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Feb 09 2014

Kartoffelkaefer

Am Ende war es die gefühlte Niederlage

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Es lief bereits die Nachspielzeit am Aachener Tivoli, als der SV Lippstadt nochmal auswechseln bzw. einwechseln wollte. „Na die sollen sich mal ruhig schön Zeit lassen! Vorher hatten sie 80 Minuten ja auch alle Zeit der Welt„, so meine Worte zu Manni. Ganz enthusiastisch saßen wir da im O5, beseelt vom unbändigen Gesang der Südtribüne. Wir fühlten uns gut, nach einem wahrlichen Graupenkick gegen die zweitschlechteste Auswärtsmannschaft der Regionalliga West, sollte nach dem Doppelschlag kurz vor Schluss doch nichts mehr schiefgehen. Julian Stöckner lief ein mit der Nummer 5, „...aha..ein Abwehrmann…nun denn„. Jetzt ärgerte man sich das doch noch eine Ecke heraussprang für den Gast. „Kommt Leute, noch einmal konzentrieren!!“ und die Ecke kam, in der Mitte sprang der Herr Stöckner höher und bumms….drin die Kugel zum 2:2! „Leck mich am A****.….waren noch die hamlosesten Worte im Zwiegespräch mit Manni untereinander. Da ging der Blutdruck auf gefühlte 250 hoch, als man die jubelnden Lippstädter da unten sah. Dabei waren wir doch gerade noch dabei gewesen die eigene Mannschaft zu huldigen. Nun aber machte sich bittere Enttäuschung breit, ich musste nur noch raus aus dem Stadion. Nein, ich wollte heute kein Klatschen und Aufmunterndes Schalwedeln vollführen. Ich hatte die Nase gestrichen voll.

 

DSC_8564Alemannia Aachen – SV Lippstadt 08

 
Vor 5.700 Zuschauern kam die zweitschwächste Auswärtsmannschaft zum Tivoli. Das dies nichts heißt, wussten wir ja nicht erst beim Abpfiff, wir haben schon gegen ganz andere „kleine“ Mannschaften verloren. Man nimmt gerne die Floskel der Arroganz auf (natürlich die nicht ernstgemeinte!) und meint „früher hätten wir uns nicht mal die Stutzen hochgezogen bei so einem Gegner„. Ja, aber früher war sogar die Zukunft mal besser, nun sind wir auf Augenhöhe mit Vereinen wie Lippstadt angekommen. Und das die auch Fussball spielen können zeigten sie uns schmerzlich. Es lief fast die selbe Mannschaft auf wie die Siegermannschaft von Verl, da aber Jochen Schumacher verletzt war rückte der entsperrte Sascha Marquet wieder in die Mannschaft. Auf der Bank übernahm Co-Trainer Reiner Plaßhenrich für den erkrankten Peter Schubert das Zepter, der nur in der Kabine verweilen konnte.

 

DSC_8579Reiner Plaßhenrich vertrat seinen Chef Peter Schubert

 
Alemannia kam gut ins Spiel, wie erwartet stand Aufsteiger Lippstadt erstmal tief in der Abwehr. Florian Abel sprintete über echts und flankte schön vor das Tor, wo aber Rafael Garcia eine Fusslänge zu spät war. Kurze Zeit später hatte Rafael Garcia wieder die gute Möglichkeit im Strafraum, doch ein Abwehrbein verhinderte schlimmeres. Eine große Chance bekam noch Niko Opper, dem der Ball schön in die nahtstelle der Abwehr in den Lauf gespielt wurde, doch Fabian Lübbers war gedanklich schneller und unterband Oppers Angriff. Und puff, war die Offensivbemühung auf einmal vorbei, Gang raus und mal gucken. Da zeigte dann auch der Gast das man durchaus vorne zu finden ist. Nach einer Flanke von der Eckfahne war es zunächst Marvin Ajani, der den Ball aus der Gefahrenzone köpfte. Aber leider nicht weit genug, denn postwendend kam der Ball in den Strafraum zurück. Nun rückte Marvin Ajani im Blickpunkt, der den hohen Ball unterlief und so Lippstadts Victor Maier ungehindert in die Mitte passen ließ. Dort stand 2m vor dem Tor freistehend Björn Traufetter, und Manni begrub neben mir schon sein Gesicht in die Hände und befluchte das Gegentor. Doch was machte Traufetter denn da? Volle Kanne über den Querbalken flog der Ball, unter lautem Jubel des schwarzgelben Anhangs. Also sowas sieht man in der Tat recht selten!

 

Macus Hoffmann   Neuzugang Marcus Hoffmann sieht aus wie früher „Klitze“ oder?

  
Dafür sahen wir zwei Minuten wieder das, was wir in der Vorrunde häufig bestaunen wurden. Pleiten, Pech und Pannen. Der SV Lippstadt war wieder im Angriff, die schwarzgelbe Verteidigung zu weit weg, und ein geklärter Ball von Marvin Ajani kam postwendend wieder in dem Strafraum. Marcus Hoffmann wollte den Ball wohl abschirmen, unser Keeper Frederic Löhe kam heraus, und Lippstadts Moritz Fritz spitzelte den Ball an dem verdutzten Frederic Löhe vorbei zum 0:1 (18.) ins Tor. Da sahen sowohl Hoffmann als auch Löhe „unglücklich“ aus. Aber es war nur das Endergebnis von dem „nichtklärenwollenden“ Defensivleistung der schwarzgelben. Alemannia nun wieder bemüht, aber es lief fast nichts brauchbares zusammen. Der „Köttel“ war bei einigen wieder in der Bux, so gingen Pässe ins leere oder man verdribbelte sich einfach. Meist ging es quer und nach hinten, und war man mal in Strafraumnähe kreisten wieder die berühmten Fragezeichen über den Köpfen „wat nu?“. Einzig Einzelaktionen waren gefährlich, so ging der Fernschuss von Florian Abel, wie auch von Marco Neppe, knapp über das Tor. Halbzeit.

 

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Vor dem Spiel übergab Horst Rambau, im Namen der Initiatoren des „Club der 100er“ einen Scheck über 8.888,88 Euro für die Alemannia Jugend. Das Geld, das zur Rettung des Muttervereins TSV Alemannia Aachen e.V gedacht war, wurde nun der Jugend gespendet da der TSV gerettet ist durch eine Einigung mit Rechteverwerter Michael Kölmel.

 

Reiner Plaßhenrich hatte genug gesehen, der diesmal schwache Marvin Ajani musste in der Kabine bleiben genauso wie Florian Abel. Dafür kam Sasa Strujic und Mazan Moslehe ins Spiel. Das Spiel wurde zunächst nicht besser, Alemannia bekam mehr Ballbesitz weil der Gast einfach nur hinten stehen musste. Von Gefährlichkeit erstmal keine Spur. Weiterhin agierte man zu ideenlos in den Angriffsbemühungen, und man raufte sich die Haare wenn man sah wie die einfachsten Bälle zum Problemfall wurden am Fuß. Der in die Zentrale gerückte Sascha Marquet nahm zumindest versuchsweise das Heft in die Hand, und wurde zum gefährlichsten Alemannen. Ein Kopfball wurde gerade noch so aus dem Winkel gefischt, vom SV Keeper Björn Bussmann. Auch ein strammer Schuß ins lange Eck von Marquet entschärfte, der zur Winterpause aus Osnabrück gekommene Neuling, Björn Bussmann glänzend.

 

DSC_8617 Lippstadt Keeper Björn Bussmann kam vom VfL Osnabrück

 

Auf der anderen Seite musste Alemannia Keeper Frederic Löhe sein ganzes Können aufbieten, um den frei vor ihm aufgetauchten Björn Traufetter den Ball vom Fuß zu spitzeln. Die Zeit lief und ran davon, unbarmherzig quälte sich der Minutenzeiger genauso wie das schwarzgelbe Spiel auf dem Rasen. Reiner Plaßhenrich brachte zehn Minuten vor Schluss seinen letzten Joker Domagoj Duspara, denn ich hatte die Hoffnung aufgegeben das wir heute nochmal ein Tor erzielen. Und sie solten mich Lügen strafen. Sascha Marquet ließ sich nicht aufhalten, mit einem Außenriss Pass in den Lauf von Duspara im Strafraum hebelte man die Abwehr aus. Domagoj Duspara passte in die Mitte und Mazan Moslehe vollendete zum 1:1 (82.) ins lange Eck. Was ein Jubel auf den Rängen, wer hätte noch daran geglaubt?

 

DSC_3583Mazan Moslehe erzielte das 1:1

 

Der SV Lippstadt war nun kurz eingeschüchert und unsere Alemannia setzte nach. Über die Außenposition bekam Sascha Marquet den Ball in die Zentrale gelegt, mittels Doppelpass mit Domagoj Duspara stand er im Strafraum. Diesmal blieb er energisch im Zweikampf und zirkelte den Ball ins lange Eck zum 2:1 (84.). Nun stand der Tivoli Kopf, es gab kein Halten mehr. Wer hätte das denn noch geglaubt? Ich nicht ehrlicherweise. Spiel gedreht und beste Stimmung auf den Rängen wie seit langem nicht mehr. Doch es sollte noch ruppig werden, wo sich unser Kapitän Peter Hackenberg die Nase brach.

 

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Der Unparteische, der schon im Laufe des Spiels mit komischen Entscheidungen in Erscheinung trat, ermahnte nur den jeweiligen Spieler. Auf der anderen Seite ging auch Rafael Garcia an der Außenlinie nicht gerade zimperlich mit seinem Gegenspieler um, der in die Werbeband gegrätscht wurde. Es schien alles auf drei Punkte hinauszulaufen, der SV Lippstadt war nun bemüht wieder schneller zu spielen als vorher. Doch unsere schwarzgelben machten nicht den Deckel drauf bei den sich nun bietenden Konterchancen. Diese wurde leichtfertig vergeben oder erst garnicht ernsthaft zuende gespielt. Dann folgte die Nachspielzeit, und wir sind beim Eingangspost. Wie sagte Frederic Löhe nach dem Spiel? Da muss man in den letzen Minuten und Sekunden alles reinwerfen! Leider reichten die Hünen in unserer Abwehr nicht aus um Stöckner am 2:2 zu hindern. Unterm Strich, und mit einem Tag Abstand, ein verdienter Punkt für den Aufsteiger aus Westfalen. Für uns war es am Ende die gefühlte und moralische Niederlage.

 

DSC_8752Julian Stöckner am Boden – Sein Kopfball bescherte in der 93. Minute den verdienten Punkt

 

Alemannia beweist wieder das man noch viel lernen muss, und die Trauben eben doch nicht so fallen wie man das gerne möchte. Beeindruckend das man ein wahrliches Gurkenspiel noch drehte, das ist schon ein positiver Lerneffekt der Mannschaft. Aber die Naivität in der Abwehr muss man noch abstellen, egal ob es das 0:1 war oder das 2:2. „Höggschste Konzentration“ pflegt der Bundestrainer zu sagen. Da müssen einige Spieler noch hinkommen, dies bis zum Schlusspfiff zu verinnerlichen.

  

Hier noch einige ausgewählte Bilder der Partie:

  

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