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Mrz 14 2014

Kartoffelkaefer

Alemannia Mitglieder wählen eine bessere Zukunft

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Das „Souverän“, die über 500 anwesenden Alemannia Mitglieder, haben gestern Abend im Aachener Eurogress nach mehr als fünf Stunden eine neue Führungscrew gewählt. Alemannia ist somit nach der Insolvenz, die wohl in wenigen Tagen vom Amtsgericht Aachen für beendet erklärt wird, in den jeweiligen Gremien wieder komplett. Das „Team 2018“, bestehend aus Tim Hammer, Thomas Deutz, Horst Reimig, Oliver Laven wurden ebenso gewählt wie der neue Präsident des TSV 1900 Alemannia Aachen Heinz Maubach. In den mehr als fünf Stunden ging es phasenweise wieder hoch her, und der „Klömpschenklub“ zeigte sich abermals das er immer noch da ist und jederzeit die Oberhand gewinnen kann.

 

Unter dem Strich wurde alle mehr oder minder gewählt, mit unterschiedlich starkem Votum. Mit Heinz Maubach wurde (jedenfalls soweit ich mich erinnere) der schwächste Präsident gewählt (69,7%). Ich habe, seitdem ich Mitglied bin, bis auf eine Jahreshauptversammlung schon einiges erlebt. Gestern allerdings war es wieder einer der schlechteren in meinen Augen. Das lag zum einen an den Herren des „älteren Datums“ (wie man so schön im Alemannia Forum lesen konnte), zum anderen auch an Mitglieder die wohl abgestumpft sind und alles durchnicken. Da wurden kritische Fragesteller angeblafft, lauthals geklatscht wenn Fragesteller „abgebürstet“ wurden, und immer auf die Uhr guckend wann denn der Abend und die Wahlen endlich rum sind. Neben mir saß so ein Prachtexemplar den ich den ganzen Abend ertragen musste bis mir die Hutschnur geplatzt ist!

 

Es ist schade das der vielversprechende Neuanfang doch nicht so richtig stattgefunden hat. Die neuen Herren sind zwar gewählt, aber wenn man direkt die Pistole auf die Brust gesetzt bekommt mit dem Hinweis „Friss oder stirb“ ist es mit der Basis-Demokratie auch schon am Ende. Natürlich, hatten wir als „Souverän“ eine andere Wahl? Muss man nicht Hochachtung und Respekt haben vor Leuten die sich Alemannia 2014 antun? Die Antwort lautet „Ja, aber…“. Denn was alle die dort oben auf dem Podium saßen nicht verstanden haben ist die Botschaft von Mitgliedern deren Verein ihnen am Herzen liegt. „Der heutige Abend kann ein Neuanfang in der Geschichte von Alemannia Aachen darstellen, so Schatzmeister Oliver Laven. Weiter wurde auch die Transparenz, die Alemannia Familie und das Miteinander beschworen, sogar mehrmals am Abend. Leider kam das bei dem einen oder anderen nicht an. Denn auch wenn man nach vorne Blicken soll in eine neue Zukunft, so ist die schmerzhafte Vergangenheit bei den Mitgliedern und Fans immer noch unaufgearbeitet. Dieses Signal wollte man zunächst gar nicht aufnehmen, Fragen zu den Wahlen, zu den Vorschlagslisten der Kandidaten wurden teils brüsk durch Versammlungsleiter Herr Stein (was ein Unsympath!) abgewiesen, oder diese Fragen einfach garnicht beantwortet („noch jemand eine Frage?“).

 

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Das es dann emotional und laut wurde lag sicherlich auch daran das man, wie zu guter alter Alemannia Tradition, den Fragsteller mit einem hämischen Lächeln und flappsiger Antwort abbürstete. Sieht so der Neuanfang aus? Sieht so die Alemannia Familie aus? Oliver Laven versuchte den Abend zu Retten, was ihm auch gelang als es um die Frage ging ob man die Tagesordnungspunkte zu den Entlastungen von Präsidium und Verwaltungsrats nicht verschieben könnte. Es wurde seitens der Mitgliedschaft angeregt diese von der Tagesordnung zu nehmen, um möglichen Schadenersatzsansprüche gegen einzelne Gremiumsmitglieder nicht den Riegel vorzuschieben. Sollte sich herausstellen das dem nicht so ist könnte man die Gremien problemlos bei der nächsten JHV entlasten. Hier wogen die Wortwellen hin und her, Herr Reimig wollte und konnte nicht verstehen was eigentlich Ziel des Ganzen war. Dagegen hielt er dem Fragesteller vor das er den TSV und die GmbH vermische und der TSV keine Schadenersatzsansprüche geltend machen will, da nichts dafür sprechen würde. Nach einer kurzen Unterbrechung konnte man Herr Reimig dann doch davon überzeugen.

 

Daneben stellte sich auch der zur Wahl stehende Präsidentschaftskandidat Heinz Maubach „unglücklich“ an, als die Frage aufkam wie denn die Vorschlagsliste der Kandidaten für den Verwaltungsrat zustandegekommen wäre. Aus den Abteilungen (Volleyball, Frauen-Fussball, Handball) hätte man die Information das keine Einladungen zu Wahlen der Kandidaten gegeben hat. Dem widersprach Maubach unter dem Hinweis des man sich jede Woche Dienstags auf ein „Bierchen trifft“. Das gab Gelächter und Buhrufe seitens der Mitglieder, die ihm das nicht abnahmen. Auch ein vorgezeigtes Sitzungsprotokoll, das sich als dreizeiliger Text herausstellte, machte das ganze nicht Glaubwürdiger. Die 69% der Stimmen düften die Quittung gewesen sein.

 

Von Alemannia Ex-Präsident Horst Heinrichs wurde moniert warum der IG-Kandidat für den Aufsichtsrat, Mike Schleiden, nicht zugelassen wurde. Die Satzung hätte den nötigen Spielraum gegeben und der Souverän entscheiden können. Auch hier wand man sich erstmal herum bis man Antworten lieferte (sofern diese wirklich zufriedenstellend waren). Auch Horst Reimig, der sich selbst als unbequem und nicht über Mund fahren läßt betitelt, ließ sich bei seiner Kandidatenvorstellung als neuer Schatzmeister zumindest zu einer Entschuldigung (für eine Entgleisung gegenüber Mitgliedern bei einer der vorherigen JHV) hinreißen. Das war zumindest respektabel.

 

Auch „Tim“ Hammer sprach noch einige Worte bei seiner Vorstellung zum „Volk“. Er sei ein bisschen Putin, und für den direkten Weg. Den zeigte er auch gleich auf das man nur zusammen als Team Antritt und zusammen gewählt wird. Als Mannschaft wolle man das Schiff Alemannia steuern. „Wenn man den Atlantik überquert braucht man die beste Mannschaft, nicht das beste Schiff„, so seine Botschaft. Die beste Mannschaft heißt nicht das die besten Matrosen und Ruderer an Bord sind, aber man Vertraut sich und will nur gemeinsam zusammenarbeiten. Das mag für den einen und anderen despektierlich sein, aber umgekehrt würde man es nicht anders machen in diesem Fall. Nunja, die Botschaft kam an!

 

Das Wahlprozedere verlief ebenfalls unglücklich, man konnte sogar den Eindruck gewinnen das Wahlleiter Schulte überfordert war. Nicht nur das er ernste Hinweise von Mitgliedern auf mögliche Wahlmanipulation gar nicht ernst nahm, auch die Wahlordnung war nicht greifbar da ganz einfach nicht vorhanden. Nachdem man sich minutenlang darum windete gab man schließlich zu das diese nicht fertig sind, aus Zeitgründen. Denn was war in den letzten Jahren wichtiger, wurde die Frage in den Raum gestellt? Da kann sich nun jeder selbst seinen Teil zu denken. Zurück zu den Warnungen der Manipulationen, etliche Jugendmannschaften gaben wohl schon vorher ihre Stimmzettel ab da sie nicht die Lust verspürten der Veranstaltung bis zum Ende beizuwohnen. Auch andere Mitglieder beobachten wie mehrere ausgefüllte Wahlzettel den Weg in die Boxen draussen vor der Halle fanden.

 

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Das Auszählen selbst dauerte fast eine Stunde, eigentlich eine untragbare Zeit. Das bekam man auch schon in früheren Jahren schneller hin. Ehe die Ergebnisse verkündet wurden waren schätzungsweise 2/3 der Mitglieder bereits auf dem Weg nach Hause. Verständlich bei einer Uhrzeit weit nach Mitternacht.

 

Gewählt wurden nach ausgezählten Stimmen:

 

Präsidium:

  • Heinz Maubach (Präsident, 69,7 Prozent)
  • Thomas Deutz (Vize-Präsident, 82 Prozent)
  • Horst Reimig (Schatzmeister, 64,9 Prozent)
  • Oliver Laven (Beisitzer, 90,8 Prozen)
  • Tim Hammer (Beisitzer, (90,6 Prozent)

 
 
Aufsichtsrat:

  • Olaf Heinrich (82,7 Prozent)
  • Christian Steinborn (74 Prozent)
  • Dirk Habets (60,3 Prozent – Nachrücker)

 
 
Verwaltungsrat:

  • Jens Dautzenberg (70,4 Prozent)
  • Stefan Grieißer (73,5 Prozent)
  • Dirk Schlun (65,4 Prozent)
  • Maximilian Baur (73,1 Prozent)
  • Martin Fröhlich (76,2 Prozent)
  • Horst Filbrich (60,1 Prozent)
  • Heiner Höfken (70,8 Prozent)
  • Robert Moonen (85,6 Prozent)
  • Stefan Wirtz (73,2 Prozent)

 
 

Daneben wurden jeweils noch mit breiter Mehrheit Ex-Präsident Leopold Chalupa zum Ehrenpräsident gewählt (das mit dem Hipp Hipp Hurra üben wir aber noch), und  Alemannia Legende Jupp Martinelli zum Ehrenmitglied.
 
Achja, auch Alemannias Ex- und jetziger Geschäftsführer vom MSV Duisburg, Bernd Maas, war als Alemannia Mitglied bei der JHV. Da ich ihn zuvor noch nie auf einer JHV gesehen habe (seitdem er aus Aachen weg ist) war ich sicher er würde der neue „Geschäftsführer“ und sei die Überraschung von der Oliver Laven sprach. Wie sich herausstellte heute morgen heißt dieser ja nun Alexander Mronz 😉 Zumindest gab es kontroverse Diskussionen im Socialmedia.

 
 
Last but not least:
 
Futsal kommt zum Tivoli bzw. Alemannia. Einen „Hauch von Samba“ wollen Olcay Togan und Daniel Peters in den Verein holen mit der geplanten Futsal-Abteilung. Alemannia wäre in NRW der erste Klub, der Futsal anbieten würde. Was ist Futsal? Der bessere und schnellere Hallenkick? So in etwa kann man es sich vorstellen wenn es um Technik, Schnelligkeit und Ballbehandlung geht. Für die Alemannia Jugend sicherlich ein spannendes Feld.

 

Abschließend wünsche in den neu gewählten Mitgliedern alles gute und das sie das Schiff Alemannia schnell wieder „flott“ kriegen. Dafür sind sie im Team angetreten, gemeinsam wollen sie bis 2018 einiges Bewegen bei der Alemannia. Hoffentlich wird die Aufklärung, Unterdrückung von Eitelkeiten, und das richtige Gespür zu den Fans gewahrt und ausgebaut. Denn alle wünschen sich die Alemannia zurück, die sie mal ausgezeichnet hat. Der positive Klömpschensklub. Negativ behaftet ist man genug.