Mrz 23 2017

Alemannia und die zweite Insolvenz – Wie geht es weiter?

Foto: Bjöern Hellmich

 
 
Heute gab die Alemannia, bzw. der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Niering aus Krefeld, eine Pressekonferenz am Tivoli um Fragen rund um die Insolvenz zu beantworten. Auf dem Podium saßen neben ihm auch Ex-Aufsichtsratmitglied Tim Hammer und Schatzmeister Horst Reimig. Tim Hammer teilte mit das er gestern Abend einen ersten Kontakt mit Dr. Niering hatte, und einen durchweg positiven Eindruck von ihm hat: “Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei Herrn Dr. Niering, weil er sehr erfahren ist. Es geht ihm darum etwas zu erhalten und nicht etwas abzuwickeln“.
 
Dr. Nierimg begann die Pressekonferenz mit den Worten:

Wir haben die Aufgabe zuerst einmal festzustellen, wo wir stehen und was es für Zukunftschancen gibt. Zum Glück haben wir die Regelung, dass man trotz Insolvenz nicht mehr zwangsabsteigen muss. Es ist möglich, die Saison zu Ende zu spielen. Die Gehälter sind bis Saisonende gesichert. Das hat uns die Agentur für Arbeit bereits bestätigt.” Das betrifft nicht nur die erste Mannschaften, sondern auch alle Jugendmannschaften”.

 

 
Über sich selbst sagte der Fachanwalt für Insolvenzrecht das Erfahrung mitbringt was die Arbeit mit Fußballvereinen betrifft. So hatte er in der Vergangenheit auch die Fußballklubs Sportfreunde Siegen und Fortuna Köln bei deren Insolvenz begleitet. Zurückschauen mag der erfahrene Insolvenzverwalter nicht, es gilt ein Konzept zu entwickeln wie es weitergehen kann. “Ich möchte mit der Alemannia den Weg gehen das es gut läuft in der zweiten Insolvenz“. Dass ein Traditionsverein den Weg auch nach einer Insolvenz wieder nach oben finden kann, dafür liefert er auch direkt ein Beispiel hinterher – den Drittligisten Fortuna Köln. “Ich hoffe, dass die Alemannia nicht drei Insolvenzen hinter sich hat, bis man es begriffen hat.”
Ex-Aufsichtsrat Mitglied Tim Hammer ergänzte: “Wir haben eine glänzende Ausgangsposition für die Insolvenz, aber nur weil man frühzeitig einen Schlussstrich gezogen habe und man kein nächstes Mal mehr wolle.” Für ihn ist die “Alemannia ein allgemeiner Schatz, ein Schatz der Stadt und der Städteregion. Gleichzeitig sichere er dem Insolvenzverwalter die absolute Unterstützung zu.
 

“Das Ziel muss es sein mit der Therapie auf gute, gesunde Beine zu kommen”

 
Dr. Niering berichtete das normalerweise eine Fluchtbewegung einsetzt wenn Vereine Insolvenz angemeldet haben. Das sei in Aachen nicht der Fall gewesen. Er betonte, dass der Zeitpunkt der Insolvenz-Antragstellung der absolute richtige Zeitpunkt gewesen ist. Er erklärte weiter dass es die Ambition sein müsse, wieder erfolgreichen Fußball zu spielen. Dafür setzt er einen Drei- bis Fünfjahresplan an. Das Ziel muss es sein auf gute gesunde Beine zu kommen. Für die 2.750 Dauerkarteninhaber hatte er eine gute Nachricht: “Die Tickets behalten ihre Gültigkeit. Die Inhaber haben volle Zugangsberechtigung“. Auch die Kosten für den laufenden Spielbetrieb sind gesichert und können vom Bankguthaben gedeckt werden. Die Frage zur Spielstätte, und ob weiter im Tivoli gespielt wird, beantwortete er mit einer Gegenfrage: “Was ist die Alternative? – Das Stadion von Jülich 10, das in der Vergangenheit bereits zur Diskussion stand, sei keine Option”. Gestern Abend saß er mit dem Trainerstab zusammen und blickte in motivierte Gesichter. Das mache ihn zuversichtlich das Alemannia, trotz neun Punkte Abzug in der laufenden Saison wegen des Insolvenzantrages, die Klasse halten kann.
 

“Fake News”.
Horst Reimig zu den Gerüchten das Alemannia möglicherweise in Würselen ihre Spiele abhalten müsse.

 
Das Thema Investor hält Dr. Niering durchaus für eine Option. Die Investorengruppe um Michael Kölmel hatte gestern die handelnden Personen informiert, dass sie nicht ihr Angebot zurückziehen werden.
Ich rede mit jedem, der hilft. Wenn er ein Konzept hat, was von allen Getragen wird, dann sehr gerne. Ich bin aber zu erfahren, dass ich mich von einem ersten Angebot locken lasse“, so der Fachanwalt. Schatzmeister Horst Reimig ließ dazu noch eine kleine Bombe platzen, anscheinend ohne vorherige Abstimmung mit Hammer und Co. Er sagte das er gestern Abend einen Anruf erhielt, dass es einen weiteren Investor gebe der sich interessiert zeige bei der Alemannia einzusteigen. Tim Hammer ergänzte das man in den vergangenen Monaten regelmäßig mit diesem möglichen Investor im Gespräch gewesen sei, man müsse die Entwicklung abwarten. Er bedauerte dass man es leider vorher nicht geschafft haben sich gemeinsam abzustimmen. Schatzmeister Horst Reimig hielt dann noch eine Broschüre hoch die bisher nur potenzielle neue Sponsoren zu Gesicht bekommen haben. Damit wollte er demonstrieren dass die Suche nach Sponsoren lief.
Es kam die Frage auf wer sich um die Zusammenstellung der Mannschaft und des Trainerstabs kümmert. Dr. Niering behagte die Frage nicht ganz und antwortete: “Ich befürchte, dass ich das bin. Aber alles nur im Schulterschluss mit den Verantwortlichen.” Ob man Fuat Kilic nicht vielleicht doch noch umstimmen könnte beantworte er so: “Ich würde mich Gesprächen jedenfalls nicht verschließen“. Tim Hammer hingegen hielt eine Lobrede auf unseren jetzigen Coach: “Fuat Kilic gefällt es hier sehr gut, er ist als Typ sensationell, er hat eine junge Truppe die er sensationell motiviert“.
Das erste Ziel müsse sein mit ihm zu sprechen. Aber es wird auch andere Lösungen geben, wenn es andere Lösungen geben muss. Für Tim Hammer jedenfalls steht fest dass Kilic sehr gut zum Verein passt.
 

“Er ist im Moment menschlich durch den Wind. Für einen so jungen Menschen ist so ein Scheitern ein ganz schwieriges Thema.”
Dr. Niering zum Thema Timo Skrzypski

 
Zur Personalie Timo Skrzypski sagte Dr. Niering das der Geschäftsführer keine Rolle mehr spielt in den weiteren Planungen. Er trat auch den Gerüchten entgegen das Skrzypski im Alleingang den Insolvenzantrag durchgeboxt hat. Die Entscheidung sei mit dem Aufsichtsrat abgestimmt gewesen. Schatzmeister Horst Reimig ergänzte man müsse davon wegkommen das der Geschäftsführer alles Schuld sei, wenn die Alemannia noch eine Zukunft haben wollte. Ebenso unterstrich er noch nochmals warum man frühzeitig den Schlussstrich gezogen habe: “Was nutzt es, wenn wir erst nach der Saison gehandelt hätten?” Die Pressekonferenz neigt sich damit dem Ende entgegen. Dr. Niering hob noch einmal hervor: “Neuanfang klingt toll. Aber was bisher gut war, sollte man auch stärken” Er warb noch einmal dafür, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, um die Alemannia wieder nach vorne zu bringen.
 
Eine letzte Frage ging dann noch an Tim Hammer, warum in der Pressemitteilung Kritik an den Fans geübt wurde. Er antwortete darauf dass sich diese nur an die “Hardcore-Fans” gerichtet habe, die sich massiv gegen den Investoreneinstieg angesprochen haben. Damit endete die Pressekonferenz nach etwas mehr als einer Stunde am Tivoli.
 
 
 
 

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1 Kommentar

    • Franz Wirtz on 29. März 2017 at 22:00

    Auf den zweiten Blick fragwürdig …

    Ich musste zugegebenermaßen erst ein zweites Mal hinschauen, um zu realisieren, was ich da lese: „Auf dem Podium saßen neben ihm auch Ex-Aufsichtsratmitglied Tim Hammer und Schatzmeister Horst Reimig.“ Warum lediglich Wolfgang Hammer als Ex-Aufsichtsratsmitglied registriert wird, erklärt sich mir auf Anhieb nicht.

    „Wir“ und die „große Gemeinschaft“
    Super, nachdem Außenstehende und Fans sich monatelang ‘verarscht’ vorkamen, angesichts der miserablen Informationspolitik, der sich spürbar zuspitzenden Lage des Klubs und erst recht angesichts des eingereichten Insolvenzantrags, sofort einen auf „wir“ und die „große Gemeinschaft“ machen. – Eine leicht zu durchschauende Rhetorik, die mir unmittelbar vermittelt, ‘wie der Hase läuft’. Ein Wir-Gefühl heraufbeschwören zu wollen ist naheliegend und vollkommen in Ordnung. Sich allerdings gleichzeitig derart kritiklos zu zeigen, was die katastrophale Vergangenheit angeht, erscheint mir unverständlich. Umso mehr, als man sich gleich zu Beginn derart einvernehmlich mit hierfür Verantwortlichen zeigt.

    „Neuanfang klingt toll. Aber was bisher gut war, sollte man auch stärken“, erklärt der Insolvenzverwalter. Ich ‘liebe’ solche Passepartouts-Sätze, jeder darf – was immer er will – sich darunter vorstellen und der Verfasser meidet jedes Risiko.

    Danke, – genau zum richtigen Zeitpunkt
    Zitat: »Gleichzeitig bedankte sich der Fachanwalt für Insolvenzrecht für die Unterstützung der Gremien bei seiner Arbeit und betonte, dass der Insolvenzantrag „genau zum richtigen Zeitpunkt“ beim Amtsgericht eingereicht wurde. Für Dr. Christoph Niering haben der Geschäftsführer Timo Skrzypski und der Aufsichtsrat um Dr. Christian Steinborn verantwortungsvoll gehandelt.«

    Beinahe schon eine Lobeshymne, ausgerechnet auf diejenigen, die dieses unglaubliche Chaos mit zu verantworten haben und von Teilen der Fans seit Monaten schon heftigst kritisiert werden. Bezogen auf den „genau richtigen Zeitpunkt“ des Insolvenzantrags bin ich auf die diesbezüglichen Äußerungen des ehemaligen Vermarkters Infront gespannt.

    PS:
    weitere Quellenangaben

    Do, 23. März 2017
    NIERING: DER ALEMANNIA EINE ZUKUNFT GEBEN
    http://www.alemannia-aachen.de/aktuelles/nachrichten/details/Niering-Der-Alemannia-eine-Zukunft-geben-23904P/

    Auszug Pressekonferenz
    11:19 – 23.03.2017 –
    „Wir haben gestern schon Herrn Dr. Niering unsere absolute Unterstützung zugesagt“, erklärt Hammer, der auch betont, dass er aufgrund der Insolvenz Ärger mit seiner Frau bekommen habe.
    http://www.aachener-zeitung.de/sport/alemannia-aachen/alemannia-insolvenz-suche-nach-langfristigem-konzept-beginnt-1.1586191

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