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Dez 23 2013

Kartoffelkaefer

Tschüss und adieda – Zeit der Besinnlichkeit

Kaefer_xmas
 
Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Das Jahr ging dieses mal aber auch irgendwie schneller um als sonst, oder? Es kommt mir so vor als hätten wir erst gestern gegen Armina Bielefeld mit 2:1 gewonnen, und Robert Leipertz mit seinen zwei Toren ein schönes Weihnachtsfest beschert. Und dann ging noch Kapitän Albert Streit von Bord! Alemannia hatte gerade die erste Vorstufe der Insolvenz genommen, bittere Wahrheiten wurden verkündet die niemand so recht glauben vermochte. Wie würde die Mannschaft aussehen zum Beginn der Rückrunde? Gab es überhaupt noch eine Mannschaft die auflaufen würde? Wie sollte es weitergehen? Als Fan haben wir seit mehr als einem Jahr das schlimmste durchgemacht, was man in einem Fanleben so durchmachen kann. Doch es ging weiter, irgendwie immer weiter. Noch bis heute, wo der Abschluss der Insolvenz in greifbarer Nähe ist, will man es immer noch nicht so recht glauben wo wir sind, und was wir sind.

 

Als eine völlig neu zusammengfestrickte Mannschaft die Rückrunde in der dritten Liga anging, waren doch noch einige „alte“ dabei. Die trotz weniger Geld und noch weniger Perspektive am Tivoli verblieben. Dazu kamen die besten aus der U23, die der Verein noch zu bieten hatte. Aus diesem Mix sollte der sportliche Abstieg verhindert werden, denn der finanzielle war es ohnehin nicht mehr. Doch am Ende reichte es nicht, und das kleine Ziel des FVM Pokalsieges flutschte auch irgendwie durch die Finger. Am Ende gab es Tränen, auch für Coach René van Eck als er bekannt gab den Verein verlassen zu müssen. Trotz das er sportlich nichts reißen konnte, war er dennoch einer der wenigen Alemannen durch und durch. Als er verpflichtet wurde mutmaßte man eher an einen Kinderschreck statt eines Trainers. Unter anderen Vorsätzen nach Aachen geholt machte auch er einen Schnelldurchgang in Sachen Abwärtsspirale, und wie dicke es bei einem Verein so kommen kann. Doch er jammerte nie, blieb in den bittersten Stunden und war der Fels in der Brandung. Am Ende wurde ihm übel mitgespielt, und der hoch angepriesene Manager hatte nicht nur van Eck nach Strich und Faden verschauckelt. So kann man sich täuschen. Gut das er, der Manager, auch am Ende ging ohne Plan B.

 

Im Sommer blieb die Frage offen, wer denn am ersten Trainingstag an Spielern auf dem Platz stehen würde? Nachdem die Trainerfrage geklärt war, blieben auch fünf Spieler. Die Fans boten sich schon an den Kader aufzufüllen, damit man zumindest im Training soviele Mannen hatte um gegeneinander zu spielen. Nach und nach kamen die Spieler dann, und beim ersten Spiel beim hochgelobten Favoriten aus Köln gewann man sensationell mit 3:1. Schon fing man wieder das träumen an, Wiederaufstieg hieß es schnell. Ja so sind wir in Aachen, Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt. Aber konnte man es uns verdenken? Nach drei Abstiegen, kaum als eine Handvoll Siegen, gierte man nach den kleinen Strohhälmen. Die Insolvenz war was für die Gremiker, die Fans feierten mit den Spielern. Aber als es nicht mehr so passte mit den gewinnen gab es Pfiffe, und Unzufriedenheit machte sich breit. Am Ende gab es die große Aussprache im Tivoli Presseraum, es sollte offen alles angesprochen werden. Hitzig ging es zu, und sehr emotional. Da konnte ich mich selbst auch nicht halten. Aber so ist das, das Ventil wurde gerade gefunden und dann gab es bei dem einen und anderen auch kein halten mehr. Auch die Spieler agierten emotional. Ja, was erlauben wir uns auch das wir nur an uns denken? An die ganzen Enttäuschungen der letzten Jahre, die fast zum Tod des Vereins geführt hätte? Den Arsch aufreissen sollten sie wenn sie unsere Farben tragen, und wer nicht mitzieht soll gefälligst gehen. Ebenso der Coach, zu still, zu emotionslos, kein Konzept. Dabei haben wir ganz vergessen das auch die Spieler Sorgen haben, die man garnicht verstehen will oder wollte. Manche spielen für ein Trinkgeld, wohnen bei den Eltern, und fahren mit dem Bus zum Training. Sollten wir eigentlich nicht froh sein das überhaupt ein Spieler zu unserem Klömpschensklub gewechselt sind? Wer ist so bekloppt und wechselt zu einem Insolventen Verein wo der Klömpschensklub die Fahne schwingt? Wir haben Zukunftsangst? DIe Spieler auch, denn deren Fussballer Karriere ist begrenzt. Auch sie haben Angst und sehen in unserer Alemannia die Herausforderung. Aber man muss Geduld haben. Haben wir die? Mit dem Mund ja, mit den Fingern im Mund beim Pfeiffen nein. Das muss man sich bei den jungen Leuten auch vergegenwärtigen. Dennoch, am Ende erkannte man das es nur gemeinsam geht. Und das ist das Ziel aller.

 

Gerade von dem einem Schlag erholt, und hoffnungsvoll nach vorne geblickt, da kommt das Unheil von der anderen Seite. Der Herr Dr. Michael Kölmel tauchte wieder auf. Nicht er, aber die Klage vor dem Kölner Gericht. Da sah es für den TSV garnicht gut aus, denn das Pendel schwingte Richtung dem Rechteverwerter aus. Und die Alemannia als Mutterverein war ebenso pleite wie die GmbH. Woher sollte sie zwei Millionen herzaubern? Bekäme Kölmel recht, wäre der TSV 1900 Alemannia Aachen e.V insolvent und damit liquidiert. Alemannia würde in die Kreisklasse einen Neuanfang starten müssen. Das wollte der Insolvenzverwalter aber lange nicht einsehen, sah er doch die Sportlizenz bei der insolventen GmbH. Eine kleine Gruppe machte sich auf um wenigstens etwas zu tun, während die anderen einfach warteten. So kam es zumindest den meisten vor. Auch eine andere Gemeinschaft mischte mit, und drohte und forderte. Am Ende besann man sich eines besseren. Auf der Jahreshauptversammlung wurde den Mitgliedern eine mögliche Einigung vorgestellt, die beiden Seiten offerierten. Den der Herr Kölmel ist doch kein so schlechter wie man ihn gerne hinstellt. Warum sollte er auch Geld fordern das er uns mal geliehen hatte? Nein, eine tote Alemannia nutzte ihm nichts, und er wollte sogar helfen mit Geld. Aber es sollte nun doch bis ins neue Jahr dauern ehe der Vertrag zwischen Alemannia und Kölmel rechtsicher und notariell unter Dach und Fach ist, und damit die Einigung abgeschlossen wird. So stehen die Chancen im neuen Jahr nicht schlecht, das die Insolvenz der Alemannia beendet sein wird. Ein Neuanfang ist greifbar.

 

Das Jahr hat viel bewegt, große Alemannen sind von uns gegangen. Ehrenpräsident Leo Führen ebenso wie Walter Lorenz. Eine neue Führungscrew wird gesucht im Alemannia Aufsichtsrat und ein neuer Präsident mit Gefolge. Alemannia hat noch einmal eine kleine Chance bekommen, als sie auf dem Totenbett gebettet wurde. Hohn und Spott begleiteten uns in der 3. Liga, und auf der Arbeitsstelle muss man sich auch alles anhören was es so an Niedertracht gibt. Manchmal kommt es einem vor wie in einem bösen Traum, aus dem man nicht aufwacht. Aber wenn es Samstag ist, und die Alemannia Hymne im Stadion läuft, da vergessen wir die Sorgen und Probleme rund um unseren Verein. Dann fühlen wir uns wie zu besten Zeiten, denn die Emotionen und Leidenschaft für unsere schwarzgelben sind geblieben. Das ist etwas was nie vergeht.

 

Tivoli-O-Tivoli_01

 

Zum guten Schluss gab es zum Jahresabschluss noch das Weihnachtsingen im Tivoli. Über 5.000 Fans kamen zum Tivoli und verwandelten das Stadion in einer Gänsehautkulisse. Bei dämmrigen und mit kerzenlicht gefüllten Stadion erklangen weihnachtliche und auch Fan Lieder, ganz nach dem Vorbild von Union Berlin. Für das erste mal kann man mehr als zufrieden sein, und nächstes Jahr werden die 10.000 dann geknackt 🙂

 

In diesem Sinne…schöne Festtage im Kreise eurer Liebsten. Und ein dickes Dankeschön an alle meine LeserInnen hier. Das muss auch mal wieder gesagt werden.