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Nov 03 2013

Kartoffelkaefer

Protest – Eklat – ein 0:2 – Quo vadis Alemannia?

Opener

 

Ich lasse mich beschimpfen, notfalls auch bespucken, aber das der eigene Spieler geschlagen wird, ist eine Entwicklung, die ich noch nirgendwo mitbekommen habe. Mir fehlen die Worte, so etwas hat es noch nie gegeben

(Alemannia Keeper Frederic Löhe)

 

Alemannia Keeper Frederic Löhe - geschockt nach der Fan-Attacke

Alemannia Keeper Frederic Löhe – geschockt nach der Fan-Attacke

Am Ende blieb nur die Fassungslosigkeit über einen Eklat nach dem Schlusspfiff, der eine neue Stufe des „es sich nicht Vorstellen könnens“ bedeutete. Denn am Zaun unten an der Osttribüne diskutierte gerade unser Keeper Frederic Löhe gegen aufgebrachte Fans nach der erneuten Niederlage. Ein „Anhänger“ bekam sich nicht im Griff und ohrfeigte unseren Keeper! Das hatte es zuvor noch nie gegeben das man gegen die eigenen Spieler handgreiflich wurde. Nur die besonnene Reaktion unseres Keepers und die umstehenden Fans war es letztendlich zu verdanken das die Situation nicht weiter eskalierte. Frederic Löhe war natürlich geschockt über diese Art des Missfallens. Glücklicherweise war der Täter schnell identifiziert und bekam schon ein Stadionverbot auferlegt. Frederic Löhe behält sich rechtliche Schritte vor. Als Alemannia Fan hat man ja schon einiges erlebt in den vergangenen Jahren, aber diese Art der Entgleisung ist ein absolutes NoGo und nicht hinnehmbar! Ich habe mich geschämt das es schon so weit gekommen ist das man eigene Spieler an die Wäsche geht! Pfui!.

 

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Nach dem Schlusspfiff auf dem Tivoli geschah aber noch etwas historisches. Am 21.01.1951 gelang den Kleeblättern der letzte Sieg in Aachen, und zwar mit 3:4. Daher war die Freude über den Auswärtssieg besonders groß. Angeführt von Ex-Alemanne und RWO Kapitän Benjamin Weigelt konnte man gegen zu schwache Alemannen einen ungefährdeten Sieg einfahren. Alemannia stand wie immer vor dem selben Problem, wohin mit dem Ball und was macht man mit dem selbigen? Verletzungsbedingt musste unser Trainergespann Schubert und Plaßhenrich umstellen. Sasa Strujic, Sascha Marquet, Abedin Krasniqi und Kapitän Peter Hackenberg mussten pausieren. Damit war schon eine gehörige Portion Erfahrenheit aus dem Spiel genommen. Als der Anpfif ertönte machten die Fans auf der Südtribüne ernst. Wie angekündigt verließen sie die Tribüne und sammelten sich im Umlauf für 19 Minuten (in Anlehnung an das Gründungsjahr 1900). Als die meisten schon protestmäßig weg waren, jubelte der Gast über das frühe 0:1 (5.). Patrick Bauder depürte mit seinen „tödlichen Pass“ die Alemannia Abwehr, wo Nico Opper allerdings eine ganz schlechte Figur machte. Marcel Landers, der den Ball aufnahm, behielt alleine vor Keeper Löhe die Nerven und schoss zur frühen Führung ein.

 

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Nach dem 2:1 Pokalaus beim Bezirksligisten FC Inde-Hahn gelobten die Spieler Besserung. Die Alemannia Fans unterdessen zeigten auf ihre Art und Weise eine Reaktion, das es so wie es bislang sportlich läuft nicht weitergehen kann. Dazu wurde die Idee mit dem 19 Minuten Boykott geboren. Man mag trefflich darüber streiten ob es Sinnhaft und Unsinn gewesen ist, aber irgendwas musste passieren. Das man einen Bezirksligsten nichts entgegen zu setzen hatte, brachte das Fass zum überlaufen. So prangte auch vor dem Spiel ein großes Transparent am Zaun der Südtribüne.

 

Ehret das Dreieck mit letzten Willen, dann werden wir wieder singen. Andernfalls – so sieht’s aus – ziehen wir euch die Trikots aus

(Fan-Banner an der Südtribüne)

 

Sehr mar­ti­a­lisch geschrieben, und einer der Anhänger hatte das wohl nicht so recht verstanden (als er Löhe an die Wäsche ging).

 

TSVRWO0315 Minuten Protest im Umlauf unter den Tribünen

 

Nach dem Rückstand sah man wieder das den schwarzgelben kaum etwas einfiel. Schon den Ball nach vorne bringen war eine Herkulesaufgabe für manch einen Spieler. Wenn es schlecht läuft kommt es meist noch knüppeldick. So wurde Florian Abel übelst gefoult, für ihn kam nach 15 Minuten bereits Rafael Garcia. Der machte auch gleich mächtig Dampf und belebte das Spiel auf der linken Seite. Aber eine herausgespielte Chance ließ bis zur 34. Minute auf sich warten. Da legte Rafael Garcia ab auf Dennis Dowidat, der knapp am Tor vorbeizielte. Die größte und einzigste Chance zum Ausgleich in der ersten Hälfte. Kurz vor der Pause hatte man Glück das RWO nicht mit einem 0:2 in die Pause ging, Ajani rettete in letzter Sekunde auf der Torlinie.

FotoAC

In der zweiten Halbzeit wirkte Alemannia zwar optisch überlegen, aber blieb weiterhin ideen- und planlos. Der Gast hingegen musste nicht viel tun als hinten kompakt stehen und vorne den Gegner beschäftigen. Nach einer Ecke musste sich unser Keeper ganz lang machen und den Ball über die Querlatte lenken, denn sonst hätte es schon den nächsten Nackenschlag gegeben. Ein probates Mittel, das sehr clever war. Denn irgendwann würde die Chance kommen zum 0:2. Das was unsere Spieler teilweise im Spielaufbau und Angriff zelebrierten, war schon stellenweise ein Armutszeugnis. Leichtfertig wurde der Ball in des Gegners Fuß gespielt, oder Pässe landeten im nirgendwo. Auch hatte man wieder die unangenehme Eigenschaft entdeckt das man besser 10x zurückspielt, statt den Ball nach vorne zu treiben. Gerne machte wieder einmal Niko Opper davon reichlich gebrauch, dem es an offensiven Akzenten gänzlich fehlte. Aber auch im Angriff kam nichts gescheites heraus, man war immer auf die Mithilfe der Kleeblätter angewiesen. Vor allem Nazim Sangare, der von gefühlten 100 Ballannahmen 97 vertändelte, zeigte zu wenig. Mein Gott was war unser „Dante“ gut in der Vorbereitung. Aber mittlerweile kommt man zu der Vermutung das dort ein anderer spielt, der genauso aussieht wie Sangare!.

 

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Die größte Chance zum Ausgleich hatte Rafael Garcia, aber ein langes Bein von Haas verhinderte das 1:1. Als man einen Konter im eigenen Strafraum, wo fünf schwarzgelbe auf vier weiße zuliefen, bereits vor der Mittellinie vergeigte, reichte es dem Anhang. Nun folgten laute „Schubert raus“ Rufe und „Wir wollen euch kämpfen sehen“. Aber es kam nichts mehr von der Mannschaft, selbst als die letzten Minuten anbrachen hatte man noch genüsslich Zeit den Ball lieber dreimal hintenrum und zum Torwart zu spielen, statt nach vorne. Die Geduld der Oberhausener wurde dann auch belohnt, als sie einen Angriff starteten und die Alemannen bereits in der Aufgabestellung verharrten. Ein scharfer Ball von links nach innen gespielt, an Freund und Feind vorbei, landete er doch beim „Feind“. Rhys Tyler stand völlig blank und schoss unbekümmert zum 0:2 ein (90.+2). Das war gleichzeitig auch der Schluss im Tivoli, der nun seinen traurigen Höhepunkt erleben sollte. Nach dem Tor erhallten wieder die „Schubert raus“ Rufe und „Wir haben die Schnauze voll“.

 

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Frederic Löhe ist immer einer der ersten, der zu den Fans geht und den Dialog sucht. Auch wenn die Phrasen wochenweise immer ähnlich klingen, er „stellt“ sich wenigstens. Was sich dann allerdings am Zaun abspielte entbehrt jeglichen Verstandes eines Alemannen. Nicht nur das Löhe Opfer einer Attacke wurde, nein auch ein Vater mit seinem kleinen Sohn standen keine drei Meter davon entfernt. Ein schönes Vorbild für den Jungen oder? In diesem Moment schämt man sich einfach, schämt sich das sowas bei all der großen Scheisse die es mit und um den Verein herum gibt, immer noch eine negativere Steigerung möglich ist. Handgreiflichkeiten gab es bislang nicht, ein Idiot hat auch dieses Tabu gebrochen was nun wieder ein bundesweites Image für Alemannia sorgt. Schon heute musste man lesen das „die Fans auf Spieler losgehen“. Abgesehen von einem Idioten muss man aber den Frust der anderen Fans verstehen, die ihren Unmut verbal zum Ausdruck bringen. Klaglos ist man aus der ersten Liga abgestiegen, klaglos stieg man aus der zweiten Liga ab. Noch klagloser nahm man den Abstieg in der dritten Liga hin. Als Alemannia Fan hat man viel mitgemacht in den letzten Jahren, solch einen Totalabsturz haben bislang auch nur ganz wenige Fans mitmachen müssen. Denn das der Verein kurz vor dem eliminieren stand war keine schöne Situation.

 

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Das die Spieler im Sommer sehr spät zusammengewürfelt nach Aachen kamen, und man sich freute das überhaupt jemand den Schneid hatte das zu tun, ist mittlerweile vergessen. Vergessen ist auch das man sich nun „konsolidieren“ muss und es eine schwere Saison werden würde. Vergessen ist auch das mit Schubert und Plaßhenrich überhaupt zwei gab denen man es noch am ehsten zugetraut hätte etwas neues entstehen zu lassen. Aber nun ist Schubert zu lieb, dem Heini isses zu laut, den Fans ist es zu ruhig. Mehrere Facetten kommen nun zusammen, einmal mit der Faust auf dem Tisch hauen! Warum machen wir uns Woche für Woche ganz klein vor dem Gegner? Warum haut nicht Schubert auf dem Tisch und sagt das man den Gegner aus dem Stadion kicken wird? Weil er es nicht kann, und wir es auch wussten das er es nicht kann. An Erfahrung mangelt es der Mannschaft bestimmt nicht, einige haben Drittliga Erfahrung, der Großteil Regionalliga Erfahrung. Aber trotzdem sieht man Woche für Woche keine Mannschaft auf dem Platz. Taktisch völlig überfordert, spielerisch arg limitiert. Dabei sah es zu Anfang doch gut aus! Was ist da los? Müssen wir wirklich zurückstecken und Daumen drücken das der Knoten doch noch platzt und man sich auf einen Nichtabstiegsplatz rettet? Das alles hatten wir letzte Saison schon einmal, am Ende wurden wir sang- und klanglos letzter. Ich fürchte das sich dies wiederholen wird, denn ich habe keine Idee wer aktuell die Mannschaft da rausreissen kann. Und ich sehe keinen im Team der vorangeht und die Ärme hochkrempelt. Gestern sah ich wieder 10 Balletröckchen auf dem Platz….:-(

 

Bilder vom Spiel gibt es hier.