Nov 06 2013

Aussprache – Spieler vs. Fans

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Um 19 Uhr fand im Tivoli-Presseraum die Aussprache „Spieler vs. Fans“ statt. Während der Presseraum sich gut füllte, am Ende sollten es um die 120 Fans sein, saßen vorne bereits die Spieler. Neben die angekündigten Frederic Löhe, Sasa Strujic, Tobias Ahrens und Niko Opper war auch Kapitän Peter Hackenberg anwesend. Zuerst mit ernsten Mienen, denn niemand wusste zu Anfang was nun so alles auf dem Tisch kam. Alemannia Fan-IG Sprecher André Bräkling leitete um kurz nach 19 Uhr die Diskussionsrunde dann ein.

 

Zuvor wurde vereinbart nicht alles an die “große Glocke” nach draußen zu hängen, deshalb war die Presse auch nicht eingeladen zur Aussprache. Ich bin zwar nur im geringen Maße Presse, aber werde mich daran halten und einige Internas, die zur Sprache kamen, hier nicht öffentlich wiedergeben. Bitte seht mir das nach.

 

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Unser Keeper Frederic Löhe bedankte sich am Anfang für den großen Zuspruch nach dem Vorfall von Samstag, das hätte ihm gutgetan. Unser Kapitän Peter Hackenberg erklärte kurz warum auch er da war. Da er momentan verletzt ist muss er einige Arzttermine wahrnehmen die mit dem kooperierenden Krankenhaus vereinbart sind. Wegen der zuvor unklaren Terminvergabe konnte er nicht sofort zusagen. Auch er fand die heutige Aussprache gut, hat er dies doch wie Frederic Löhe bereits bei seinem vorherigen Verein schon erlebt.

 

Sasa Strujic, der „Dienstälteste“ Alemanne in der Runde, sprach davon dass die sportliche Lage ernst sei mit zwei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Er fand die hier anberaumte Aussprache ebenfalls gut und warb um offene und ehrliche Diskussion. Tobias Ahrens und Niko Opper fanden sie Zusammenkunft ebenfalls gut, so dass es nun endlich losgehen konnte. Frederic Löhe ergriff als erster das Wort und sprach selbstkritisch davon dass die Mannschaft momentan eine Wundertüte sei. Nach guten Spielen wie z.B. gegen Viktoria Köln, das man trotzdem verlor, wurde man von den Fans gefeiert. Da sei es unerklärlich warum im nächsten Spiel die Leistung dann so schlecht war. Das Trainerteam spricht immer wieder die Situationen an, aber man kann es (warum auch immer) nicht verinnerlichen. Auf die Frage warum man denn im Kopf „blockiert“ sei antwortete Sasa Strujic das niemand der Spieler verlieren will. Von „oben“ sieht das so aus als würde die Mannschaft nicht kämpfen, was sie aber tue. Das Problem läge auch darin das man zu früh im Rückstand geriet und es dann schwer wird den „Plan“ umzusetzen den man vor dem Spiel hatte.

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Da es nun Wortmeldungen „querbeet“ gab wurde erst einmal „Frust“ abgebaut Richtung Spieler. Man unterstellte das einige nicht genug Kämpfen würden, und es keinen gibt der mal dazwischenhaut. Da widersprachen Frederic Löhe, Sasa Strujic und Peter Hackenberg energisch. Unser Kapitän würde seine Hand ins Feuer dafür legen, das jeder in der Mannschaft alles geben würde. Intern aus dem Spielerkreis würde schon dafür gesorgt das Spieler, die sich „hängen“ ließen, die richtigen Worte verpasst bekämen. Die Mannschaft sei intakt und würde gut zusammenpassen. Interessant war die völlig unterschiedliche Sichtweise beim Spiel in Düsseldorf. Während die fünf Protagonisten das Spiel in Düsseldorf für gut befanden, sahen das die anwesenden Fans vollkommen anders. So wurde es auch teilweise emotional Richtung Spieler, das man sich nichts vormachen sollte und nicht alle Spieler den „grell“ haben alles zu geben. Wenn Fan A einem Spieler eine schlechte Leistung unterstellte, sah das nicht nur der betreffende Spieler anders sondern auch Fan B. Unterm Strich verhedderte sich die Diskussion dann ins „hätte, wäre, dann, wenn“. Da mussten IG-Sprecher André Bräkling, und Dirk Habets mit dem „fliegenden“ Mikrofon, schon mal eingreifen und die Diskussion wieder in die richtigen Bahnen lenken. Weiter ging es mit „keinen vernünftigen Pass geradeaus spielen“ und das „dauernde quer und zurückspielen“, selbst in den Schlussminuten. Da nahm ich mich nicht selber aus und hatte eine teils hitzige Diskussion mit Opper, Löhe und Strujic. Als Fan tut man schnell dem einen Unrecht, aber exemplarisch nimmt man sich einen heraus, auch weil er gerade zugegen ist und direkt Antwort geben kann. Die Spieler bekamen aber so einen Eindruck was das Fan Herz bewegt, und das bei einigen auch die Geduld am Ende ist nach drei Jahren des stetigen Niedergangs. Auch wenn die fünf da oben für die Verfehlungen der letzten Jahre herhalten musste an Kritik, sie stellten sich und wichen keiner Frage aus. Im Nachhinein tat man einigen sogar Unrecht, denn wenn Spieler aus dem Bus steigen mit Kopfhörer auf hat das nichts mit „Championsleague Gehabe“ zu tun, wie einigen Spielern unterstellt wurde. Da hatten die Spieler absolut kein Verständnis, und warben gleichzeitig darum. Denn wie einige beim Lernen Musik hören, so konzentrieren sie sich mit Musik auf das Spiel. Das man beim Bezirksligisten FC Inde-Hahn keinen Glanztag hatte wollte und konnte niemand bestreiten, es sei eine Kopfsache an der man arbeite. Es gab und gibt nichts zu beschönigen wenn man gegen einen Bezirksligisten rausfliegt.

DSC_7566Einwand gab es aber auch von der Fanseite her, man sollte überlegen dass die Mannschaft zusammengewürfelt wurde im Sommer, und zwei Wochen nach Trainingsstart gerade einmal fünf Spieler unter Vertrag standen. Man müsse jetzt mit dem Auskommen was man hat, das schließe auch den Trainer ein. Einen Rauswurf könnte man sich finanziell eh nicht leisten, und wer sollte auch einen neuen Suchen? Auch die Spieler machten deutlich das in den letzten Jahren hier am Tivoli mehrere Trainer verschlissen wurden, und es im Endeffekt nichts eingebracht hat. Man kann nur gemeinsam aus der Misere herauskommen. Die Spieler erzählten auch von ihren eigenen Existenzängsten, denn die Mär von den „Geldsäcken“ will und kann man so nicht stehen lassen. Frederic Löhe erzählte das es Spieler gibt die gerade so am Existenzminimum lebten und noch bei ihren Eltern wohnten. Er wisse wie schwer es ist als „Absteiger“ bei einem anderen Verein unterzukommen. Während er Angebote hatte und sich für Alemannia entschied, hatte ein Niko Opper oder fünf andere Freunde aus seiner Babelsberger Zeit, nicht das Glück einen neuen Verein zu finden. Niko Opper berichtete wie schwer die Zeit war bis es in Aachen geklappt hat. Auch Sasa Strujic warf ein das sie alle Fußballer sind, ohne Ausbildung. Und das sich einige, auch er selbst, schon fragen wie es weitergeht und wie lange sie mit dem „Geld“ spielen können. Sasa machte sich bereits Gedanken eine Ausbildung zu beginnen und wieder ganz unten zu kicken, weil mit 30 Jahren nicht absehbar ist wo er dann steht.

 

Peter Hackenberg sagte dass er und die anderen Spieler gar nicht hier wären wenn Alemannia nicht abgestiegen und Insolvenz gegangen wäre. „Für Geld ist keiner hier“. Wenn Aachen noch in der zweiten Liga gewesen wäre, würde niemand der Anwesenden hier spielen weil sich keiner für sie interessieren würde. So aber begreifen die Spieler die Alemannia als Chance etwas Neues aufzubauen, auch wenn das im Moment komisch klingen würde. Als sie das Angebot aus Aachen bekamen musste nicht lange überlegt werden, denn der Name Alemannia steht immer noch für Tradition und ist bekannt. In der Tat, rückblickend muss man auch froh sein das es noch Spieler gab die sich im Sommer für unseren Verein entschieden in der unklaren Insolvenzfrage.
Die immer wieder aufkommende Kritik am Spielsystem, an Spielern, an der taktischen Ausrichtung nahmen alle ernst. Man versuche stetig sich zu verbessern, und auch innerhalb der Mannschaft müsse mehr Einfluss genommen werden von den erfahrenen Spielern. Das will man aus der heutigen Diskussion mitnehmen.
Einigkeit aus dem Spielerkreis bestand darin das es nicht am Trainer liegt, sondern an denen die unten auf dem Platz stehen. Aus- und aufgeräumt wurde auch mit Unwahrheiten die in der Zeitung standen. Zum einen gab es nach dem Pokalaus beim Bezirksligisten FC Inde-Hahn ein Straftraining, und nicht zwei Tage frei. Zum anderen wurde bestätigt das Reiner Plaßhenrich, und nicht Peter Schubert, gesagt hat das die Spieler ihn nicht verstehen weil die Fans zu laut waren. Auch dieser Satz wurde anders dargestellt als wie es tatsächlich wiedergegeben wurde seitens Reiner. Auch nach der Niederlage gegen Oberhausen am Samstag gab es nicht bis Dienstag frei, wie von der Lokalpresse geschrieben. Am Montag (Lauftraining auf dem Kunstrasenplatz) und Dienstag wurde trainiert. Nur der Sonntag war zur Regeneration frei. Seitens der Fans gab es die Anregung so etwas auf der Alemannia Webseite klarzustellen. Oder das Spieler wie Frederic Löhe und Sasa Strujic es über Facebook kommunizieren, und somit die Unwahrheiten aus der Zeitung richtigstellen.

DSC_7547Verärgert reagierte auch Frederic Löhe auf die „Ausgeh-Schuh-Affäre“ in der Zeitung. Auch hier stellte er richtig wie es denn wirklich abgelaufen ist. Vor der Saison haben er und der Mannschaftsrat besprochen was man bekommen kann um den Verein in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. Neben dem Anzug brauchte man dann auch einheitliche Schuhe. Das wurde vor der Saison besprochen und von Vereinsseite auch für gut befunden. Vor drei Wochen habe er nochmal nachgefragt und die Antwort bekommen das die Schuhe bald kommen würden.
„Und dann muss man in der Zeitung so eine Aussage lesen vom „Boss“, führte Frederic weiter aus. Das möchte er nochmal mit ihm persönlich besprechen.

 

Federführend bei den Dialogen mit den Fans waren meist Sasa Strujic und Frederic Löhe, die auch emotional reagierten während unser Kapitän Peter Hackenberg die ruhige (angenehme) Aussprache bevorzugte. Trotz hitziger Diskussion wurde es aber nie beleidigend, was ja in der heutigen Facebook Generation ja nicht immer Selbstverständlich ist. Hart im Ton, fair in der Sache. Die Spieler waren dankbar für den Abend, das Verständnis untereinander ist nun klarer geworden. Mal will zusammen alles geben um aus der Situation wieder heraus zu kommen. „In der Rückrunde hauen wir alle weg“, war die einhellige Meinung nach über zweieinhalb Stunden Diskussion. Im Anschluss gab es noch, sofern man wollte, noch das persönliche Gespräch unter vier Augen. Alle haben was an diesem Abend gelernt. Die Spieler wissen nun was die Fans bewegt, und die Fans wissen was die Spieler bewegt. Das Verständnis und die engere Bindung Mannschaft und Fans soll besser werden. Das haben sich alle auf die Fahne geschrieben.

1 Kommentar

    • Georg on 6. November 2013 at 17:19

    Danke für den Bericht

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