Okt 27 2013

Blamiert – Bezirksligist kegelt Alemannia raus

FCIH-TSV

Das was sich niemand, ausser der Kapitän vom FC Inde-Hahn Kevin Klinkenberg, vorstellen konnte ist eingetreten. Mit einer völlig indiskutablen Leistung verliert Regionalligist Alemannia Aachen gegen den Bezirksligisten FC Inde-Hahn aus dem Aachener Vorort völlig verdient 2:1 im Bitburger Pokal, und macht sich somit zum landesweiten Gespött. Fassungslosigkeit, Enttäuschung und Wut nach dem Abpfiff auf der einen Seite, totale Feierstimmung auf der anderen Seite. Ganze 16km Luftlinie und drei Ligen trennten die schwarzgelben von dem kleinen Bezirksligisten aus Inde-Hahn. Doch auf dem Kunstrasen Spielfeld war davon überhaupt nichts zu sehen. Zuvor warnte Alemannia Coach Peter Schubert vor dem Kreispokalsieger aus Aachen, man hätte denken können es ging gegen einen Championsleague Teilnehmer. Am Ende behielt er recht, egal was man trainiert (hat man das?) und besprochen hat, nichts war davon zu sehen. So gewannen die Hobbyfussballer, die zweimal die Woche trainieren und einer geregelten Arbeit nachgehen, gegen die “Profis” aus der Regionalliga (die zweimal pro Tag in der Woche trainieren!).

 

Ich bin sprachlos ob der Dinge, die da gerade passiert sind. Das was wir abgeliefert haben war blamabel!

(Alemannia Coach Peter Schubert)

 

Als die erste Runde im Bitburger Pokal ausgelost wurde, war der Jubel im kleinen Vorort grenzenlos. Was für ein Traumlos. Nach einigen Tagen des “verdauens” wollte der Bezirksligist das Spiel auf seiner Anlage austragen. Kein leichtes Unterfangen und von einigen auch schon müde belächelt. Kamen sonst zu den Spielen in der Bezirksliga 150 Zuschauer erwartete man nun gegen den großen Nachbarn einige mehr. So wurden Tribünen gebaut, Parkplätze geschaffen und ein Rundum-Sorglospaket für diesen einen Tag geschnürt. Selbst ein Fan-Schal und T-Shirt wurde eigens zum “Jahrhundert” Pokalspiel angefertigt. Am Ende sollten auf der Hahner Sportanlage “Am Kitzenhausweg” Platz für 2.880 Fans geschaffen sein. Während man in Inde-Hahn sich wie dolle auf das Spiel freute und die ganze Woche über die Einwohner elektrifizierte, war auf schwarzgelber Seite eigentlich nur die “Höhe” des Sieges ein Thema. Blamiert man sich schon wenn man knapp gewinnt? Diese Frage sollte in einem Maße beantwortet werden, das sich nur die ganz wenigen in ihren kühnsten Träumen vorstellen konnten.

 

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Natürlich musste personell umgestellt werden bei der Alemannia, einige Spieler hatten ihre Wehwehchen und Blessuren so das ihnen eine Pause vergönnt wurde. Im Nachhinein konnten diese froh sein “an dem Desaster nicht beteiligt gewesen zu sein”. Jetzt waren eben auch mal die Spieler aus der zweiten Reihe gefordert, Konkurrenz fördert schließlich das Geschäft. Bei Inde-Hahn gab man sich kaum Illusionen hin das man tatsächlich die zweite Runde im Bitburger Pokal erreichen könnte. Aber Inde-Trainer Oliver Heinrichs machte seine Jungs heiß, denn man hatte selbst überhaupt nichts zu verlieren. Dafür die Alemannia aus Aachen ganz viel. So wurde noch zwei Tage vor dem Spiel die Standards geprobt, der spätere Schlüssel zum Sieg. Das Alemannia gerade in der Luft anfällig ist, hat sich auch bis nach Inde-Hahn rumgesprochen.

 

Im Gegensatz zu uns hat Alemannia keine Einstellung zum Spiel gefunden

(FC Inde-Hahn Coach Oliver Heinrichs)

Das Alemannia in den neunzig Minuten dermaßen desolat spielte ist eigentlich unerklärbar. Der Bezirksligist hatte keine Chance auf dem Papier, warf aber unbändige Laufbereitschaft und Kampf in die Waagschale. Dazu spielten sie einen guten Fußball, das man sich als neutraler Zuschauer fragen musste wer eigentlich in der Bezirksliga spielte. So ließen sich die schwarzgelben Favoriten aus Aachen schnell die Butter vom Brot nehmen. Harmlos in der Offensive, anfällig in der Defensive. Nach einem Eckball konnte Hiroki Ogiso unbedrängt zum 1:0 (24.) für den krassen Außenseiter einköpfen. Da konnte die Defensive der Alemannia nur dumm (zu)gucken, während der kleine Japaner aus Inde-Hahn gerade den Sprung in das Vereinsgeschichtsbuch vollzogen hatte. Wer jetzt aber dachte “nun machen die Alemannen ernst” sah sich getäuscht. Kurz vor der Halbzeit war es wieder Hiroki Ogiso, der freistehend per Kopfball nur den Pfosten traf. Glück für den Favoriten!

 

CIMG1132In der zweiten Halbzeit zeigte Alemannia kurzzeitig etwas mehr Biss, aber so schnell wie er kam so schnell verpuffte auch dieser. Der Bezirksligist bekam den Ball nicht weg aus dem Strafraum, und Marco Neppe köpfte wuchtig auf das Tor. Doch FC Keeper Schnorrenberg parierte den Ball glänzend. Der Bezirksligist war nun auf der Adrinalinskala 100% angekommen und spielte den gepflegten Ball. Was immer sich Alemannia Kapitän Michael Lejan vor dem eigenen Strafraum gedacht hat, als er unbedrängt einfach meinte seine drei Gegner ausfummeln zu müssen, bleibt wohl sein Geheimnis. Das ging gründlich daneben, denn der Bezirksligaspieler schnupperte sich den Ball weg und passte klug nach vorne. Peter Szcyrba fackelte nicht lange und ließ Alemannia Keeper Frederic Löhe keine Chance, als er den Ball wuchtig ins kurze Eck zum 2:0 (66.) einschoss. Fassungslosigeit auf der einen Seite, eine freudetaumelnde Traube auf der anderen Seite. Auch Peter Szcyrba hatte gerade seinen Platz im Vereinsgeschichtsbuch sichergestellt.

 

Durch einen Freistoss aus 17m machte Michael Lejan seinen Fehler wieder wett, und verkürzte auf 2:1 (77.) Doch den Endspurt schaffte die Alemannia nicht mehr, denn der Bezirksligist stemmte sich mit allem was er hatte dagegen. Selbst die Hoffnung das denen die Puste ausgeht, war vergebens. In der Nachspielzeit prallte Abedin Krasniqi und FC Keeper Christian Schnorrenberg aneinander, mit schlechteren Ausgang für den Keeper. Kurzzeitig Bewusstlos, mit einem Zahn weniger, und einer Gehirnerschütterung musste der “Pokalheld” ins Klinikum eingeliefert werden. Für die restliche Minute ging Torschütze Peter Szcyrba ins Tor und brauchte seine Hände nur noch zum Jubeln. Während der Bezirksligist feierte, entlud sich auf der anderen Seite Wut und Enttäuschung. Die Alemannia Spieler flüchteten schnell in die Kabine, und mussten dort an den am Zaun rüttelnden Fans vorbei. Plastikbecher und Schals flogen auf dem Platz, es gab “Schubert raus” Rufe, unrühmlicher Höhepunkt war ein Bengalo, der Richtung Alemannia Keeper Frederic Löhe flog! Den Versuch auf dem Platz zu gelangen unterband schließlich der Ordnungsdienst. Einzig Frederic Löhe und Rafael Garcia “trauten” sich etwas später hinaus und “stellten” sich den Fans. Das was sie sich dort anhören mussten kann sich jeder denken.

 

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So wird der 26. Oktober 2013 in die Geschichtsbücher der Alemannia eingehen, als man an dem Tag zum bundesweiten Gespött wurde. Nicht nur in der ARD sondern auch bei Sport1 fand dieses Ergebnis eine Erwähnung.

Es war die größte Pokal-Blamage einer Elf vom Tivoli seit dem 17. September 1991, als sich die damals drittklassigen Schwarz-Gelben auf Kreisebene mit 0:1 bei Rhenania Alsdorf bis auf die Knochen blamiert hatten. Für die Fans ist jetzt der Zeitpunkt gekommen “aktiv” zu werden. Bereits am Samstag beim Heimspiel gegen Rot Weiß Oberhausen soll ein 19 minütiger Boykott initiiert werden. Man kann vieles mit den Alemannia Fans machen, und als Fan musste man in den letzten Jahren viel ertragen. Aber das gestrige Ergebnis gegen eine “Hobby-Mannschaft” bringt das Fass zum überlaufen.

An dieser Stelle gratuliere ich trotzdem dem FC Inde-Hahn zur Pokalsensation. Man muss neidlos anerkennen das dort 14 Spieler alles gegeben haben und den unbändigen Hang zum Sieg hatten. Kommende Woche ist die Auslosung zur zweiten Runde im Bitburger Pokal. Vielleicht können die Inde-Hahner die Tribünen stehen lassen, denn mit Fortuna Köln und Viktoria Köln sind noch attraktive Gegner im Lostopf. Alemannia hingegen darf sich auch kommende Saison den DFB Pokal im Fernsehen angucken. Aber am besten gehen die Spieler da einfach spazieren. Zu peinlich könnte die Erinnerung sein an jenem 26. Oktober 2013.

Auf der Webseite vom FC Inde-Hahn konnte man nur soviel zum Spiel schreiben, was kein Wunder ist wenn man bis heute Morgen in der Pontstraße den Sieg ausführlich gefeiert hat.
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Vielen Dank auch an Joe Gras und die Alemannia Fanatics, für die zur Verfügung gestellten Bilder.
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