen? Es wird interessant sein was die Sponsoren selbst dazu sagen, und natürlich ob es letztendlich überhaupt umgesetzt wird.Das einbinden von ehrenamtlichen Helfern klingt gut, es bindet die Fans mehr mit dem Verein ein als zuvor. Aber dazu muss ein neuer Vorstand auch bereit sein, und nicht wie in der Vergangenheit dankenswert auf diese Hilfe zu verzichten.
 
Das einstampfen der zweiten Mannschaft macht aktuell Sinn, da sie mit dem Abstieg in der Bezirksliga zu weit weg ist zur Regionalliga hin. Da ist als nächster Unterbau die U19 vielleicht die bessere Wahl um die Jugendspieler an der ersten Mannschaft heranzuführen. Das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) wird man ebenfalls einstellen, da die Zertifizierungsvorgaben vom Deutschen Fußball Bund (DFB) zu kostenintensiv sind. Auch das macht erstmal Sinn bis man wieder Geldmittel zur Verfügung hat um dieses wieder zu betreiben. Die Jugendarbeit soll künftig vom Trainergespann der ersten Mannschaft mitorganisiert werden.
 
Der gesamte Etat soll bei rund 2,5 Millionen Euro liegen, davon werden erhebliche Mittel für das Sicherheitskonzept gebunden. Zehn Prozent des Etats gehen an die Stadt oder stadtnahe Gesellschaften für Miete, Erbpacht etc und umfasst ca. 250.000 Euro. Das ist die Hälfte der geplanten Zuschauereinnahmen. Der Spieleretat wird bei einer Million Euro liegen, derzeit liegt er noch bei 1,3 Millionen. Davon gehen ungefähr 300.000 Euro für Berufsgenossenschaft und Arbeitgeberanteile für die Sozialversicherung weg. Unter dem Strich bleibt so für die Kaderplanung rund 700.000 Euro Investment für alles, was mit dem Spielbetrieb der ersten Mannschaft zu tun hat – inklusive der Punktprämien.
 
Bei einer Kalkulation von 700.000 Euro ist das Ziel im kommenden Jahr, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen, sehr ambitioniert. Wenn man bedenkt das man vermutlich mit einer neu zusammengestellten „Low Cost“ Mannschaft inklusive Trainer wettbewerbsfähig sein will, kann das ein Ansporn sein der aufgeht – oder eben böse ins Auge geht. Einhergehend darf man auch nicht außer acht lassen das man weiter Zuschauer verlieren wird, wenn man unten im Niemandsland der Tabelle rumdümpelt. Ob sich da noch 4.800 Zuschauer für begeistern lassen? Wenn man ehrlich ist hätte die jetzige Truppe von Fuat Kilic auch jetzt schon weit aus mehr als knapp 5.000 Zuschauer verdient. Woran liegt das momentane Desinteresse? Immer noch aus der letzten Saison, als Suspendierungen, Meuterei der Mannschaft, Schlägerei zwischen Geschäftsführer Sport und U21 Co-Trainer, Stadionverbote und etc pp mehr im Vordergrund standen als das spielerische und die Öffentlichkeit teils fassungslos zurückließ wie es im und um den Verein herum zugeht?
 
Ob ein neuer Geschäftsführer nun Sinn macht oder nicht sei dahingestellt. Der Insolvenzverwalter Dr. Niering wird dafür schon gute Gründe haben. Aber statt eines Geschäftsführers hätte man vielleicht auch jemanden holen können der hier für Aufbruchstimmung sorgt. Jemanden der die Region aus ihrer fast zweijährigen Lethargie reißt und die Leute mitnimmt warum die Alemannia mehr ist als ein Klömpchensklub. Das wäre ein gutes Zeichen für einen Neuanfang, der dann aber auch wirklich ein totaler Neuanfang sein müsste. Ohne alte Zöpfe, ohne den Öcher Klüngel, und mit Leuten an der Spitze die nicht nur ihr Handwerk verstehen sondern auch die sportliche Kompetenz besitzen oder sich diese zumindest ins Haus holen. Denn wenn man Fuat Kilic verliert ist auch die allerletzte sportliche Kompetenz entschwunden vom Alemannia Schiff.
 
Aktuell ist man bestrebt das man Coach Fuat Kilic gehalten bekommt. Man ist sich schon nahe, und die nackten Tatsachen liegen nun seit gestern offen auf dem Tisch. Ist das eine Perspektive für unseren Coach um hier zu bleiben und am Neuaufbau mitzuwirken? Mit ihm könnte man vermutlich einige Spieler aus dem jetzigen Kader noch halten, aber ohne ihn? Ohne ihn wird die Mannschaft vermutlich auseinanderfallen. Die feststehenden Abgänge von Jannik Löhden und Florian Rüter sind nur der Anfang. Diesen Spielern konnte man hier keine Perspektive mehr bieten bzw. diese sahen auch keine mehr. Kann man es Ihnen verübeln in der Gegenwärtigen Situation wo man den Reset Knopf gedrückt hat? Die jetzigen Spieler haben bei anderen Klubs in der Regionalliga und auch in der dritten Bundesliga Begehrlichkeiten geweckt, durch ihre gute Leistung ist der Marktwert gestiegen. Leider profitiert die Alemannia wahrscheinlich nicht davon. Man hat gut gesät, die Ernte werden andere Klubs einfahren. 
 
Alles, oder vieles wird davon Abhängen wie nächste Woche das Sponsorenmeeting ausfallen wird. Wenn man es schafft das alle einem Strick ziehen, dann kann es wirklich was werden mit einem Neuaufbau. Wenn die Sponsoren sich aber nicht begeistern lassen, mehr und/oder überhaupt in die Alemannia zu investieren, dann wird es wohl sehr schwer das Alemannia auf langer Sicht aus der Regionalliga entkommen kann. Das Glück das wir 1999 hatten lässt sich leider nicht einfach so wiederholen. Da muss alles passen. Darauf kann man natürlich vertrauen, aber haben wir tatsächlich zehn Jahre Zeit dafür in einer Regionalliga mit weiter sinkenden Etat?
 
Ein Investoreneinstieg könnte natürlich einen Schub geben, aber die Konditionen müssten für beide tragbar sein. Vor allem muss etwas dabei herauskommen das es tatsächlich gelingt das man in nicht allzu ferner Zukunft den Wiederaufstieg in die dritte Liga schaffen kann. Dazu müssen aber Investoren, Sponsoren und auch die Fans gemeinsam daran Wirken und das Vertrauen besitzen das man mit dem Verein Alemannia Aachen nicht spielt.
Wenn man bedenkt das man bereits jetzt einen Kader besitzt der das Potenzial zu mehr hat für die kommende Saison, wo man nur noch auf einigen Positionen etwas verfeinern müsste – man hätte den Angriff auf die Spitze bereits kommende Saison starten können. Ja können, wenn die Voraussetzungen anders gewesen wären als jetzt. Nun muss man wahrscheinlich wieder bei null anfangen und darauf hin arbeiten das man in einigen Jahren da ist wo man jetzt gerade steht mit Mannschaft und Trainer. Es ist zum weinen oder?
 
 
 
 

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